Rennradtouren Oisans L'Alp d'Huez Joris Lugtigheid

Rennrad-Touren in Oisans, Frankreich

Hollands-Berge - das Rennrad-Mekka um L'Alpe d'Huez

Die Region rund um den legendären Anstieg nach L’Alpe d’Huez ist ein absolutes Rennrad-Mekka – nicht nur für niederländische Radsportler.

Hier gibt es alle Details und die GPS-Daten der vier Touren zum Download.

Alpe d’Huez! Dieser Name, diese Kehren sind ein Inbegriff des Radsports, ein Synonym für die Tour de France, ganz besonders für die Generation, die mit dem mittlerweile verbrannten Duell zwischen Jan Ullrich und Lance Armstrong aufgewachsen ist. Vor allem aber für die Niederländer. Seit 1976 ist die gewundene Straße hoch zum Skiort so etwas wie der holländische Radsporttempel.

Damals, bei der zweiten Befahrung des Berges, kletterte Joop Zoetemelk am schnellsten die Kehren hinauf. Seitdem stand die Alpe bis zum Ende des Jahrtausends fast jedes Jahr auf dem Programm. Und fast jedes Jahr stand ein Niederländer ganz oben auf dem Podium – zumindest bis zum Jahr 1989. Zweimal Zoetemelk, zweimal Hennie Kuiper, zweimal Peter Winnen, dazu Steven Rooks und, zuletzt, Gert-Jan Theunisse.

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Seitdem warten die Niederländer. Die Siege sind Vergangenheit, doch die niederländischen Radsportfans sind noch da. Jedes Mal, wenn das Peloton kommt, tauchen die Profis ein in diese kilometerlange orangefarbene Welt. Ein Duft von Gerstensaft liegt in der Luft, es wird gefeiert, es wird gesungen. Und selbst wenn die Tour nicht kommt: Alpe d’Huez und die Region um ihn herum gehören für viele niederländische Hobbyradsportler zu den Sommerferien wie die Kette aufs Ritzel.

So hat es auch meinen Kumpel Mark und mich in die Region Oisans in den französischen Alpen verschlagen. Wir wohnen in einem Chalet in Villard-Reculas. Es trägt den schönen Namen "Il fera beau demain". Zu Deutsch: "Morgen gibt es schönes Wetter". Na, wenn das mal keine Ansage ist.

Auf den Col du Glandon

Nach einem gemütlichen französischen Frühstück bei besagt schönem Wetter starten wir zu unserem ersten Ausritt. Doch trotz der Sonne wird es erst mal frisch, denn es geht gleich in die Abfahrt nach Allemont und vorbei am Lac du Verney, einem der größten Stauseen Frankreichs. Huez muss noch warten, wir wollen uns erst akklimatisieren.

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Gleich hinter dem See wartet sie dann: unsere erste Bergprüfung. Und was für eine! Es geht auf den Col du Glandon, Hors Catégorie, 1924 Meter hoch, 15-mal Schauplatz der Tour de France, zuletzt im Jahr 2015. Eine echte Herausforderung, ganz besonders für Radsportler wie uns, die sonst in den Poldern Hollands unterwegs sind. Doch wir haben Zeit und die Straße steigt nur moderat an. Der perfekte Einstieg für einige Tage Radsport in den Alpen. Durch den Wald klettern wir bis zum Dorf Le Rivier d’Allemont. Wir rollen vorbei an der Statue von Sir Trafford Leigh-Mallory. Der britische Kommandant kam im Zweiten Weltkrieg unweit des Dorfes ums Leben, als sein Flugzeug während eines Schneesturms in den Bergen abstürzte.

Ein Schneesturm droht uns heute kaum, vielmehr spüren wir die zunehmende Kraft der Sonne. Nach einer kurzen, kurvigen Zwischenabfahrt kurbeln wir wieder bergan. Wir sind allein mit unseren Rädern, der Straße und der Natur. Um uns herum die mächtigen Berge, die Bäume, über uns der blaue Himmel, vor uns das schmale Asphaltband, wir queren ein Bächlein. Viel mehr geht nicht. Und dann liegt sie vor uns, die außergewöhnlich geformte Staumauer des Lac de Grand Maison. Im Vorbeifahren sehen wir einen Weg, der sich in engen Kehren die Mauer hinaufwindet. "Das ist ja wie die Miniaturausgabe von L’Alpe d’Huez", staunt Mark. Er kann es offensichtlich kaum erwarten, diesen Mythos des Radsports zu erobern.

Lange rauf, schnell runter

Doch hier und heute gilt es erst mal den Glandon zu meistern. Längst sind kaum noch Bäume zu sehen, die grüne Welt um uns herum hat sich in eine rot-bräunliche Landschaft verwandelt. Vor allem aber reicht der Blick jetzt kilometerweit nach vorn. Wir sehen genau, wo wir hinmüssen. Und, viel schlimmer: wie weit wir noch müssen. Doch dann ist es geschafft. Wir knipsen das obligatorische Selfie mit Passschild. "Wenn wir ein paar Kilometer dranhängen, schaffen wir noch den Col de la Croix de Fer." Ich sehe einen verständnislosen Blick über Marks Gesicht huschen. "War das eine Frage?", ruft er, klickt in die Pedale und ist schon auf dem Weg. 15 Minuten später sind wir ganz oben. Kurz genießen wir die Aussicht, dann machen wir kehrt. Mark hat ein breites Grinsen im Gesicht. Schließlich wartet eine 25-Kilometer-Abfahrt auf uns.

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Einige Tage später ist es endlich soweit. In der Zwischenzeit haben wir den nicht weniger anspruchsvollen Anstieg zum Col de Sabot unter die Räder genommen und die grandiose Aussicht auf den Mont Blanc genossen. Wir haben das hübsche Dorf Villard-Reculas erkundet, das so anders ist als die künstlichen Skiorte. Jetzt also L’Alpe d’Huez.

21 Kehren ins Glück

Es ist ruhig, als wir durch die heiligen Kurven fahren. "Alles wirkt vertraut und doch ganz anders als im Fernsehen", denke ich. Kein Wunder, fehlen doch die Fans am Streckenrand. Wir nehmen Kehre um Kehre, bewundern die Namen der Sieger auf den Tafeln. Coppi, Hinault, Guerini, Rolland. Wir stellen uns vor, wie es sich anfühlen muss, durch das Meer orange gekleideter Fans zu fahren. Der imaginäre Jubel treibt uns an. Wir passieren die Kapelle mitten im Anstieg und viel schneller als erwartet sind wir oben, jagen durch die Straße des Retortenorts. Noch ein paar Kurven und dann über die Ziellinie. Doch kein Torbogen ist aufgebaut, kein Zielstrich markiert, kein Jubel um uns herum. Nur ein kleines Schild am Straßenrand verrät, dass genau hier immer wieder Radsportgeschichte geschrieben wurde. Vor allem für uns Niederländer.

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Doch wir wollen mehr und ganz nach oben, auf den Col de la Sarenne. So wie die Tour 2013, die nach der ersten Passage durch L’Alpe d’Huez über den Sarenne, wieder runter nach Le Bourg-d’Oisans und erneut die Kehren hinauf nach L’Alpe d’Huez führte. Kaum lassen wir den Ort hinter uns, sind wir fast alleine. Wir entfliehen dem Trubel des Wintersportorts und genießen die Ruhe und Schönheit der Alpen. "Das ist es doch, was die Faszination der Berge ausmacht", sagt Mark. Und natürlich muss ich ihm bedingungslos zustimmen. "Aber noch schöner wäre es, wenn endlich mal wieder ein Holländer hier gewinnen würde!"

Die vier Touren im Detail:

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