Artic Triple Triathlon Extreme: Langdistanz-Triathlon am Polarkreis

Foto: Volker Strobel Arctic Triple Triathlon Lofoten 2017
Wo fängt man an? Dass das Rennen nördlich des Polarkreises stattfindet? Dass es ein Langdistanztriathlon ist, der sogar noch ein bisschen länger ist? Dass die letzten 20 Kilometer der Laufstrecke über 1000 Höhenmeter aufweisen? Eigentlich alles Gründe, die gegen eine Teilnahme an diesem Wettkampf sprechen. Und trotzdem hatte sich RoadBIKE Online-Redakteur Sebastian Hohlbaum für dieses Rennen angemeldet.

4 Kilometer Schwimmen, 196 Kilometer Radfahren, 45 Kilometer Laufen: Der Artic Triple Extrem ist ein ganz besonderer Triathlon. Auf den Lofoten vor der Küste Norwegens findet seit 2016 diese besonders extreme Version des Langdistanz-Triathlons statt.

Geschwommen wird im 14 Grad kalten Europäischen Nordmeer, danach folgen 196 profilierte Kilometer über die Inselkette. Zum Abschluss gibt es einen 45-Kilometer-Lauf: Die ersten 25 Kilometer liegen auf Asphalt und Feldwegen, die letzten 20 Kilometer sind ein ausgewachsener Trail-Lauf mit zwei Bergüberquerungen und insgesamt 1000 Höhenmeter.

Der Wettkampftag

Das Wetter war für die Lofoten wirklich hochsommerlich. Blauer Himmel und 18 Grad Höchsttemperatur waren vorhergesagt. Bei der letzten Wettkampfbesprechung um 5:30, eine halbe Stunde vor dem Start, waren die Temperaturen allerdings noch einstellig.

Das Schwimmen findet im Hafen von Svolvaer statt. Svolvaer erstreckt sich auf eine vorgelagerte Insel, diese wird beim Triathlon umschwommen. Zurück am Ausgangspunkt hat man so 4 Kilometer Schwimmstrecke absolviert.

Foto: Sebastian Hohlbaum Arctic Triple Triathlon Lofoten 2017

Kaiserwetter beim Arctic Triple Triathlon 2017 auf den Lofoten.

Schwimmen im Nordmeer

Das Wasser war an diesem Morgen mit 14 Grad zwar nominell wärmer als die Luft, trotzdem gab es beim Reinspringen ins Hafenbecken von Svolvaer einen kleinen Kälteschock. Dank Neoprenanzug, -kappe und -füßlingen war ich einigermaßen gegen das Auskühlen geschützt. Aber das Gesicht tat in den ersten 10 Minuten empfindlich weh.

Die Kälte machte mir aber scheinbar weniger zu schaffen, als manch anderem Teilnehmer. Während der erste Teilnehmer das Rennen schon unterkühlt beim Schwimmen abbrechen musste, kam ich als 8. aus dem Wasser.

Der Wechsel ging dagegen sehr gemächlich von statten. Bei den Wettkämpfen der Triathlon-Liga Baden-Württemberg dauert ein Wechsel je nach Größe der Wechselzone 60-90 Sekunden. Neopren aus, Helm und Brille auf, Startnummer und Rad schnappen und los geht’s.

Auf den Lofoten habe ich für den meinen „Wohlfühl-Wechsel“ gute 8 Minuten gebraucht. Komplett ausziehen, abtrocknen und ein trockenes Rennrad-Outfit anziehen, inklusive Knielinge und Armlinge. Während des gemütlichen Wechsels haben mich zwar ungefähr 10 Athleten überholt. Aber bei einer Radstrecke von 196 Kilometern war mir die richtige Ausstattung wichtiger als ein schneller Wechsel.

Foto: Volker Strobel Arctic Triple Triathlon Lofoten 2017

Beim Wechsel aufs Rad.

Rennrad-Sightseeing auf den Lofoten

Auf der Radstrecke habe ich auf den ersten 10 Kilometern wieder einige Leute eingesammelt. Dann war es aber größtenteils sehr einsam. Das war nicht weiter tragisch schlimm, so konnte ich die Landschaft umso mehr genießen.

Und zu genießen gab es eigentlich hinter jeder Kurve etwas. Kaum Verkehr, guter Asphalt und die abwechslungsreiche Lofoten-Landschaft sorgen für eine kurzweilige Radstrecke. Kleine Buchten mit weißen Sandstränden und türkisblauem Meer. Dann wieder schroffe Berggipfel die 500 Meter steil nach oben ragen. oder imposante Brücken und ein stetiges Auf und Ab.

Die Einsamkeit wurde nur selten gestört. Ab und zu sah ich andere Athleten (zum Glück nur beim Überholen und nicht beim überholt werden) und das ein oder andere Auto. Ab Kilometer 150 wurde es dann langsam immer zäher.

Auf einem 15 Kilometer langen Wendepunktstück gegen Ende der Runde konnte ich auch meine Position im Feld abschätzen: Nach vorne mindesten 15 Minuten, hinter mir innerhalb von 8 Minuten 4 weitere Athleten. Also bemühte ich mich auf den letzten 10 Kilometern meine Verfolger auf Distanz zu halten.

In der Wechselzone lag ich noch knapp auf Platz 7. Damit ich nicht wieder nach hinten durchgereicht werden würde, ging ich den zweiten Wechsel etwas zügiger an. Kurz umziehen, Laufrucksack an und los.

Foto: Volker Strobel Arctic Triple Triathlon Lofoten 2017

Ausgestattet mit Laufrucksack geht es auf die Laufstrecke.

Ein Kampf auf der Laufstrecke

Die Laufstrecke war von Anfang an ein ziemlicher Kampf. Leider hatte ich auf der Radstrecke schon ein wenig Probleme mit der Verpflegung gehabt. Beim Laufen bekam ich von Beginn an so gut wie nichts mehr runter. Schon beim Gedanken an meine Gels, Gummidrops, Riegel drehte sich mir der Magen um.

Also musste es erstmal nur mit ISO gehen und an den wenigen Verpflegungsstellen mal eine halbe Banane. Auch deshalb musste ich auf den ersten einfachen 25km schon Gehpausen einlegen und wurde ein paar Mal überholt. Top10 schien mir möglich, aber nicht unbedingt wahrscheinlich.

Bei Kilometer 25 ging es dann auf den abschließenden Trailrun. Schuhe gewechselt, Suppe und Cola reingeschüttet und ab dafür. Auf den Trail war ich überhaupt nicht vorbereitet! Es ging von Anfang an unheimlich steil über Wurzeln, Steine und durch knöcheltiefen Morast nach oben.

Auch hier hat ein Norweger den Heimvorteil gegen mich ausgespielt und ist munter durch den Sumpf an mir vorbei gestiefelt, keine Chance da noch mitzugehen. Auf dem Gipfelgrat angekommen, sah ich 1-2 Minuten hinter mir den nächsten Verfolger. Nach meiner (leicht abweichenden) Rechnung wäre das der Verlust der Top10-Platzierung gewesen. Also nahm ich bergab meinen Mut zusammen und sprang vollgas wie eine Bergziege von Stein zu Stein. Mein Plan schien aufzugehen, denn von unten war im Hang über mir von meinem Verfolger keine Spur und ich konnte sogar nochmal jemanden einsammeln!

Der letzte Berg, 6km vor dem Ziel, hatte es auch nochmal in sich. Von unten dachte ich noch, "Die Strecke geht sicher unterhalb des Gipfels entlang, das letzte Stück sieht VIEL zu steil aus." Pustekuchen. Natürlich ging es ganz oben drüber. Im Downhill kam dann sogar noch eine kleine Abseil-Stelle. Aber das Ziel war jetzt so nah. Selbst ein kleiner (sehr harmloser) Sturz hat mich nicht wirklich verlangsamt, aber nochmal dran erinnert, dass noch nicht alles in trockenen Tüchern ist.

Foto: Volker Strobel Arctic Triple Triathlon Lofoten 2017

Im Ziel sind die Strapazen schnell wieder vergessen.

Nach 14:48:26 überquerte ich die Ziellinie. Ich war total glücklich und erleichtert, dass ich das Ding überstanden habe.

Den Wettkampf kann ich vollen Herzens weiterempfehlen. Die Betreuung der Athleten ist top, die Strecke malerisch und abwechslungsreich. Wer sich darauf einlässt, sollte aber nicht damit rechnen, dass auf den Lofoten immer die Sonne scheint. www.thearctictriple.no

Der offizielle Film zum Artic Triple Triathlon 2017




04.10.2017
Autor: Sebastian Hohlbaum
© RoadBIKE