Rennrad-Touren rund um Nauders,Tirol

Mit dem Rennrad rund um Nauders

Die Liebe zog Extremradsportler Pierre Bischoff ins österreichische Nauders – in ein Rennradrevier, das ihm schnell ans Herz gewachsen ist.

Wo die Liebe hinfällt, kann man sich nicht immer aussuchen – für Pierre Bischoff jedenfalls ist sie ziemlich gut gelandet. Wegen einer Vertreterin des weiblichen Geschlechts zog der Ultra-Weltmeister und erste deutsche Solo-Sieger des Race Across America (RAAM) vor einigen Jahren von der Ruhr an den Reschensee. Ins österreichische Nauders, um genau zu sein.

Und so viel vorweg: Er hat es mit der 1600-Seelen-Gemeinde im Dreiländereck zu Schweiz und Italien gut getroffen – gerade aus Radsportlersicht. „Nauders ist die ideale Basis für meinen Sport“, schwärmt er – und bietet an, dass ich mir doch selbst ein Bild machen könne. Vor Ort. An einem verlängerten Alpen-Wochenende. Mit dem Weltmeister als Guide. Warum nicht, denke ich, mal sehen, was er alles zu bieten hat ...

Noch vor dem Start der ersten gemeinsamen Ausfahrt beschleicht mich das unbestimmte Gefühl, einen Fehler gemacht zu haben. Denn wenn dieser Bursche in einer guten Woche rund 5000 km quer durch die USA fährt, wie sehen dann wohl seine „ganz normalen“ Trainingsrunden aus?

Doch meine Sorge scheint unbegründet: „Als kleine Willkommenstour in Nauders drehen wir eine Runde um den See“, lockt Pierre. Und zwar nicht um irgendein Gewässer, sondern um den Reschensee. Den mit dem berühmten, halb versunkenen Kirchturm. Obwohl schon jenseits der Grenze auf italienischem Boden, ist dieser Turm so etwas wie ein Wahrzeichen der Gegend. Und Pierre hat die passende Anekdote parat, so wie fast immer: „Als Mussolini damals den Befehl zur Sprengung gab, sabotierten die Sprengmeister die Handlung – aus Furcht vor dem Zorn Gottes. Als der Turm dann nicht fiel, verkauften sie es als überirdisches Zeichen“, erklärt er.

08.06.2018
Autor: Felix Krakow
© RoadBIKE