Skoda Tour de France 2018 Foto: Lars Wehrmann

Alles im Grünen Bereich

Vorauskommando für die Tour-Profis: ŠKODA schickt ein Team von Hobbyradsportlern auf die Originalstrecke der Tour de France. RoadBIKE war mit dabei.

Eigentlich will ich in der Kehre im Anstieg zum 1205 Meter hohen Pic de Nore nur mal kurz aus dem Sattel gehen. Ein Franzose am Wegesrand bemerkt es und brüllt: „Là! Il attaque! Il attaque!“ – Er greift an! Die auf das Peloton der Stars wartenden Zuschauer werden aufmerksam. Vereinzelte „Allez!-Allez!“-Rufe dringen an mein Ohr. Jetzt gibt es kein Zurück. Fast automatisch greift mein Zeigefinger in den Schalthebel. „Klack! Klack! Klack!“ Die Kette wechselt Ritzel um Ritzel nach unten. Dann trete ich an. Die Menge johlt und peitscht mich an, als würde Romain Bardet endlich, endlich zur Attacke auf das Gelbe Trikot blasen. Das Adrenalin schießt durch meinen Körper, Schweiß tritt auf die Stirn – und ein dickes Grinsen zieht sich durch mein Gesicht. „Ist das geil!“

Foto: Lars Wehrmann Skoda Tour de France 2018

Experten-Tipps: Hans-Michael Holczer (rechts), Ronny Scholz (vorn) und Christian Henn (roter Helm) führen die Equipe ŠKODA an.

"Sagan, Sagan!" - Das grüne Trikot sorgt für Aufsehen

Wir sind auf der 15. Etappe der Tour de France 2018, von Millau nach Carcassonne. Mit dem Team von ŠKODA Aktiv Training dürfen wir die letzten 89 Kilometer der Originalstrecke einige Stunden vor dem Peloton abfahren. Mit 15 Mann bilden wir sozusagen das Vorauskommando der Tour-Profis. Mit dabei sind Hobbysportler, Ex-Profis, Promis und ŠKODA-Händler, begleitet von einem offiziellen Tour-Begleitfahrzeug, Mannschaftswagen, Führungsmotorrad, Fotografen und Kameramann.

Fehlen eigentlich nur noch die TV-Hubschrauber über unseren Köpfen. Als bunt durcheinandergewürfelte Equipe sausen wir durch das Languedoc, einheitlich gekleidet im berühmten Grünen Trikot des Punktbesten der Tour de France. „Sagan, Sagan“, rufen die stundenlang auf die Profis wartenden Fans am Straßenrand immer wieder, wenn wir an ihnen vorbeifahren.

Foto: Lars Wehrmann Skoda Tour de France 2018

Michael Wickenhäusser, RoadBIKE-Leser: „Das ist eine tolle Geschichte, in dieser Atmosphäre durch diese eindrucksvolle Landschaft zu fahren. Da kann man wirklich mitfühlen, was in den Köpfen der Profis vorgehen muss, wenn sie hier durchjagen.“

Zwei meiner Mannschaftskollegen an diesem Tag sind absolute Tour-Novizen: RoadBIKE-Leser Michael Wickenhäusser und Schauspieler Johann von Bülow. „Ich bin überhaupt zum ersten Mal abseits meiner Heimat mit dem Rennrad unterwegs“, gesteht Wickenhäusser, der seit fünf Jahren Rennrad fährt. Im echten Leben arbeitet er als Schreiner in der Nähe von Karlsruhe. „Jetzt diese Atmosphäre und diese Landschaft zu erleben, das ist einfach eine tolle Geschichte“, sagt er. ŠKODA-Markenbotschafter Johann von Bülow bringt das Erlebnis auf den Punkt: „Wir fahren hier gerade auf der Originalstrecke der Tour de France. Das glaubt dir doch kein Mensch!“

Foto: Lars Wehrmann Skoda Tour de France 2018

Der Moment, wenn aus „Kurz aus dem Sattel“ die Attacke wird.

Einmal König der Tour de France sein

Am Pic de Nore geht es auf die letzten zwei Kilometer. Die Steigung flacht fast komplett ab. Also, Kette rechts, und gib ihm! Um mich herum zwei Motorräder. Das erste hupt den Weg frei, auf dem zweiten sitzt ein Kameramann. Genau so muss es sich anfühlen, wenn die Profis sich ein Herz nehmen und am Berg ihr Glück versuchen.

Im Rausch der Geschwindigkeit verliere ich mich in dem Gedankenspiel: „Das ist deine Chance! Jetzt fährst du das Ding nach Hause. Kein Froome, kein Quintana, kein Dumoulin kann mehr folgen.“ Meine Beine hauen alles raus, was sie haben. Ich fliege Richtung Gipfel, überhole einen Hobbysportler nach dem anderen. Auf dem Radcomputer überspringt die Herzfrequenz die 200er-Marke.

Die letzten Meter zum unvermeidbaren rot-weißen Sendemast geht es noch mal steil nach oben. Die Menschen jubeln mir zu. Nur mir. Doch ich höre sie nicht mehr. Nur drei Wörtchen rasen durch meinen Kopf: „Jetzt! Nicht! Nachlassen!“ Dann ist es geschafft. Die Passhöhe! Der Berg gehört mir. Felix Krakow, König des Pic de Nore. Ach was: König der Tour de France!

Foto: Lars Wehrmann Skoda Tour de France 2018

Der ŠKODA-Express im Formationsflug nebst Begleittross.

Noch ehe ich meinen Thron richtig bestiegen habe, reißt mich Lennart unsanft aus den Träumen, ein weiterer Fahrer aus unserer ŠKODA-Equipe. Er wartet schon seit Minuten. „Hier oben ist es zu kalt, wir fahren direkt weiter runter“, ruft er.

In Trance rausche ich den Berg hinab, bis zum Mannschaftswagen. Dort sammeln die erfahrenen Kapitäne die versprengte Gruppe ein: Der ehemalige Teammanager Hans-Michael Holczer sowie die Ex-Profis Christian Henn und Ronny Scholz führen die Equipe ŠKODA ins Ziel nach Carcassonne.

Foto: Lars Wehrmann Skoda Tour de France 2018

Hans-Michael Holczer, Ex-Radsportmanager: „So kurz vor dem Peloton unbehelligt über die Strecke zu fahren – das ist schon eine ganz besondere Sache.“

„So nah wie hier kommst du der Tour nie wieder“, verspricht Holczer, der seit zehn Jahren für ŠKODA bei der Tour de France aktiv ist. „Wer hier zum ersten Mal mitfährt, der ist einfach geplättet von den Eindrücken, von den Menschen, von dieser Begeisterung und von der Tatsache, dass es hier Leute gibt, die sich den ganzen Tag an einen Berg stellen, nur um das Fahrerfeld vorbeifahren zu sehen“, schwärmt er und vergleicht die Tour de France mit einem gigantischen Wanderzirkus.

Schon gehen wir ins Finale. Die Flamme Rouge, der berühmte Teufelslappen, läutet den letzten Kilometer ein. „Kein Sprint! Wir fahren alle zusammen durchs Ziel“, mahnt Kapitän Holczer.

Foto: Lars Wehrmann Skoda Tour de France 2018

Ganz oben: Als Trophäe gibt es ein Erinnerungsfoto auf dem Tour-Podest.

Dann wird es noch mal richtig, richtig laut. Als der grüne ŠKODA-Express über die Zielgerade rauscht, trommeln Tausende Fans mit ihren Fäusten auf die Werbebanden, schreien, jubeln. Gänsehaut pur! Dabei sind die Profis gerade erst im 182 km entfernten Millau gestartet.

Bevor es unter die Dusche und dann zum Beobachten des echten Zielsprints in den VIP-Bereich geht, wartet noch das Siegerfoto. Über ein paar Stufen erklimmen wir den Backstagebereich des offiziellen Tour-Podiums. Die Blumen für die Helden der Tour stehen schon bereit. Dann treten wir in die Sonne von Carcassonne und auf das Siegertreppchen. Ein unglaublicher Moment.

Neben mir steht Michael. Er fragt: „Hast du diese tolle Aussicht gesehen? Auf die Pyrenäen? Auf das Mittelmeer?“ Habe ich nicht. In meinen Erinnerungen ist da nur ein schmales Asphaltband mit buntem Gewusel am Rand. Aber dafür war ich der König der Tour de France – zumindest für ein paar Augenblicke.

Zaheln, Daten, Fakten

  • Im Jahr 1895 wurde ŠKODA gegründet – als Hersteller von Fahrrädern
  • Seit 15 Jahren engagiert sich ŠKODA als Partner der Tour de France
  • Rund 300 Fahrzeuge stellt ŠKODA während der Tour de France allein für die Organisatoren, dazu kommen viele weitere Teamfahrzeuge
  • Etwa 60–70 000 harte „Rennkilometer“ im Jahr absolviert ein ŠKODA-Teamfahrzeug
Foto: Lars Wehrmann Skoda Tour de France 2018

Johann von Bülow, Schauspieler

3 Fragen an Johann von Bülow, Schauspieler

Eine Etappe der Tour de France selbst fahren, wie haben Sie das erlebt?
Das war mega. Aber auch viel, viel fordernder, als ich es erwartet habe. Am Berg wollte ich zwischendurch fast aufgeben. Aber jetzt im Ziel bin ich total happy, dass ich es durchgezogen habe.

Was war für Sie der Höhepunkt des Tages?
Dieser Moment, als ich nach der Abfahrt mal kurz fast alleine unterwegs war und Zeit hatte, mich ein bisschen umzusehen und zu realisieren: Wir fahren hier gerade auf der Originalstrecke der Tour de France. Das glaubt dir doch kein Mensch! Für mich ist das wirklich eine Sensation.

Wie sind Sie selbst zum Radsport gekommen?
Tatsächlich über meinen Partner ŠKODA, der ja auch den Velothon in meinem Wohnort Berlin unterstützt. Dieses Jedermann-Rennen bin ich vor drei Jahren aus einer Laune heraus einfach mal mitgefahren – und das hat für meine Verhältnisse erstaunlich gut funktioniert. Seitdem fahre ich öfter Rennrad. Aber nach dem Erlebnis heute glaube ich, dass ich das mal noch ein bisschen ausbauen muss.