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Interview: Romain Bardet

AG2R-Kapitän Romain Bardet im Interview

Eine Top-Ten-Platzierung bei der Tour ist kein Ansporn mehr und die World-Tour-Teams würde er nur noch mit sechs Fahrern antreten lassen – Bei der Tour de France 2019 holte der Franzose Romain Bardet das gepunktete Berg-Trikot. ROADBIKE hat mit ihm über seine Saison gesprochen.

ROADBIKE: Sie haben ja das Bergtrikot bei der Tour de France 2019 gewonnen, aber eine Top-Ten-Platzierung verpasst. Im Jahr davor war es andersherum. Was war für Sie der größere Sieg?

Romain Bardet: Ich glaube, ich habe jetzt sieben Mal an der Tour de France teilgenommen und habe fünf Mal eine Top-Ten-Platzierung erreicht. Ich brauchte eine neue Motivation. Ich weiß, dass ich vorne um die Top-Ten-Platzierung mitfahren kann. Ich bin am Ende in der Rangliste lieber weiter hinten und habe stattdessen die Emotionen. Das Rennen im Kampf um das Bergtrikot anzuführen, anstatt um Platz Sechs oder Sieben zu kämpfen, gibt mir diese neue Motivation.

Romain Bardet
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Romain Bardet bei der Tour de France 2019.

ROADBIKE: Die Weltmeisterschaft in Yorkshire steht kurz bevor, haben Sie Pläne dafür?

Romain Bardet: Ich werde dieses Jahr (2019, Anm.d.R) bei der Weltmeisterschaft nicht an den Start gehen. Eigentlich habe ich meine Saison schon nach der Tour de France beendet und konzentriere mich schon auf die nächste Saison.

ROADBIKE: Und haben Sie schon konkrete Ziele für nächstes Jahr?

Romain Bardet: Das müssen wir erstmal mit dem Team besprechen. Das nächste Jahr wird sehr spannend für Kletterer, auch wegen der Weltmeisterschaften (in der Schweiz, Anm.d.R.). Wir warten natürlich noch auf die Bekanntgabe der Strecken des Giro d’Italia und der Tour de France, um zu sehen, ob da etwas für uns dabei ist.

Romain Bardet
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Kleinere Teams, kein Funk, mehr Spannung. Bardet würde einige neue UCI-Regeln einführen.

ROADBIKE: Mal zu etwas anderem: Die UCI hat eine Umfrage unter Radsport-Fans durchgeführt und gefragt, was die Fans denn an den aktuellen Regeln gerne ändern, oder welche neuen Regeln sie befürworten würden. Dabei kam heraus, dass viele Fans dafür sind Leistungsmesser zu verbieten und das der Team-Funk nur noch für sicherheitsrelevante Themen eingesetzte werden sollte. Was ist Ihre Meinung dazu?

Romain Bardet: Ich stimme 100-prozentig zu, was den Funk angeht. Es wäre viel, viel besser, wenn die Fahrer auf eigene Faust das Rennen gestalten müssten. Es würde ohne Funk mehr Überraschungen geben, da bin ich sicher. Beim Leistungsmesser bin ich mir nicht so sicher. Die Top-Athleten haben so ein gutes Körpergefühl, da denke ich nicht, dass es ohne Leistungsmesser ein komplett anderes Rennen wäre. Vielleicht wäre es gut, es mal auszuprobieren. Aber ich denke nicht, dass es einen großen Unterschied machen würde.

ROADBIKE: Und wenn Sie eine Regel ändern könnten? Was würde Sie anders machen?

Romain Bardet: Ich würde die Anzahl der Fahrer in einem Team reduzieren. Wenn man nur noch 6 Fahrer pro Team starten lässt und dafür zwei oder drei Teams mehr zulässt, wird es ein interessanteres Renen.

ROADBIKE: Was denken Sie wären die Folgen von kleineren Teams?

Romain Bardet: Es gäbe mehr pures Rennfahren. Weniger Taktik, weniger Rennkontrolle. Das würde es auch für die Fans spannender machen.

Die Rennräder der Profi-Teams 2019

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ROADBIKE: Marcel Kittel hat im Sommer seinen Rücktritt erklärt. Seine Begründung war, dass ihm die Motivation gefehlt hat und er deshalb nicht mehr aggressiv genug um Siege gekämpft hat. Können Sie die Begründung nachvollziehen?

Romain Bardet: Das kann ich sehr gut verstehen. Marcel hat schon viele Siege geholt. Er war ein erstklassiger Fahrer. Aber um so erfolgreich vorne mitzufahren, muss man einfach auch viel opfern. Ich kann verstehen, dass da irgendwann die Motivation nachlässt. Wenig Zeit mit der Familie, die ganze Zeit unterwegs. Und als Sprinter braucht man einfach besonders viel Kampfgeist, wenn es um die finale Position geht.

ROADBIKE: Auf was freuen Sie sich denn am meisten, wenn die Saison vorbei ist.

Romain Bardet: Einfach mal Zeit für sich zu haben und nicht immer dem Zeitplan des Teams folgen zu müssen. Radfahren ist eine tolle Sache, aber die Erholung ist mindestens genauso wichtig. Auf dem Rad muss man einfach immer fokussiert sein. Während der Off-Season kann ich einfach mal sagen: Morgen geh ich lieber eine Runde wandern. Das geht während der Saison nicht.

ROADBIKE: Ja, während der Saison ist Radfahren eine Rund-um-die-Uhr-Beschäftigung.

Romain Bardet: Genau. Nicht nur die Rennen, auch die Ernährung und die Ruhezeiten sind genau geplant.

ROADBIKE: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg in der nächsten Saison.

Romain Bardet: Danke.

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