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Shimano 105 R7000 im Test

Test: Shimano 105 Rennradschaltung R7000

Die neue Shimano 105 Rennradschaltung – Baureihe R7000 – ist vielseitiger denn je. Mit Disc- oder Felgenbremse, vielen Möglichkeiten bei der Übersetzung und einzigartigen Brems-/Schalthebeln stellt sich im ersten Test die Frage: Läuft sie der großen Schwester Ultegra den Rang ab?

Shimanos Komponentengruppe 105 hat eigentlich nur zwei Probleme. Sie heißen: Ultegra und Dura-Ace. Als Nummer 3 in Shimanos Rennrad-Gruppen-Hierarchie steht die 105 traditionell etwas im Schatten der höherpreisigen Schaltungen mit den wohlklingenden Namen. Rein funktional konnte man der Shimano 105 dagegen nie viel vorwerfen, und die jüngste 105-Generation, Modellreihe R7000, startet mit viel Elan.

Was ist neu an der Shimano 105

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Die neuen Hebel für hydraulische Scheibenbremsen sind deutlich kleiner geraten.

Der Test der neuen Gruppe in beiden Versionen – mit Disc- und Felgenbremse – soll zeigen, wie es um deren Qualitäten steht. Und um den Glamour-Faktor. Die Voraussetzungen der neuen 105 stimmen jedenfalls: Die Schaltgruppe bietet dank der zusätzlichen Kettenblattkombination 52/36 mehr Gangabstufungen denn je, kommt mit gruppenzugehöriger Hydraulik-Disc inklusive ergonomisch und optisch attraktiven Brems-/Schalthebeln, obendrein gibt’s für die Shimano 105 R7000 exklusiv ein Brems-/Schalthebel-Pärchen für Fahrer/innen mit kleinen Händen.

Ein weiterer Punkt auf der Habenseite der neuen 105: Optisch wirken die getesteten mattschwarzen Teile sehr wertig – fast schon wie eine mattierte Version der Dura-Ace. Die aktuelle Ultegra R8000 kann sich im direkten Vergleich kaum davon absetzen – fanden die Tester.

Kurz: Die „kleine Schwarze“ gefällt – und passt zu fast jedem Rahmen. Optional gibt’s die R7000 zudem, ganz klassisch, in Silber. Aber auch unabhängig vom Finish überzeugt die R7000. Im Praxistest mussten die Tester spürbare Unterschiede zur Ultegra schon gezielt suchen.

Noch keine elektronische Version der Shimano 105 R700

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Anders als Dura-Ace und Ultegra gibt es die Shimano 105 auch in silber.

Was in diesem Test fehlt, ist eine elektronische Variante der 105 – weil die auch in der aktuellen Generation nicht angeboten wird. Viel wurde über eine kostengünstige Di2 auf 105-Niveau spekuliert, nicht wenige haben fest damit gerechnet. Shimano sagt dazu offiziell nur: „Gibt’s nicht.“

Hinter vorgehaltener Hand verraten die japanischen Entwickler ihr Dilemma: Die elektronischen Bauteile (Akku, Motoren etc.) sind bei Ultegra und Dura-Ace weitgehend baugleich – und für die Verwendung in einer noch günstigeren 105 schlicht zu teuer. Außerdem müssen die Japaner wohl auch funktional einen gewissen Abstand zwischen den Gruppen bewahren, um den Aufpreis nicht nur mit Gewichten und Haltbarkeit zu rechtfertigen. Dieser gewollte Abstand zur Ultegra ist bei der neuen 105 weiter geschrumpft. Die neue 105er funktioniert top.

Bei der vorigen 105-Generation (5800) konnte der Eindruck entstehen, Shimano habe ihr absichtlich Innovationen der teuren Ultegra (6800) vorenthalten, um die preisliche Differenz mit technischem Abstand zu rechtfertigen. Ganz anders bei der neuen R7000: Sie steht fast auf der gleichen Innovationsstufe wie die Ultegra R8000.

Schaltung: So funktioniert die neue Shimano 105

Bei der Schaltung bleibt die neue 105 schön übersichtlich: Es gibt einen Umwerfer, einen Kurbelsatz sowie ein Schaltwerk mit langem Käfig (Version „GS“, für Kassetten mit großem 28er- bis 34er-Ritzel) und eines mit kurzem („SS“) das maximal ein 30er-Ritzel bedient. Das 105-Schaltwerk setzt dabei auf die „Shadow RD“-Technologie: Es steht zentral unter dem Ritzelpaket und wandert nicht mehr so weit nach rechts (in Fahrtrichtung, 33 statt bisher 45 mm) und ist so besser geschützt.

Baugleich mit Ultegra und Dura-Ace kommt auch der R7000-Umwerfer mit seiner kompakten Anlenkung für mehr Reifenfreiheit, außerdem ist jetzt die Zugspannung justierbar, was sich als extrem nützlich erwiesen hat. Neu ist zudem die Zugführung: Sie soll gleiche Funktion garantieren, egal wie der Zug vom Rahmen kommt – hier empfiehlt sich vor der ersten Montage unbedingt ein Blick in die Montageanleitung.

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Die neue Shimano-105-Kurbel erinnert optisch stark an die großen Geschwister Dura-Ace und Ultegra.

Der Kurbelsatz bietet die Kettenblattkombinationen 53/39, 50/34 und, jetzt neu, die Semi-Kompaktabstufung 52/36 – dadurch sind mehr Gangabstufungen möglich als bei früheren 105-Ensembles. Am jeweils großen Kettenblatt der 105 zeigt sich der größte Unterschied zu Ultegra und Dura-Ace: Bei den teureren Gruppen ist das große Blatt aus zwei Teilen zusammengeklebt und hohl, diese kostenaufwendige Verarbeitung spart sich Shimano bei der R7000. Deshalb wiegt der Kurbelsatz, je nach Variante, knapp 50 Gramm mehr als bei der aktuellen Ultegra. Kombinieren lassen sich die drei Kettenblattabstufungen mit folgenden Kassetten-Abstufungen: 11–25, 11–28, 11–30, 11-32 oder 11–34.

In den Brems-/Schalthebeln für Disc- und Felgenbremsen steckt die gleiche, komplett neu entwickelte Schaltmechanik, die auch bei Ultegra und Dura-Ace Verwendung findet. Sie sorgt für kürzere Hebelwege und klareres Feedback bei jedem Gangwechsel. Trotz der neuen Technik haben die Schaltkomponenten in Summe auch noch knapp 40 Gramm abgespeckt.

Shimano 105 mit Scheiben- oder Felgenbremsen

Die neuen R7000-Felgenbremsen spiegeln 1:1 die Ultegra-Bremsen wider: Neben dem herkömmlichen Modell mit doppeltem Drehpunkt (Dual Pivot) bietet Shimano auch Bremszangen für Direct-Mount-Sockel an. Interessant: Die Felgenbremsen wurden (ebenfalls analog zu den Top-Gruppen) wenige Gramm schwerer. Auf Nachfrage erklärt Shimano den Zuwachs mit stabileren Bremskörpern, die höhere Bremskraft garantieren sollen. Disc-Kritiker behaupten, dies solle das Mehrgewicht der Disc-Anlagen etwas relativieren. Denn das ist bei der R7000 erheblich: 290 Gramm mehr wiegt die hydraulische Scheibenbremsanlage im Vergleich zur R7000 mit Felgenbremsen. Hier kann die Ultegra punkten: Das Disc-Mehrgewicht beträgt hier „nur“ 245 Gramm.

Erstmals hat die Shimano 105 eine eigene hydraulische Bremsanlage. Das ist optisch und ergonomisch ein riesiger Schritt nach vorn. Die Brems-/Schalthebel für die Disc (R7070) entsprechen im Umfang denen der Ultegra – die Maße unterscheiden sich um weniger als einen Millimeter. Der einzige Unterschied fällt an den Bremsscheiben sofort auf: Sie kommen ohne die aufwendigen Kühlrippen der Ultegra- und Dura-Ace-Discs, werden ebenfalls in Sandwich-Bauweise gefertigt: Zwischen den Reibflächen aus Stahl steckt ein Alu-Kern – Shimano nennt das Ice-Tech. Wie gut die Scheiben ohne Kühlrippen mit der Bremshitze klarkommen, muss ein Labortest zeigen. Bei den Testfahrten bewiesen die 160-mm-Scheiben (140-mm-Discs gibt’s für die R7000 nicht) Standfestigkeit.

Der Test: So schlägt sich die Shimano 105 auf der Straße

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Daniel Geiger
Shimano 105 R7000 Test

Egal ob man schaltet oder bremst, jede Interaktion mit der neuen R7000-Gruppe ist erst mal eine neue Erfahrung: Im Vergleich zur Vorgängerin 5800 funktioniert die neue 105 deutlich spürbar besser.

So greift sich die neue Shimano 105 R7000

Die Brems-/Schaltgriffe der neuen 105 liegen so gut in der Hand, wie man das von der aktuellen Ultegra kennt. Form und Ergonomie (mit noch größerem Verstellbereich der Griffweite) sind identisch: Der etwas kompaktere Griff „passte“ für alle Tester und liegt gut in der Hand. Das gilt für beide R7000-Griff-Varianten: Zwischen Disc- und Felgenbremse lassen sich keine Unterschiede ausmachen. Das bedeutet für Freunde der Scheibenbremse eine riesigen Fortschritt gegenüber den doch recht klobigen ST-RS505-Hebeln, die Shimano der 5800 in der Disc-Option zur Seite stellte. Damit präsentieren sich die wichtigsten Kontaktpunkte am Rennrad mit der neuen Gruppe auf zeitgemäßem Niveau – egal ob mit Disc- oder Felgenbremse.

So bremst die neue Shimano 105 R7000

Die neue 105-Disc arbeitet auf dem Niveau der Ultegra-Disc. Sie packt sehr kraftvoll zu, die Bremskraft steigt mit zunehmendem Bremshebelweg schnell an. Dennoch zeigt sich die kraftvoll zupackende Bremse dabei berechenbar und zuverlässig dosierbar. Probleme – etwa mit Hitze – traten im Test nicht auf, auch ohne die zusätzlichen Kühlrippen der Ultegra-Disc. Allerdings war keiner der Tester schwerer als 80 Kilo, und die Testrunden fanden nicht im alpinen Bereich statt.

Bei den Felgenbremsen gab’s bereits zur Version 5800 gravierende Veränderungen: die Reifenfreiheit bis 28 mm etwa oder der Doppel-Drehpunkt für mehr Bremspower – daran ändert sich auch bei der R7000-Variante nichts. Neu sind der Bremshebel (siehe oben) und das griffgünstigere Hebelchen zum Öffnen der Bremszange beim Laufradwechsel.

So schaltet die neue Shimano 105 R7000

Dass alle Schaltkomponenten neu sind, spürt man deutlich: Gangwechsel gehen bei der R7000 direkter und schneller von der Hand. So gut wie die aktuellen Shimano-Umwerfer arbeitet kein anderes mechanisches System, das gilt endlich auch für die 105. Auch das neue Schaltwerk folgt präziser als bislang. So macht die neue 105 in Sachen Schaltung einen gewaltigen Schritt nach vorn, fanden die Tester. Und Unterschiede zur Ultegra? Ist sie noch einen Tick knackiger? Vielleicht glaubt man es zu spüren.

Fazit: 105 oder Ultegra?

Bei der Shimano 105 R7000 steht am Ende immer nur diese eine Frage: Ist sie gut genug, oder muss es doch die Shimano Ultegra sein? Bisher war die Antwort: Ja, aber ... Bei der neuen R7000 ist es einfacher. Wer auf das Prestige (und eine Elektronik-Schaltung) verzichten kann, fährt mit der neuen 105 bestens. Sie liegt technisch und funktional deutlich näher an der Ultegra, als es bei den Vorgänger-Gruppen der Fall war. Bleibt der Gewichtsunterschied zur Ultegra: Die rund 140 Gramm Mehrgewicht der 105 mit Felgenbremse sind gut zu verkraften; die fast 300 Gramm Mehrgewicht R7000 in der Disc-Version wiegen im Wortsinn schwerer. Funktional spricht nichts gegen die R7000 Disc.

Preisvergleich: Hier gibt es die Shimano 105 in unseren Partnershops

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