Rennradtour Sardinien Björn Hänssler

Rennradtouren in Sardinien

Radtouren durch den Nordosten Sardininens

Mit der Costa Smeralda lockt der ­Nordosten ­Sardiniens nicht nur die Reichen und Schönen, ­sondern auch die Schnellen: ROADBIKE wagte sich auf Rennradtouren durch die einsame Landschaft.

Mensch, dieser Garibaldi muss mit seinem Mozzarella ja ordentlich verdient haben, dass er sich gleich eine ganze Inselgruppe leisten kann!" Nein, man muss doch wohl wirklich nicht immer alles wissen, ohne gleich schief angeguckt zu werden. Speziell wenn es um die Geschichtsschreibung Italiens im Allgemeinen und Sardiniens im Speziellen geht. Das sieht Ulrich aber wohl nicht ganz so. Jedenfalls verdreht er sichtlich die Augen, ehe er leicht konsterniert erwidert: "Garibaldi. Nicht Galbani!"

Wie so ein paar Buchstaben doch einen Käseproduzenten zu einem Freiheitskämpfer machen können. Doch egal wie er nun hieß: Auf seinen Inseln vor der Nordküste Sardiniens lässt es sich aushalten. Speziell mit dem Rennrad. Eine Viertelstunde dauerte die Überfahrt von Sardiniens Hauptinsel per Fähre, jetzt rauschen Ulrich und ich über die Inseln – und mit uns die Mitglieder des Club Tête de la Course (TDC). Auch Ulrich Prediger gehört dem Radsportclub an, der sich speziell an Führungskräfte richtet und diesmal im Norden Sardiniens zum alljährlichen Frühjahrscamp lädt. Ganz vorn: Ex-Profi Mario Kummer, der als sportlicher Leiter fungiert. "Gleich wird es spektakulär", verspricht er, als wir auch schon um eine Kurve auf die Ponte Moneta biegen. Die rund 500 Meter lange Brücke verbindet La Maddalena und Caprera, die beiden größten Inseln des Archipels. Fast fühlt es sich an, als würden wir mitten durchs Meer fahren. Auf der anderen Seite erwarten uns schmale, von Pinienbäumen gesäumte Sträßchen, die wir speziell um diese Jahreszeit praktisch exklusiv für uns haben.

Wir erklimmen einen kleinen Anstieg und genießen den Blick über die Inseln und das tiefblaue Wasser in der Bucht bis hinüber nach Sardinien. "So. Jetzt stellt euch vor, dass da ein Flugzeugträger im Wasser liegt", fordert Mario und blickt umgehend in einigermaßen verdutzte Gesichter. "Der Giro d’Italia startete 2007 mit einem Mannschaftszeitfahren von Caprera nach La Maddalena. Und die Teampräsentation fand auf einem Flugzeugträger statt", klärt er uns auf. Der Name des stolzen Schiffes: Giuseppe Garibaldi. Selbstverständlich. Noch eine kurze Stippvisite am letzten Wohnsitz des Revolutionärs, dann geht es auch schon zurück auf die Fähre.

Am nächsten Morgen ziehen Ulrich und ich auf eigene Faust los. Wir wollen die Costa Smeralda entdecken, den berühmten Küstenabschnitt im Nordosten Sardiniens. Früh am Morgen rollen wir vom Hotel Li Graniti bei Baja Sardinia los Richtung Osten. Und weil "Richtung Osten" auf Sardinisch auch "über die Hügel" bedeutet, wird uns schnell warm. "Das geht ja ganz schön zur Sache hier", stellt Ulrich fest, nachdem sich die ziemlich enge Straße wiederholt erst steil nach oben und dann steil nach unten neigt. Um uns herum eine hügelige, grüngraue Landschaft, vor uns: ein streunender Hund. Uns argwöhnisch beobachtend, scheint er nicht ganz sicher, ob er diese deutschen Touristen im engen Lycra-Dress wirklich durch sein Revier fahren lassen muss. Er bellt zweimal scharf, sucht dann aber doch lieber das Weite.

Im Land der Schönen und Reichen

Wir hingegen suchen die Küste – und finden sie bald. Wir steuern unsere Renner durch den Ort Abbiadori, über eine kleine Kuppe, nehmen Fahrt auf, jagen um eine weit gezogene Kurve … und dann liegt es vor uns: das glitzernde Mittelmeer, dessen smaragdgleicher Farbe diese Küste ihren Namen verdankt. Und wo es Smaragde gibt, da sind auch die Schönen und Reichen nicht weit. Jedenfalls erfreut sich dieser Teil Sardiniens speziell bei den Ronaldos, Beckhams oder Abramowitschs dieser Welt besonderer Beliebtheit. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb, fehlen hier die für beliebte Ferienziele am Mittelmeer oft so typischen Bausünden. Statt großer Hotelbunker setzt man hier eher auf kleine, aber feine Hotels und luxuriöse Villen, die sich in der grünen Landschaft verstecken.

Nicht ganz so gut versteckt liegen die Jachten im Wasser. Wie im Hafen von Portisco, wo wir zur Kaffeepause einrollen. Bei Heißgetränk und Gebäck lassen wir die Füße über dem Hafenbecken baumeln und bewundern die Schiffe, die geduldig auf den nächsten Besuch ihrer reichen Besitzer warten. "Dabei liegen die richtig dicken Dinger im Moment noch nicht mal hier", weiß Ulrich. Und ich verspreche ihm: "Wenn ich mal groß bin, machen wir mit meiner Jacht einen Bike-&-Boat-Trip um Sardinien und lernen die ganze Insel kennen!" Ich hätte da auch schon so eine Idee, wie ich das Boot nennen könnte …

Apropos: Anno 1882, dem Jahr, in dem ­Giuseppe Garibaldi auf der Inselgruppe vor Sardiniens Küste starb, gründete rund 500 Kilometer weiter nördlich ein Italiener seine erste Käserei. Sein Name: Egidio Galbani.

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