Shimano Dura-ace R9200 2022 Irmo Keizer / Andreas Dobslaff - Shimano
Shimano Dura-ace R9200 2022
Shimano Dura-Ace R9200 Shimano Ultegra R8100
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Shimano Dura-Ace Di2 und Ultegra Di2: alle Infos!

Shimano Dura-Ace Di2 9200 und Ultegra Di2 8100 Alle Infos zur neuen Dura-Ace Di2 und Ultegra Di2

"For those who never compromise" – unter dieses Motto stellt Shimano die Top-Gruppe Dura-Ace. Das Update von Shimanos Flagschiff ist schon überfällig, jetzt wurde die neue Top-Gruppe endlich vorgestellt. Wir haben alle Infos und einen ersten Test.

"Shimano bringt 12-fach!" Was noch vor wenigen Jahren als Sensation durchgegangen wäre, klingt im Spätsommer 2021 wenig spektakulär. "Ach ja, jetzt auch?", mag der eine oder die andere spontan denken. Ein Paukenschlag klingt anders. Tatsächlich setzt der Marktführer aus Japan als letzter der drei großen Komponentenhersteller aufs zwölfte Ritzel. Und ja, auch Funk ist bei der neuen Gruppe mit an Bord, zumindest teilweise. Aber auch das ist nicht ganz neu.

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Lautet das Motto bei der lang erwarteten Top-Gruppe aus Japan also eher "Evolution denn Revolution"? Gemach, im Fall der neuen Dura-Ace ist es die Vielzahl von Verbesserungen – Shimano nennt es "Science of Speed" –, die am Ende ein Bild ergeben. Und zwar ein sehr eindrucksvolles, wie der erste Praxistest der neuen Top-Gruppe gezeigt hat.

Dura-Ace nur noch elektronisch

"For those who never compromise", lautet das Motto, unter dem die Gruppe in den Markt geht. Keine Kompromisse also. Oder wie es Erik van Kooten, Category Marketing Manager Road von Shimano, zusammenfasst: "Die Dura-Ace steht für Perfektion." Um diesem Ziel möglichst nahezukommen, wird es die R9200 nur noch als Di2 geben, die mechanische Dura-Ace ist Geschichte. Und kaum ein Bauteil blieb unangetastet: Antriebsstrang, Elektronik, Bremsen, Laufräder.

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Höhere Griffhöcker, größere Schalttasten an der neuen Dura-Ace.

Auch die Ergonomie wurde weiter optimiert. Die Schalt-/Bremshebel zum Beispiel, die mit längerem Griffkörper und höheren Höckern großen Händen mehr Platz bieten und mehr Variationen beim Greifen ermöglichen. Die Hebel sind leicht nach außen gestellt, die Schalttasten fallen etwas größer aus, sind klarer voneinander abgesetzt – und treffsicherer bedienbar. Schaltbefehle werden vom STI-Hebel nun per Funk übertragen, wenn gewünscht.

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Weiterhin mit Felgenbremsen

Eine Knopfzelle (CR1632) in jedem Hebel liefert den Strom und soll bis zu zwei Jahre halten. Alternativ ist weiterhin eine Anbindung per Kabel möglich. Bei den Hebeln für mechanische Felgenbremsen, die Shimano auch zur neuen R9200-Gruppe optional anbietet, ist die Verkabelung obligatorisch: Felgenbrems-Anhänger müssen auf die Funkschaltung verzichten, deren Hebel gibt’s nicht drahtlos. Aber zumindest müssen Felgenbrems-Fans nicht komplett auf die neue Dura-Ace mit 12 Ritzeln verzichten.

Auch die bekannten Sprinter- oder Oberlenker-Schalttasten, die sich zusätzlich in das System einbinden lassen und deutlich kompakter ausfallen (sowie in kompatible Lenker nahezu unsichtbar zu integrieren sind), setzten weiterhin auf Kabel. Die Steckverbinder aller Kabel bauen dabei schlanker als die der noch aktuellen Di2-Modelle. Die bekannten "Junctions", wo alle Kabel zusammenlau­fen, und auch das "D-Fly"-Funkmodul entfallen künftig, die "Intelligenz" samt Funksender (ANT+ und Bluetooth) sitzt im Schaltwerk, das nur noch in einer Käfiglänge zu haben ist und alle verfügbaren Kassetten (11–28, 11–30, 11–34) bedient.

Schneller Schalten trotz Funk

Umwerfer und Schaltwerk werden auch künftig von einem zentralen Akku mit Strom versorgt, kommen also nicht komplett kabellos. Über diese interne Verkabelung laufen auch die Schaltbefehle vom Funkempfänger im Schaltwerk zum Umwerfer. Das zahlt nicht nur auf die Optik und Größe der Komponenten ein, die ohne aufgesetzten Akku auskommen. Shimano verspricht auch "absolute Zuverlässigkeit" sowie eine "massiv erhöhte Schaltgeschwindigkeit". In Zahlen: 58 % schnellere Gangwechsel am Schaltwerk, 45 % schneller am Umwerfer.

Dazu soll das proprietäre Funkprotokoll seinen Teil beitragen, das laut Hersteller deutlich stromsparender und schneller funktioniert als vergleichbare gängige Protokolle. Trotz Funk versprechen die Japaner eine vergleichbare Akku-Laufzeit wie beim Vorgänger, also "über 1000 Kilometer". Geladen wird der Akku nicht mehr über ein separates Ladegerät, sondern über ein USB-Kabel mit eigenem Anschluss – der gleiche, der auch den Akku der optional lieferbaren Powermeter-Kurbel der Dura-Ace mit Strom versorgt.

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Wie gehabt erlaubt auch die R9200 die Anpassung typischer Di2-Features an eigene Vorlieben über die – ebenfalls überarbeitete – E-Tube-App, namentlich: Schaltgeschwindigkeit, Belegung der Schalttasten, Schaltmodi (Synchro- und Semi-Synchro-Shift mit automatisierter Umwerfer-Betätigung sowie Multi-Shift zum Durchschalten beliebig vieler Gänge mit einem Knopfdruck).

Neuer Freilaufkörper, aber mit 11-fach Freilauf kompatibel

Einen kundenfreundlichen Weg geht Shimano beim neuen 12-fach-Standard und setzt nicht auf ein kleines 9er- oder 10er-Ritzel, sondern hält am 11er fest. Aus zwei Gründen: ein besserer Wirkungsgrad des Antriebs durch größere Umschlingungswinkel und die Abwärtskompatibilität der 12-fach-Kassette. Heißt: Das neue 12-fach-Ritzelpaket passt auf alle Laufräder mit Shimano 11-fach-Freilaufkörper.

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Die neuen 12-fach Kassetten sind weiterhin mit 11-fach Freiläufen kompatibel.

Wer teure Laufräder sein Eigen nennt, weiß das sicher zu schätzen. Zwar weist die neue Kassette eine engere Verzahnung auf (nicht identisch mit Microspline wie am MTB), um hohe Drehmomente besser zu verkraften, "alte" Laufräder lassen sich aber weiterhin verwenden. Umgekehrt klappt’s dagegen nicht: Auf Laufräder mit neuem 12-fach-Freilaufkörper passen keine 11-fach-Kassetten mehr.

Neue Übersetzungen

Dem Trend zu immer höheren Geschwindigkeiten im Profi­radsport begegnet Shimano mit einer neuen Kettenblattkombination: Die klassische "Heldenkurbel" 53/39 entfällt, 54/40 ist das neue Maß der Dinge. Semikompakt- (52/36) und Kompaktkurbel (50/34) bleiben im Programm. Ebenso wie die bereits erwähnten Felgenbremsen, was Traditionalisten freuen wird.

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Die neue 54/40-Kurbel ersetzt die alte "Heldenkurbel" mit 53/39.

Innovativer gibt sich erwartungsgemäß die grundlegend überarbeitete Disc-Variante: Dank neuer Hebelübersetzung ("Servo Wave"-Technologie) packt die Bremse schneller kräftig zu, einteilige Bremskörper bringen mehr Steifigkeit bei minimalem Gewicht, 10 % mehr Abstand zwischen Belägen und Scheibe sollen für weniger Geräusche sorgen. Und "neue", aus dem MTB-Line-up übernommene Scheiben – wie gehabt in Alu-Stahl-Sandwichbauweise – sollen sich hitzebeständiger zeigen als die Vorgänger.

Dura-Ace Di2: Preise und Gewichte

  Shimano Dura-Ace 2022 (R9200)  
  Zirka-Preis Gewicht
Schaltwerk 794,95 € 215 g
Umwerfer 449,95 € 96 g
Hintere Bremse und Hebel 689,95 € 643 g (vorne und hinten)
Vordere Bremse und Hebel 674,95 €  
Kurbel (52/36, mit Powermeter) 614,95 € 754 g
Innenlager 56,95 € 54 g
Kette 78,95 € 242 g
Kassette (10-30) 359,95 € 223 g
Bremsscheiben (160 mm / Paar) 159,90 € 212 g
Akku 164,95 € 53 g
Ladegerät/-kabel 59,95 € -
Typischer Kabelsatz 74,90 € 14,5 g
Gesamt 4180,30 € 2506,5 g

Neue Dura-Ace Laufräder

Last but not least stellen die Japaner der neuen Gruppe auch neue Laufräder zur Seite: mit aero-optimierten Vollcarbon-Felgen (deshalb nur für Disc-Bremsen freigegeben) und neuem Freilauf, der 63 % schneller greifen soll als der Vorgänger. Die Tubeless-ready-Sätze wiegen je nach Felgenhöhe (35, 50 oder 60 mm) ab 1338 g (1465 und 1609 g mit den höheren Modellen) und sind für den professionellen Einsatz auch mit Schlauchreifenfelge zu haben. Apropos zu haben: Die neue Dura-Ace soll ab Oktober im Handel und an den ersten Kompletträdern verfügbar sein. Preislich zwar etwas günstiger als der Vorgänger (siehe Tabelle) und trotz zwölftem Ritzel nur wenige Gramm schwerer, bleibt die Dura-Ace aber, was sie immer war: ein exklusives Vergnügen.

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Die neue Shimano Dura-Ace Di2 im Praxistest

In der Gerüchteküche brodelte es schon länger: Was zaubert Shimano wohl aus dem Hut, um die erstarkte US-Konkurrenz von Sram in Schach zu halten? Zwölf Ritzel? Ein Muss! Irgendwas mit Funk? Bestimmt. Und dann der erste Blick auf die Gruppe: Schön gemacht, typisch Shimano, kein Bruch mit der bei der Vorgängerversion eingeführten Designsprache. Aber. auch wenig Überraschendes. Doch die Wahrheit liegt im Radsport auf der Straße, und schon nach wenigen Metern wird mit jeder Kurbelumdrehung klarer: Shimano hat geliefert. Die Ergonomie der Hebel: noch etwas besser als bei der alten Dura-Ace, große Hände haben mehr Platz, die höheren Hörnchen bieten mehr Möglichkeiten zu greifen. Die größeren Schalttasten mit definierterem Feedback: ebenfalls ein Schritt nach vorn. Die Geschwindigkeit beim Gangwechsel: spürbar schneller.

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Vor allem der Umwerfer begeistert mich bei jedem Schaltvorgang: Unabhängig vom Pedaldruck und der Umlaufgeschwindigkeit – die Kette wechselt in atemberaubender Geschwindigkeit von einem Blatt aufs andere. Beeindruckend! Kein Kettenabwurf, kein Klemmer, egal unter welchen Umständen. Dieser Antrieb legt die Messlatte ein gutes Stück höher, so viel steht fest. Das Test-Set-up mit 52/36-Kurbel und 11–30er-Kassette bietet ausreichend Entfaltung und ein eng gestuftes Getriebe mit Eingang-Sprüngen vom 11er- bis zum 17er-Ritzel. Top!

Auch die Scheibenbremse präsentiert sich stabiler, glänzt mit toller Dosierbarkeit ohne große Handkräfte, dank "Servo Wave"-Übersetzung mit sanft ansteigendem Bremsdruck. Der größere Abstand der Beläge zur Scheibe zeigt ebenfalls Wirkung: Das gefürchtete Klingeln bei heißgebremster Anlage ließ sich im Test nur mutwillig provozieren. Selbst harte Bremsungen bei der Abfahrt vom Hautacam in den Pyrenäen brachten die Anlage nicht aus der Ruhe. Das lässt hoffen – aktuelle Shimano-Bremsen werden mit zunehmendem Alter anfälliger für Geräusche.

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Dass sich der Akku-Ladestand und die Schaltmodi nun nicht mehr an der Junc­tion unterm Vorbau oder im Lenker­ende abfragen bzw. einstellen lassen, sondern direkt am Schaltwerk, mag dagegen mancher bedauern. Das cleanere Erscheinungsbild macht den Verlust teilweise wett wie auch die Tatsache, dass sich jede Di2 ab sofort ohne zusätzlichen Funksender per App individualisieren oder mit einem Radcomputer koppeln lässt.

Shimano Ultegra R8100

Diese Überraschung ist geglückt: Parallel zur Dura-Ace präsentierte Shimano auch eine neue Ultegra. 12-fach. Mit Funk. Und allen wesentlichen Neuerungen des Top-Ensembles. Wermutstropfen: Eine mechanische Version der beliebten Nummer 2 im Shimano-Portfolio mit zwölf Ritzeln soll es nicht geben! Wer künftig auf Ultegra-Niveau mechanisch schalten möchte, muss mit der "alten" 11-fach-Variante Vorlieb nehmen, die noch eine Weile weiterlaufen soll.

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Käufer der neuen R8100-Serie profitieren bis auf wenige Details von den technologischen Neuerungen der Top-Gruppe: Das 2 x 12-Getriebe wird per Funk angesteuert, soll genauso schnell schalten, die Discs genauso kraftvoll bremsen wie die der großen Schwester. Günstigere Materialien (keine Carbon-Hebel oder Titanritzel) und die etwas einfachere Verarbeitung (kein einteiliger Bremssattel, einfachere Nabentechnolgie bei den drei Laufradmodellen) sowie der Verzicht auf wenige Ausstattungsoptionen erlauben einen geringeren Preis (siehe Tabelle) bei rund 200 g Mehrgewicht für eine typische Konfiguration.

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Das Preis-Leistungs-Verhältnis: deutlich attraktiver. Da sich die Gruppe nicht primär an Profis richtet, entfallen die große 54/40-Kurbel, die 11–28-Kassette und die Laufräder mit Schlauchreifenfelgen. Dafür wird es auch von der R8100 eine Version mit mechanischer Felgenbremse geben und – erstmals – eine Ultegra-Kurbel mit integriertem Powermeter. Die R8100 soll als Gruppe und an Kompletträdern ab Oktober in den Handel gehen.

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Shimano Ultegra R8100: Preise und Gewichte

  Shimano Ultegra Di2 2022 (R8100)  
  Zirka-Preis Gewicht
Schaltwerk 374,95 € 262 g
Umwerfer 234,95 € 110 g
Hintere Bremse und Hebel 449,95 € 724 g (vorne und hinten)
Vordere Bremse und Hebel 449,95 €  
Kurbel (52/36, mit Powermeter) 294,95 € 716 g
Innenlager 30,95 € 66 g
Kette 52,95 € 252 g
Kassette (10-30) 114,95 € 297 g
Bremsscheiben (160 mm / Paar) 111,90 € 212 g
Akku 164,95 € 53 g
Ladegerät/-kabel 59,95 € -
Typischer Kabelsatz 74,90 € 14,5 g
Gesamt 2415,30 2706,5 g

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