Tour de France 2018: Etappen, Favoriten, Räder

Die Strecke der Tour de France 2018 verspricht von Anfang an Spannung im Kampf um das Gelbe Trikot: Eine Handvoll Favoriten kämpfen um den Gesamtsieg, die Franzosen setzen auf Romain Bardet. Und die deutschen Sprinter hoffen auf Etappensiege.

Ein Abstecher nach Island ist nicht geplant. Das ist ganz sicher. Denn die Tour de France bleibt in diesem Jahr weitgehend auf französischem Terrain. Lediglich während der 16. Etappe führt die Strecke für rund 15 Kilometer durch Spanien. Dennoch erwartet Tour-Direktor Christian Prudhomme isländische Verhältnisse entlang der Route. „Die Karte der Ausgabe 2018 könnte gespickt sein mit Geysiren“, erklärt er.

Prudhomme spricht gerne in blumigen Bildern über die Tour de France, der er vorsteht. Und natürlich ist auch die Sache mit den Geysiren nicht wortwörtlich gemeint. Aber wie jedes Jahr hofft der Tour-Direktor auf ein eruptives Rennen. Und wie jedes Jahr versucht er, die Akteure über die Gestaltung des Kurses der Tour de France zu einer offensiven Fahrweise zu animieren.

„Es ist vor allem die Vielfalt der Etappen, die den offensiven Fahrern Perspektiven eröffnet“, meint Prudhomme. An dieser Vielfalt mangelt es 2018 tatsächlich nicht. Schon im ersten Drittel stellt das Rennen die Favoriten vor jede Menge Herausforderungen: Windkanten-Gefahr entlang der Küste beispielsweise, ein Mannschafts-Zeitfahren, die Mur de Bretagne, die es gleich zweimal zu überwinden gilt, und die 9. Etappe nach Roubaix mit 15 Pavé-Passagen auf einer Länge von 21,7 Kilometern.

Foto: Tim de Waele Die besten Biler von Radsportfans

Tour-de-France-Showdown in den Pyrenäen

Das ist das Menü noch vor dem 1. Ruhetag, bevor es dann in die Alpen geht, wo die Route diesmal wieder hinaufführt nach Alpe d’Huez. Danach geht es durchs Zentralmassiv in Richtung Pyrenäen. Dort soll vor allem die 17. Etappe für die von Prudhomme erhofften Eruptionen sorgen. Das Teilstück zwischen Bagnères-de-Luchon und Saint-Lary-Soulan ist zwar nur 65 Kilometer lang, führt aber über zwei schwere Anstiege und am Schluss hinauf – zum Col de Portet. Hier sind Attacken von Beginn an möglich.

Vor dem finalen Schaulaufen nach Paris steht dann noch ein 31 Kilometer langes, sehr bergiges Einzelzeitfahren auf dem Programm. Tatsächlich könnte es diesmal nicht nur der Kurs sein, der ein offeneres Rennen als in den vergangenen Jahren ermöglicht, in denen das Team Sky mit Christopher Froome an der Spitze das Rennen weitgehend kontrollierte. Diesmal ist die Frage, ob der viermalige Tour-Sieger Froome erneut so dominant wirken kann wie zuletzt.

Noch ist unklar, ob der Brite angesichts seines bis Anfang Juni noch ungeklärten Salbutamol-Falls überhaupt starten wird. Sollte die unabhängige Anti-Doping-Kommission des Radsport-Weltverbandes UCI bis zum Tour-Start noch immer kein Urteil in der Sache gefällt haben, könnte die Amaury Sport Organisation (ASO), so wird hinter den Kulissen gemunkelt, von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und Froomes Start verhindern.

Die Kontroverse soll das Rennen möglichst nicht überschatten. Sollte Froome dennoch dabei sein, hat er diesmal den Giro d’Italia, den er im Mai erstmals gewann, in den Beinen. Und obwohl die Tour de France wegen der Fußball- Weltmeisterschaft eine Woche später startet als sonst, werden die Belastungen der drei schweren Wochen in Italien nicht ohne Spuren geblieben sein.

Foto: TDW/gettysport Tour de France 2018, Kurs auf Paris

Hoffen auf Romain Bardet

Das könnte die Chance sein für die Herausforderer, allen voran den Franzosen Romain Bardet. Der Vorjahres-Dritte soll seine Landsleute endlich erlösen von der nun 33 Jahre währenden Durststrecke ohne französischen Sieg. Bardet hat im vergangenen Jahr gezeigt, dass er die Offensive sucht. Und die Veranstalter haben diesmal freundlicherweise auf ein flaches Einzelzeitfahren verzichtet, wo der 27-Jährige seine Schwächen hat. Doch das Feld der Favoriten ist breit gefächert.

Vor allem das spanische Movistar-Team darf sich berechtigte Hoffnungen machen, ganz vorne zu landen – vorausgesetzt, man einigt sich auf einen Kapitän. Um diese Rolle dürften sich der Kolumbianer Nairo Quintana und Froomes ehemaliger Edelhelfer Mikel Landa streiten. Zu den Topfavoriten gehören auch der Sieger von 2014, Vincenzo Nibali, sowie der Australier Richie Porte, der im vergangenen Jahr durch einen schweren Sturz gestoppt wurde, und der Vorjahreszweite, Rigoberto Urán.

Foto: TDW/gettysport Tour de France 2018, Kurs auf Paris

Ein deutscher Klassementfahrer, der unter die Top 10 fahren könnte, ist weiterhin nicht auszumachen. Emanuel Buchmann, 2017 immerhin als 15. in Paris angekommen, wird bei dieser Tour wohl nicht am Start stehen. Er soll ab 25. August die Bora-hansgrohe-Mannschaft bei der Vuelta als Kapitän anführen. Das deutsche Team wird deshalb auf den Polen Rafa? Majka als Mann für die Gesamtwertung setzen. So bleibt es einmal mehr den Sprintern überlassen, für „deutsche Momente“ bei der Tour zu sorgen.

Marcel Kittel ist mit 14 Etappensiegen der deutsche Rekordhalter. Allein im vergangenen Jahr konnte er fünf Etappen für sich entscheiden. Mit seinem neuen Team Katusha Alpecin ist er in dieser Saison allerdings noch nicht so richtig in Schwung gekommen. Nur zwei Etappensiege bei Tirreno-Adriatico standen bis Anfang Juni zu Buche. Der zweite deutsche Top-Sprinter, André Greipel, verpasste einen Großteil des Frühjahrs wegen eines Schlüsselbeinbruchs, den er sich beim Klassiker Mailand–San Remo zuzog. Und auch John Degenkolb hatte mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Bleibt zu hoffen, dass die deutschen Radprofis ihre Topform im Juli erreichen können – und der Kampf um das Gelbe Trikot für die erhofften Eruptionen sorgt.

20.06.2018
Autor: RoadBIKE
© RoadBIKE