Campagnolo

Campagnolo Chorus im Test

Chorus: Campas neue Mittelklasse-Gruppe im Test

Nach Campagnolos Top-Gruppen Super Record und Record hat auch die Mittelklasse-Gruppe Chorus das zusätzliche 12. Ritzel erhalten. Doch wie schlägt sich die Schaltung in harten Rennrad-Alltag? ROADBIKE-Redakteur Christian Brunker macht den Test.

„Movement 12“ – unter dieses Motto hat Campagnolo die aktuell laufende Generalüberholung seiner Rennradgruppen gestellt. Heißt: Statt 11 haben die neuen Kassetten künftig 12 Gänge – für eine feinere Abstufung der Übersetzungen und eine mögliche größere Bandbreite. Auftakt waren die 2018 vorgestellten Super Record- und Record-Gruppen. Damit waren die Italiener der erste der drei großen Schaltunggruppen-Hersteller, der auf 12fach setzt, Sram zog ein Jahr später nach, bei Shimano ist man noch bei 11fach. Wichtiges Detail: Trotz des zusätzlichen Ritzels sind die Kassetten nicht breiter geworden, es werden folglich keine neuen Freiläufe benötigt.

Kurz&Knapp

  • Name: Campagnolo Chorus/Chorus Disc
  • Preis (UVP): 1249 Euro
  • Gewicht Felgenbrems-Variante: 2455 g (50/34/172,5/11-32)
  • Kurbel-Varianten: 50/34, 52/36, 48/32
  • Kurbellängen: 165, 170, 172,5, 175
  • Kassetten: 11-29, 11-32, 11-34

2019 folgte die Mittelklasse-Gruppe Chorus mit dem zwölften Ritzel. Der große Vorteil: Man hat beispielsweise bei einer 11-32er Kassette den großen Rettungsring, die Gangabstufung bleibt aber dennoch sehr fein. Alternativ gibt es von der Chorus noch 11-29er oder 11-34er Kassetten, die aber alle mit demselben Schaltwerk gefahren werden, es gibt keine unterschiedlichen Käfiglängen mehr. Die Kurbeln gibt es in der Kompakt-Variante 50/34, Semi-Kompakt 52/36 sowie ganz neu in der 48/23er Variante. Es gibt also einige Möglichkeiten, die Gruppe nach den eigenen Vorstellungen anzupassen. Die Gruppe gibt es als Felgen- wie als Disc-Variante.

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Was mich auf den bisherigen Testfahrten mit Campas 12fach Gruppen besonders beeindruckt hat: Früher hatte ich es immer wieder mal, dass ich einen Gang rauf- oder runtergeschaltet habe und dann direkt wieder zurück, weil der Sprung doch zu groß war. Das ist mir mit Campas 12-fach-Gruppen bisher nie passiert. Auch preislich ist die Chorus äußerst attraktiv, in der klassischen mechanischen Variante mit Felgenbremsen liegt der UVP bei 1249 Euro, online ist sie aber schon für rund 1000 Euro zu bekommen. Damit kostet sie rund 500 Euro weniger als die Record, ist aber funktional laut Campa nahezu identisch. Nur auf der Waage zeigen sich größere Unterschiede, nach unseren Messungen ist die Record rund 200 g leichter als die Chorus, die in der zum Testen angeforderten Version mit 50/34er Kurbel (172,5) und 11-32er Kassette 2455 g auf die Waage bringt. Diesen Gewichtsnachteil nehme ich aber angesichts des preislichen Vorteils gerne in Kauf.

Die Montage

Nun soll die neue Gruppe auf mein Canyon Ultimate CF SL. Ein Vorteil: Weil auf dem Renner vorher eine Potenza von Campa montiert war, brauche ich kein neues Innenlager. Insgesamt montiert sich die Gruppe dank Felgenbremse und klassischer Schaltzüge für einigermaßen geübte Schrauber ohne größere Probleme, einzige Voraussetzung: Ein paar spezielle Campa-Werkzeuge sollte man zur Hand haben wie einen Zahnkranz-Abzieher, einen Campa-Kettennieter und einen langen 10er Inbusschlüssel, um die innen verschraubte Ultra-Torque-Kurbel festzuziehen. Auch Torx-Schlüssel werden benötigt, beispielsweise um die Ergopower-Griffe zu befestigen. Falls Unklarheiten auftauchen, hilft meistens ein Blick in Campas umfangreiche Bedienungsanleitungen und Technische Handbücher, die auf der Campa-Webseite im Support-Bereich bereitgestellt werden. Also wenn es beispielsweise darum geht, wie die Züge in Umwerfer und Schaltwerk befestigt werden sollen oder welches Drehmoment an bestimmten Stellen erforderlich ist.

Das Schaltwerk der Campagnolo Chorus.

Ich stelle aber wieder fest: Züge verlegen und Hüllen ablängen gehört aber definitiv nicht zu meinen Lieblingsaufgaben am Rad, sind aber irgendwann auch geschafft. Dann steht die Feinarbeit an, sprich: Das Einstellen von Schaltwerk und Umwerfer. Die erste erfreuliche Erkenntnis: Werden die Züge mit ausreichend Vorspannung befestigt, funktioniert die Schaltung schon recht gut, da ist zunächst wenig Nachjustierung erforderlich. Das wird sich vermutlich erst ändern, wenn sich die Züge nach den ersten Fahrten etwas gesetzt haben. Jetzt lässt sich die Chorus aber auch sehr gut nach Gehör einstellen, wenn es rasselt, wird die Zugspannung entsprechend erhöht oder verringert, bis alles perfekt schaltet.

Kleine Auffälligkeit/Ärgernis am Rande: Ausgestattet wird das Canyon zudem mit Campagnolos Shamal Mille Laufrädern, die ebenfalls ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen. Aufgrund der speziellen Beschichtung der Bremsflanken erfordern die Shamals aber eigene (blaue) Bremsbeläge. Die Krux: Campagnolo hat je nach Gruppe unterschiedliche Bremsschuh-Formen und die mit den Laufrädern mitgelieferten Beläge passen nicht in die Bremsschuhe der Chorus. Aus dem Support-Bereich gelernt: Für die Chorus brauche ich die blauen BR-PEO500X1 (die von der Form her den Shimano/Sram-Bremsschuhen entsprechen), und nicht die mitgelieferten BR-PEO5001. Ebenfalls kleines Ärgernis: Eine der Sicherungsschrauben mit ihrem 2mm-Inbus habe ich gleich rundgedreht. Nun stehen die ersten Testfahrten an, ich werde berichten.

Die ersten Ausfahrten

Auch wenn es draußen Winter ist mit nassen Straßen wird die neue Chorus nicht geschont, es geht sofort raus ins dezemberliche Schmuddelwetter. Und schon beim ersten Wechsel des Kettenblatts fällt mir die Kette nach Innen runter, ich muss also den inneren Anschlag doch noch einmal nachjustieren. Außerdem fällt mir auf, dass die Kette hinten auf dem Ritzelpaket leicht zu rasseln beginnt, auch da ist wohl noch ein bisschen Feinarbeit notwendig, nachdem sich die Züge etwas gesetzt haben.

Das Einstellen des innen Umwerfer-Anschlags ist auch kein Problem, die Kette wird auf das größte Ritzel und das kleine Kettenblatt gelegt und der Umwerfer-Zug komplett entspannt. Dann mit einem kleinen Schraubendreher die Anschlagschraube soweit reindrehen, dass die Kette ganz leicht zu schleifen beginnt, dann wieder eine viertel oder halbe Umdrehung zurück, bis das Schleifen aufhört – geschafft. Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich die Zugspannung am Schaltwerk per Einstellschraube um eine halbe Umdrehung erhöht und prompt war das leichte Rasseln verschwunden. Schaltung einstellen kann so einfach sein.

Jenseits dieser kleineren Feinarbeiten gefällt die Chorus vom Fleck weg mit einem sehr knackig-direkten Schaltverhalten und dem sehr klarem Feedback. Besonders das Schaltwerk arbeitet auch sehr schnell und sehr präzise, Gangwechsel klappen wie am Schnürchen. Ein kleiner Klick auf dem Daumenhebel beispielsweise und die Kette wandert schnell mehrere Gänge nach unten. Einzig beim Umwerfer ist ein etwas größerer Hebelweg nötig, aber auch der Kettenblattwechsel klappt schnell und reibungslos, auch unter Last. Die Gangabstufung ist wie erwartet fein, und hinten raus ist bergauf irgendwie immer noch ein Gang da.

Erste kleinere Auffälligkeit

Nach weiteren Testkilometern muss ich die erste Auffälligkeit notieren, mir ist nämlich beim Wechsel auf das kleine Kettenblatt die Kette schon wieder nach innen heruntergefallen. Also ist der innere Anschlag beim Umwerfer noch nicht perfekt eingestellt, das scheint eine diffizielere Angelegenheit zu sein, bei der es auf jede Viertelumdrehung ankommt. Denn beim Reindrehen der Schraube fängt der Umwerferkäfig relativ schnell an, an der Kette zu rasseln. Und nach der reinen Lehre müsste ich die Schraube dann wieder soweit herausdrehen, bis das Rasseln aufhört und dann vielleicht noch eine Viertelumdrehung weiter, damit der Abstand zwischen Innenseite des Umwerferkäfigs und Kette maximal 1 mm groß ist. Ich werde das demnächst noch einmal mit größter Präzision ausprobieren. Wenn alles nichts hilft, muss ich am Ende doch zum letzten Strohhalm greifen und einen Kettenfänger montieren. Die lehne ich zwar normalerweise ab, weil die Kette bei gut eingestellten Anschlägen eigentlich nicht nach innen herunterfallen sollte. Aber manchmal geht es einfach nicht anders, und dann sind Kettenfänger allemal besser als ein Kettenklemmer am Tretlager, denn der kann wirklich unschöne, tiefe Kerben in den Rahmen verursachen. Ich werde weiter berichten.

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