Storck startet Crowdinvestment

Foto: Storck Strock Crowd Investment
Der hessische Fahrradhersteller sucht mit einem innovativen Konzept nach Kleinanlegern. Im Interview erläutert Markus Storck das Konzept.

Geld ins Fahrrad stecken mal anders: das ermöglicht der hessische Hersteller Storck Bicycle mit einem sogenannten Crowdinvestment-Programm. Die Idee: Kleinanleger konnten dem Fahrradhersteller bis zum 20. Dezember 2017 ein Investment zwischen 1000 und 10.000 Euro anbieten und dabei selbst wählen, welchen Zinssatz zwischen 3 und 5 % sie sich wünschen.

Im Interview erklärt Firmengründer Markus Storck, was hinter dem Konzept steckt.

Interview mit Firmenchef Markus Storck

RoadBIKE: Kapital von Kleinanlegern statt von der Bank, warum verfolgt ein am Markt etabliertes Unternehmen diesen Ansatz?

Markus Storck: Die Firma Finnest, die solche Kampagnen anbietet, ist auf der Suche nach einem Partner in der deutschen Radbranche auf uns zugekommen. Zunächst hatten wir kein Interesse, aber dann berichtete mir ein befreundeter Unternehmer von seinen positiven Erfahrungen.

RoadBIKE: Wie funktioniert so ein Investment?

Markus Storck: Anleger konnten zwischen 1000 und 10 000 Euro über einen Zeitraum von 5 Jahren investieren und dabei ihre Wunschverzinsung zwischen 3 und 5 % angeben. Die interessantesten Angebote haben wir ausgewählt. Wer zudem die Auszahlung in Gutscheinen für die Storck Stores wählt, erhält einen Bonus von 2,5 %. So sind bis zu 7,5 % Zinsen möglich.

RoadBIKE: Ein Satz weit über dem, was Banken derzeit bieten. Bekommt Storck denn kein Geld mehr bei der Bank?

Markus Storck: Wir könnten uns problemlos bei den Banken oder dem Eigenkapital bedienen. Finnest hat unsere Bonität ja auch geprüft und als sehr gut bewertet. Es geht bei dieser Aktion auch nicht nur ums Geld. Wir könnten uns durchaus günstiger refinanzieren.

RoadBIKE: Worum wenn nicht ums Geld geht es bei der Suche nach Investoren denn dann?

Markus Storck: Um Kundenbindung und darum neue Wege zu gehen, Vorreiter bei diesem spannenden Thema zu sein. Wenn hier jemand ein paar tausend Euro investiert, dann bindet er sich damit ja auch stärker an die Marke Storck. Außerdem möchten wir unseren Kunden so auch die Gelegenheit geben, in ein Feld zu investieren, zu dem sie einen persönlichen, positiven Bezug haben und dabei sollen sie auch profitieren. Wer sein Geld zur Bank bringt, bekommt ja heute keine Zinsen mehr.

RoadBIKE: Wie viel Geld wollen Sie mit der Aktion einsammeln?

Markus Storck: Maximal 1,5 Millionen Euro. Wenn wir von einem durchschnittlichen Investment von 5000 Euro ausgehen, wären das also etwa 300 Anleger. Mehr als 2,5 Millionen Euro darf man laut Gesetzgeber übrigens auf diesem Wege auch gar nicht einsammeln.

RoadBIKE: Da hätten Sie also noch Spielraum.

Markus Storck: Ja, den wollen wir auch nutzen. Nach der positiven Erfahrung werden wir im Frühjahr eine zweite Crowd-Investment-Kampagne durchführen.

RoadBIKE: Was haben Sie mit dem Geld vor?

Markus Storck: Die Investitionen aus dieser Runde fließen in die Eröffnung neuer Storck-Stores, etwa in Stuttgart. Wir wollen näher an unsere Kunden rücken. Im Frühjahr geht es dann vor allem um das Thema E-Bike, darunter auch um ein Carbon-Elektro-Rennrad.

RoadBIKE: Werden wir künftig verstärkt solche Investment-Modelle sehen?

Markus Storck: Ich denke das wird Schule machen, denn die Kundenbindung wird immer wichtiger, gerade für kleine Mittelständler.

19.12.2017
Autor: Felix Krakow
© RoadBIKE