Screenshot YouTube/Quelle: WDR

Nach Jagd auf Rennradfahrer: SUV-Fahrer verurteilt

Bekanntes YouTube-Video Rennrad vs. SUV Nach Jagd auf Rennradfahrer: SUV-Fahrer verurteilt

Das Schöffengericht Bad Berleburg hat einen 56-jährigen SUV-Fahrer zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung, langem Führerscheinentzug und 150 Sozialstunden verurteilt. Ein Video des Vorfalls hatte im November 2021 bundesweit für Diskussionen gesorgt.

In dem Video ist zu sehen, wie der 56-jährige SUV-Fahrer Dirk B. zwei Rennradfahrer auf einer Landstraße mit hoher Geschwindigkeit extrem dicht überholte. Diese empörten sich durch Zeigen des Mittelfingers, woraufhin der Angeklagte mit seinem Wagen mitten auf der Straße anhielt, ausstieg und versuchte, die Rennradfahrer in voller Fahrt vom Rad zu ziehen. Diese wichen ihm jedoch aus, woraufhin der SUV-Fahrer wieder einstieg, die Verfolgung aufnahm und einen der beiden Radfahrer auf die Gegenfahrbahn jagte, erneut eng überholte, vor ihm einscherte und ihn so im Straßengraben zum Anhalten zwang. Daraufhin entspann sich ein hitziges Wortgefecht zwischen SUV-Fahrer und Rennradfahrern. Diese zeigten Dirk B. anschließend an. In der Gerichtsverhandlung, die nun am 06. Mai 2022 stattfand, wurde das von einer Bodycam aufgenommene Video als Beweismittel zugelassen.

Der Vorfall hatte großes Medieninteresse erfahren und war bundesweit diskutiert worden – nicht zuletzt unter (Renn)Radfahrenden, die ähnliches, wenn auch vielleicht nicht ganz so krasses Verhalten oft aus eigener Erfahrung kennen.

Bjoern Haenssler
Gefährliche Nähe: (Renn)Radfahrende und Autos teilen sich dieselben Wege.

Wegen schweren Eingriffs in den Straßenverkehr in drei Fällen sowie Nötigung wurde Dirk B. nun zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt – diese ist allerdings zur Bewährung ausgesetzt, der Angeklagte muss also nicht ins Gefängnis. Seine gesamte Bewährungszeit, während der er sich nichts zuschulden kommen lassen darf, wurde auf drei Jahre festgelegt – andernfalls muss er die Freiheitsstrafe doch antreten. Als vorbestraft gilt er in jedem Fall. Darüber hinaus bleibt der Führerschein des 56-Jährige, den dieser zeitnah nach der Tat abgeben musste, weitere 18 Monate eingezogen. Frühestens sechs Monate vor Ablauf der Sperrfrist kann Dirk B. einen Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis stellen, die dann geprüft wird und an Auflagen (zum Beispiel erneute Führerscheinprüfung und/oder eine medizinisch-psychologischen Untersuchung, im Volksmund "Idiotentest") geknüpft sein kann. Außerdem muss er 150 Sozialstunden ableisten gemäß Weisung eines Bewährungshelfers.

Wissen

Das Gericht legte zugunsten des Angeklagten aus, dass dieser nicht vorbestraft sei, sich bei den Rennradfahrern entschuldigt habe und sich vor Gericht geständig eingelassen habe, auch wenn er kein vollumfängliches Geständnis ablegte: Der Angeklagte räumte das objektive Tatgeschehen ein, betonte aber mehrfach, er habe keine Gefährdung oder Verletzung beabsichtigt. Presseberichte, denen zufolge der Angeklagte schon mehrfach im Straßenverkehr aufgefallen sei, zitieren ihn mit den Worten "Ich habe die Radfahrer nicht gefährdet". Wegen des eingezogenen Führerscheins soll der Angeklagte seine Stelle als Lkw-Fahrer verloren haben.

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Szene

Rechtsanwalt John Haug, Verkehrsexperte und selbst Rennradfahrer, mit dem ROADBIKE bereits über den Fall gesprochen hatte, erklärte auf Nachfrage: "Ohne nähere Detailkenntnisse des Verfahrensverlaufes zu haben, ist das Strafmaß in meinen Augen sehr gut nachvollziehbar: Eine Haftstrafe ohne Bewährung wäre bei dem offensichtlich nicht vorbestraften Täter kaum durchsetzbar gewesen." Angesichts der dreijährigen Bewährungszeit lasse sich sagen: "Das werden keine entspannten Jahre für den Beschuldigten, weitere Ausfälle darf er sich nicht zu Schulden kommen lassen." Das Urteil ist noch nicht rechtkräftig, Dirk B. hat die Möglichkeit, Berufung einzulegen.

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Austria Radspecial: Nock/bike Region Bach Kleinkirchheim, Millstätter See
Österreich
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