Zipp

Leicht, schnell, teuer: Zipp 353 NSW im Test

Erster Test: Zipp 353 NSW Laufräder Leicht, schnell, teuer: Zipp 353 NSW im Test

Die neuen 353 NSW-Laufräder von Zipp kommen der Vorstellung vom perfekten Allrounder schon sehr nah. Das tolle Fahrerlebnis hat aber leider einen saftigen Preis.

Nichts an diesen Laufrädern ist alltäglich, dafür vieles extrem: Die 353 NSW von Zipp kommen mit hakenloser Felge, die Maulweite beträgt für einen Straßenlaufradsatz sagenhafte 25 Millimeter. Tubelessreifen sind Pflicht, die aber auch mit Schlauch gefahren werden dürfen – mehr als fünf Bar sind jedoch nicht zugelassen. Optisch stechen bei der Felge das wellige Sawtooth-Profil (Sägezahn) ebenso ins Auge wie die Golfball-ähnlichen Dimples sowie die per Direktdruck-Technologie aufgebrachten Logos. Weniger als 1300 Gramm Setgewicht inklusive Felgenband sind für einen Disc-Laufradsatz ein herausragender Wert. Doch auch der Preis ist extrem: 3600 Euro für einen Laufradsatz können und wollen nicht alle bedenkenlos hinblättern.

Moritz Pfeiffer
Zipp 353 NSW: toller Praxiseindruck, geringes Gewicht, solide Steifigkeiten, sehr hoher Preis.

Klar ist: Für Traditionalisten ist das Set mit all seinen optischen wie technischen Extravaganzen nichts. Wer nur nach dem Fahreindruck geht und den Preis ausblendet, findet hingegen kaum ein Argument dagegen. So muss RB-Redakteur Moritz Pfeiffer – in der Regel kein Freund extrem teurer Laufräder – nach knapp 1000 Testkilometern konstatieren: "leider geil".

Labormessungen

Vor den ersten Ausfahrten wurde das Set einmal durch das RB-Prüflabor geschickt: 596 Gramm für das Vorder- und 698 Gramm für das Hinterrad inklusive montiertem Felgenband ergeben 1294 Gramm Setgewicht für einen Disc-Laufradsatz – Champions League! Die Seitensteifigkeit ist mit 78 Nm/° vorne und 77 Nm/° hinten keine Offenbarung, liegt aber absolut im grünen Bereich. Das war in der Vergangenheit bei ROADBIKE-Messungen mit Zipp-Laufrädern nicht immer der Fall – nicht selten lagen die Seitensteifigkeitswerte deutlich unterhalb des von RB als unbedenklich für alle Gewichtsklassen einzustufenden Limits. Ohne die teils exorbitanten Steifigkeitswerte der Konkurrenz zu erreichen hat Zipp dieses Problem jedoch in den vergangenen ein-zwei Modellgenerationen in den Griff bekommen – das zeigt sich jetzt auch beim leichtgewichtigen 353 NSW.

Moritz Pfeiffer
Die Felgen sind hakenlos, die Maulweite beträgt satte 25 Millimeter.

Licht und Schatten beim Aufbau: Vorder- und Hinterrad sind mittig und ohne Höhenschlag zentriert, allerdings weist das Vorderrad mit 0,84 Millimetern seitlichem Ausweichen einen geringfügigen Seitenschlag auf – das Hinterrad liegt mit 0,26 Millimetern im grünen Bereich.

Praxiseindruck

Mit diesen teils herausragenden, teils soliden Laborwerten ging es in die Praxiserprobung. Da auf die hakenlosen Felgen "nur" bestimmte Tubelessreifen montiert werden können, ist man in seiner Auswahl beschränkt – doch auf der Sram-Website findet man eine Liste kompatibler Anbieter, zu denen unter anderem natürlich Zipp-Reifen, aber auch Schwalbe, Michelin, Pirelli und Goodyear zählen (Continental hingegen nicht!).

Die Tubless-Montage gelang begeisternd leicht: Felgenband und Ventile sind werkseitig montiert, Goodyears Eagle F1 Tubeless Complete in 28mm Breite ließ sich vorne wie hinten einfach per Hand aufziehen, und ein paar Hübe aus einer Standpumpe genügten, damit sich der Pneu fest in die Felge setzt. Kompressor? Überflüssig. Vorne dichtete der Reifen unmittelbar ab, hinten benötigte es eine Runde um den Block, bis sich die eingefüllte Dichtmilch von Goodyear überall verteilt hatte und Druckverlust unterband. Insgesamt eine sehr positive, einfache Montage-Erfahrung.

Moritz Pfeiffer
Die Zipp 353 NSW am Pivot Vault von RB-Redakteur Moritz Pfeiffer.

Auf der Straße überzeugte das Gesamtsystem aus Laufrad und Reifen. Die Kombination beschleunigt toll, rollt sehr schnell, hält auch hohes Tempo sehr gut und zeigt sich erfreulich stabil bei Seitenwind. Auch bei schnellen Schwarzwald-Abfahrten mit Geschwindigkeiten jenseits der 70 km/h kam mit den Zipp 353 NSW im Gegensatz zu manchem Konkurrenzprodukt keine Unruhe auf – ein angenehmes, hohes Sicherheitsgefühl. Da gerade dieser Aspekt bei Hochprofilfelgen maßgeblich über Fahrspaß und Fahrsicherheit entscheidet, fällt das Urteil positiv aus.

Für viele dürfte es ungewohnt sein, einen Rennradreifen "nur" mit maximal 5 bar aufzupumpen. Auch hier bietet die Sram-Website Orientierung – gemäß der dortigen Liste war 4,2 bar der richtige Luftdruck für Testredakteur Moritz Pfeiffer. Es kostet Überwindung, so früh aufzuhören mit dem Pumpen, doch bereits nach wenigen Ausfahrten war klar: Das Set-up bedeutet keinerlei spürbaren Nachteile in punkto Rollwiderstand, bügelt Fahrbahnunebenheiten aber angenehm glatt und bietet sehr viel Grip.

Moritz Pfeiffer
Gute Kombination: Goodyears Tubelessreifen Eagle F1 rollte sehr schnell und vermittelte viel Sicherheit. Sehr gut gefällt der quasi nahtlose Übergang von Felge und Reifen, der auch auf die Aerodynamik einzahlt.

Erwähnenswert, nicht zuletzt aufgrund des geringen Gewichts: Jeder Antritt, egal ob am Berg, nach einer Kurve oder im Sprint – macht richtig viel Spaß! Dadurch – und in Kombination mit dem schnell rollenden Reifen – hat man das Gefühl extrem effizienten Vortriebs, der Spaßfaktor ist extrem hoch.

Fazit

Viel Geld, aber auch ein toller Laufradsatz. Und im Vergleich zum "alten" 454 NSW, den ROADBIKE vor einigen Jahren testen konnte und den Zipp inzwischen überarbeitet hat, ist der aktuelle 353 NSW ein Quantensprung. Einzig der hohe Preis dürfte bewirken, dass dieser Traum von einem Laufradsatz für viele ein Traum bleiben dürfte.

Moritz Pfeiffer
Schönes Detail: Das wellige Sawtooth-Profil der Felge findet sich auch an der in Deutschland entwickelten Cognition V2 DB-Nabe.
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