5 Bilder

Vier Rennrad-Touren rund um Aigle, Schweiz

Vier ROADBIKE-Touren in den schweizer Alpen

Aufgrund der Corona-Pandemie konnte die WM in der Schweiz nicht stattfinden. ROADBIKE hat Teile der Strecke trotzdem unter die Räder genommen.

Kurze Übersicht

Infocenter

Radsport pur bietet die Welt rund um Aigle und Martigny nicht nur mit Blick auf den Sitz der UCI, sondern auch als Ausgangspunkt für unzählige tolle Kletterpartien und anspruchsvoller Rennrad-Veranstaltungen.

Höhepunkte

  • Kaffee mit Aussicht: Der Blick von der Terrasse am Lac d’Emosson auf das MontBlanc-Massiv ist gewaltig.
  • Schöne Sackgasse: Die Fahrt zum einsamen Col du Sanetsch ist einer der vielen Höhepunkte im Wallis.
  • Leihräder: Hochwertige Rennräder für Gipfelstürmer gibt es bei Dom Cycle in Martigny

Entdecken

  • Fakten: Unweit der Mündung der Rhône in den Genfer See liegt die Stadt Aigle im Kanton Waadt, gut 30 Kilometer die Rhône hinauf die Stadt Martigny im Kanton Wallis. Gemeinsam hätten beide Städte die Straßenradsport-WM 2020 austragen sollen. Sowohl für die Zeitfahren als auch die Straßenrennen wäre Aigle der Startort und Martigny das Ziel gewesen. Nach der Corona-bedingten Absage hoffen die Organisatoren nun auf einen Zuschlag für eines der kommenden Jahre. aigle-martigny2020.ch
  • Beste Reisezeit: Mit seinen 300 Sonnentagen im Jahr, wenig Regen und tief gelegenen Tälern kann man im Wallis lange im Jahr Rad fahren. Wer mit dem Rennrad hoch hinaus will, sollte aber von Juni bis September kommen.
  • Anreise mit Bahn: Von Frankfurt/Main geht es über Bern und Visp in etwa sechs Stunden wahlweise nach Aigle oder Martigny. Auto: Ohne Stau dauert die rund 540 Kilometer lange Fahrt von Frankfurt über Basel und Bern rund sechs Stunden. Neben rund 50 Euro Kraftstoffkosten wird eine Vignette für die Schweiz (39 Euro) fällig.
  • Anreise mit Flug: Ob Bern, Zürich, Basel oder Genf – die Region ist von diversen Flughäfen aus gut zu erreichen. Von Genf nach Aigle etwa sind es 80 Zugminuten nach Aigle und nochmal 20 Minuten mehr nach Martigny.
  • Unterkunft Campanile Martigny: Das Hotel mit eigenem Radkeller ist fußläufig vom Bahnhof Martigny zu erreichen und bietet eine gute Ausgangslage für Touren in die Berge. martigny.campanile.com
  • Unterkunft Eurotel Victoria Villars: Auf halber Höhe zum Col de la Croix liegt das Hotel mit Wellness-Bereich, benachbartem Radverleih und gut sortierter Cocktailbar. eurotel-victoria.ch
  • Essen & Trinken Côte Rôtie: Erstklassige Weine und Steaks sind die Markenzeichen des schicken Restaurants in Martigny. facebook.com/ coterotiemaisondeviandes

Erleben

  • Ausgeschilderte Routen: Mit dem Projekt Vélo Valais versieht ein Team um Ex-Profi Steve Morabito 16 ausgewählte Anstiege im Wallis mit Wegweisern und Infotafeln. Sie zeigen nicht nur den Weg, sondern auch die Daten zum vorausliegenden Abschnitt, wie Länge, Höhenmeter oder durchschittliche Steigung. Eine Übersicht gibt es unter: valais.ch/velo
  • World Cycling Center: In Aigle befindet sich nicht nur der Sitz des Radsport-Weltverbandes UCI, sondern auch das World Cycling Center. Hier werden Talente aus aller Welt systematisch gefördert, doch auch interessierte Gruppen können Aktivitäten buchen. Und ein Besuch lohnt schon allein wegen des leckeren Kaffees. uci.org/world-cycling-centre
  • UCI Gran Fondo Suisse: Auch wenn die Premiere des neuen Radmarathons 2020 abgesagt werden musste, verspricht die Route (S. 85) großen Rennradspaß. Die Erstauflage soll nun 2021 steigen. ucigranfondosuisse.ch

zurück zur Übersicht

4 ROADBIKE-Touren + komoot

Zum Lac du Emosson

Auf den Spuren der abgesagten WM 2020 und der Tour de France 2016 führt die anspruchsvolle Runde von Martigny über Petite Forclaz und Forclaz hinauf zum Emosson-Staudamm. Ständiger, imposanter Begleiter: das Mont-Blanc-Massiv am Horizont.

Distanz: 68 km

Höhenmeter: 2400 Hm

Route: Martigny Petit Forclaz Forclaz Finhaut Lac du Emosson Finhaut Forclaz Petit Forclaz Martigny

Mehr zum Thema:
Länge 68,11 km
Dauer 5:23 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 2589 Meter
Höhenmeter absteigend 2588 Meter
Tiefster Punkt 469 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

Diese Tour findest du auch bei unserem Partner

Über den Col du Lein

Die kurze, herausfordernde Runde ab Martigny verlangt ordentlich Kletterpower. Nach zehn flachen Kilometern warten mit dem Col du Lein und dem Col des Planches zwei amtliche Klettereinheiten. Gravel-Freunde kürzen dabei über den Col du Trenc ab.

Distanz: 57 km

Höhenmeter: 1900 Hm

Route: Martigny Saxon Sapinhaut Col du Lein Le Levron Etiez Vens Col des Planches Martigny

Mehr zum Thema:
Länge 56,62 km
Dauer 4:25 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 1941 Meter
Höhenmeter absteigend 1940 Meter
Tiefster Punkt 467 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

Diese Tour findest du auch bei unserem Partner

Auf den Col du Sanetsch

Nach der ausgedehnten Einrollpassage entlang der Rhone geht es hoch hinaus auf den einsamen Col du Sanetsch und auf der anderen Seite per Seilbahn hinunter nach Gsteig. Nach dem Col du Pillon als "Gegenanstieg" wartet dann die lange Abfahrt nach Aigle.

Distanz: 124 km

Höhenmeter: 2500 Hm

Route: Aigle Martigny Conthey Col du Sanetsch Seilbahn Gsteig Col du Pillon Les Diablerets Aigle

Mehr zum Thema:
Länge 119,25 km
Dauer 7:40 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 2455 Meter
Höhenmeter absteigend 2455 Meter
Tiefster Punkt 383 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

Diese Tour findest du auch bei unserem Partner

UCI Gran Fondo Suisse

Über vier Alpenpässe führt der neue Schweizer Radmarathon als Teil der Gran Fondo World Series. Dabei wird der Col de la Croix gleich doppelt erklommen: nach dem Start und zur Bergankunft.

Distanz: 109 km

Höhenmeter: 2700 Hm

Route: Villars-sur-Ollon Col de la Croix Les Diablerets Col du Pillon Gstaad Saanen Rougemont Montbovon Col des Mosses Les Diablerets Col de la Croix

Mehr zum Thema:
Länge 109,10 km
Dauer 6:43 Std
Schwierigkeitsgrad Schwer
Höhenunterschied 2706 Meter
Höhenmeter absteigend 2236 Meter
Tiefster Punkt 1253 m ü. M.
Höchster Punkt m ü. M.

Diese Tour findest du auch bei unserem Partner

zurück zur Übersicht

Vor großer Kulisse

Treffen sich ein Holländer, ein Deutscher und ein Italiener. Sagt der Schweizer: "Stellt euch vor, es ist WM und keiner geht hin." Wobei es eigentlich ja heißen müsste: "Stellt euch vor, es ist keine WM, aber wir gehen trotzdem hin." Denn der Schweizer Ex-Profi Steve Morabito zeigt uns nicht nur die schönsten Straßen seiner Heimat im Wallis, sondern damit auch Teile der Strecke der mittlerweile Corona-bedingt nach Italien verlegten Straßenradsport-Weltmeisterschaft 2020 in Aigle und Martigny.

Konkret geht es dabei gerade nicht nur um eine besonders schöne, sondern auch besonders steile Straße. Sie windet sich als kleinen Nebenauffahrt von Martigny unten im Tal hinauf zum Petite Forclaz. Schon nach wenigen Kurven bietet sie einen von Weinstöcken gerahmten Blick über die Stadt, weiter ins Wallis und schließlich auf die mächtigen Berge der Alpen links, rechts, am Horizont, überall. Zu ungefähr jedem dieser Berge hat Steve Morabito eine Geschichte auf Lager. Und natürlich drehen sich diese Geschichten in aller Regel rund ums Fahrrad. "Wenn du da hinten in das Tal reinfährst, kommst du auf den Großen Sankt Bernard, mit seinen über 2000 Höhenmetern einer der höchsten Anstiege der Alpen", verrät er etwa. "Oder da drüben, wo die drei Gipfel wie Finger in den Himmel ragen, kannst du eine tolle Runde mit drei Pässen auf kürzester Strecke fahren", schwärmt er von seiner Heimat, die immerhin mehr als die Hälfte aller 4000er der Alpen beheimatet.

Wir passieren ein Haus mit großflächigem Panoramafenster im ersten Stock. Von hier hätte sich eine erstklassige Sicht auf die Profis ergeben, wenn sie während des WM-Rennens satte sieben Mal den Aufstieg zum Petite Forclaz hätten bewältigen müssen. Ganz nah dran wäre auch Steve Morabito gewesen – als Berater und Streckendesigner. "Das ist natürlich bitter, dass dieses große Event jetzt nicht kommt", gibt er zu, bleibt aber optimistisch: "Vielleicht klappt es ja in einem anderen Jahr." Morabito selbst hat seine Karriere vor der Corona-Saison beendet. Eigentlich wollte er sogar schon ein Jahr zuvor aufhören, doch dann wurde er Schweizer Meister. "Und das Trikot wollte ich im folgenden Jahr natürlich noch tragen", verrät er flüssig plaudernd, während wir den immer steileren Berg hinaufkurbeln. Es geht vorbei an der typischen Kuhweide, durch eine Kurve in den Wald – und dann ist Ende. Die Straße wird neu asphaltiert. "Extra für die WM, auch wenn die jetzt gar nicht kommt", sagt Morabito, bevor er mit den Bauarbeitern aushandelt, dass wir passieren dürfen.

Eine perfekte JamesBond-Kulisse: Mauer am Lac d’Emosson.

Kurz darauf erreichen wir eine Kreuzung und haben den Petite Forclaz mit seinen 400 Höhenmetern bezwungen. Hier wären die Profis rechts abgebogen, um über die breite, kurvenarme Hauptstraße hinab ins Tal zu donnern und sogleich erneut die Nebenstraße bergauf zu klettern. Schon zücke ich die Windjacke, als Steve Morabito mich stoppt: "Lass die Jacke mal noch stecken, wir biegen links ab, nicht rechts." Und ich realisiere: Wo’s einen Petite Forclaz gibt – einen kleinen –, kann der große nicht weit sein. Konkret: weitere 7 Kilometer und 600 Höhenmeter weit. "Jetzt haben wir die WM-Strecke verlassen und wandeln dafür auf den Spuren der Tour de France", erklärt Morabito und verrät, dass das Peloton im Jahr 2016 über den Forclaz und weiter zur spektakulären Bergankunft oben an der Staumauer des Lac d’Emosson gejagt ist. "Moment, wenn die Tour-Profis da rauf sind, dann willst du doch heute wohl nicht mit uns …", setze ich an, während wir bei einer Kaffeepause auf dem Forclaz den Blick über die Alpen genießen. Natürlich will er. Erst liefert er aber noch einen erstklassigen Reifenservice ab: Sander Kolsloot, der Holländer in der Gruppe, hatte in der Zwischenabfahrt einen schleichenden Plattfuß bemerkt. "Wahnsinn, dass mir ein Ex-Profi den Schlauch wechselt", bemerkt er.

Dann geht es richtig los. Wir klettern durch die steilen Gassen des hübschen Örtchens Finhaut. Kurz darauf taucht ein weißer Koloss am Horizont auf und schiebt sich immer mehr in den Vordergrund. Ein spektakulärer Anblick. "Da ist er, der Mont Blanc", erklärt Morabito. Von nun an begleitet uns der "Weiße Berg" ständig auf dem Weg nach oben. Genau wie die Schilder am Straßenrand, die nicht nur an die Tour de France erinnern, sondern auch an die vor uns liegende Aufgabe. Jeden Kilometer zeigen sie nicht nur, wie weit es noch ist und wie hoch wir schon sind, sondern auch wie steil der folgende Abschnitt wird. Und irgendwie wird speziell diese Zahl immer größer. Über zehn Prozent sind es im vorletzten Kilometer – fürs Finale werden gar 12,3 Prozent ausgegeben, dazu gesellt sich ein strammer Gegenwind.

Schwer außer Atem erreichen wir den Aussichtspunkt über dem See. Nur der Ex-Profi unter uns plaudert munter weiter. Bis er merkt, dass der Holländer, der Deutsche und der Italiener einen Moment der Stille brauchen, um dieses Szenario aufzunehmen: Rechts unter uns liegt der EmossonSee, aufgestaut von einer gewaltigen, 180 Meter hohen Mauer, die perfekt in jeden James-Bond-Film passen würde. Dazu direkt vor uns das MontBlanc-Massiv in all seiner Pracht. Was für eine Welt! Was für eine Natur!

Irgendwann deutet Morabito auf eine weitere, noch höher gelegene Staumauer des Lac du Vieux Emosson. "Da führt eine schöne, aber wirklich richtig steile Straße hoch. Da war ich aber selbst noch nie mit dem Rennrad oben", sagt er. Dann scheint ihm eine Idee zu kommen. Doch bevor er sie aussprechen kann, stoppe ich ihn – und ziehe schnell meine Windjacke an.

zurück zur Übersicht

Dieser Artikel kann Links zu Anbietern enthalten, von denen roadbike eine Provision erhält. Diese Links sind mit folgendem Icon gekennzeichnet:
Zur Startseite
Mehr zum Thema Touren
Haßberge
Deutschland
Tiroler Westen
Italien
Hausrunden Roadbike
Deutschland
Hausrunden Roadbike
Deutschland