rb-0616-reise-Alpe-Adrai-Radweg-Roadbike-83_100pc-TEASER Ralf Schanze

Alpencross light

Per Rennrad über den Alpe-Adria-Radweg Alpencross light

Nur die Harten kommen über die Alpen? Von wegen! Man muss nur die richtigen Strecken kennen. So wie die traumhafte Route von Salzburg an die Adria.

Eine bunte Blumenwiese, ein rauschender Bach, im Hintergrund schneebedeckte Berggipfel, die Sonne am blauen Himmel. Und mittendrin zwei Rennradfahrerinnen, die über den schmalen Radweg rollen.

Linda jauchzt vor Glück: "Wir beide zusammen mit dem Rennrad über die Alpen – wenn du mir das vor einem Jahr gesagt hättest, hätte ich dir einen Vogel gezeigt", ruft sie ihrer Freundin Lisa zu. Verständlich. Schließlich fährt Linda erst seit wenigen Monaten Rennrad. Auch Lisa hat den Sport erst vor Kurzem für sich entdeckt. Da wirkt der Traum vom Alpencross fast schon anmaßend. Der Traum von einem der Höhepunkte jeder Radsportlerkarriere.

Doch dann setzte ein gemeinsamer Bekannter den beiden Ruhrpott-Mädels diesen Floh ins Ohr. Und der flüsterte dann unablässig: "Alpe-Adria-Radweg." Und meinte damit: Das gewaltige Gebirge ist auch für weniger erfahrene oder trainierte Sportler zu bewältigen – man muss nur die richtige Strecke kennen. Etwa die von Salzburg nach Grado, von der deutsch-österreichischen Grenze ans Mittelmeer, 410 Kilometer und nur 2400 Höhenmeter. Den Alpe-Adria-Radweg eben.

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Ralf Schanze

Und so stehen Lisa und Linda an einem schönen Sommertag mit ihren Rennrädern in Salzburg. Dieser Perle Österreichs, gleich hinter der Grenze zu Bayern. Der Geburtsstadt des großen Wolfgang Amadeus Mozart. Die Sonne im Gesicht und das größte Abenteuer ihres jungen Radsportlerlebens vor sich. Den Ritt über die Berge bis ans Mittelmeer. Mit eigener Muskelkraft. "Hoffentlich macht mein Hintern das auch mit", verleiht Lisa ihrer aktuell wohl größten Sorge Ausdruck. Dann heißt es aufsitzen, einklicken, losfahren. "Adria, wir kommen."

Erst vor wenigen Jahren wurde der Alpe-Adria-Radweg komplett fertiggestellt. Seitdem weisen die Schilder mit dem prägnanten blau-grünen Logo dem Radfahrer zuverlässig die Richtung. Bereits kurz nach der offiziellen Eröffnung folgte die Auszeichnung zur Radroute des Jahres 2015. Kein Wunder, beschreibt doch so mancher Pedaleur diesen Radweg als eine der schönsten Strecken, die er je gefahren ist. Eine Strecke mit vielen Sehenswürdigkeiten, viel Abwechslung, vor allem aber ohne quälend lange Passanstiege. Perfekt für Alpeneinsteiger. So führt die Route von der Mozartstadt Salzburg durch Kärnten, über Villach und Udine bis zum Ziel: dem Örtchen Grado an der Adriaküste, auch bekannt als die Sonneninsel.

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Ralf Schanze

Die beiden Alpenquererinnen verlassen Salzburg. Die Orientierung fällt leicht: Über Stunden folgt die Route der Salzach, einem Nebenfluss des Inn. Entspannt rollen Lisa und Linda dahin, genießen den Fahrtwind im Gesicht und die Sonne in den Speichen. Die Kilometer fliegen nur so vorbei. Bald schwingt die ohnehin gute Stimmung ins Euphorische. Zumindest bis zu den ersten Steigungen. Hinter Bischofshofen müssen die Mädels tatsächlich mehrmals raus aus dem Sattel und rein in den Wiegetritt. Das Gespräch verstummt, die Köpfe glühen. Doch bald ist es geschafft. Abends rollt das Duo in Bad Gastein ein. Erschöpft von der Anstrengung, aber begeistert von der Natur, der Fahrt, dem Abenteuer. Schon brennt bei Lisa die Freude auf die nächsten Programmpunkte: "Jetzt ein heißes Bad und dann ein kühles Weizenbier." Auch so geht Alpencross!

Tag zwei beginnt indes weniger euphorisch. Dafür mit einem skeptischen Blick gen Himmel: Nieselregen. Minimal missmutig streifen die Freundinnen ihre Regenjacken über. Aber was wäre, bitteschön, ein echter Alpencross ohne Wetterumschwung? Und schon eine knappe Stunde später meldet sich die Sonne zurück. Prompt steigen Temperaturen und die Laune der Mädels im Gleichschritt. Das liegt allerdings auch an der wunderbaren Strecke. Der Alpenhauptkamm ist geschafft, die Renner sausen hinab Richtung Kärnten. Die Täler werden weiter, an den warmen Badeseen entlang der Strecke tummeln sich die Sonnenanbeter. Mit dem Fahrtwind atmen die beiden einen ersten Hauch von mediterranem Ambiente ein.

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Ralf Schanze

Auf der dritten Etape ist es dann so weit: Bei Thörl-Maglern passieren Lisa und Linda die italienische Grenze. "Stopp! Ohne Erinnerungsfoto fahre ich nicht weiter", fordert Linda. Dann geht es stetig leicht bergab über eine stillgelegte Bahntrasse. Die Räder surren, und die Mädels fliegen dem Süden entgegen. Durch verträumte Dörfer, in denen es nach frisch gemähtem Heu riecht. Vorbei an bunten Blumenwiesen, auf denen Hummeln von Blüte zu Blüte brummen. Neben dem Weg fast immer ein Fluss oder Flüsschen mit blau funkelndem Wasser, dazu im Hintergrund die imposanten Berggipfel der Alpen.

Im alten Bahnhof von Chusiaforte haben zwei Frauen ein kleines Café eröffnet. Ein paar Handwerker aus dem Ort sitzen an den Tischen und diskutieren theatralisch und gestenreich – typisch italienisch eben. "Mir macht schon das Zuhören Spaß", findet Lisa und gesteht: "Auch wenn ich dabei kein Wort davon verstehe." Dafür können die beiden schmecken. Die leckere Pasta etwa oder den köstlichen Cappuccino.

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Ralf Schanze

Schließlich: Die letzte Etappe! Zum großen Finale geht es über Venzone und Udine über viele schmale Sträßchen durch die flache Ebene gen Meer. Dolce vita statt Alpenromantik. Doch weil es hier unten richtig heiß wird, müssen Linda und Lisa zum Schluss tatsächlich noch einmal beißen, um die letzten Kilometer abzuspulen. Zudem fordern die vier Tage im Sattel jetzt doch ihren Tribut. "Okay, jetzt hat mein Hintern keine Lust mehr – und meine Beine auch nicht", sagt Lisa. Doch da setzen die beiden auch schon zum Zielsprint über die Lagune nach Grado an. Am Strand hüpfen die frischgebackenen Alpencrosser erst einmal durchs Wasser und sich dann gegenseitig in die Arme. Geschafft! Und schon beginnen die Planungen für die nächste Tour. "Dann aber mit mindestens einem echten Alpenpass", fordert Linda. "Wir sind ja schließlich keine Anfänger mehr!"

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