RB-Top-Reifen-Test Björn Hänssler
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RB-Top-Reifen-Test 10 Bilder

Im Test: Rennradreifen in 25 mm Breite (2021)

Im Test: Rennradreifen in 25 mm Breite (2021) 6 Top-Rennradreifen im Test

Hoch beansprucht, vielfach unterschätzt: Reifen sind die Kontaktfläche Nummer 1 zwischen Rennradfahrer und Straße. Wir haben sechs Top-Modelle für die Saison 2021 getestet.

🏆 Die Gewinner auf einen Blick:

  • Der neue Continental Grand Prix 5000 überzeugt auf ganzer Linie: einfache Montage, sportliches Fahrverhalten, geringer Rollwiderstand und exzellenter Pannenschutz. Nur beim Gewicht hat Pirelli die Nase vorn. Dennoch: ein klarer Testsieger.
  • Der Pirelli P Zero Velo ist der leichteste Reifen im Test und überzeugt mit einfacher Montage und auffällig lebhaftem Handling: Der Italienter schafft den Sprung aufs Podium. Beim Pannenschutz klafft eine kleine Lücke zur Spitze. Dennoch: ein klarer Preis-Leistungs-Tipp.

Welchen Rennrad-Reifen man fährt, ist doch eigentlich egal, oder? Unterschiede? Spürt man doch eh nicht. Gehören Sie auch zu den Menschen, die so denken? Dann sollten Sie sich einmal die Mühe machen, zwei unterschiedliche Paar Reifen im direkten Vergleich Probe zu fahren. Sie werden erstaunt sein!

Denn selbst für Rennrad-Neulinge ist im Wortsinn erfahrbar, ob ein Reifen satt auf der Straße liegt oder springt, ob er nervös in die Kurve zieht oder gutmütig kleinere Fahrfehler verzeiht, ob er Unebenheiten glatt bügelt oder ungefiltert weitergibt.

High-End-Produkt Rennradreifen

Lohnt sich dabei der Aufpreis für einen Top-Reifen, wie die hier getesteten? In der Regel, ja. Schon der große RB-Vergleichstest mit Reifen verschiedener Preiskategorien im Jahr 2018 offenbarte: Günstigere Modelle rollen oft schlechter, bieten weniger Pannenschutz und sind schwerer (siehe unten). Was, siehe oben, eben auch spürbar und direkt erfahrbar ist. Deshalb die klare Empfehlung: Sparen Sie lieber an anderer Stelle, aber nicht an den Reifen.

Die Faszination bei Reifen besteht unter anderem darin, dass sie so unscheinbar aussehen, aber doch hoch komplex aufgebaut sind. Was einen Reifen so komplex macht? Da ist einmal seine Gummimischung, die aus natürlichen und synthetischen Kautschuken besteht sowie verschiedenen weiteren festen und flüssigen Bestandteilen wie Ruße, Silica, Silane, Öle, Schwefel und Antioxidantien. Diese gibt es nicht nur in verschiedenen Qualitätsstufen, alle Bestandteile lassen sich auch in zahllosen Varianten kombinieren und dosieren – eine gute Mischung für einen Reifen zu entwickeln, braucht folglich Erfahrung, Zeit und viel Experimentierfreude. Da mag mancher an Miraculix den Druiden denken, und ebenso wie der das Rezept für den gallischen Zaubertrank hütet wie seinen Augapfel, lassen sich die Hersteller bei der Zusammensetzung ihrer Gummimischungen nur ungern in die Karten schauen.

Steht das Rezept für die Mischung, geht es ähnlich komplex weiter bei der Karkasse – quasi dem Gerüst, das den Gummi trägt. Sie ist ein Gewebe aus Kunst- oder Naturfasern, deren Dichte in TPI (thread per inch) angegeben wird. Eine geringe TPI-Zahl bedeutet weniger, dafür dickere Fäden. Ist das Gewebe hingegen dichter, macht das den Reifen dünnwandiger, leichter und elastischer. Dafür müssen die Fasern aus hochwertigerem Material bestehen, um guten Pannenschutz zu bieten.

Apropos: Auch Stärke und Beschaffenheit der Pannenschutzeinlage sowie des umlaufenden Wulstkerns beeinflussen, wie gut ein Reifen "performt" – und wie viel er kostet.

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Buntes Testfeld

Bei so großen gestalterischen Möglichkeiten ist es wenig verwunderlich, dass Reifen für bestimmte Ziele optimiert sein können – zum Beispiel als leichter und schnell rollender Wettkampfreifen, pannensicherer Dauerläufer mit viel Grip oder, wie hier getestet, als Top-Allrounder, der den bestmöglichen Kompromiss aus den teils widersprüchlichen Anforderungen anstrebt. Ebenso wird nachvollziehbar, dass Reifen nie fertig entwickelt sind – weswegen sich neue Erkenntnisse der Hersteller regelmäßig entweder in neuen Modellen oder in "running changes" widerspiegeln, also einer Anpassung der Zusammensetzung, ohne dass sich der Produktname ändert und die Öffentlichkeit darüber informiert wird.

Im vorliegenden Test sind der Pro One von Schwalbe sowie der Power Road von Michelin komplette Neuentwicklungen, die sich erstmals dem aufwendigen RB-Testprozedere stellen. Bei Continentals GP 5000 lassen die noch einmal deutlich verbesserten Messwerte beim Rollwiderstand vermuten, dass der Pneu im Vergleich zu seiner ersten RB-Testteilnahme (Ergebnisse siehe unten) eine Weiterentwicklung erfahren hat.

Pirelli hingegen scheint seine Entwicklungskapazitäten auf die jüngst vorgestellten neuen Tubelessreifen konzentriert zu haben, denn der P Zero Velo erreicht fast auf die Kommastelle die identischen, sehr guten Werte früherer Tests. Vittoria mischt seinem Modell Corsa Control bereits in der zweiten Generation Graphen bei, ein Kohlenstoffmolekül, das die Struktur der Gummimischung verstärken soll. Der Reifen fährt sich gut, schwächelt aber wie in der Vergangenheit etwas beim Rollwiderstand und beim Gewicht. Mit Vredesteins Fortezza Senso Superiore teilt Vittoria indes gute Notlaufeigenschaften: Bei beiden Pneus ist die Lauffläche aufgeklebt, weswegen die Reifen völlig flach und breit auf der Felge aufliegen, wenn sie nicht aufgepumpt sind – im Falle eines Defekts entscheidet dies möglicherweise über Sturz oder gefahrloses Anhalten.

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Testablauf und Erkenntnisse

Warum ROADBIKE dieses Mal "nur" sechs Reifen getestet hat? Weil alle Hersteller auch ein Tubeless-Modell einschickten (hier geht es zum Tubeless-Test) – ebenso wie den direkten Vergleich zwischen den Ausführungen mit und ohne Schlauch.

Und welcher der hier getesteten Reifen ist nun der beste? Nach Durchlaufen des üblichen Testverfahrens aus Labor- und Praxistests (siehe "So testet ROADBIKE") verteidigt Continentals GP 5000 seine Vormachtstellung. Aber: Schwalbes neuer Pro One ist ihm dicht auf den Fersen, beide Top-Reifen aus Deutschland setzen sich zudem beim Pannenschutz deutlich von der übrigen Konkurrenz ab.

Pirelli und, mit leichten Abstrichen, Michelin zeigen aber, dass ein Top-Reifen auch für kleineres Geld erhältlich sein kann – nicht nur für Sparfüchse interessant! Ambivalent ist das Bild bei den eher hochpreisigen Modellen von Vredestein und Vittoria, die in der Praxis durchaus zu überzeugen wissen, aber auf den Prüfständen zum Teil nicht die Werte der Konkurrenz erreichten.

Ein Kaufkriterium kann jedoch auch die Fahrcharakteristik sein: Pirelli sticht hierbei mit sehr lebhaftem Handling aus der Menge hervor, im Wiegetritt "tanzt" das Rad fast schon unter dem Fahrer. Wer es ruhiger mag, greift zu Vredestein oder Vittoria, die goldene Mitte treffen Conti, Schwalbe und Michelin.

Fazit: (Rennrad-)Reifen beeinflussen maßgeblich den Fahrspaß – probieren Sie ruhig mal was Neues aus, wenn Ihre alten Pneus das nächste Mal die Verschleißgrenze erreicht haben. Contis GP 5000 sichert sich einen weiteren Testsieg, Pirellis P Zero Velo gefällt als preislich attraktiver, sehr lebhafter Sportler.

Die Reifenbreite

Alle Reifen im Test kamen in der Breite 25 Millimeter. Aus gutem Grund: Die überwältigende Mehrheit der Kompletträder ist mittlerweile mit dieser Breite bestückt, und auch die Laufradhersteller empfehlen für ihre zunehmend breiteren Felgen meist 25er-Reifen. Wie sich die verschiedenen Breiten auf das Fahrverhalten auswirken, lesen Sie hier.

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Die Ergebnisse der getesteten Reifen

Continental GP 5000

RB-Top-Reifen-Test
Det Göckeritz

Preis: 62,90 Euro

Gewicht: 223 g

effektive Breite: 26,1 mm (RB-Messung auf einer 19C-Felge)

Montage: 4

Fahrverhalten: 5

Rollwiderstand: 5

Pannenschutz: 5

Gewicht: 4

Fazit: Contis GP 5000 überzeugt auf ganzer Linie: einfache Montage, sportliches Fahrverhalten, geringer Rollwiderstand und exzellenter Pannenschutz. Nur beim Gewicht hat Pirelli die Nase vorn. Dennoch: ein klarer Testsieger.

Testergebnis: Überragend (95 Punkte)

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Michelin Power Road Black TS

RB-Top-Reifen-Test
Det Göckeritz

Preis: 49,95 Euro

Gewicht: 225 g

effektive Breite: 27,1 mm

Montage:

Fahrverhalten:

Rollwiderstand: 3

Pannenschutz:

Gewicht:

Fazit: Bei Gewicht und Fahreindruck vorn dabei, lässt Michelins neuer Power Road in puncto Rollwiderstand, Pannenschutz und Montage Punkte im direkten Vergleich zur Konkurrenz liegen. Dafür ist er der günstigste Reifen im Test.

Testergebnis: Gut (69 Punkte)

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Pirelli P Zero Velo

RB-Top-Reifen-Test
Det Göckeritz

Preis: 49,99 Euro

Gewicht: 212 g

effektive Breite: 27,9 mm

Montage:

Fahrverhalten:

Rollwiderstand:

Pannenschutz:

Gewicht:

Fazit: Der leichteste Reifen im Test, einfache Montage und auffällig lebhaftes Handling: Pirelli schafft den Sprung aufs Podium. Beim Pannenschutz klafft eine kleine Lücke zur Spitze. Dennoch: ein klarer Preis-Leistungs-Tipp.

Testergebnis: Sehr gut (85 Punkte)

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Schwalbe Pro One Tubetype

RB-Top-Reifen-Test
Det Göckeritz

Preis: 59,90 Euro

Gewicht: 230 g

effektive Breite: 25,9 mm

Montage: 4

Fahrverhalten: 5

Rollwiderstand: 4

Pannenschutz: 5

Gewicht: 4

Fazit: Schwalbes agiler Pro One Tubetype liegt bei allen Testkriterien quasi auf dem hohen Niveau von Contis GP 5000. Letztlich unterliegt Schwalbe dem Testsieger nur denkbar knapp, ist aber auch geringfügig günstiger.

Testergebnis: Sehr gut (90 Punkte)

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Vittoria Corsa Control G2.0

RB-Top-Reifen-Test
Det Göckeritz

Preis: 61,95 Euro

Gewicht: 267 g

effektive Breite: 27,3 mm

Montage:

Fahrverhalten:

Rollwiderstand:

Pannenschutz:

Gewicht:

Fazit: Beim Pannenschutz knapp auf Platz drei, kann Vittoria bei Gewicht und Rollwiderstand das Hinterrad der Konkurrenz nicht ganz halten. Schade, denn der Fahreindruck geht in Ordnung und die Montage gelingt erfreulich leicht.

Testergebnis: Gut (61 Punkte)

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Vredestein Fortezza Senso Superiore

RB-Top-Reifen-Test
Det Göckeritz

Preis: 71,95 Euro

Gewicht: 229 g

effektive Breite: 27,3 mm

Montage:

Fahrverhalten:

Rollwiderstand:

Pannenschutz:

Gewicht:

Fazit: Der teuerste Reifen im Test verdient sich viele Punkte dank geringem Gewicht und Rollwiderstand. Das Fahrverhalten ist sportlich, die Montage kinderleicht. Mit besseren Pannenschutzwerten wäre ein Top-Ergebnis drin.

Testergebnis: Sehr gut (71 Punkte)

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Alle Rennradreifen im tagesaktuellen Preisvergleich

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Schlauchvergleich

Kleines Teil, große Wirkung: Auch der Schlauch beeinflusst Rollwiderstand, Pannenschutz und Gewicht – zum vergleichsweise kleinen Preis.

RB-Top-Reifen-Test Schlauchvergleich 2021
Björn Hänssler

Rennrad-Tuning? Oft denkt man dabei zuerst an Laufräder oder Leichtbau. Eher unscheinbar und leicht zu übersehen, bieten aber auch Schläuche erhebliches und noch dazu vergleichsweise günstiges Tuningpotenzial: vier Watt schneller, über 60 Gramm leichter, 40 Prozent pannensicherer – die beim letzten ROADBIKE-Vergleichstest ermittelten Unterschiede zeigen deutlich, wie stark der Schlauch Fahrspaß und Sicherheit beeinflusst.

Rennradschläuche im Vergleich
ROADBIKE
Die Testwerte der unterschiedlichen Schlauch-Arten im Vergleich.

Hier sehen Sie aktuelle Werte von drei Schwalbe-Schläuchen: "normaler" Butylschlauch, Leichtbauschlauch und der neue Kunststoffschlauch Aerothan aus thermoplastischem Polyester-Polyurethan. Zum Vergleich finden Sie auch die Werte eines handelsüblichen Latexschlauchs.

Wichtig: Wer auf Felgenbremsen setzt, greift wegen der entstehenden Bremshitze besser zu robustem Butyl oder zu Kunststoffschläuchen á la Aerothan, Tubolito und Co., da ein Leichtbau- oder Latexschlauch früher platzen könnten. Wer auf Discbremsen setzt, ist weniger eingeschränkt bei der Schlauchauswahl.

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So testet ROADBIKE

Die Prüfstandsmessungen wurden unter Aufsicht von ROADBIKE in den Labors von Continental und Schwalbe durchgeführt, die Werte der Prüfreihen gemittelt.

Rollwiderstand: Auf den Prüfständen dreht sich eine Trommel konstant mit einer Geschwindigkeit von 30km/h. Um Verfälschungen durch Erwärmung zu verhindern, läuft der Prüfstand bereits zwei Stunden, bevor mit den Tests begonnen wird. Mit einer Aufhängung wird ein Laufrad mit aufgezogenem Testreifen auf die Trommel angepresst. Das Gewicht der Anpressung beträgt gleichbleibend 50 kg. Die Testreifen werden auf dasselbe Laufrad aufgezogen, Luftdruck und Schlauch sind identisch. Der Test zeigt, wie viel Mehrleistung (in Watt) notwendig ist, um die Trommel trotz angepresstem Reifen konstant mit 30 km/h zu bewegen. Je weniger, desto besser.

RB-Top-Reifen-Test
Benjamin Hahn

Pannenschutz: Die Testreifen werden auf Prüftischen eingespannt und maschinell durchstoßen: mit spitz und stumpf zulaufenden, 1,5 Millimeter breiten Nadeln durch die Lauffläche, mit einer 5 Millimeter breiten Klinge durch Lauffläche und Seitenwand. Je größer die dafür notwendige Kraft (in Newton), desto besser. Die verrechneten Rankings aus allen Prüfreihen in beiden Labors ergeben die Pannenschutznote.

Gewicht: Von jedem Modell werden je vier Reifen gewogen, die Werte gemittelt und dann bewertet. Je leichter, desto besser.

Montage: Sind Reifenheber und viel Kraft zur Montage nötig, erhält ein Reifen weniger Punkte, als wenn er sich leicht per Hand aufziehen lässt.

RB-Top-Reifen-Test
Björn Hänssler

Fahrverhalten: Die Testfahrten werden mit identischen Laufrädern, einem Schlauchmodell und immer gleichem Luftdruck unmittelbar hintereinander auf einem festgelegten Parcours mit Anstiegen, Abfahrten, Rollerpassagen, Kopfsteinpflaster, Schotter und Kurven durchgeführt. Die Testfahrer notieren ihre Eindrücke und bewerten die Kandidaten. Kriterien sind die Straßenlage, das Handling, die Dämpfung, das Abrollverhalten sowie der Grip beim Bremsen, in Kurven und auf wechselndem Untergrund.

Punkteschlüssel: 100– 91: überragend; 90–71: sehr gut; 70–51: gut; 50– 31: befriedigend; 30–0: schwach.

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Testergebnisse aus 2019 und 2018

Anfang 2019 haben wir zu den im Herbst 2018 getesteten 18 Reifen aus drei Preisklassen neun weitere Top-Reifen getestet, unter anderem den neuen Continental Grand Prix 5000.

Diese Reifenhersteller waren 2019 und 2018 beim Test dabei

Aber sind Topreifen nun auch wirklich besser? Muss man bei günstigen Reifen Kompromisse eingehen? Wenn ja, welche? Und wie schlägt sich die preisliche Mittelklasse? Um diese Fragen zu beantworten, lud RoadBIKE sieben Hersteller ein, mit Allround-Reifen ihrer Wahl aus drei vorgegebenen Preiskategorien an einem großen Vergleichstest teilzunehmen. Continental, Hutchinson, Michelin, Schwalbe, Specialized und Vredestein stellten sich der Herausforderung.

Top-Reifentest 2019

Ein buntes Testfeld aus acht Top-Reifen tritt dem neuen Continental Grand Prix 5000 gegenüber. Schwalbes One und Vittorias Corsa sind bekannte Größen, alle anderen Reifen treten erstmals in einem RB-Vergleichstest an. Darunter so klangvolle Namen wie Pirelli mit dem Allrounder P Zero Velo oder der brandneue Highroad von Maxxis. Dazu kommen weitere Herausforderer wie der Valkyrie von Kenda, Panaracers Race C Evo 3, der Strada Pro von Challenge sowie der Genus von Ere Research, einer noch jungen Marke mit Schweizer Wurzeln.

Die Ergebnisse des Tests sind in die Tabellen des 2018er Tests integriert.

Reifentest 2018: Drei Preiskategorien im Vergleich

Die 18 Testkandidaten prüfte ROADBIKE im Labor und in der Praxis auf Herz und Nieren. Erfreuliche Erkenntnis: Auch wenn sich teils erhebliche Unterschiede im Handling sowie bei Rollwiderstand, Pannenschutz und Gewicht ergaben, fand sich kein Negativ-Ausreißer, von dessen Nutzung RoadBIKE gänzlich abraten würde. Kein unwesentlicher Punkt, ist der Reifen doch als einziger Kontaktpunkt zwischen Rennmaschine und Asphalt ein entscheidender Faktor für die Sicherheit, die Performance und den Fahrspaß bei jeder Ausfahrt.

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Tests

Video: Was bringen breite Reifen?

Wie lauten die Erkenntnisse des Tests? Betrachtet man die Gesamtwertung nach Punkten, rangieren die teureren Reifen tatsächlich an der Spitze und die günstigeren am Ende, während es in der preislichen Mittelklasse "Ausreißer" gibt – nach oben und unten. Für das beste Gesamtpaket muss man also in der Tat tiefer in die Tasche greifen.

Betrachtet man jedoch die Einzelwertungen der verschiedenen Testreihen, ergibt sich ein differenzierteres Bild (siehe Tabellen weiter unten): Beim Pannenschutz lassen gleich mehrere mittelpreisige und günstige Modelle so manchen Topreifen deutlich hinter sich. Und auch beim Rollwiderstand können mehrere Mittelklasse-Pneus und Preisbrecher überraschen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wer einen Reifen für einen bestimmten Einsatzzweck sucht, kann durchaus bares Geld sparen – etwa mit einem pannensicheren Dauerläufer fürs Training, bei dem höherer Rollwiderstand weniger ins Gewicht fällt.

Die Messwerte aller Reifen im Überblick

Gewicht

Reifen (€=günstig, €€=mittel, €€€=teuer) Gewicht in Gramm Getestet in Heft
Kenda Valkyrie Pro €€€ 188 g 04/2019
Vredestein Fortezza Senso Duralite €€€ 207 g 11/2018
Pirelli P Zero Velo €€€ 209 g 04/2019
Maxxis Highroad €€€ 213 g 04/2019
Michelin Power Competition €€€ 214 g 11/2018
Continental Grand Prix 4000 S II €€€ 215 g 11/2018
Panaracer Race C Evo 3 €€€ 216 g 04/2019
Continental Grand Prix 5000 €€€ 219 g 04/2019
Ere Research Genus €€€ 221 g 04/2019
Vredestein Fortezza Senso All Weather €€ 223 g 11/2018
Hutchinson Intensive 2 €€ 227 g 11/2018
Schwalbe One €€€ 230 g 04/2019
Specialized S-Works Turbo €€ 234 g 11/2018
Specialized Turbo Cotton €€€ 237 g 11/2018
Continental Grand Prix €€ 239 g 11/2018
Schwalbe Lugano € 240 g 11/2018
Hutchinson Fusion 5 Galactik 11 Storm €€€ 243 g 11/2018
Vittoria Corsa €€€ 253 g 04/2019
Michelin Kryllion 2 €€ 253 g 11/2018
Specialized Turbo Pro € 255 g 11/2018
Schwalbe Durano €€ 256 g 11/2018
Michelin Lithion 3 € 257 g 11/2018
Challenge Strada Pro €€€ 261 g 04/2019
Hutchinson Equinox 2 € 263 g 11/2018
Continental Ultrasport 2 € 265 g 11/2018
Vredestein Fiammante DuoComp € 341 g 11/2018

Klare Tendenz: Die günstigen Reifen sind schwerer als die teureren Modelle, Top- und Mittelklasse bleiben auf den vorderen Plätzen unter sich. Zu Hutchinsons Top-Modell Fusion 5 Galactik sei erwähnt, dass er als einziger Reifen im Test tubeless-tauglich ist (und dementsprechend etwas schwerer). RB hatte dem Hersteller freigestellt, die klassische Version für eingelegte Schläuche zuschicken, doch Hutchinson bestand auf der Teilnahme mit diesem Modell.

Rollwiderstand

Reifen (€=günstig, €€=mittel, €€€=teuer) Rollwiderstand in Watt Getestet in Heft
Specialized Turbo Cotton €€€ 14,9 W 11/2018
Continental Grand Prix 5000 €€€ 16,1 W 04/2019
Schwalbe One €€€ 17,1 W 11/2018
Continental Grand Prix 4000 S II €€€ 17,3 W 11/2018
Pirelli P Zero Velo €€€ 17,5 W 04/2019
Specialized S-Works Turbo €€ 17,8 W 11/2018
Maxxis Highroad €€€ 18,4 W 04/2019
Michelin Power Competition €€€ 18,6 W 11/2018
Challenge Strada €€€ 19,2 W 04/2019
Schwalbe Durano €€ 19,4 W 11/2018
Kenda Valkyrie Pro €€€ 19,7 W 04/2019
Vredestein Fortezza Senso All Weather €€ 20,3 W 11/2018
Hutchinson Fusion 5 Galactik 11 Storm €€€ 20,5 W 11/2018
Schwalbe Lugano € 20,5 W 11/2018
Continental Ultrasport 2 € 20,6 W 11/2018
Vredestein Fiammante DuoComp € 21,3 W 11/2018
Vittoria Corsa €€€ 22 W 04/2019
Continental Grand Prix €€ 22,1 W 11/2018
Vredestein Fortezza Senso Duralite €€€ 22,2 W 11/2018
Panaracer Race C Evo 3 €€€ 22,4 W 04/2019
Specialized Turbo Pro € 22,4 W 11/2018
Ere Research Genus €€€ 22,5 W 04/2019
Michelin Kryllion 2 €€ 23 W 11/2018
Hutchinson Intensive 2 €€ 23,5 W 11/2018
Hutchinson Equinox 2 € 26,1 W 11/2018
Michelin Lithion 3 € 28,2 W 11/2018

Interessant: Top- und Mittelklassemodelle dominieren zwar beim Rollwiderstand, gute Preisbrecher mischen aber munter mit und lassen so manchen teureren Reifen hinter sich. Zwischen dem "schnellsten" und dem "langsamsten" Reifen liegen satte 14 Watt – deutlich spürbarer Mehraufwand beim Fahren. Überraschend schwach schneiden die Topmodelle von Vredestein, Panaracer und Ere Resarch ab. Michelin und Hutchinson rangieren mit ihren günstigeren Modellen auf den hinteren Plätzen.

Pannenschutz

Reifen (€=günstig, €€=mittel, €€€=teuer) Pannenschutz in Newton Getestet in Heft
Continental Grand Prix 5000 €€€ 433,8 N 04/2019
Schwalbe Durano €€ 414,1 N 11/2018
Schwalbe One €€€ 410,4 N 04/2019
Continental Grand Prix €€ 403,2 N 11/2018
Schwalbe Lugano € 393,4 N 11/2018
Schwalbe One €€€ 390,2 N 11/2018
Continental Grand Prix 4000 S II €€€ 388,8 N 04/2019
Michelin Kryllion 2 €€ 387,4 N 11/2018
Maxxis Highroad €€€ 384,8 N 04/2019
Specialized Turbo Pro € 369,2 N 11/2018
Pirelli P Zero Velo €€€ 362,4 N 04/2019
Vittoria Corsa €€€ 353,4 N 04/2019
Vredestein Fortezza Senso All Weather €€ 353,3 N 11/2018
Ere Research Genus €€€ 353 N 04/2019
Michelin Lithion 3 € 350,9 N 11/2018
Continental Ultrasport 2 € 348,2 N 11/2018
Specialized S-Works Turbo €€ 344,5 N 11/2018
Vredestein Fortezza Senso Duralite €€€ 340,5 N 11/2018
Hutchinson Intensive 2 €€ 335,9 N 11/2018
Kenda Valkyrie Pro €€€ 334,2 N 04/2019
Michelin Power Competition €€€ 332,4 N 11/2018
Hutchinson Fusion 5 Galactik 11 Storm €€€ 330,2 N 11/2018
Panaracer Race C Evo 3 €€€ 329,3 N 04/2019
Specialized Turbo Cotton €€€ 327,8 N 11/2018
Hutchinson Equinox 2 € 311,8 N 11/2018
CHallenge Strada Pro €€€ 299,2 N 04/2019
Vredestein Fiammante DuoComp € 285,4 N 11/2018

Die größte Durchmischung der Preiskategorien zeigt sich beim Pannenschutz – insbesondere weil Continental, Schwalbe und, mit leichten Abstrichen, Michelin hier modellübergreifend gute Werte erzielen. Das Mehrgewicht einiger Preisbrecher zahlt sich durch guten Pannenschutz aus. Ärgerlich sind die mäßigen Ergebnisse von so manchem Top-Modell. Bewertet (und hier abgebildet) ist der Mittelwert aller Messungen an Lauffläche und Seitenwand.

So weit die Laborergebnisse. Was den Fahreindruck auf der Straße angeht, setzen sich die Topmodelle hingegen von den meisten günstigeren Reifen ab: Die teureren Pneus rollen spürbar geschmeidiger, fahren sich komfortabler und vermitteln überwiegend auch mehr Sicherheit. Am signifikantesten – und im Wortsinn erfahrbar – ist der Preisunterschied bei Schwalbe, wo jedes "Down-grade" auf einen günstigeren Reifen mit Abstrichen beim Fahrkomfort einhergeht.

Erkenntnisse aus den Testfahrten und Laborwerten

Die Ergebnisse und Testfahrten lassen zudem Aussagen zu, wie ein Hersteller das Thema Reifen interpretiert – und mit was für einer Charakteristik in Sachen Handling, Fahrgefühl und Lenkverhalten man rechnen kann.

Am auffälligsten ist in diesem Kontext die sehr sportlich-wendige Ausrichtung der eher schmal bauenden Pneus von Hutchinson. Diese ziehen stark in die Kurve, kippen regelrecht ab, im Wiegetritt "tanzt" das Rennrad unter dem Fahrer – genau das Richtige für Radler mit Hummeln im Hintern, die bei kurvenreichen Kriteriumsrennen starten und/oder spritzig-agiles Lenkverhalten schätzen.

Wer es ruhiger mag, ist mit dem gutmütigen, aber nicht unsportlichen Handling der Continental-Reifen besser beraten. Etwas dynamischer präsentieren sich die Reifen von Schwalbe, die aber – wie beschrieben – an Komfort einbüßen, je günstiger sie werden. Specialized, deren Reifen nominell übrigens 26 Millimeter messen, faktisch aber kaum breiter als die der Konkurrenz sind, wartet preisübergreifend mit sehr ähnlicher, ausgewogener Fahrcharakteristik auf, offenbart jedoch spürbare Unterschiede im Leichtlauf.

Größere Differenzen zwischen den einzelnen Modellen eines Herstellers notierten die ROADBIKE-Tester bei Michelin und Vredestein. Bei beiden Herstellern geben sich die Topreifen sportlich-spritzig, während sich die günstigeren Modelle durchaus etwas temperamentvoller zeigen könnten (mit Ausnahme des überraschend wendigen Schwergewichts Fiammante von Vredestein).

Wer also ohnehin zu einem Hersteller tendiert, kann auch anhand dieses Quervergleichs "seinen" Reifen finden. Und wer seit Jahr und Tag das gleiche Reifenmodell gefahren hat, sollte einfach mal den Versuch wagen und ein anderes Modell ausprobieren. Denn schon eine kurze Ausfahrt führt vor Augen, wie stark der Reifen das Fahrgefühl und die Charakteristik eines Rennrads prägt. Und das, verglichen mit anderen Stellschrauben, doch für vergleichsweise kleines Geld.

Die Reifen der drei Testfelder im tagesaktuellen Preisvergleich

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Reifentest 2018 Rennradreifen günstig teuer

Reifentest 2018 + 2019: Fazit

Die Testergebnisse spiegeln mehrheitlich die Preiskategorie wider: Die Top­reifen sammeln am meisten, die Preisbrecher am wenigsten Punkte. Continentals neuer Grand Prix 5000 hält, was der Hersteller verspricht. Der Super-Allrounder ist noch besser als sein Vorgänger. Aber auch der Schwalbe One kann mithalten. In einzelnen Bereichen können aber auch andere Hersteller Schwalbe oder Continental schlagen. So ist der der Turbo Cotton beim Rollwiderstand ganz vorne, muss aber beim Panneschutz einstecken.

Interessant: So mancher Mittelklasse-Reifen schlägt die teureren Topmodelle – in Einzeldisziplinen, aber auch in der Gesamtwertung. Dabei sticht insbesondere Specializeds S-Works Turbo hervor, der in der Endabrechnung einen beeindruckenden dritten Platz erreicht. Auch mit Schwalbes Durano und Continentals Grand Prix lassen sich etliche Euro sparen, ohne dass die Performance signifikant leidet.

Der richtige Reifen sollte zum Fahrverhalten und den Bedürfnissen des Fahrers passen. Der Preis spielt bei der Performance zwar eine Rolle. Aber ein teurerer Rennradreifen ist nicht immer zwingend uneingeschränkt besser.

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