Pässe rund um Bozen: Über das Penser Joch

Atemberaubende Serpentinen finden Pässeliebhaber sowohl auf dem Penser Joch wie auch auf dem Jaufenpass.

Südtirol, Italien Italien

Länge 173,76 Kilometer
Dauer 17:07 Std.
Schwierigkeitsgrad schwer
Höhenunterschied 5843 Meter
Höhenmeter absteigend 5846 Meter
Tiefster Punkt 235 m ü. M.
Höchster Punkt 2216 m ü. M.
GPS-Daten · KML-Daten
Von Bozen nach Sterzing kann man eigentlich gemütlich am Eisack entlang radeln. Weshalb es eigentlich sinnlos ist, den Weg über das Penser Joch zu nehmen. Aber eigentlich ist es auch sinnlos, die Sinnfrage beim Pässefahren zu stellen. Meine Fahrt aufs Penser Joch war so eine, bei der ich mich mal wieder gefragt habe, was das alles soll und warum ich mir das antue. Der Grund: Ich habe den Anstieg völlig unterschätzt. Es geht stetig und lang bergauf, und als ich schließlich die Serpentinen in der Steilwand sah, war ich schon fast am Ende, aber lange noch nicht am Ziel. Egal. Wer Pässe fährt, weiß: Irgendwann ist man immer oben. Man kann von Bozen aus direkt ins Sarntal fahren, allerdings führen durch die großartige Schlucht am Anfang viele (nicht lange und beleuchtete) Tunnel. Ein guter Weg, diese zu vermeiden, ist der Umweg über den Ritten. Erstens weil die Tour dann richtig hart wird, zweitens weil es dann gleich zu Beginn zur Sache geht (Flachstücke haben wir auf der Rückfahrt noch genug), und drittens weil man von Bozens Hausberg eine unglaubliche Aussicht auf all die Berge auf der anderen Seite hat. Schlern, Langkofel, Plattkofel, Rosengarten, Latemar, und wie sie alle heißen ... In Klobenstein zweigt die Straße links ab und führt auf einer technisch nicht ganz einfachen Abfahrt hinunter ins Sarntal. Dort zieht sich das Tal scheinbar unendlich in die Länge, bis sich eine Steilwand auftürmt, die unmissverständlich sagt: „Da musst du jetzt rüber ...!“ Die Serpentinen hinauf ziehen sich – elend lang und elend steil. Dafür wartet nach der Passhöhe die herrliche Abfahrt nach Sterzing, wo sich dem Sportler allerdings schon der nächste Pass entgegenstellt. Wer keinen Zeitdruck hat, sollte einen Abstecher in die Altstadt von Sterzing machen. Und sei’s nur auf einen schnellen Espresso in der Sonne. Für alle, die ohne Pause weiterfahren, geht’s gleich wieder hoch auf den Jaufenpass, der einen völlig anderen Charakter hat. Er ist im Gegensatz zum Penser Joch nie steil und im Gegensatz zum Penser Joch nie flach. Dennoch: Der dritte Ü-1000-Höhenmeter- Anstieg dieses Tages ist hart. Wie auch die Abfahrt nach St. Leonhard im Passeiertal. Das ist der Ort, der keine Angst vor der Wahrheit hat und jedes Jahr mit einem lapidaren Schild 4000 Radfahrern, die beim Ötztaler Radmarathon an dieser Stel le schon 190 Kilometer und etwa 3500 Höhenmeter in den Beinen haben, verkündet: Timmelsoch, 31 Kilometer. Aber wir sind ja nicht beim Radmarathon, und deshalb muss uns das auf dieser Tour nicht weiter jucken, denn die Strecke führt uns zunächst weiter bergab. Vollgas, bis nach Meran. In Sinich mündet die Strecke in den Radweg, der ohne weitere Höhenmeter an der Etsch entlang zurück nach Bozen führt. Dummerweise herrscht hier nachmittags meistens Gegenwind ... Trotzdem verfliegen die 30 Kilometer bis in Südtirols Hauptstadt geradezu. Das ist gut so, weil ich Hunger und Durst habe. Meine Rituale nach einer langen Radtour in Bozen sind ziemlich festgefahren. Was mich aber nicht stört, weil es, wie ich finde, gute Rituale sind. Entweder ein Eis am Obstplatz in der Eisdiele by Nicolas (Zitrone!). Oder einen Cappuccino auf dem Waltherplatz in der Sonne. Oder ein dunkles Bozener Bier in der Brauereigaststätte Hopfen & Co. Oder alle drei – in genau dieser Reihenfolge. Und mal ehrlich. Wer anstatt den Brennerradweg das Penser Joch nimmt, der hat sich das ja wohl auch verdient. Oder?

Route: Kardaun -> Unterinn -> Klobenstein -> Oberinn -> Wangen -> Sarnthein -> Pens -> Penser Joch -> Sterzing -> Jaufenpass -> St. Leonhard -> St. Martin -> Meran -> Sinich -> auf dem Etschradweg nach Bozen -> Kardaun

01.07.2016
Autor: Jens Vögele
© RoadBIKE