RB 2019 Shimano Dura-Ace Di2 Bjoern Haenssler

Shimano Dura-Ace Di2 Disc im Test

10 000-km-Test: Wie gut ist Shimanos Dura-Ace Di2 Disc?

Schalten und bremsen auf Top-Niveau – dafür steht Shimanos Profi-Gruppe Dura-Ace seit Jahrzehnten. ROADBIKE fuhr die elektronische Dura-Ace Di2 Disc knapp anderthalb Jahre lang über 10 000 Kilometer.

Obwohl die Konkurrenz von Camapagnolo und Sram – zumindest auf dem Papier – an Shimanos Top-Ensemble vorbeigezogen ist (beide bieten 12-fach, Sram schaltet per Funk), muss sich die 11-fach-Dura-Ace keineswegs verstecken. In der jüngsten, 2017 eingeführten Ausbaustufe wechseln die Gänge optional mechanisch oder elektronisch, gebremst wird wahlweise klassisch auf der Felge oder hydraulisch per Disc.

Nichts zu kritisieren gab es im anderthalbjährigen Test der Dura-Ace Di2 Disc 9170 an der Funktion der Schaltung: Gangwechsel erfolgen jederzeit schnell, verlässlich und geschmeidig – ob am Umwerfer oder am Schaltwerk. Auch die teilautomatisierte Umwerferbetätigung („Synchro Shift“) funktioniert bestens. Ob man’s braucht und nutzen möchte, bleibt Geschmackssache.

RB 2019 Shimano Dura-Ace Di2
Benjamin Hahn Fotografie
Das Innenlager läuft noch gut und kann nach über 10 000 Kilometern anstandslos weiterverwendet werden.

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Der unsichtbar in der Sattelstütze untergebrachte Akku lieferte im Testzeitraum jeweils Strom für mindestens 1200 Kilometer, meist für deutlich mehr. Wer die E-Tube-App (für iOS und Android) zum Programmieren der elektronischen Schaltung per Smartphone nutzen möchte, braucht einen zusätzlichen Funksender (EW-WU111, ca. 65 Euro, ANT+ und Bluetooth), auch lässt sich die Schaltung darüber mit vielen modernen Radcomputern koppeln, etwa, um die aktuelle Gangkombination oder den Akku-Stand immer im Blick zu behalten.

Die Ergonomie der einstellbaren Hebel und der schlanken Griffhöcker überzeugt – auch mit kleineren Händen –, die Schalttasten sind gut zu erreichen und geben im Normalfall ausreichend Feedback. Nur mit dicken Winterhandschuhen wird’s etwas schwieriger.

RB 2019 Shimano Dura-Ace Di2
Benjamin Hahn Fotografie
Die Bremsscheiben (vorne 160, hinten 140 mm) zeigten kaum Verschleiß.

Der Verschleiß der Komponenten hielt sich in Grenzen: Kettenblätter und Kassette sehen zum Dauertestende noch gut aus, nur die Kette musste insgesamt dreimal erneuert werden. Die erste, ausschließlich im Winter gefahrene Kette war bereits nach 2000 Kilometern fällig. Die vorderen Bremsbeläge wurden einmal getauscht (nach knapp 8000 Kilometern), die hinteren hielten bis zum Schluss durch. Auch die Scheiben (160/140 mm vorn/hinten) zeigten kaum Abnutzung und sind noch für viele weitere Kilometer gut. Auch waren sie jederzeit der Belastung durch den 70 Kilo schweren Dauertester gewachsen – in den Alpen wie im Mittelgebirgseinsatz. Die als Erstausrüstung verbauten organischen Beläge präsentierten sich feinfühlig dosierbar und auch bei Nässe recht geräuscharm. Richtig heiß gebremst nervte zwar das typische „Klingeln“, das nach kurzer Abkühlphase aber wieder verschwand. Die im Austausch vorn eingebauten Sintermetallbeläge sind geräuschanfälliger, sie neigten stärker zum Quietschen. Erwartungsgemäß bei Nässe, aber auch bei Trockenheit.

RB 2019 Shimano Dura-Ace Di2
Benjamin Hahn Fotografie
Die organischen Beläge hielten lange durch und bremsten recht geräuscharm.

Eine kleine Auffälligkeit gab’s am Bremshebel der Vorderradbremse zu beobachten, der über die gesamte Laufzeit etwas „zäher“ zurückstellte als der rechte Hebel. Auch sorgfältiges Entlüften brachte hier nur minimale Besserung, ein spürbarer Unterschied blieb über die gesamte Laufzeit bestehen.

RB 2019 Shimano Dura-Ace Di2
Benjamin Hahn Fotografie
Die angenehm schlanken STI-Hebel überzeugen mit Top-Ergonomie. Der linke Bremshebel stellte allerdings langsamer zurück als der rechte.

Als recht kratzempfindlich erwies sich die Oberflächenbeschichtung der Kurbel. Gerade wer viel bei schlechtem Wetter und mit Überschuhen fährt, sollte auf ausreichenden Abstand des Überziehers zur Kurbel achten, sonst zeigen sich schnell unschöne Schleifspuren.

RB 2019 Shimano Dura-Ace Di2
Benjamin Hahn Fotografie
Kettenblätter und Kurbel zeigten sich von der Laufleistung unbeeindruckt, die Oberfläche ist jedoch kratzempfindlich.

Davon abgesehen gefiel die Gruppe, wie es in Anbetracht des stolzen Preises von 3800 Euro (Zirka-Preis des deutschen Importeurs Paul Lange) zu erwarten ist: jederzeit verlässlich. Bremsen und schalten: mit höchster Präzision. Auf Top-Niveau eben.

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