RB-vaettern-runde-2015-TEASER-2 Fredrik Lewander

50 Jahre Vättern-Runde

Vattenfall Cyclassics goes Vätternrundan

Was liegt an, wenn drei Fischköppe – von denen eigentlich nur einer ein echter ist, der zweite gebürtiger Badener, der dritte wenigstens Nordlicht – per Wohnmobil in Richtung Kiel rollen? Richtig, eine Skandinavien-Tour, genauer gesagt, ein Trip nach Motala, dem Herzstück der jährlich kurz vor Midsommar stattfindenden Vätternrundan.

Das legendäre und nach eigenen Angaben weltgrößte Breitensportradrennen feiert in diesem Jahr 50. Geburtstag. Wie passend, dass auch die Vattenfall Cyclassics, Europas größtes Radrennen, ihr 20. Jubiläum haben. Entsprechend hatten die Organisatoren des Hamburger Radklassikers mehr als nur eine Schnapsidee, eine kleine Delegation "aktiv" nach Schweden zu schicken.

Es sollte nämlich nicht einfach ein Besuch bei den Veranstaltern sein, bei dem Freundlichkeiten und Respektsbekundungen ausgetauscht werden und später bequem im Ziel gestanden und artig den 19.000 Teilnehmern applaudiert wird. Wenn schon, dann das volle Programm: selbst 300 Kilometer mitradeln, dann kann und darf man anschließend auch fundiert mitreden. Ergo auf kurzem Dienstweg – Kontakt zu den Organisatoren der Vätternrundan besteht bereits seit Längerem – nachgefragt, ob ein Start bei dem längst ausgebuchten Rennen möglich sei. Die Antwort folgte ebenso prompt wie herzlich: „Kein Problem, wann wollt ihr starten? Herzlich willkommen – wir sehen uns in Motala.“

Gesagt, getan, meldeten sich mit Kai Rapp, Michael Haas und Reinald Achilles drei mehr oder minder gut trainierte und Langstrecken erfahrene Mitarbeiter aus dem Vattenfall Cyclassics Organisationsteam zu einem der legendärsten und spätestens nach 300 Kilometern Strecke für bestimmte Körperstellen ganz sicher eindrucksvollsten Radrennen der Welt an – Start: Samstag, 4.30 Uhr.

Nebenher stellt der langjährige Cyclassics-Mitarbeiter Günter Kröker ohne Zögern sein Wohnmobil für die Aktion zur Verfügung – Danke Günni, für dein silber-rotes Spielmobil und deine Vertrauensseligkeit! Sei dir sicher, was in Schweden passiert, bleibt in Schweden!

Zudem werden wir bei den Schiffstransfers von Kiel nach Göteborg und retour auf einer Fähre unseres Veranstaltungspartners STENA LINE gastieren – so etwas nennt man inhaltlich gelebte Partnerschaft – vielen Dank.

Und für die, die es interessiert: In den kommenden 4 Tagen werden wir von unserem Tripp nach Motala und das Rennen um den Vätternsee berichten. Wir sind top motiviert, gut trainiert und voller Respekt vor dem, was uns bei unserer Premiere erwartet.

Hej Vätternrundan, ser vi fram emot att du!

Tag 1: Fährtransfer Kiel - Göteborg

Ich, d.h. das dritte P der 3Ps, Kai:

Als wir nach vielen kleinen Problemen endlich auf dem Deck der Stena Line Fähre von Kiel nach Göteborg stehen, stoßen wir mit einem herrlichen Weizenbier an. Die Sonne scheint uns in die Gesichter und Hasi bemerkt trocken: „Dass wir das hinbekommen, hätte ich nie gedacht!“

Wie bitte? Er, der Radrennen mit 23.000 Radsportlern organisiert, hat nicht an die Organisationskompetenz geglaubt, ein Drei-Mann-Team zu koordinieren??? Ich forsche nach und realisiere, dass er die Schwachstelle in mir gesehen hat. Das schmerzt. Für meine Kommunikationspolitik gegenüber meiner Familie, die wie auch die Familien der übrigen Kollegen in den Sommermonaten oft die Wochenenden allein verbringen muss, hat Hasi nur ein breites Grinsen übrig. Ok, am Montag mitzuteilen, dass man am Mittwoch mal kurz für fünf Tage nach Schweden reist, ist optimierungswürdig. Was soll`s, wir stehen hier, trinken ein Stütz-Bier und sind zudem mit Materialien von unseren Eventsponsoren bestens ausgerüstet.
Den ersten Lacher bringt Reinald, der tief einatmet und sagt: „So riecht meine Heimat!“ Es war uns neu, dass Reinald aus Kiel stammt. Auf unsere Nachfrage stellt er fest, dass er zwar nicht „direkt“ aus Kiel kommt, aber mit „Heimat“ Schleswig-Holstein meint. Nun ja, einen Steinwurf von der Hamburger Stadtgrenze geboren zu sein und die Ostsee als seine Heimat zu bezeichnen, hat zumindest ein zweites Erdinger verdient.

Der Weg ist das Ziel. Wir stellen fest, dass wir nach langer, langer Zeit mal wieder auf einer Fähre sind. Und es gefällt uns extrem gut. Da das Mobilnetz logischerweise nur über das Bordnetz läuft, treffen wir die erste spektakuläre Entscheidung: Smart-Phones aus! Maximale Entschleunigung, quasi aus dem Stand. So erleben wir Bingo, essen viel (weil gut!) und batteln uns beim Musik-Quiz des Bordanimateurs. Reinald ist noch als ernsthafte Konkurrenz anzusehen, Hasi hätte vermutlich noch nicht einmal „Oh Tannenbaum“ erkannt. Schwach! Er gibt zu, dass er als Freiburger nur das Badener-Lied kennt. Immerhin. Dafür ist er uns beim Radfahren weit voraus.

Das bringt mich zu dem Thema, um das es eigentlich geht: Sport, bzw. zunächst unsere sportlichen Vorbereitungen. Hasi ist der Jüngste von uns und ist ein erfolgreicher ehemaliger Amateur, der in seiner Jungend mit den ganz Großen gefahren ist. Er ist immer noch unglaublich fit und wird die 300 km locker abspulen. Exakt das Gegenteil gilt für Reinald und mich. Wir sind beide klassische Jedermänner. Voller Leidenschaft, fahren wir aber eher sporadisch Rad. Reinald sieht zumindest gut in Form aus (ist er aber nicht!!!) Ich persönlich habe erst nach Weihnachten mein Verfettungsprogramm abgebrochen. Habe mich mit dem MTB an den Wochenenden durch die Harburger Berge gequält, was mir jeweils max. 30 km Trainingskilometer gebracht hat. Ich fasse zusammen: Wir sind unvorbereitet!

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Vättern Runde 2015
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Vättern Runde 2015

Aber wir sind stolz, denn die erste Mission, also die Übergabe des Gastgeschenkes ist optimal vorbereitet. Nach langen Diskussionen haben wir uns gegen die erste Option eines 380 kg schweren Schiffsankers entschieden, den wir bei Ebay ausfindig gemacht hatten. In Verbindung mit einer schicken Gravur hätte der zwar einen bleibenden Eindruck hinterlassen, aber spätestens als wir Günni unauffällig nach der maximalen Zuladung seines Wohnmobils gefragt haben, bekamen wir ein schlechtes Gewissen. Die Idee eines typischen Hamburger, also maritimen Gastgeschenkes gefiel uns aber so gut, dass die Wahl schließlich auf ein schweres Schiffssteuerrad fiel.

Wir werden dies in Namen unseres gesamten Cyclassics-Team übergeben, sprich im Namen von all unseren lieben und geschätzten Kollegen, mit denen wir am 23. August das 20-jährige Jubiläum der Vattenfall Cyclassics für Euch ausrichten werden.
Ich verabschiede mich zunächst, denn wi
r müssen jetzt erst einmal der Frage nachgehen, warum unser, ääh Günnis Wohnmobil auf der Fähre eine riesige Wasserlache hinterlassen hat....

Tag 2: Akklimatisierung

Ich hatte aber auch irgendwie das Gefühl, dass sie ein leckendes Bierfass mehr beunruhigt hätte. Womit wir zum wichtigsten Teil des heutigen Tages kommen. Das Leben auf dem Camping-Platz. Die Veranstalter der Vätternrundan haben u.a. ein großes Gebiet direkt am See für die Veranstaltung angemietet. Es ist großzügig und wirklich schön in die Natur eingepasst.

Beim ersten Auskundschaften fiel uns auf, dass 90% der Camper aus Deutschland sind. Leipzig, Berlin, Verden, Stade, Münster, Böblingen, Bremen, Wiesbaden, Unna befinden sich hier in einem Umkreis von 30 Metern von uns. Das Schöne ist, dass man mit allen sofort ins Gespräch kommt, denn wir alle teilen ein und die selbe Leidenschaft. Scheinbar sieht man uns an, dass wir Camping-Neulinge sind. Ich sollte es anders ausdrücken: Man sieht es dem Chaos unseres Platzes an. Und wenn man es nicht sehen würde, dann würden man es hören. Soeben hallte Reinalds Schrei über den ganzen Vätternsee, als Hasi versehentlich den 30 kg schweren Klapptisch im Wohnmobil über Reinalds Knie einfuhr. Wozu auch die Sicherheitsarretierung berücksichtigen? Es scheint ein ganz klein bisschen weh getan zu haben.

Ich möchte uns hier nicht als Fremdkörper bezeichnen, aber schon als Exoten. Das beginnt bei dem stets lauten und vor allen Dingen unflätigen Pöbbeln über die schlechte Internet-Verbindung, führt sich bei der roten Farbe des leckenden Günni-Mobils fort und endet bei dem überdimensionierten Veranstaltungszelt, welches wir als Schattenplatz benutzen.

Möglicherweise aufkeimende Kritik an unserer sehr dezibel-intensiven Hilflosigkeit versuchen wir mit dem Verschenken von Vattenfall Cyclassics-Mützen zu begegnen. Wir profitieren hier schon sehr von dem guten Ruf der Vattenfall Cyclassics. Und unser Outfit mit den neuen und wirklich schön designten Jubiläums-Kapuzenpullovern (für die jüngeren Leser: „unsere derben Hoodies!“) fällt allen extrem positiv auf.

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Aber wir sind stolz, denn die erste Mission, also die Übergabe des Gastgeschenkes ist optimal vorbereitet. Nach langen Diskussionen haben wir uns gegen die erste Option eines 380 kg schweren Schiffsankers entschieden, den wir bei Ebay ausfindig gemacht hatten. In Verbindung mit einer schicken Gravur hätte der zwar einen bleibenden Eindruck hinterlassen, aber spätestens als wir Günni unauffällig nach der maximalen Zuladung seines Wohnmobils gefragt haben, bekamen wir ein schlechtes Gewissen. Die Idee eines typischen Hamburger, also maritimen Gastgeschenkes gefiel uns aber so gut, dass die Wahl schließlich auf ein schweres Schiffssteuerrad fiel.

Wir werden dies in Namen unseres gesamten Cyclassics-Team übergeben, sprich im Namen von all unseren lieben und geschätzten Kollegen, mit denen wir am 23. August das 20-jährige Jubiläum der Vattenfall Cyclassics für Euch ausrichten werden.
Ich verabschiede mich zunächst, denn wi
r müssen jetzt erst einmal der Frage nachgehen, warum unser, ääh Günnis Wohnmobil auf der Fähre eine riesige Wasserlache hinterlassen hat....

Klarstellung - der Ton wird schärfer

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Vättern Runde 2015

Hallo Radsportfreunde,

euch ist sicher aufgefallen, dass Kai ein recht talentierter Schreiberling ist. Vor allem aber ist er ein ziemlich guter Verkäufer. Seine Strategie: „Jungs, ihr habt gerade so viel Projektarbeit zu leisten, ich übernehme gern die lästige Pflicht, das Tagebuch weiterzuführen“ hätte aufgehen können. Aber ganz so verblödet sind Hasi und ich dann doch nicht. Da fällt dem guten Kai sein hinkendes Motto „Wer das Wort hat, hat die Macht“ direkt auf Füße. Denn die Wahrheit hat er damit längst nicht gepachtet.

Ebenso auffällig wie billig ist, dass er nach der zunächst heuchlerischen Selbstkritik – Stichwort „Verfettungsprogramm“ –  in seinen Ausführungen zum gestrigen Tag ausschließlich Hasis und meine Unzulänglichkeiten herauskehrt. Gut, kann man machen, muss dann aber auch die Konsequenz ertragen. Wenn einer meint, die beiden anderen anzuschwärzen und gegeneinander ausspielen zu können, passiert Folgendes: Die zwei Geächteten rotten sich notgedrungen zusammen – neues Motto: "Unter bestimmten Bedingungen wird der Rivale meines Rivalen temporär zu meinem Zweck-Freund."
 
Und um es nochmal kurz auf´s Inhaltliche zu lenken: während der gestrigen, etwa 50km langen Trainingsausfahrt hörte man vom „stillen“ Kai fortwährend larmoyantes Gezeter: „Meine Schaltung spinnt, mein Sattel ist unbequem, meine Klickschuhe sind nicht optimal abgestimmt…“ Dass er beim abendlichen Grillen tatsächlich etwas wortkarg wurde, hat er auf Nachfrage mit dem „tollen Gefühl der Entschleunigung, bei der jedes Wort eines zu viel ist“ ebenso philosophisch wie unglaubwürdig zu erklären versucht. Hasi und ich haben das gnädig unkommentiert gelassen.

Kais Blick verriet bereits deutliche Zeichen der Panik vor dem, was uns morgen früh ab 4.30 Uhr erwartet. Dagegen half auch nicht eines seiner typischen Ablenkungsmanöver, insbesondere mir erneut eine gefährliche Mischung aus Langstreckenunerfahrenheit und Heißspornigkeit (ja, das Wort gibt es genau seit heute) zu unterstellen, noch seine verzweifelten Versuche, fehlende Trainingskilometer kurzfristig durch Krafttraining zu kompensieren.  

Den Rest ersparen wir euch, müssen uns jetzt fertig machen für die Eröffnungs-Party des Veranstalters heute Abend. Obwohl, einen noch: Kai fragte gerade "Kann ich da in Radklamotte hin, und muss ich vorher duschen?"… 

Sportliche Grüße

Hasi und Reinald

Tag 3: Der Tag der Wahrheit ­– das Rennen

All das psychologische Geplänkel mit dem wir seit Tagen versucht haben, uns gegenseitig zu verunsichern, endet abrupt, als um 4:30 Uhr unsere Startgruppe auf den Weg geschickt wurde. Man muss wissen: bei der Vätternrundan erstreckt sich das Startprozedere über fast 18 Stunden. Es wird in Gruppen bis zu 70 Personen im Abstand von jeweils zwei Minuten gestartet.

Grundsätzlich unterscheidet sich das Veranstaltungskonzept doch sehr von dem der Vattenfall Cyclassics. Das Stichwort heißt: „gesperrte Straßen“. Da haben wir in Hamburg dank unserer Behörden und der Polizei definitiv einen Riesen-Luxus. Die Veranstalter der Vätternrundan bemühen sich sehr, doch sind die Straßen eben nur teilweise gesperrt. Es kommt vor, dass man sich Straßen mit Fahrzeugen teilen muss und Gegenverkehr ist größtenteils zugelassen. Da gibt es dann schon brenzlige Situation und das erklärt, warum die Teilnehmer zeitlich möglichst auseinandergezogen werden

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Den Schachzug meiner Abreißtaktik musste ich übrigens bereits nach 10 km einsetzen. Unfreiwillig, das gebe ich ganz offen zu. Der Gummibandeffekt am Ende des Feldes, sprich: bremsen, beschleunigen, bremsen, beschleunigen usw. setzte mir extrem zu.

Als ich Reinald fragte, ob er sich nicht mit mir gemeinsam eine langsamere Gruppe suchen möchte, lächelte er nur. Vermutlich habe ich in den letzten beiden Tagebucheinträgen meine Reisebegleitung doch etwas zu bösartig abgehandelt, denn Reinalds Lächeln bedeutete nichts anderes als „Stirb alleine!“. Um diesen Schicksal zu entgehen und die plötzliche Einsamkeit zu verarbeiten, finge ich an, mit mir selbst zu sprechen: „Körner sparen, einfach nur Körner sparen. See you am Straßenrand. KM 270! Remember?!“

Insgeheim hatte ich gehofft, Reinald schon vorher bei einer der zahlreichen Verpflegungstellen hinter mir zu lassen, denn ich hatte mir die Zwei-Boxen-Stopp-Strategie zurechtgelegt. Dazu später mehr.

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Zunächst gehe ich noch einmal auf die Vätternrundan selbst ein. Denn das ist schließlich der Grund dieser Reise. Der Start-/Zielbereich, das Akkreditierungszentrum und die übrigen Veranstaltungsbereiche liegen wunderschön in Motala am Ufer See. Die Stimmung ist toll. Beim Abholen der Startunterlagen wird man durch ein riesiges Verkaufszelt geführt, in dem man kurz vor dem Start noch Schnäppchen schießen kann. Gut, das kann man bei den Vattenfall Cyclassics auch, aber die Wegführung ist bei uns nicht darauf ausgelegt. Es ist das moderne Flughafen-Prinzip.

Wir fanden es aber nicht schlecht, weil wir grundsätzlich für alles zu begeistern sind, was in irgendeiner Form mit Radsport oder Fahrrädern zu tun hat. Beim Ausgang aus dem Akkreditierungszelten trafen wir auf einen großen unübersehbaren Velothon-Stand. Unser schwedischer Kollege Calle stand dort mit seinen Kollegen und promotete den diesjährigen Velothon Stockholm, der am 13. September mit einer atemberaubenden Streckenführung stattfinden wird, inklusive UCI Kat. 1.1 Elite- und natürlich einem Jedermannrennen. Ein bisschen Eigenwerbung wird das Tagebuch schon vertragen...

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Calle ist ein typsicher Schwede. Extrem sympathisch, und grundsätzlich ist alles kein Problem bei ihm. Manchmal sind wir uns da nicht ganz sicher. Wir werden es heute Abend erfahren, wenn wir auf der Dinner-Party unser Gastgeschenk an die Vätternrundan-Veranstalter übergeben werden.

Den Rennbericht kann ich, bzw. möchte ich abkürzen: Die Zwei-Boxen-Strategie wurde von meinem Körper nicht akzeptiert und zu meiner Verzweiflung war Reinald mit einer ausgezeichneten Zeit von 9 Stunden und 25 Minuten schon im Ziel und trank bereits sein zweites Bier.

Hasi hätte rein rechnerisch schon 10 Biere trinken können, denn er hat die 300 km in sage und schreibe 7:47 Std. hinter sich gebracht. Er ist scheinbar richtig Rennen gefahren. Ich habe versucht mich herauszureden und habe den Jungs von den vielen tollen Fotos erzählt, die ich unterwegs gemacht habe und dass ich so viele (und lange) Gespräche mit Radfahrern an den Verpflegungsstellen geführt hätte.

Außer einem Alibi-Foto ist nichts davon wahr. Bei km 270 hat`s mir kurz den Stecker gezogen und ich habe mich gerade noch zur nächsten Verpflegungsstelle retten können.

Aber jetzt sind wir friedlich vereint, denn die Finisher-Medaillen werden uns immer an ein großartiges gemeinsames Erlebnis erinnern.

Tag 4: Kinderstube ist alles

Seit gestern Abend wissen wir, dass wir sehr einfühlsam reagieren sollten. Selten war mir etwas so unangenehm wie unserer Auftritt gestern Abend. Unpassende Bekleidung fällt ja besonders auf, wenn man sich aufgrund des Zuspätkommens durch die Stuhlreihen von 300 sitzenden Gäste mühen muss.

Warum waren wir zu spät? Als wir nach der Vätternrundan zu unserem Günni-Mobil zurückkehrten, sind wir zunächst alle ins Koma gefallen. Selbstverständlich hintereinander, denn sonst hätten wir voneinander keine entwürdigenden Schnarch-Videos aufnehmen und in der digitalen Welt verbreiten können.

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Um genau die Kraft der raschen digitalen Informationsverteilung wissend, brachte Hasi noch schnell Falschinformationen über mich und meinen angeblichen Zusammenbruch kurz vor der Ziellinie in Umlauf und lachte Tränen über seinen Coup. Die Anteilnahme von besorgten Kollegen ließ nicht lange auf sich warten.

Er nutzte die Tatsache, dass mein Ergebnis gestern – warum auch immer – vorläufig nicht ausgewiesen wurde. Badischer Humor halt, aber das Mitlachen konnten wir uns trotzdem verkneifen. Der Rest der Zeit ging mit dem Schreiben des Tagebuchs (was mir gestern wirklich außerordentlich schwer fiel), Telefonaten und den Versuchen, so etwas wie Ordnung in unser Lager bringen, drauf. Haushaltsarbeit, speziell im Günni-Mobil, ist inzwischen kaum mehr möglich. Jeder zweite Satz beginnt hier mit: „Wo ist eigentlich...“.

Die Schuld wird pauschal auf mich geschoben. Zu unrecht, meine ich. Zu recht, würde meine Frau sagen.

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Das Genick aus zeitlicher Sicht hat uns aber die Organisation unserer Anfahrt zum Gala-Dinner gekostet. Auf das Fahrrad wollten wir partout nicht mehr, da es nach einem sonnigen und weitgehend windstillen Tag auch noch anfing zu regnen. Abholen lassen konnten wir uns aber auch nicht, da die Streckensperrung den Ort zweiteilte. Daran haben die beiden Radsportveranstaltungsexperten in unserem dream-team natürlich nicht gedacht. Es war vermutlich unserer Erschöpfung geschuldet, dass wir einfach keine richtige Entscheidung treffen konnten. Letztlich sind wir die drei Kilometer dann doch mit dem Fahrrad gefahren. Stehend, denn sitzend war nicht mehr möglich.

Vor Ort angekommen, war es nach der oben beschriebenen Peinlichkeit dann doch sehr, sehr nett. Und es war vor allem dann doch ein wenig so, wie Calle uns gesagt hatte: „Einfach lächeln, dann ist alles kein Problem in Schweden!“. Spätestens nachdem wir unser Gastgeschenk, das schöne hölzerne Schiffssteuerrad feierlich mit einer kurzen Lob-Rede übergeben hatten, waren letzte Zweifel, ob die clownesken Deutschen von Tisch 15 wirklich eingeladen waren, verflogen - man hätte uns von da an wahrscheinlich alles verziehen. Viele Gäste haben uns später angesprochen und erzählten, dass sie Hamburg und die Vattenfall Cyclassics kennen und gerne einmal teilnehmen würden.

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Das Lob an die Organisatoren der Vätternrundan war übrigens im höchsten Maße ernst gemeint: Eva-Lena, die Chefin der Vätternrundan ist die vermutlich beste Gastgeberin, die wir je erlebt haben, und die Vätternrundan ist eine großartige und sehr sympathische Veranstaltung. Nicht umsonst ist sie der offizielle Partner-Event des Velothon Stockholm.

Beide Veranstaltungen ergänzen sich zeitlich und inhaltlich perfekt. Am 23. August wird Eva-Lena sicherlich mit einer Delegation nach Hamburg zu den Vattenfall Cyclassics kommen und hoffentlich ein ähnlich herausragendes Urteil über unsere Jubiläumsveranstaltung fällen können.

Wir drei werden nicht das letzte Mal eine „Exkursion“ unternommen haben. Denn wir werden nach dieser tollen und vor allem aus Veranstaltersicht wichtigen Erfahrung diese Art Reisen auf jeden Fall kultivieren.

Unser besonderer Dank gilt:

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  • Unserem Partner STENA LINE Line für die großzügige Einladung zu zwei tollen Fährpassagen
  • Unserem Bike-Partner CANYON für das von vielen Teilnehmern bewunderte Ultimate SLX Testrad, welches die Hügel hochflog
  • ERDINGER Alkoholfrei für die Aufrechterhaltung des notwendigen Flüssigkeitslevels
  • SHIMANO für die Cam, die ich in der Hektik vor unserem Start leider im Günni-Mobil habe liegen lassen
  • Der Stadt Motala für einen Sprungturm im herrlichen Wasser des Vätternsees - der Sprung von dessen Zehnmeter-Stufe bedeutete den sportlichen Abschluss unseres Trips – hier konnten wir wirklich sagen: Gemeinsam sind wir stark!
  • Und last but not least Günni, ohne dessen Großzügigkeit der Roadtrip nicht halb so lustig verlaufen wäre

Nachtrag:

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Nachdem wie erwähnt, die beiden Experten Hasi und Reinald den Grund für die Tankleckage am Günni-Mobil nicht finden konnten, hat sich Günni aufgrund der Tagebucheinträge bei uns per SMS gemeldet. Sein trockener Kommentar: „Jungs, der Wassertank ist ganz sicher dicht, dass kann nur der Abwassertank sein...!“

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