Stoneman Miriquidi Road Philipp Heinrich

Stoneman Miriquidi Road

Der einzigartige Ritt auf der erzgebirgischen Pultscholle

Stoneman für Rennradfahrer? Bereits seit zwei Saisons können Rennradfahrer am sogenannten Stoneman Miriquidi Road teilnehmen. ROADBIKE hat erste Infos und Bilder.

Die Stoneman-Familie ist um ein spannendes Highlight reicher: Seit 2018 lädt der Stoneman Miriquidi Road zum einzigartigen Ritt auf der Pultscholle ein. Das Rennrad-Pendant zum berüchtigten Stoneman Miriquidi für Mountainbiker führt auf 290 Kilometern über den deutschen Erzgebirgskamm und entlang des tschechischen Egergrabens. Ein Rennradabenteuer, dass alle Starter über wenig befahrende Straßen zu traumhaften Ausblicken und gleichzeitig an ihre konditionellen Grenzen führt. 4.900 Höhenmeter und 13 giftigen Rampen treiben jedem Rennrad-Fan das Laktat in die Beine und den Puls ans Limit.

Egal ob Gold (die komplette Strecke an einem Tag), Silber (an zwei Tagen) oder Bronze (an drei Tagen), der Stoneman-Vater und ehemalige MTB-Profi Roland Stauder verspricht: „Der Stoneman ist ein Bike-Erlebnis, das mit einem Traum beginnt und in einer tiefgreifenden Erfahrung endet.“ Martin hat sich seinen Traum vom Stoneman erfüllt. Wir haben ihn und seine Bike-Kollegen auf ihrem Stoneman Miriquidi Road-Abenteuer begleitet.

Es ist 6 Uhr morgens in Oberwiesenthal, der höchstgelegenen Stadt Deutschlands. Endlich startet das Stoneman-Abenteuer! Kurz nochmal alles gecheckt: Garmin geladen, GPS-Track installiert, Trinkflasche gefüllt? Und das wohl Wichtigste: Stempelkarte eingepackt? Insgesamt 290 Kilometer sind in den kommenden zwei Tagen zu bezwingen. Das ist sportlich, bietet ambitionierten Fahrern dennoch gleichzeitig die Möglichkeit, die Schönheit des Erzgebirges in vollen Zügen zu genießen.

Bei aufgehender Sonne geht es die ersten Kilometer entspannt über ruhige Nebenstraßen: Wie in einem Traum, aus dem man erst kurz vor der ersten Stempelstation am Bärenstein aufwacht. Der Anstieg gibt einen Vorgeschmack auf das, was einen die kommenden Tage erwartet: Sie ist die erste von den angekündigten 13 giftigen Rampen.

Stoneman Miriquidi Road
Tobias Ritz

Umso schöner ist das Gefühl, das erste Loch in die Stempelkarte zu stanzen. Auf gut geteerten Straßen rollt es sich weiter zu den nächsten Checkpoints. Entlang der Pressnitztalbahn geht es erst zur Drei-Brüder-Höhe und dann weiter zur Saigerhütte, das Zentrum der sächsischen Kupferverarbeitung. An dem großen Bergbaukomplex lässt sich erahnen, welchen Stellenwert der Bergbau für das Erzgebirge hatte. Mit der mannshohen Stoneman-Figur und einem herrlichen Biergarten ist dieser Ort perfekt, um ein kleines Erinnerungsselfie zu machen und die Energiereserven wieder aufzufüllen. Im Anschluss führt die Route weiter nach Seiffen. Der kleine Ort ist bekannt für seine Holzkunst und nicht nur in der Weihnachtszeit gut besucht. Unmengen von Touristen beschauen die Holzkunstschaufenster und drängen in die Cafés.

Stoneman Miriquidi Road
Tobias Ritz

Den nächsten Checkpoint kann man schon aus der Fernen erahnen: Inmitten von Feldern ragt der Schwartenberg einsam aus der Landschaft. Die Aufstiege beim Stoneman Miriquidi Road sind kurz, knackig und giftig. Die riesige Freude kommt auf, wenn man am Gipfel das erlösende Blau der Stoneman Miriquidi Checkpoint-Tafel leuchten sieht. Der Ausblick, der sich auf dem Gipfel auftut, ist eine Genuss und aller Mühe Lohn. Hier oben auf dem Schwartenberg lässt Martin seinen Blick über die Weiten des Erzgebirges schweifen, bevor er sich auf die rasante Abfahrt nach Neuhausen begibt. Von hier geht es auf kleinen, gut asphaltierten Nebenstraßen und über die malerische Talsperre Rauschenbach. Noch zwei knackige Anstiege, dann ist das Tagesziel endlich erreicht: das Naturhotel Gasthof Bärenfels.

Stoneman Miriquidi Road
Tobias Ritz

Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es am nächsten Morgen auf die nächste Etappe. Martin freut sich auf den Ritt durch den tschechischen Egergraben. Respekt flößen ihm die langen Rampen ein, die vor ihm liegen. Ganz in der Ferne gilt es den Königsanstieg auf den 1.244 Meter hohen Klínovec zu meistern. Aber jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt – oder besser mit der ersten Kurbelumdrehung.

Und so geht es zum Etappenbeginn in einen knackigen Anstieg hinauf nach Zinnwald. Nach einem flachen Stück auf dem Gebirgskamm folgt eine knapp 700 Tiefenmeter lange Abfahrt ins böhmische Becken nach Litvínov. Die erzgebirgische Pultscholle ist vor Jahrmillionen gen Süden schroff abgebrochen und gibt so immer wieder tolle Ausblicke frei. Die Stanze in Litvínov ist am Schloss Waldstein etwas versteckt angebracht. Aber der GPS-Track, den alle offiziellen Starter vor der Fahrt erhalten, führt zuverlässig zum Ziel.

Stoneman Miriquidi Road
Tobias Ritz

Nach einem schier endlosen Aufstieg nach Nová Ves v Horách ist wieder ein grandioser Ausblick der Lohn. Und auch die weitere Strecke ist ein purer Genuss. Hochwiesen stehen in voller Blüte, die Wälder duften wundervoll. Auch die Abfahrt nach Chomutov tut der Euphorie keinen Abbruch. Es macht einfach nur Spaß, das Rad rollen zu lassen.

Nicht weniger Spaß macht es, sein nächstes Loch beim Checkpoint in Chomutov in die Karte zu stanzen. Dieses unnachahmliche metallische Geräusch, das dabei entsteht, klingt wie Musik in den Ohren und wird zum Soundtrack dieses Abenteuers. Chomutov, check! Weiter geht es auf dem neu angelegten Radweg, entlang der zum Teil renaturierten Tagebaugrube. Sehr beeindruckend und ein krasser Kontrast zum bisherigen Streckenverlauf durch die erzgebirgischen Wälder.

Stoneman Miriquidi Road
Tobias Ritz

Der drittletzte Checkpoint wartet in Klášterec nad Ohří auf Martin und seine Begleiter. Der Ort begeistert mit seiner Flusspromenade. So schön der Anblick auf das idyllische Städtchen an der Eger ist, so groß ist die Ehrfurcht vor dem nun kommenden Königsanstieg: dem mächtigen Klínovec. Das 12 %-Schild grüßt gleich zu Beginn. Beim Stoneman geht es nicht um Zeit, sondern um Erlebnis, Gemeinschaft und natürlich den Kampf gegen den inneren Schweinehund. Und der wird jetzt nochmal ordentlich auf die Probe gestellt. Nach einem schier endlosen Aufstieg klingt das Stanzgeräusch am Gipfel umso schöner. Was für ein Gefühl!

Stoneman Miriquidi Road
Philipp Heinrich

Beschwingt geht es Bilder und Eindrücke des Erlebten rauschen durch den Kopf. Die Euphorie sogt für einen letzten Motivationsschub im finalen Anstieg. An der Stanze des 1.215 m hohen Fichtelbergs verewigt sich Martin ein letztes Mal! Es ist vollbracht: 290 km und 4.900 Höhenmeter sind in zwei Tagen bewältigt. Die silberne Trophäe bekommt ihren Ehrenplatz. Das Erlebnis ist Martin nicht mehr zu nehmen. Der Stolz über den Eintrag in die offizielle Finisher-Liste ist groß!

Fazit: Der Stoneman Miriquidi Road führt auf einer liebevoll gewählten Strecke auf kaum befahrenen Straßen und eine wundervolle, unberührte Natur durch die Erlebnisheimat Erzgebirge. Das Rennradabenteuer ist ideal für alle, die die abwechslungsreiche Topografie des Erzgebirges entdecken wollen und gleichzeitig eine ordentlich sportliche Herausforderung suchen.

Stoneman Miriquidi Road
Tobias Ritz

Hintergrundinformationen:

Der Stoneman Miriquidi Road ist als beeindruckender Rundkurs entlang landschaftlicher und bergbaugeschichtlicher Highlights des Erzgebirges eine sportliche Herausforderung. Ganz nach der individuellen Kondition kann der Stoneman Miriquidi Road zu einem beliebigen Zeitpunkt in der Saison zwischen Anfang Mai und Ende Oktober befahren werden.

Offizielle Starterkarten sind an öffentlichen Ausgabestellen sowie bei den Logis-Partnern entlang der Strecke erhältlich. Übernachtungsleistungen können bei den ausgewiesenen Logis- Partnern entlang der Strecke gebucht werden. Diese sind speziell auf Bedürfnisse von Rennradfahrern eingestellt.

Weitere Informationen unter: https://road.stoneman-miriquidi.com

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