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Schutzmasken von Biehler Biehler Cycling

Corona: Können deutsche Radbekleidungshersteller helfen?

Coronakrise: Biehler produziert Schutzmasken

ROADBIKE hat bei deutschen Herstellern von Radsportbekleidung nachgefragt, ob auch Schutzausrüstung produziert werden kann. Bei Biehler ist es schon soweit.

Trigema, H&M, Prada: In den letzten Tagen haben verschiedene Textilhersteller bekanntgegeben, Teile ihrer Produktion umzustellen, um dringend benötigte Schutzausrüstung für Krankenhäuser und Mitarbeitende im Gesundheitswesen zu fertigen, um einen Beitrag zur Bewältigung der gegenwärtigen Corona-Krise zu leisten. Auch so mancher deutsche Hersteller von Radbekleidung beschäftigt sich bereits mit der Frage.

Bei Biehler Cycling wird bereits produziert. Der Hersteller aus dem sächsischen Limbach-Oberfrohna – sonst bekannt für Radsportbekleidung Made in Germany, die auch in RB-Tests zu überzeugen wusste – hat einen Teil seiner Produktion auf die Herstellung von wiederverwendbaren Mund-Nasen-Schutzmasken umgestellt. "Wir werden überhäuft mit Anfragen von staatlichen Einrichtungen, sowie Pflege und Krankeneinrichtungen und natürlich auch von Unternehmen aus der Privatwirtschaft wie zum Beispiel Einkaufsmärkten", erklärt Sascha Winkler, Mitbegründer und Managing Director von Biehler, auf ROADBIKE-Anfrage. "Schutzausrüstung wird zur Zeit händeringend gesucht, vor allem der Medizin- und Pflegebereich ist auf jede Unterstützung angewiesen."

Schutzmasken von Biehler
Biehler Cycling
Produktion von Schutzmasken im sächsischen Limbach-Oberfrohna.

Biehler fertigt sowohl einen Basis-Mundschutz als auch einen gemäß DIN-Normen zertifizierten Mund- und Atemschutz gemäß Statex-Zertifikat. Beide Masken sind aus kochfester Baumwolle und somit waschbar und wiederverwendbar. Auch an zertifizierten Varianten für den Einmalgebrauch arbeitet Biehler, diese sollen in Kürze vorgestellt werden. Dem Unternehmen kommt dabei zugute, dass es bereits über Erfahrung mit der Herstellung von medizinischen Textilprodukten verfügt: Seit zwei Jahren fertigt Biehler – als weiteres berufliches Betätigungsfeld – Softorthesen, die unter anderem zur Stärkung, Stabilisierung und Aktivierung der Muskulatur eingesetzt werden, etwa bei Haltungsanomalien, muskulärer Hypothonie oder Parese.

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Die Schutzmasken können "nur" ab einer bestimmten Stückzahl erworben werden, Medizin- und Pflegeeinrichtungen werden bevorzugt behandelt. Bestellungen von Radbekleidung im Onlineshop liegt eine Maske bei.

Schutzmasken von Biehler
Biehler Cycling

Mehrere andere deutsche Radbekleidungshersteller, bei denen ROADBIKE nachgefragt hat, gaben an, sich bereits mit der Frage zu beschäftigen, ob man Schutzausrüstung produzieren wolle oder nicht. Die dafür notwendige Technik ist vielerorts vorhanden, die Bereitschaft ebenfalls. Sofern von offizieller Seite ein Bedarf signalisiert würde und die notwendigen Stoffe erhältlich seien, könne die Produktion anlaufen. Namentlich genannt werden wollte zum aktuellen Zeitpunkt (24.3.2020) aber (noch) niemand. Sobald neue Informationen bekannt werden, aktualisieren wir diesen Artikel.

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Update 26.3.2020:

Bei everve hat man sich zunächst gegen eine eigene Produktion von Mund-Nasen-Schutzmasken entschieden. Technisch sei die Umstellung der Produktion kein Problem, betonte Geschäftsführer Andreas Wolfer gegenüber ROADBIKE, "allerdings ist die medizinische Sinnhaftigkeit eines einfachen Mundschutzes ohne Filter mindestens umstritten bis nicht wirksam, um sich vor einer Ansteckung mit Covid-19 zu schützen und hat auch allenfalls einen geringen Effekt bei der Verbreitung der Viren." everve, die in Albstadt südlich von Stuttgart Radbekleidung produzieren und sich insbesondere auf innovative Radhosen spezialisiert haben, betont, extrem ressourcenbewusst arbeiten, was Produkte und Verpackung betrifft. "Deshalb haben wir uns entschieden, kein solches Produkt herzustellen, selbst wenn eine Nachfrage da wäre. Wir sind zu der Auffassung gelangt, dass diese Ressource an Material hier besser nicht verbraucht wird, zumindest solange nicht, wie ein eindeutiger Nutzen des Mund-Nasen-Schutzes nachgewiesen ist."

Helfen will everve trotzdem: "Solange es die Krise erfordert", wie es von everve heißt, wird der schwäbische Hersteller zehn Prozent seines Onlineumsatzes spenden. Bedacht werden die Albstädter Tafel und die Caritas Schwarzwald-Alb-Donau – "und damit Akteure, deren wertvolles Engagement gerade jetzt so wichtig ist – und gerade jetzt so schwer."

Auch Vaude hat sich zwischenzeitlich "nach intensiver Prüfung dagegen entschieden Atemschutzmasken zu produzieren, da unsere Produktion nicht auf die erforderlichen medizinischen Standards für diese Spezialprodukte ausgerichtet ist", wie Antje von Dewitz, Geschäftsführerin des Outdoor- und Radbekleidungsherstellers, gegenüber ROADBIKE erklärte. "Für uns stand klar im Vordergrund, dass wir nur Masken produzieren werden, wenn diese nachweislich vor Ansteckung schützen. Bei einfachen Stoffmasken ist dies leider nicht der Fall. Wir haben alle Möglichkeiten intensiv geprüft, sowohl die Herstellung bei uns am Firmensitz in Deutschland als auch bei externen Produktionsstätten."

Der Nutzen von Textilmasken wird derzeit in der Tat kontrovers diskutiert. Während die einen betonen, man könne so verhindern, andere anzustecken, wenn man selbst das Virus (unwissentlich) in sich trage und signalisiere auch nach außen, die Virusgefahr ernstzunehmen, widersprechen andere, eine Maske ohne Filter habe keinen Effekt und vermittle eine trügerische Sicherheit, es müsse bei reinen Textilmasken mindestens ein Filterpapier eingelegt werden, um eine gewisse Wirksamkeit zu entfalten (vgl. SPIEGEL-Online).

Auch der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), Klaus Reinhardt, räumte ein, einfache Stoffmasken oder sogar selbst genähte Masken garantierten zwar keinen Schutz vor Ansteckung, betonte jedoch, diese könnten das Risiko ein wenig verringern. "Sie sind besser als nichts, weil sie die Atemluft filtern." Professionellere Masken mit hochwertigen Filtern sollten hingegen denjenigen vorbehalten bleiben, die sie dringend benötigen: Erkrankte, Ärzte und Pflegepersonal."

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