Schwalbe Aerothan-Schläuche Hersteller

Erster Test: Schwalbe Aerothan Schlauch

Schwalbe bringt neuen Leichtbauschlauch Aerothan

Schwalbe verspricht eine Revolution: Der neue Leichtbauschlauch Aerothan aus Kunststoff soll signifikant leichter, elastischer und pannensicherer sein als klassische Gummischläuche. RB ist ihn schon gefahren.

Thermoplastisches Polyester-Polyurethan – das soll die Zauberformel sein für Schwalbes neuen, durchsichtigen Leichtbauschlauch. Dieser soll dank des in fünf-jähriger Entwicklungszeit optimierten Wundermaterials doppelt so pannensicher sein wie andere Schlauchmaterialien, darunter das klassische Butyl: 47 Newton sind laut Schwalbe nötig, um den Schlauch zu durchstechen – das wäre ein Fabelwert, denn bei ROADBIKE-Pannenschutztests mit Schläuchen erreichten die besten Modelle Werte sogar "nur" um 11 Newton (vgl. RB 01/18). Auch gegenüber Durchschlägen (sogenannten Snake Bites) soll sich der neue Schwalbe Aerothan deutlich resistenter zeigen.

Schwalbe Aerothan-Schläuche
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Die Race-Ausführung des Aerothan-Schlauchs.

Darüber hinaus verspricht Schwalbe weitere Materialeigenschaften, die (Renn-)Radfahrer erfreuen dürften: Der Rollwiderstand soll auf dem Niveau schneller Latexschläuche liegen – das bedeutet gemäß RB-Testergebnissen aus Ausgabe 01/18, dass man etwa vier Watt "schneller" rollt. Zudem ist der neue Schlauch laut Schwalbe extrem hitzebeständig – plötzliche Schlauchplatzer, wie bei Felgenbremsen bei extremen Schleifbremsungen möglich, sollen so keine Gefahr mehr darstellen. Getestet wurde bis zu 78 km/h Geschwindigkeit und über 150° C. Interessant in punkto Nachhaltigkeit: Der Schlauch ist "Made in Germany", soll sehr haltbar sein und das Material zu 100 % recyclebar – defekte Schläuche also bitte an Schwalbe zurückschicken.

Last but not least: Packmaß und Gewicht. Durch das auffällig dünne, glatte und "kunststoff-artige" Material lässt sich der neue Aerothan-Schlauch extrem klein zusammenfalten. Das sorgt für mehr Platz in Sattel- oder Trikottasche oder ermöglicht es vorsichtigen Charakteren, unterwegs gleich zwei Ersatzschläuche dabei zu haben. Das Gewicht gibt Schwalbe mit 41 Gramm für die Rennrad-Version an – auf der RB-Waage waren es immer noch sehr gute 47 Gramm. Zum Vergleich: Der leichteste Schlauch im Test in RB 01/18 kam auf 70 Gramm.

Ausführungen

Schwalbe bietet den neuen Aerothan-Schlauch in drei Ausführungen an: Rennrad für 23-28 mm oder 28-35 mm breite Reifen, Gravel/Trekkingrad für 37-50 mm breite Pneus sowie diverse Mountainbike-Ausführungen. Kleiner Wermutstropfen: Alle Schläuche werden "nur" mit 40-mm-Ventil angeboten – wer mit Hochprofilfelgen unterwegs ist, muss mit Ventilverlängerungen arbeiten.

Schwalbe Aerothan-Schläuche
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Produktübersicht Schwalbe Aerothan-Schlauch.

Erster Praxiseindruck

RB ist den Aerothan-Rennradschlauch für 23-28mm Reifenbreite bereits Probe gefahren. Wir drehten zunächst zwei Testrunden unmittelbar nacheinander auf identischem Kurs: einmal mit einem "klassischen" Butyl-Set-up, einmal mit den neuen Aerothan-Schläuchen.

Mit dem erwähnten Gewicht von 47 Gramm pro Schlauch sparten wir dabei gegenüber unserer zuvor montierten Kombination aus zwei "klassischen" Butyl-Schläuchen, die zusammen auf 205 Gramm kamen, immerhin 111 Gramm.

Die Montage gelang ohne Probleme, allerdings ist das Aerothan-Material sehr rutschig. Man erleichtert sich das Montage-Geschäft, wenn man den Schlauch vor dem Einlegen in den Reifen mit zwei-drei Hüben aus der Standpumpe in Form bringt (was natürlich auch bei Butyl-Schläuchen gilt).

Moritz Pfeiffer
Größenvergleich Aerothan- vs. Butylschlauch

Nach den Testrunden bleibt ein sehr guter, irgendwie aber auch weniger spektakulärer Eindruck zurück als vielleicht man angesichts der Superlative in der Pressemeldung von Schwalbe erwartet hätte: Mit den Aerothan-Schläuchen beschleunigt das Rad geringfügig spritziger dank des geringeren Gewichts an rotierender Masse (zumal außen an den Felgen), der geringere Rollwiderstand ließ sich jedoch nicht unmittelbar "erfahren". Vorsätzlich ungeschickt gefahrene Bordsteinkanten, bei denen mancher Butylschauch vermutlich schon kapituliert hätte, ließen die Aerothan-Schläuche kalt. Andere Eigenschaften wie Hitzebeständigkeit, Luftdichtigkeit oder Haltbarkeit ließen sich naturgemäß noch nicht überprüfen – Erfahrungswerte werden nachgereicht. Ach ja, der Kostenpunkt: 27,90 Euro ruft Schwalbe als UVP für die Rennradversion auf, 29,90 Euro sind es bei den Plusgrößen SV19FR und SV21FE. Das ist nicht wenig im Vergleich zu Butylschläuchen, selbst wenn man in Rechnung stellt, dass die "Straßenpreise" deutlich darunter liegen werden. Der hohe Anschaffungspreis würde sich jedoch relativieren, wenn es um Pannenschutz und Haltbarkeit tatsächlich so gut steht wie von Schwalbe versprochen.

Insgesamt erscheinen die neuen Aerothan-Schläuche als vielversprechende Technologie – und als ernste Alternative etwa für Leichtbauschläuche á la Tubolito. Interessant ist in diesem Kontext, dass mit Schwalbe ausgerechnet ein glühender Verfechter der Tubeless-Technologie für diese neue Option im Rennradkosmos verantwortlich zeichnet...

Schwalbe Aerothan-Schläuche
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Schwalbe bietet seinen neuen Aerothan-Schlauch in Rennrad-, Gravel-/Trekking- und MTB-Ausführungen an.
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