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Top 10: Die schönsten Pässe für Rennradfahrer

Faszination: Pässe mit Rennrad

Pässe sind für Rennradfahrer Faszination und Leiden zugleich. ROADBIKE stellt zehn der schönsten Pässe vor.

Für die meisten Rennradfahrer beginnt das „Projekt Passfahrt“ mit einem unbändigen Ehrgeiz – und zwar am Fuße der Passhöhe, die bezwungen werden soll. Je länger die Auffahrt dauert und je mehr Kehren man hinter sich gelassen hat, desto größer wird allerdings die Qual: Die Beine werden schwerer, das Treten, der Blick zur nächsten Kehre, der Griff zur Trinkflasche – alles wird zur Monotonie.

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Doch spätestens kurz unterhalb der Passhöhe weicht die Monotonie einem unbändigen Willen: Nur noch wenige Meter, dann ist es geschafft. Spätestens am höchsten Punkt ist dann auch der letzte Gedanke an die Quälerei verfolgen. Der Blick auf die bezwungene Strecke und die umliegende Landschaft entschädigt für alles. Und das Schönste liegt ja noch vor einem: die rasante Abfahrt. Ganz ohne Leiden, dafür mit viel Adrenalin.

RoadBIKE stellt die zehn schönsten Pässe vor – mit Angaben zu Höhe, Anspruch, Landschaft und Kultfaktor.

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Björn Hänssler
Die Kehren des Stilfser Joch sind berühmt.

Italien: Stilfser Joch

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RoadBIKE

Es gibt Dinge, die jeder Rennradfahrer einmal in seinem Leben ­gemacht haben muss; eine Audienz bei der „Königin der Alpen“ gehört unbedingt dazu. Wer die 48 Kehren, knapp 25 Kilometer Steigung und 1844 Höhenmeter überwindet, hat den Ritterschlag zu Recht verdient. Zu verdanken ist der Traumpass dem Ingenieur Carlo Donegati, der bereits 1820 mit dem Bau begann. Natürlich besitzt auch sein Meisterwerk zwei Seiten, aber nur die Steilwand der Nordostrampe, taugt zur Legendenbildung.

Die Strecke verläuft zunächst durch das Trafoier Tal und entlang des Suldenbachs. Ab Gomagoi (1267 m) sind die Serpentinen nummeriert und teilweise mit Höhenangaben versehen. Nun wird auch die Steigung deutlich hochprozentiger. Bei Kehre 22 (2188 m) gibt die Straße bereits die Sicht auf die Passhöhe frei. Das ist Fluch und Segen zugleich, denn neben der Möglichkeit, runterzählen zu können, wird auch deutlich, welch hartes Stück Arbeit noch wartet, bis dann auf der Passhöhe endlich die Glückshormone strömen.

Video: 10 der schönsten Alpenpässe für Rennradfahrer

10 Alpenpässe für Rennradfahrer

Italien: Passo di Gavia

RB 0809 Poster Pässe - Passo di Gavia
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Zugegeben, ein bisschen hat der Passo di Gavia von seiner furchterregenden Ausstrahlung eingebüßt, als die Italiener die Südrampe Ende der neunziger Jahre durchgängig asphaltieren ließen. Bis dahin war die holprige Straße selbst bei Profis fast so gefürchtet wie die knackigen Steigungen des Passes. Trotz allem sollten Sie eine gehörige Portion Respekt mitbringen, wenn Sie den Passo di Gavia zum Duell fordern.

Schon alleine wegen der berüchtigten Wintereinbrüche im Frühsommer, die speziell beim Giro d’Italia schon so manches Mal das Peloton überraschten. So wie 1988, als sich der Amerikaner Andy Hampsten im Rosa Trikot allein durch das Schneegestöber kämpfte. Doch auch bei gutem Wetter bleibt kaum „Luft“ für die Schönheit des im Nationalpark Stilfser Joch gelegenen Passes, speziell bei der Anfahrt vom Süden aus. Bis zu 16 Prozent steile Rampen stellen sich Ihnen in den 15 Kehren hoch zu dem kristallklaren Bergsee Lago Nero entgegen. Dafür verirrt sich kaum ein Auto auf die zum Teil nur 1,5 Meter breite Serpentinenstraße.

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Christian Lampe
Der Aufstieg zum Tour-Urgestein ist höllisch schwer, die Ankunft auf dem Gipfel dagegen himmlisch.

Frankreich: Col du Galibier

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RoadBIKE

Erster Alpenpass in der Geschichte der Tour de France – diese Auszeichnung gehört dem Galibier. Es mag zwar einige – wenn auch nur wenige – höhere Gipfel geben, aber das 2645 Meter hohe Urgestein ist ein Mythos, wer ihn bezwingt ein Meister.

Egal ob Profi oder Jedermann, wer gegen die mehr als 2000 Höhenmeter kämpft, fährt zunächst in einer Kulisse aus grünem Gebirgsgras und strahlend weißem Schnee in Richtung unerreichbar scheinendem Gipfel. Ab der 2000-Meter-Grenze weicht das Grün allerdings schroffem Felsgrau. Und die Steigungsprozente nehmen zu. Genuss gibt es erst am Gipfel, mit grandiosem Blick auf die französischen und italienischen Alpengipfel.

Der klassische Aufstieg mit 34,8 Kilometer Länge beginnt in der Bergbaustadt Saint-Michel-de Maurienne (711 m) und führt über den Col du Télégraphe (1566 m) zum Gipfel. Ab dem Bergdorf Valloire wird klar, wieso der Galibier einer der schwersten Berge der Tour ist: Steigungen von bis zu 12 Prozent machen das Leben und die Beine schwer.

Frankreich: Col d’Izoard

RB 0809 Poster Pässe - Col d’Izoard
RoadBIKE

Schon der Name der Landschaft, die das Asphaltband auf dem Weg zum 2360 Meter hohen Col d’Izoard durchschneidet, macht Angst: Casse Déserte, die zerbrochene Wüste – eine zerklüftete Marslandschaft mit gelblichen Felsnadeln und leblosen Geröllhängen. Nur das Grün vereinzelter Tannen spendet ein wenig Hoffnung. Die Landschaft ist surreal; real dagegen das Brennen in den Oberschenkeln der Rennradfahrer, die sich seit knapp 90 Jahren hier hinaufkämpfen.

Sein Debüt als Tour-Pass gab der Col d’Izoard 1922. Auch die Italien-Rundfahrt führt regelmäßig über den Berg. Von der Südseite aus schlängeln sich lang gezogene Serpentinen mit einer maximalen Steigung von 12 Prozent hinauf. Zum Teil wirkt die Straße dann wieder fast flach, doch es geht unmerklich zermürbend bergauf. Wer die Ebene von La Chalp erreicht, befindet sich im 65 000 Hektar großen Natio­nalpark Queyras.

Auf 1057 Metern wartet der türkise Stausee von Maison-du-Roy. Ein herrliches Bild, das aber auf den schweren Schlusskilometern zunächst wieder in Vergessenheit gerät ...

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Björn Hänssler
Seine karge Geröllwüste und seine tragische Geschichte machen den Mont Ventoux zum Mythos.

Frankreich: Mont Ventoux

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RoadBIKE

In der legendären Mondlandschaft des Mont Ventoux wird sie sich wohl endgültig entscheiden, die Tour de France 2009. Einen Tag vor der umjubelten Ankunft in Paris baut sich mit dem weißen Riesen der letzte Scharfrichter vor dem Peloton auf.

Hoffentlich verzichtet der Wächter der Provence dabei auf eine Tragödie, wie sie sich 1967 ereignete. Randvoll mit Aufputschmitteln fiel der Brite Tom Simpson damals dem gnadenlosen Anstieg und der sengenden Hitze zum Opfer. Heute markiert ein Gedenkstein die Stelle, an der Simpson verstarb. Grund genug, den höchsten Berg der Region nicht zu unterschätzen – vor allem, wenn Sie ihn von der Südseite aus angehen.

Sie ist die schwerste und doch beliebteste Auffahrt zum Ventoux. Vom Städtchen Bédoin aus führt die Straße zunächst moderat steigend hinauf, ehe im Wald eine kilometerlange, neunprozentige Steigung wartet. Nach einem kurzen Flachstück am Chalet Reynard geht es dann mit bis zu zehn Prozent in die letzten Passagen rauf zu dem markanten Funkturm.

Mont Ventoux: dreimal mit dem Rennrad auf den weißen Riesen

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Frankreich: Col du Tourmalet

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RoadBIKE

„Schwerer Umweg“ bedeutet Tourmalet übersetzt. Selten war ein Name treffender. Die 1275 Höhenmeter auf 17,1 Kilometer haben es wahrlich in sich. Und so dürfte es wohl kein Zufall gewesen sein, dass der Pyrenäen-Gigant 1910 als erster Hochgebirgspass überhaupt vom Peloton der Tour de France bezwungen wurde.

Auch 2009, knapp 100 Jahre später, steht der höchstgelegene asphaltierte Pass der Pyrenäen wieder im Programm der Frankreich-Rundfahrt. Und wieder geht es über den legendären Ostanstieg über Sainte-Marie-de-Campan. Auf den ersten Kilometern durch das offene Tal zeigt sich der Berg mit einer nur leichten Steigung noch barmherzig. Doch nach vier Kilometern verabschiedet sich der runde Tritt.

In dem kleinen Dörfchen Gripp steigt die Straße plötzlich steil an. Ab hier dürfen Sie endlich richtig klettern und Passagen mit Steigungen zwischen sieben und elf Prozent überwinden. Richtig kämpfen müssen Sie dann nochmal auf den letzten vier Kilometern, die sich mit durchschnittlich acht Prozent zum Gipfel winden.

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Björn Hänssler
Beim Ötztaler Radmarathon steht das Timmelsjoch als letzte Berg zwischen den Teilnehmern und dem Ziel.

Österreich: Timmelsjoch

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Zwischen Garmisch und dem Gardasee stellt sich Rennradfahrern ein riesiges Hindernis in den Weg: Das Timmelsjoch – die Grenze zwischen Österreich und Italien. Der Riese lässt sich zwar umfahren, aber wer aus einer solchen Konfrontation als Sieger hervorgehrt, zehrt sein ganzes Radlerleben davon.

Ein harter Kampf erwartet den Herausforderer auf beiden Seiten – lange Rampen mit bis zu 13 Prozent Steigung verlangen Biss und kräftige Beine. Von der italienischen Seite führt der Klettersteig auf 29,5 Kilometern über 1820 Höhenmeter. Schmal schlängelt sich das Asphaltband scheinbar endlos den Berg hinauf. Die sechs Kilometer kürzere Auffahrt der Nordwestrampe beginnt in Sölden.

Von dieser Seite sind es immerhin noch 1000 Höhenmeter, die es zu überwinden gilt. Hinter dem Kirchdorf Obergurgl passiert die Hochstraße die Mautstelle und fällt noch einmal 150 Höhenmeter in das Timmelsbachtal ab. Danach müssen selbst kletterfeste Rennradfahrer stark sein, da das Finale zum Hauptkamm zehn Prozent steil ist.

Österreich: Großglockner Hochalpenstraße

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Beschwerlich war der Weg hinauf zum Hochtor schon immer – besonders für diejenigen, die ihn im 17. Jahrhundert als Handelsweg über die Alpen nutzten. Doch auch ohne schweres Gepäck ist das Erklimmen der Passstraße zu Österreichs höchstem Berg, dem Großglockner (3798 m), ein hartes Stück Arbeit. Wenn Sie sich für den Angriff über die Nordrampe entscheiden, können Sie sich auf den ersten Kilometern bei moderaten zwei Prozent Steigung einrollen. Vorsicht: Kaum haben Sie Ihren Tritt gefunden, baut sich die erste, zehn Prozent steile Prüfung vor Ihnen auf. Und das ist nur der Anfang.

Weiter geht es auf einer 12 Kilometer langen Passage mit einer maximalen Steigung von 12 Prozent. Jetzt heißt es Zähne zusammenbeißen und hoch. Dafür wartet auf der Passhöhe der großartige Blick auf das Alpenpanorama.

Sie haben noch nicht genug? Dann können Sie sich mit der Abzweigung zur Edelweißspitze 70 zusätzliche Höhenmeter verdienen – über zum Teil 14 Prozent steile Kopfsteinpflasterpassagen.

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Christian Lampe
Pässe Schweiz St anton Rennrad

Schweiz: Albulapass

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Unter Ihnen tost die reißende Albula in einer tiefen Gebirgsschlucht, über Ihrem Kopf ragen schroffe Felsen aus der Felswand bis weit über die Trasse. Sie befinden sich gerade auf dem einer der schönsten Passstraßen der Schweiz. Den Wegesrand der schmalen Albula-Passstraße, die sich ihren Weg durch die hochalpine Landschaft schlängelt, säumen historische Steinviadukte und andere Bauten längst vergangener Zeiten.

Auch im Startort Tiefencastel der 31,5 Kilometer langen Klettertour stand in der Karolingerzeit ein Königshof. Auf 1800 Metern unterquert der höchstgelegene Tunnel der Alpen das Bergmassiv. Den Bahngleisen der Rhätischen Bahn folgend wird die Passstraße in leichten Kurven mäßig immer steiler.

Hinauf zum Gipfel begleitet Sie das konstant schallende Rauschen der Albula. Kurz vor dem Ort Bergün schlängeln sich zwei Serpentinen auf direktem Weg ins Teufelstal. Die finale Rampe mit einer Steigung von 10 bis 12 Prozent führt Sie aus der Gerölllandschaft hinaus zu den saftgrünen Almwiesen am Pass.

Schweiz: Sustenpass

Inmitten einer spektakulären Hochgebirgszenerie bahnt sich ein Asphaltband zwischen Steingletschern und Felsklüften seinen Weg Richtung Gipfel des Sustenmassivs in der Zentralschweiz. Die Passstraße gilt als Meisterwerk der Straßenbaukunst und wurde vom Architekt Walter Zschokke geplant und erst 1946 für den Verkehr freigegeben.

Landschaftlich am schönsten und für Rennradfahrer gut zu bewältigen ist die Westrampe von Innertkirchen mit 5,8 Prozent Durchschnittssteigung. Über 27 Kilometer und 1599 Höhenmeter führt die Straße zur Passhöhe. Lediglich der Einstieg verlangt Kampfgeist, da auf den ersten zehn Kilometer einige kleinere ruppige Rampen von zehn Prozent „im Weg stehen“. Nach einem flacheren, kürzeren Mittelteil führt die Finalstrecke auf langen Serpentinen hinauf zum 2224 Meter hohen Sustenpass.

Oben angekommen, belohnt nicht nur der Anblick auf die umliegenden imposanten Bergmassive, sondern auch die rasante, gut ausgebaute Abfahrtspiste hinunter nach Wassen.

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