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Provence per Rennrad - alle Infos zum Traum

Provence per Rennrad - alle Infos zum Traum

Provence - schon der Name weckt Sehnsucht. RoadBIKE war dort mit dem Rennrad unterwegs, im Land rund um den Mont Ventoux. Alle Infos über ein Traumrevier für Rennradfahrer.

"Das sind locker 400 Meter", sagt Felix und beugt sich gefährlich weit über die Mini-Mauer, hinter der die Felsen fast senkrecht in die Schlucht abfallen. „300“, antworte ich mit einem Grinsen, strecke die Hand zur Wette aus und freue mich schon auf meinen flüssigen Gewinn. Zu dumm für den Kollegen, dass er es mit einem echten Reisestreber zu tun hat, der niemals in die Ferne aufbricht, ohne sich über die Highlights des Ziels genau zu informieren – und die tiefen Gorges de la Nesque gehören eindeutig zu den Höhepunkten der Provence.

Vor drei Tagen guckten wir noch auf ein Gemisch aus Regen und Schnee, das an unserem Redaktionsfenster vorbeiflog. Wir hatten gehofft, dass der Winter auch in diesem Jahr ausfallen würde und dass wir die Räder aus dem prall gefüllten Testkeller über die Hausrunde jagen könnten. Falsch gedacht – das Wetter machte ernst und durchkreuzte unseren optimistischen Plan. Betroffenheit vortäuschend gingen wir unsere Optionen durch, beluden schließlich unter neidischen Blicken der Kollegen Bus und Anhänger, sammelten die Testfahrer ein – und jetzt rollen wir durch einen der schönsten Flecken Frankreichs.

Unser vorübergehendes Winterquartier hat in etwa die Größe Baden-Württembergs und erstreckt sich vom ehemaligen Papstsitz Avignon bis zum Stadtstaat und Steuerparadies Monaco. Im Norden steht mit dem Mont Ventoux ein gigantischer Grenzstein, und im Süden reicht die Provence bis an die Strände der Côte d’Azur. Dazwischen bietet der Süden Frankreichs eine Landschaft, die Rennradfahrer das ganze Jahr über einfach glücklich macht: Flachpassagen, in den Ebenen, extraschmale Panoramastraßen, sanfte Hügelketten, aber auch anspruchsvolle Anstiege, die ordentlich Kondition erfordern. Nicht nur am Mont Ventoux.

Die Schluchten der Provence

Diese Landschaften mehrere hundert Meter über dem Wasser zu beo­bachten, während man auf dem Rennrad am Abgrund entlangrollt, ist ein unvergessliches Erlebnis, das den Puls nicht nur aus Anstrengung in die Höhe treibt.

Rennrad fahren in der Provence

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Zum Teil nicht mal einen halben Meter messen die Mauern und Holzkonstruktionen, die die Ränder der Panoramastraßen bilden. Hinter ihnen geht es steil in die Tiefe, an der Verdon-Schlucht bis zu 700 Meter – hinab in den tiefsten Canyon des Kontinents.

Im Sommer wimmelt es hier besonders am Wochenende von Motorradfahrern und Wohnmobilen, doch jetzt lässt sich der Ausblick noch ohne Motorenterror genießen.

Wir haben uns bei der Tourenplanung für die weniger tiefe, aber nicht minder spektakuläre Schlucht der Nesque entschieden. Die Gorges de la Nesque sind im Vergleich zu den Canyons von Ardèche und Verdon fast noch ein Geheimtipp. Dies gilt es auszunutzen, solange dieser Zustand anhält. Auf der D 942 fahren wir von Sault in Richtung Carpentras und erreichen den Ort Monieux. Hier beginnt unser Schluchtplan. Zunächst geht es bergauf, aber die Straße oberhalb der Gorges bietet reichlich Belohnung für die Anstrengung.

Der tiefe Graben, den die Nesque mühevoll in den Fels gefressen hat, lässt uns immer wieder anhalten, um die Speicherkarten unserer Digital-Kameras zu füllen.

Mont Ventoux und mehr

Wie eine Nadelspitze ragt der Funkturm in den Himmel – an dessen Fuß sich zahllose Rennradträume erfüllen. Auch wenn es schwierig ist, das Kribbeln in den Beinen zu ignorieren, für einen Kampf mit dem Giganten der Provence ist es noch zu früh. Wenn es schlecht läuft, liegt noch bis zum Mai Schnee in den Hochlagen, und die Geröllfelder kommen als Eiswüsten daher.

Rennrad fahren in der Provence

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Wenn dann aber die glatte Asphaltpiste wieder frei ist, gehört der Gipfelsturm zum Pflichtprogramm jedes Provence-Projekts. 21 Kilometer, 1600 Höhenmeter und immer wieder die nicht enden wollenden Steilstücke mit über 10 Prozent Steigung – das sind die nackten Zahlen. Es ist aber nicht die sportliche Herausforderung allein, die den Ventoux zum Mythos machte. Es sind die Geschichten des Radsports, die hier geschrieben wurden – Geschichten, die von Heldentaten erzählen, von Ritter- und von Schicksalsschlägen. Diese Momente zu erfahren, sich aus eigener Kraft dem Gipfel zu nähern und schließlich nach einer Ewigkeit geschafft, aber glücklich das Ziel zu erreichen – nirgends lässt sich dieses Gefühl so intensiv erleben wie am Mont Ventoux.

Wir wagen noch einen letzten Blick auf den weißen Riesen, dann schütteln wir die Gedanken fürs Erste ab. Doch die Entscheidung ist längst gefallen: Wenn die Zeit reif ist, kommen wir zurück, um uns mit der steinernen Legende zu messen. Wir schwingen uns auf die Räder, und die Gegenwart hat uns wieder. Statt kräftiger Beine sind nun unsere Steuerkünste gefragt: 20 Kilometer geht es bergab – nicht allzu steil, aber dafür kurvenreich führt der Weg uns aus der Schluchten-Schönheit hinaus.

Die Winterflucht in die Provence, da sind sich alle einig, war ein voller Erfolg. Braune Streifen an Armen und Beinen bringen wir zwar nicht mit nach Hause, aber dafür ein neues Lieblingsrevier – eine Autotagesreise von Deutschland entfernt. Daheim gilt es jetzt den Chef zu überzeugen, dass die nächsten Renner unter Extrembedingungen am Berg getestet werden müssen. Wir hätten da schon eine Teststrecke im Auge ...

Rennrad fahren in der Provence: Alle wichtigen Reise-Infos

Fakten: Die Provence hat in etwa die Größe Baden-Württembergs und liegt zwischen Avignon im Westen und dem Fürstentum Monaco im Osten. Im Norden reicht sie bis zum Mont Ventoux und im Süden bis ans Mittelmeer. Die touris­tische Infrastruktur ist hervorragend. Es gibt zahlreiche Ferienwohnungen, Häuser und Pensionen.

Rennrad fahren in der Provence

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Besonderheiten: Zwischen den nördlich gelegenen Bergen des Vaucluse und dem Höhenzug des Luberon im Süden gibt es ein Mikroklima. Das bedeutet, dass hier das Wetter besonders stabil und meist deutlich milder ist als in den umliegenden Regionen. Mit etwas Glück kann hier im Januar kurz-kurz gefahren werden.

Charakter: Eine der großen Stärken der Provence ist ihre Vielfalt. Sowohl was die Landschaft angeht als auch die Möglichkeiten, auf Rennradtouren zu gehen. In den Ebenen um Apt und Carpentras lässt es sich im Flachen einrollen, die Hügelketten und Höhenzüge von Vaucluse und Luberon fordern schon gute Kondition, und die Reifeprüfung kann am Mont Ventoux abgelegt werden, einer der schwersten Anstiege, die mit dem Rennrad bezwungen werden können.
Beste Reisezeit: Schon früh im Jahr liegen die Temperaturen im zweistelligen Bereich, und schon ab März sind Werte um die 20 Grad Celsius keine Seltenheit. Bis in den November bleibt das Wetter einfach phantastisch.

Anreise: Mit dem Auto über Freiburg, Mulhouse und Lyon. Reisedauer von Stuttgart nach Apt: Zwischen acht und neun Stunden.

Entfernung: 900 Kilometer.

Karte: Michelin Provence, Maßstab 1:200 000

Informationen: Französisches Fremdenverkehrsamt Maison de la France, Tel.: 0900/157 00 25, www.franceguide.com, Homepage zum Thema Radfahren in der Provence mit Rennradtourenvorschlägen zum Download:
www.provenceguide-velo.com

Traumrevier Provence: Der große Rahmen

So kann die Provence klimatisch zwar nicht mit dem Klassiker Kanaren konkurrieren, lockt dafür aber mit ihrem unverwechselbaren Charme.

Rennrad fahren in der Provence

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Während der Sommer hier oft zu heiß zum Rennradfahren ist, lassen sich im Frühling herrliche Touren unter dem stahl­blauen Winterhimmel erleben. Arm- und Beinlinge oder leichte Herbstkleidung reichen als Kälteschutz, während zu Hause in manchen Regionen die Schneepflüge rollen. Besonders mild und stabil ist das Wetter in den flachen Regionen um Carpentras und Apt.

Im Herzen der Provence, zwischen den Bergen des Departements Vaucluse im Norden und dem Höhenzug des Luberon im Süden, herrscht ein eigenes Klima, das der Region mehr als 300 Sonnentage im Jahr beschert.

In einem dichten Netz aus zum Teil sehr gut asphaltierten Nebenstraßen erfahren wir das französische Flair. Kilometer um Kilometer sammeln wir auf unseren Rädern, und die mit Platanen gesäumten Alleen führen uns immer wieder in Dörfer, die wie Filmkulissen wirken.

Wir halten an, um uns von der Echtheit dieser Szenerie zu überzeugen, die zu viele Frankreich-Klischees vereint, um wahr zu sein. Bei Café au Lait und Croissants sitzen wir vor einer Bar am Rand des Dorfplatzes und beobachten die Männer vor der Kirche, wie sie ihre silbernen Boulekugeln durch die Luft segeln lassen.

Es wird gelacht und gestritten, geraucht und getrunken, und das dumpfe Geräusch der auftreffenden Kugeln hallt durch die Dorfidylle. Savoir vivre – die Kunst zu leben.

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