RB-0512-Carbon-Sattelstützen-Teaser Björn Hänssler
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11 Carbon-Sattelstützen im RoadBIKE-Test

Test: 11 Carbon-Sattelstützen

Wie viel Komfort am Rennrad bringt ­eine gute Sattelstütze aus Carbon? Die Antwort liefert der große RoadBIKE-Check.

Leicht und steif: Nur das musste ein Renn­rad noch vor wenigen Jahren sein, um als Top-Rad tituliert zu werden. Doch diese Zeiten sind endgültig vorbei: Mittlerweile ist Komfort erklärtes Entwicklungsziel – als dritte, gleichberechtigte Eigenschaft neben geringem Gewicht und hoher Verwindungssteifigkeit.

Für das Komfortplus sind zum einen die Rahmen-Gabel-Sets verantwortlich. Darüber hinaus sorgen auch die Anbauteile für ein angenehmeres Fahrverhalten. Maßgeblich daran beteiligt: die Sattelstütze.

Sie soll unter Last leicht einfedern, wenn es zum Beispiel durch fiese Schlaglöcher oder über ruppiges Pflaster geht. Und die Sattelstütze soll Vibrationen spürbar dämpfen, wie sie auf rauem Straßenbelag häufig entstehen.

Um herauszufinden, wie gut aktuelle Carbon-Modelle diesen Job erledigen, hat RoadBIKE die wichtigsten Sattelstützen-Anbieter zum Komfort-Check gebeten. 11 Hersteller folgten der Einladung und schickten ihre Top-Kandidaten zu Preisen zwischen 84 und 269 Euro in den großen Laborvergleich.

Die Klügere gibt nach

"Aber warum ist der Komfort beim Rennrad eigentlich plötzlich so wichtig?", fragen sich vor allem Rennfahrer alter Schule. Die Antwort liefert die Trainingswissenschaft: Mittlerweile weiß man, dass der Körper eine nicht zu vernachlässigende Menge an Energie aufbringen muss, um sich in Radposition zu halten.

Diese Energiemenge steigt weiter, wenn die Muskeln, etwa durch erhöhte Körperspannung, auf schlechten Straßen als "Stoßdämpfer" fungieren müssen. Deshalb sollten Stöße und Vibrationen so gut es geht vom Fahrer ferngehalten werden.

Die einfache Regel lautet: Je mehr das Rad "schluckt", desto weniger Haltearbeit müssen die Muskeln leisten. So bleibt mehr Kraft für zusätzliche Kilometer, Antritte am Berg oder Sprints in Richtung Ortsschild. Kurz und knapp: ­Komfort macht schneller!

Als Indiz für den Komfort eines Rades misst Road­BIKE im Labor die vertikale Nachgiebigkeit des Sets aus Rahmen, Gabel und Sattelstütze. Im Abgleich mit unzähligen Testfahrten haben sich Werte von unter 350 N/mm als ausreichend komfortabel erwiesen – bis zu diesem Punkt erstreckt sich der "Grüne Bereich", in dem moderne Stützen idealerweise liegen sollten.

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Tests

Komfortable Rennrad-Sattelstützen aus Carbon

Erfreulich: Alle Sattelstützen im Vergleich bleiben unter dem Grenzwert von 350 N/mm. Manche nur knapp, andere überaus deutlich.

Das heißt: Mit allen Kandidaten lassen sich auch harte Aluminium-Rahmen, wie etwa das für den Test herangezogene Modell, spürbar komfortabler machen. Noch bessere Ergebnisse ergeben sich dementsprechend, wenn zusätzlich zur Stütze auch der Rahmen vertikal flext.

Dies zeigt zum Beispiel der Wert der Specialized S-Works Pavé, einer alten Bekannten im Testlabor von RoadBIKE. Die Kombination aus dieser Stütze und dem Komfortrahmen der Amerikaner, dem Roubaix, kommt bei Sitzkomfort­tests regelmäßig auf Werte, die satt im grünen Bereich liegen.

Die Stütze allein ist deutlich weniger nachgiebig. Ein klares Indiz dafür, dass die Sattelstütze den Komfort eines Sys­tems zwar stark beeinflusst, aber nicht allein dafür verantwortlich ist.

Sattelstützen-Test: Komfort- und Preisunterschiede

Als größter Komfortgarant hat sich im Labortest die Canyon VCLS Post erwiesen, die standardmäßig in vielen Komplettrad-Modellen des Versenders verbaut wird, aber auch separat als Tuning-Teil zu haben ist.

Sie setzt mit ihrem Komfortwert von 191 N/mm einen neuen Maßstab in Sachen vertikale Nachgiebigkeit. Zum Vergleich: Die zweitbeste Stütze im Vergleich, die Easton EC 90 Offset, kommt gerade mal auf 274 N/mm.

Absolut und auch relativ gesehen ist dies zwar ein sehr gutes Ergebnis, doch der Abstand zum Komfortsieger Canyon beträgt dennoch satte 43 Prozent.

Hilft viel wirklich viel?
Eine weitere Erkenntnis aus dem Vergleich: Selbst sehr guten Alu-Stützen gelingt es nicht mehr, guten Carbon-Modellen das Wasser zu reichen.

Außerhalb der Wertung wurde Ritcheys WCS Alu mit den Carbon-Stützen verglichen. Das Ergebnis: Die beste Carbon-Stütze flext mehr als doppelt so stark wie das Referenzmodell aus Alu.

Doch wie ist dieser Abstand einzuordnen? Kann es auch zu viel des Guten geben? Die Antwort lautet definitiv: Ja. Dann nämlich, wenn die Stütze so stark flext, dass sie auch bei Tretbewegungen und zackigen Fahrmanövern spürbar nachgiebt und so ein unangenehm schwammiges Sitzgefühl erzeugt. Das haben Testfahrten mit Prototypen verschiedener Hersteller ergeben.

Carbon-Sattelstützen im Test: Fazit

Wenn die Nachgiebigkeit einer Stütze aus dem extremem Versatz des Stützenkopfs nach hinten resultiert, kann es Probleme geben, weil die Stütze nicht mehr zur Geometrie des Rades passt.

Der Fahrer sitzt dann unter Umständen zu weit hinterm Tretlager und bringt nicht mehr den maximalen Druck aufs Pedal. Wenn sich dann noch die Stütze so weit Richtung Hinterreifen bewegt, dass die Sattelspitze unangenehm nach oben in den Schritt drückt, wird es endgültig problematisch.

Dies ist zwar bei der Canyon VCLS ausdrücklich nicht der Fall, ein deutliches Mehr an Flex dürfte jedoch aktuell nur wenig erstrebenswert sein.

Komfort ist nachrüstbar. Das haben die Labormessungen eindeutig bewiesen. Selbst ein harter Alu-Rahmen kommt mit den Modellen im Test auf einen mindestens guten Wert bei der Nachgiebigkeit – mit den besten Komfortstützen sind sehr gute Ergebnisse möglich.

Die Canyon VCLS Post stellt dabei die Konkurrenz beeindruckend in den Schatten. Ihr Komfort ist überragend, dasselbe gilt auch für ihren Preis: Mit rund 100 Euro ist sie die zweitgünstigste Stütze im Vergleich und damit ein echter Tuning-Tipp für mehr Komfort.

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