RB 0718 Nauders Touren Teaser Heiko Mandl

Rennrad-Touren rund um Nauders,Tirol

Mit dem Rennrad rund um Nauders

Die Liebe zog Extremradsportler Pierre Bischoff ins österreichische Nauders – in ein Rennradrevier, das ihm schnell ans Herz gewachsen ist.

Wo die Liebe hinfällt, kann man sich nicht immer aussuchen – für Pierre Bischoff jedenfalls ist sie ziemlich gut gelandet. Wegen einer Vertreterin des weiblichen Geschlechts zog der Ultra-Weltmeister und erste deutsche Solo-Sieger des Race Across America (RAAM) vor einigen Jahren von der Ruhr an den Reschensee. Ins österreichische Nauders, um genau zu sein.

Und so viel vorweg: Er hat es mit der 1600-Seelen-Gemeinde im Dreiländereck zu Schweiz und Italien gut getroffen – gerade aus Radsportlersicht. „Nauders ist die ideale Basis für meinen Sport“, schwärmt er – und bietet an, dass ich mir doch selbst ein Bild machen könne. Vor Ort. An einem verlängerten Alpen-Wochenende. Mit dem Weltmeister als Guide. Warum nicht, denke ich, mal sehen, was er alles zu bieten hat ...

Noch vor dem Start der ersten gemeinsamen Ausfahrt beschleicht mich das unbestimmte Gefühl, einen Fehler gemacht zu haben. Denn wenn dieser Bursche in einer guten Woche rund 5000 km quer durch die USA fährt, wie sehen dann wohl seine „ganz normalen“ Trainingsrunden aus?

Doch meine Sorge scheint unbegründet: „Als kleine Willkommenstour in Nauders drehen wir eine Runde um den See“, lockt Pierre. Und zwar nicht um irgendein Gewässer, sondern um den Reschensee. Den mit dem berühmten, halb versunkenen Kirchturm. Obwohl schon jenseits der Grenze auf italienischem Boden, ist dieser Turm so etwas wie ein Wahrzeichen der Gegend. Und Pierre hat die passende Anekdote parat, so wie fast immer: „Als Mussolini damals den Befehl zur Sprengung gab, sabotierten die Sprengmeister die Handlung – aus Furcht vor dem Zorn Gottes. Als der Turm dann nicht fiel, verkauften sie es als überirdisches Zeichen“, erklärt er.

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Alpenträume auf dem Weg zum Flüelapass. Für Extremradsportler Pierre Bischoff gehört die grandiose Aussicht zu seiner Hausrunde.

So wie er überhaupt viel erklärt. Zu jedem Pass, jeder Ortschaft, jeder Burgruine kennt Pierre Bischoff eine Geschichte. Kein Wunder, arbeitet er doch, wenn er nicht gerade trainiert, unter anderem als Tour- Guide für das Hotel „Mein Almhof“ in Nauders. Unterbrochen wird die Seen-Runde von einem Cappuccino auf dem Giernhof mit Blick aus der ersten Reihe direkt aufs Wasser. So anstrengend scheint diese ganze Ultracycling-Sache gar nicht zu sein ...

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Auch ohne Kirchturm im Bild: Der Reschensee ist eine Attraktion für Touristen und speziell am Westufer erstklassig per Rennrad zu erobern.

Am nächsten Morgen geht es zeitig los. Diesmal verlassen wir Nauders in Richtung Westen über die Norbertshöhe. Natürlich nicht ohne ein ausgedehntes Frühstück. „Das wird ja noch ein echter Wohlfühl-Trip hier“, denke ich, als Pierre mir im Warmfahren auf die 70 Meter über dem Ort gelegene Passhöhe den Plan für den Tag offenlegt: erst die Abfahrt durchs Engadin nach Zernez, dann über Flüela und Albula wieder zurück nach Nauders. „Moment! Flüela? Albula? Die Pässe kenne ich. Die tun weh. Und zwar schon jeder für sich“, verabschiede ich mich von dem Wohlfühl- Trip, während Pierre nackte Zahlen hinterherschiebt: „Das dürften so 200 Kilometer und 4000 Höhenmeter werden – in ein paar Stunden sind wir zurück in Nauders.“ Ich wusste doch, die Sache hat einen Haken. Aber wie so oft im Leben entschädigt die Schönheit für manche Entbehrung. So wie die Fahrt entlang der Bergseen auf dem 2383 Meter hohen Flüelapass. Ein junges Paar hat sich hier in der Sonne niedergelassen. Er übt sich an der Angel, sie ist in ihr Buch versunken. Wir rasen vorbei und gehen in die Abfahrt. „Der Pierre kann zwar lange fahren, dafür aber nur langsam“, hatte mir ein für gewöhnlich gut informierter Insider im Vorfeld gesteckt. Doch davon kann wahrlich keine Rede sein, speziell in den Abfahrten. Mit perfekter Linienführung und vollendeter Eleganz rauscht Pierre zu Tal. Und dabei geht er noch nicht mal in den Unterlenker. „Da fühle ich mich nicht so wohl“, erklärt er lapidar, als ich in Davos, laut Pierre die höchstgelegene Stadt Europas, wieder aufgeschlossen habe.

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Kletterpartie auf den Albula, für Pierre Bischoff „einer der schönsten Pässe überhaupt“.

Doch wir haben keine Zeit für profane Nebensächlichkeiten. Es gilt, über wichtigere Dinge zu sprechen: die Berge! „Der Albula ist meiner Meinung nach einer der schönsten Pässe überhaupt“, schwärmt Pierre, als wir den gewaltigen Anstieg über rund 1350 Höhenmeter in Angriff nehmen. Zunächst noch sanft. Vor uns quert eine Reihe von Viadukten die Passstraße. Wie bestellt rackert sich die Albulabahn im Zickzack den Berg empor: „Einfach eine der schönsten Bahnstrecken der Welt.“ In Bergün läutet Pierre Bischoff zur heiß ersehnten Pause – in einen stillgelegten Eisenbahnwaggon. Er wurde von den Betreibern eines Bio-Bauernhofes zum Hofladen mit Selbstbedienung umgerüstet. Einfach aus den vielen Käse- und Wurstspezialitä- ten auswählen, den aufgerufenen Betrag auf kameragestützter Vertrauensbasis in die Kasse werfen und fertig. Wir genießen hausgemachte Bio-Eiscreme in der Sonne, bevor wir uns wieder ganz dem Anstieg widmen. Kurz hinter der Passhöhe verzaubert der Albula mich noch mal: Mit dieser vollkommen harmonischen Symbiose aus Asphalt, grünen Almen, grauen Berghängen und hie und da einem weißen Schneetupfer. Vor allem aber mit der Gewissheit, die meisten der heute fälligen Höhenmeter im Sack zu haben. Die paar Dutzend Kilometer zurück nach Nauders bekommen wir dann auch noch irgendwie hin.

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Die fast 1000 Höhenmeter von Susch auf den Flüela locken einen RAAM-Sieger kaum aus der Reserve.

Tags darauf wartet zum Abschluss des langen Wochenendes in den Bergen noch ein ganz besonderer Leckerbissen. „Was gleich kommt, habe ich selbst erst voriges Jahr so richtig für mich entdeckt“, verrät Pierre, als wir den Reschenpass hinab ins Vinschgau sausen. Aufs sagenumwobene Stilfser Joch will er also mutmaßlich nicht, folgere ich messerscharf. Denn so atembe- raubend die 48 Kehren in den Himmel sind – als Geheimtipp gehen sie wohl kaum durch. Stattdessen vergnügen wir uns auf der anderen Seite des Tals. In Laas biegen wir scharf links ab, dann geht es rauf auf die Vinschgauer Höhenstraße. Erst in engen Kehren, dann am Hang entlang arbeiten wir uns nach oben und verdienen uns den Ausblick über die endlosen Apfelplantagen unten im Tal: „Jeder achte Apfel weltweit stammt aus dem Vinschgau“, erklärt mein Personal Guide. Perfekt abgerundet wird das malerische Bild von den schneebedeckten Gipfeln des Ortlermassivs im Hintergrund. „Wenn du genau hinguckst, kannst du am Horizont sogar die Passhöhe des Stilfser Jochs erkennen“, sagt Pierre, bevor wir in seine persönliche Variante der Höhenstraße biegen. Die wird hier zu einem besseren Feldweg – mit entsprechend spärlichem Verkehr. Kurz darauf rumpeln wir auf grobem Kopfsteinpflaster vorbei an der Churburg in Schluderns. Eine gewisse Radbeherrschung ist hier von Vorteil. Aber die, so viel habe ich inzwischen gelernt, ist für Pierre Bischoff nun wahrlich kein Problem.

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