Tortour Cyclocross 2017: 3 Tage Cross-Abenteuer

Foto: Christian Lampe

Fotostrecke

Drei Tage Cyclocross im Februar: Kann das Spaß machen? Ja, sehr sogar! Mitgefahren bei der Tortour Cyclocross 2017.

Cyclocross Rennen machen Spaß, sind aber auch immer sehr schnell vorbei. Hobbyrennen dauern meistens nur eine halbe Stunde, und selbst die Profis sind nur eine gute Stunde unterwegs. Die Tortour Cyclocross folgt dem Prinzip "Wer länger fährt, hat auch länger etwas davon."

Deswegen dürfen sich die Teilnehmer gleich an drei Tagen hintereinander durch den Schlamm wühlen. Am ersten Tag gibt es einen kurzen Prolog, der stark an ein gewöhnliches Cross-Rennen erinnert. Zwar vermisst man auf dem Kurs die cross-typischen Hindernisse wie Sandbunker und Balken. Dafür wartet jede Runde mit gut 80 Höhenmetern auf, die sich auch alle in einer fiesen Steigung zu Rundenbeginn verbergen.

An den Tagen 2 und 3 folgen dann die "richtigen" Etappen. Bei Etappe 1 am Samstag gibt es mehr Ähnlichkeiten mit einem Mountainbike-Marathon als mit einem Cross-Rennen. Über 80 km und knapp 1000 HM müssen an der deutsch-schweizerischen Grenze absolviert werden: viel Schotter, wenig Asphalt, dazu noch etliche Trage-Passagen und Single-Trails. Etappe 3 am Sonntag ist dann "nur" 74 km lang, dafür gibt es hier sogar 1600 Höhenmeter.

Wie es Online-Redakteur Sebastian Hohlbaum bei der Tortour ergangen ist, lesen Sie unten.

Foto: Moritz Pfeiffer Tortour Cyclocross 2017

Alles geben beim Prolog.

RB-Online-Redaktuer Sebastian Hohlbaum bei der Tortour Cyclocross 2017

Prolog
Der Prolog sah nur auf dem Papier harmlos aus. Schon beim Warmfahren auf der Strecke habe ich gemerkt, dass es die Steigung in sich hat. Mein Plan war es, in den ersten Runden nicht zu überzocken, damit ich gegen Ende nicht einbreche. Wir mussten ja nicht 3 oder 4, sondern 8 Runden absolvieren. Der plan ging einigermaßen auf, auch wenn ich gegen Ende richtig schwere Bein bekommen habe. Am Ende stand ich auf Platz 18 von 35 in meiner Altersklasse.

Foto: Carolin Hilger Tortour Cyclocross 2017

Die 1. Etappe der Tortour zeichnet die Fahrer.

Etappe 1
Etappe 1 war eine ganz andere Hausnummer als der Prolog. Am Vortag war noch hohes Tempo angesagt, für die erste richtige Etappe sollte man sich die Kraft gut einteilen. Dachte ich zumindest. Der Start erfolgte zwar neutralisiert, aber in einem hohen Tempo. Sobald der Start dann freigegeben wurde, zog das Feld dann richtig an. Als es dann nach wenigen Kilometern auf den ersten Trail am Ufer des Rheins entlang ging, zog sich das Feld zu einer langen Schnur auseinander. Und ich musste feststellen, dass es um meine Cross-Künste nicht besonders gut bestellt war. Fahrer um Fahrer zog an mir vorbei. Auf dem unrunden Untergrund kam ich einfach nicht in einen Runden tritt.

Später gelang es mir dann mich einer ca. 10 Fahrer starken Gruppe anzuschließen, die eher mein Tempo vor. Leicht war es ab da aber auch nicht. Bis zur ersten Verpflegungsstelle bei KM 35 blieben wir zusammen. Ich schob mir in aller eile ein paar Gels und einen Biberli (eine Lebkuchenspezialität aus dem Appenzellerland) in den Mund, meine Mitfahrer waren aber alle schneller und ich erstmal allein auf weiter Flur. Da es nach der Verpflegungsstelle direkt in einen 2,5-km-Anstieg ging, war an ein zur Gruppe aufschließen auch nicht zu denken. Zum Glück fand ich in meinem Kampf bergauf noch zwei Mitstreiter, die mich bis zum Ende begleiten sollten.

Und das war auch sehr gut so, denn neben ein paar technisch anspruchsvollen Waldabfahrten, gab es viele lange Schotterstücke auf denen wir uns gegenseitig ein wenig Windschatten geben konnten. Eine Härteprobe für unser Trio war allerdings ein 7 Kilometer langer Singletrail am Fluß Thur entlang. Gespickt mit Wurzeln und großen Steinen schüttelte mir der Pfad förmlich die Kraft aus den Beinen und ich verlor den Anschluss an meine beiden Mitstreiter. Zum Glück sammelten mich die beiden am Ende des Trail wieder auf und wir konnten zusammen die Etappe beenden. Danke an Andi und Max!

In der Gesamtwertung hatte ich trotz meiner Trödellei bei den Verpflegungsstellen zwei Plätze gut gemacht und lag vor dem Start der 2. und letzten Etappe auf Platz 16.

Foto: Moritz Pfeiffer Tortour Cyclocross 2017

RoadBIKE-Onlineredakteur Sebastian Hohlbaum mit der Gewinnerin der Einzel-Kategorie Veronika Heule.

Etappe 2
Endlich Sonntag, "endlich" die letzte Etappe der Tortour! Diesmal "nur" 74 Kilometer, aber dafür 1600 Höhenmeter! Und die Beine machten sich schon am Morgen beim Frühstück bemerkbar.

Da kam es mir sehr gelegen, dass der Start nicht ganz so schnell war, wie am Vortag. Auch die Streckenführung war zu Beginn etwas gnädiger. Viele, gut fahrbare Schotterwege und eine große Gruppe mit gutem Tempo ließen die Zeit bis zur ersten Verpflegung bei Kilometer 23 wie im Flug vergehen. Im Gegensatz zum Vortag schaffte es unsere 10-Mann-starke Gruppe für 10 weiter Kilometer zusammen zu bleiben.

Beim Anstieg bei Kilometer 35 trennte sich allerdings die Spreu vom Weizen. Und zu meiner großen Überraschung gehörte ich scheinbar zum Weizen. Zusammen mit der ersten Frau (Veronika) und einem weiteren Fahrer (Martin) setzten wir uns (ungewollt) im 4 Kilometer langen Anstieg immer weiter ab. Die Stimmung war gut, das Tempo nicht zu hoch. Allerdings wurde Martin und mir bald klar, dass Veronika noch einige Kraftreserven hatte und wir schon auf letzter Rille fuhren.

Nach einer weiteren Waldabfahrt und einem Schotteranstieg, kam bei Kilometer 46 der für mich schwerste Abschnitt der gesamten Tortour: Schnee und Eis, kaum befahrbare Waldwege und ein nicht enden wollendes Auf und Ab raubten mir den letzten Nerv. Nur Veronika konnte sogar noch lächeln und wurde von Martin und mir bald mit den Worten "Fahr! Fahr!" vor geschickt. Sie sollte sich Schnelleren anschließen, wir waren keine Hilfe mehr.

Auf den letzten 25 Kilometern gab es viel Asphalt und wenig Trails. Martin und ich gaben uns so gut Windschatten, wie es ging. Aber die Tortour hatte uns deutlich gezeichnet. Nur selten ging der Tacho noch über 30 km/h. Trotzdem ließen wir nicht nach. Auch wenn weder vor noch hinter uns direkte Konkurrenten zu sehen waren.

Und diese Beharrlichkeit zahlte sich am Ende für mich aus. Ich rettete mich noch auf Platz 15, mit 18 Minuten Rückstand auf Platz 14 und 13 Sekunden(!) Vorsprung auf Platz 16. Bei einer Gesamtzeit von 8:18:43 nur eine Haaresbreite.

17.02.2017
Autor: Sebastian Hohlbaum
© RoadBIKE