Die Etappen der Tour de France 2018

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Foto: Tour de France Tour-de-France 2018, Etappe-01

Etappe 1, 7.Juli: Von Noirmoutier-en-l’Île nach Fontenay-le-Comte

Der Startschuss der Tour de France 2018 fällt auf der Île de Noirmoutier. Kurz nach dem Start geht es über die berühmte und nur bei Ebbe befahrbare Passage du Gois. Diese erste Etappe ist flach, und mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wird es am Ende einen Massensprint geben. Doch auch wenn ein mutiger Ausreißversuch wohl nicht zum Etappensieg führen wird, kann sich der Kraftaufwand lohnen: Neben reichlich TV-Präsenz – wichtig für die Sponsoren – geht es auch um eines der begehrten Wertungstrikots. Denn wer sich die Punkte an der einzigen Bergwertung sichert, wird nach dem Rennen auf dem Podium mit dem Gepunkteten Trikot belohnt. Der Parcours dieser Auftaktetappe führt das Feld entlang der Küste. Da es ohnehin hektisch im Feld zugeht, weil alle nervös und noch frisch sind, könnte der Wind zusätzlich für Aufregung sorgen. Sollte mehr als eine Brise wehen, könnte es zu Windstaffeln kommen. Wind, Hektik begünstigen Stürze – schon heute können Tour-Träume platzen.

Etappe 2, 8.Juli: Von Mouilleron-Saint-Germain nach La Roche-sur-Yon

Auch der zweite Renntag scheint wie gemacht für die Sprinter. Erneut geht es über flaches Terrain durch die Vendée. Die Chancen für einen erfolgreichen Ausreißversuch sind erneut nur sehr gering. Die Sprinterteams werden das Rennen kontrollieren und dafür sorgen, dass es erneut zum Massensprint kommt. Dennoch werden einige Fahrer ausreißen. Vor allem die kleinen Mannschaften, die per Wildcard einen Startplatz beim wichtigsten Radrennen der Welt erhalten haben, werden sich in Szene setzen. Mit solchen Ausreißversuchen bekommt man Aufmerksamkeit und wird den Erwartungen des Veranstalters gerecht. Im Feld wird es erneut hektisch zugehen, vor allem auf den letzten Kilometern. Die Favoriten auf den Gesamtsieg wollen bis zur 3-Kilometer-Marke vorn im Feld fahren, um nicht durch mögliche Stürze aufgehalten zu werden. Und die Sprinterteams wollen ihre Kapitäne vorn platzieren. Das führt dazu, dass es immer hektischer wird und Gedränge entsteht. Gut möglich, dass im Ziel das Gelbe Trikot den Besitzer wechselt – von einem Sprinter zum anderen.

Etappe 3, 9.Juli: Von Cholet nach Cholet

Gemeinsam im Kampf gegen die Uhr – Mannschaftszeitfahren ist eine beeindruckende Disziplin. Bei den Zuschauern kommt beim ersten Blick meist wenig Spannung auf. Doch für die Athleten ist es eine enorme Herausforderung (mehr zum Thema finden Sie ab Seite 100). Für die Favoriten auf den Gesamtsieg ist es ein sehr wichtiger Tag, an dem viel auf dem Spiel steht. Es kann zum ersten Mal zu größeren Abständen zwischen den Favoriten kommen, der Druck ist entsprechend groß. Das spürt das gesamte Team, alle Fahrer sind vor einem solchen Tag nervös. Vor allem die leichten Bergfahrer stehen mit einem mulmigen Gefühl auf, denn ihnen liegt diese Disziplin nicht, bei der es vor allem um Kraft geht. Doch es ist nicht nur die Stärke der einzelnen Fahrer gefragt, sondern auch Harmonie im Team. Die großen Mannschaften bereiten sich speziell – und sehr akribisch – auf den großen Tag vor: Material, Ablösungen, welcher Fahrer fährt an welcher Position – all das wird genau festgelegt. Für einige ist es die Königsdisziplin des Radsports, für die Fans ist es beeindruckend zu sehen, wie die Teams mit mehr als 50 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit über den Parcours donnern. Vermutlich wird es heute einen neuen Leader in der Gesamtwertung geben.

Etappe 4, 10.Juli: Von La Baule nach Sarzeau

Am vierten Tag der 105. Tour de France sind erneut die Sprinter am Zug. Das Profil der 195 Kilometer langen Etappe ist nur leicht wellig. In einer großen Schleife geht es von der Küste ins Landesinnere und dann wieder zurück. Die topografischen Schwierigkeiten und die Anzahl der Höhenmeter sind überschaubar. Erneut werden die Sprinterteams alles daran setzen, die Ausreißergruppe des Tages nicht zu weit ziehen zu lassen, um sie rechtzeitig wieder einzuholen. Nach den ersten Massensprints sind die Favoritenrollen klar verteilt, was sich auch in der Verteilung der Nachführarbeit bemerkbar machen könnte. Sollte bislang ein Sprinter dominiert haben, ist sein Team heute besonders gefordert. Zum Ziel in Sarzeau geht es auf breiter Straße leicht hinauf. Das ist kein echter Berg, aber das Timing und die Position im Sprint sind hier besonders wichtig. Kurz: eine Ankunft, die vor allem den kraftvollen Sprintern im Feld entgegenkommt.

Etappe 5, 11.Juli: Von Lorient nach Quimper

Auf dem Weg nach Quimper geht es den ganzen Tag auf und ab. Es sind zwar nur kurze Anstiege, dafür aber sehr, sehr viele. Diese fünfte Etappe ist schwerer, als man es beim ersten Blick auf das Profil vermutet. Der Parcours durch die Bretagne erinnert an einen der hügeligen Ardennen-Klassiker – vielleicht wird diese Etappe auch so in Angriff genommen. Für die Favoriten um den Gesamtsieg ist es ein wichtiger Tag, denn wer hier für einen Moment nicht aufpasst, liegt schnell zurück und kann auf diesem Terrain durchaus wertvolle Zeit verlieren. Den Etappensieg wird sich wohl einer der Puncheure im Feld sichern. Gut möglich, dass sich im Finale eine kleine Gruppe formiert und das Feld in viele Gruppen zerfällt. Die Klassement-Fahrer werden sich wohl nicht aus den Augen lassen. Die Klassiker-Spezialisten unter den Favoriten auf den Gesamtsieg könnten versuchen, ein paar Sekunden herauszufahren. Wie es am Ende kommt, bleibt abzuwarten, doch dieser Parcours bietet die Chance für ein offensives, interessantes Rennen.

Etappe 6, 12.Juli: Von Brest nach Mûr de Bretagne Guerlédan

An der Mûr de Bretagne ist vor allem Punch gefragt! Für die Sprinter ist das Finale zu schwer, für die reinen Bergfahrer geht es nicht lange genug bergauf. Diese Ankunft ist etwas für die Puncheure im Feld. Auch wenn es bis zum Fuß der Schlusssteigung bereits einige kurze Anstiege zu bewältigen gilt, dürfte wohl eine große Gruppe mit den Favoriten geschlossen in die „Mauer“ fahren. Beim Bergaufsprint sind Timing und Kraft alles. Gut zwei Kilometer geht es mit durchschnittlich 6,9 Prozent bergan. Doch während die ersten 1000 Meter fast 10 Prozent ansteigen, wird es auf den letzten Metern zum Ziel wieder flacher. So darf man nicht zu früh antreten und dabei Kräfte verschleudern. Für den Kampf um Gelb geht es zwar nur um Sekundenabstände, aber auch die Favoriten werden hier voll reinhalten.

Etappe 7, 13.Juli: Von Fougères nach Chartres

Die siebte Etappe bedeutet für die Fahrer erneut einen langen Tag im Sattel. Es ist die längste Etappe dieser 105. Tour, und der Blick auf das Profil deutet auf einen klassischen Rennverlauf mit einem Massensprint hin. Nachdem sich die Ausreißergruppe des Tages formiert hat, werden die Sprinterteams die Nachführarbeit organisieren. Bei einer solch langen Etappe lässt man die Ausreißer zunächst an der langen Leine. Doch auf den letzten 40 Kilometern zum Ziel könnte der Wind eine entscheidende Rolle spielen, das Peloton muss wachsam sein.

Etappe 8, 14.Juli: Von Dreux nach Amiens Métropole

Dieses achte Teilstück ist die vorerst letzte Chance für die Sprinter, und die werden sie sich nicht entgehen lassen wollen. Erst nach den Alpen gibt es die nächste Chance auf einen echten Massensprint, und so kann man davon ausgehen, dass sich die Teams der endschnellen Männer einig sind. Doch erneut könnte im Finale der Wind mitentscheiden: Weht es wirklich heftig, könnte eines der Favoritenteams versuchen, die Konkurrenz auf die Windkante zu setzen, um das Feld zu zerreißen. Alle Teams haben Fahrzeuge voraus und wissen genau, wo Windstaffeln drohen. Positionskämpfe, Nervosität und meist auch Stürze sind dann die Folge. Vor allem die leichten Bergfahrer fürchten solche Windkanten-Situationen. Sie sind dann besonders auf ihre Helfer angewiesen.

Etappe 9, 15.Juli: Von Arras Citadelle nach Roubaix

Es geht übers Kopfsteinpflaster des legendären Radsport-Klassikers Paris–Roubaix. Während die schwereren Klassikerfahrer sich auf diese Etappe freuen, ist den Bergflöhen angst und bange. Es braucht Geschick und Erfahrung, um gut übers Pflaster zu kommen. Etwas mehr Körpergewicht ist hilfreich; was aber vor allem zählt, ist pure Power: Während in den langen Anstiegen das Verhältnis von Watt & Kilogramm zählt, entscheidet auf dem Pflaster fast nur die Leistung. Nicht wenige der leichten Klassementfahrer haben im Frühjahr auf dem Pflaster im Rennmodus geübt, etwa Romain Bardet oder Alejandro Valverde. Gerade Valverde hat sich dort sehr stark gezeigt. Es gibt auch Kritiker im Feld, die sagen, ein solcher Parcours mit grobem Pflaster sei zu gefährlich für das Feld der Tour de France. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Stürze und Verletzungen, wenn die Pavés der „Hölle des Nordens“ Teil der Tour waren. Aber es bietet Spektakel, garantiert Aufmerksamkeit – und es verlangt Vielseitigkeit von den Fahrern. Doch diese Etappe wird ganz anders gefahren als das Radsport-Monument Paris–Roubaix. Bei der Tour besteht das Feld nicht nur aus Klassiker-Spezialisten, und für die Teams geht es vor allem um das Resultat in Paris am Ende der drei Wochen, nicht nur um den Tagessieg. So sind die meisten Pflasterspezialisten an diesem Tag als Helfer dabei und müssen die Kapitäne mit Ambitionen auf Gelb unbeschadet übers Pflaster manövrieren. Wie gut das gelingt, hängt auch von den Bedingungen ab. Ist es nass, wird es gefährlich. Diese Etappe vor dem ersten Ruhetag könnte für den Ausgang der Tour eine Schlüsselrolle spielen. Denn es ist gut möglich, dass einer der großen Favoriten hier viel Zeit verliert. Auch ein Defekt zur falschen Zeit kann Minuten kosten. Hektik, Stürze, Angst – viele Fahrer werden froh sein, Roubaix unbeschadet zu erreichen.

Etappe 10, 17.Juli: Von Annecy nach Le Grand-Bornand

In Annecy beginnt eine neue Tour de France: Nach der hektischen ersten Woche samt Mannschaftszeitfahren, Wind, Sprints und dem Pflaster von Roubaix, geht es nach dem Ruhetag in die Berge. Die meisten Bergfahrer sind froh, dass sie nun endlich in ihr Terrain kommen. Doch diese erste Tour-Woche wird Spuren hinterlassen haben, und so ist auch diese 10. Etappe nicht zu unterschätzen. Das 159 Kilometer lange Teilstück ist nicht die Königsetappe dieser Rundfahrt, dennoch birgt es einige Gefahren. Mit dem Col de la Croix Fry steht nach wenigen Kilometern der erste echte Anstieg dieser Rundfahrt an. Kurz danach geht es zum Plateau des Glie?res – ein steiler Anstieg, gefolgt von einer Gravel-Passage. Der Monte?e du plateau des Glie?res wird von Osten her erklommen: ein heftiger Anstieg mit gut sechs Kilometern Länge und einer durchschnittlichen Steigung von mehr als 11 Prozent. Auf dem Plateau geht es über unbefestigte Wege. Es sind nur einige Kilometer Schotterstraße, aber die Fahrer müssen konzentriert bleiben und sollten nach Möglichkeit keinen Defekt haben. Denn durch den steilen Anstieg ist das Feld sicher weit auseinandergezogen, und die Teamfahrzeuge liegen weit zurück. Ehe man dort Hilfe bekommt, kann es dauern. Dass es hier bereits zum großen Schlagabtausch der Favoriten kommt, ist weniger wahrscheinlich; aber es ist gut möglich, dass einige Fahrer nach der ersten Woche und dem Ruhetag zuvor Probleme bekommen. Denn nicht alle Fahrer finden nach einem Ruhetag gleich wieder den richtigen Tritt, vor allem nach der schweren Pflaster-Etappe tags zuvor. Alle Fahrer werden den Ruhetag nicht komplett im Bett verbringen, sondern den Körper für einige Zeit arbeiten lassen, um im Rhythmus zu bleiben. Doch ein Ruhetag bei der Tour ist nicht zu vergleichen mit einem Tag Pause im Training. Vor allem die Favoriten auf den Gesamtsieg haben Pressekonferenzen, einige Extra-Interviews und eventuell auch Sponsoren-Termine. All das kostet Energie – auch mental. Im Finale geht es über die Kombination der beiden Anstiege Col de Romme und Col de la Colombie?re. Beide sind recht lang und durchaus steil – eine gute Gelegenheit, mal die Kletterform der Konkurrenten zu testen. Zum Ziel geht es bergab nach Le Grand-Bornand. Das Terrain ist anspruchsvoll und die Etappe mit weniger als 160 Kilometern nicht sonderlich lang. Das könnte für ein hohes Tempo und ein sehr interessantes Rennen sorgen. Der zugegeben etwas abgegriffene Satz: „Hier kann man die Tour nicht gewinnen, aber durchaus verlieren“, passt hervorragend. Sollte einer der Favoriten und starken Kletterer nach der ersten Woche bereits einige Minuten Rückstand auf Gelb haben, könnte er hier versuchen, Zeit gutzumachen. Wer ein Auge auf das Bergtrikot dieser Tour geworfen hat, könnte es wagen, in eine Fluchtgruppe zu gehen.

Etappe 11, 18.Juli: Von Albertville nach La Rosière Espace San Bernardo

Kurz und schwer, ein Spektakel – das dürfte die Formel für diese Etappe sein. Nach dem harten Tag zuvor wird diese nur 108 Kilometer lange Etappe mit großer Spannung erwartet. Durch die Kürze können die starken Fahrer früh Vollgas geben, wodurch es den Mannschaften trotz starker Helfer fast unmöglich wird, das Rennen zu kontrollieren. Greift einer der Kapitäne früh an, müssen die anderen Kapitäne selbst reagieren. Es könnte zum spektakulären Kampf Mann gegen Mann der absoluten Top-Stars kommen. Nach nur wenigen Kilometern beginnt die erste Steigung, die letzten Kilometer hinauf zum Gipfel des Monte?e de Bisanne sind steil und ideal für eine Attacke. Am Ende wartet die erste echte Bergankunft dieser Tour am La Rosie?re. Diese Schlusssteigung ist nicht extrem steil – noch ein Argument für einen frühen Angriff. Möglich, dass im Ziel der Etappe das Gelbe Trikot den Besitzer wechselt.

Etappe 12, 19.Juli: Von Bourg-Saint-Maurice Les Arcs nach Alpe d’Huez

Spektakel am berühmtesten Anstieg der Welt! Schon Tage vorher werden Radsportfans aus aller Welt hier eine große Party feiern. Die berühmten 21 Kehren hinauf nach Alpe d’Huez sind mehr als einer der schönsten Anstiege der Tour. Dieser Berg ist ein Magnet für Sportfans geworden, die das Spektakel suchen. Es sind längst nicht mehr nur die eingefleischten Kenner vor Ort. Alpe d’Huez kennt jeder, und fast alle wollen einmal dorthin. Es ist ein mythischer Berg, und die Stimmung am Anstieg ist etwas ganz Besonderes. Die Lautstärke der Anfeuerungen ist unfassbar, selbst noch beim letzten Fahrer. In der Luft liegt ein Duftgemisch aus Alkohol, Schweiß und Gegrilltem, mit einer Note Sonnenmilch. Die Spitze kämpft sich durch ein schmales Spalier hinauf, den abgehängten Fahrern im Grupetto wird Bier gereicht. Dieses Spektakel ist die eine Seite der Etappe. Die andere ist die sportliche Bedeutung: Nach zwei schweren Alpenetappen ist dieses Teilstück noch mal ein harter Brocken. Es geht zunächst über den mehr als 25 Kilometer langen Anstieg zum Gipfel des Col de la Madeleine,ein scheinbar nicht enden wollender Anstieg, dessen Beliebtheit sich im Fahrerfeld allerdings in Grenzen hält. Nach einer langen Abfahrt erreicht man das Maurienne-Tal, und es geht erneut bergauf. Die Streckenplaner haben den beeindruckenden Aufstieg der Lacets de Montvernier nicht umsonst eingebaut. Diese ganz engen Serpentinen tragen den Namen „Schnürsenkel“ zu Recht, hier wird es famose TV-Bilder geben. Nach einer kurzen Abfahrt ist man zurück im Maurienne-Tal, und es beginnt der zweite lange Anstieg des Tages: Fast 30 Kilometer geht es hinauf zum Col de la Croix de Fer. Kein supersteiler Anstieg, aber die Fahrer haben bereits fast 100 km in den Beinen. Ist die Passhöhe auf 2067 Metern erreicht, folgt eine sehr lange Abfahrt vorbei am Lac de Grand Maison ins Tal der Romanche – und zum Fuß der Schlusssteigung. Mit 8,1 Prozent im Schnitt geht es über 13,8 Kilometer und durch 21 Kehren hinauf zum Skiort auf der Alpe. Es ist ein langer und schwerer Anstieg, bei dem die Favoriten im Kampf um Gelb ihre Karten auf den Tisch legen müssen. Der Tagessieger könnte auch aus einer frühen Ausreißergruppe kommen, doch auf diesen prestigeträchtigen Erfolg am berühmtesten Berg der Tour haben es sicher auch einige der großen Favoriten abgesehen. Mit Madeleine und Croix de Fer als Vorprogramm für das große Finale in Alpe d’Huez ist diese Etappe ein echter Tour-Klassiker. Es ist ein harter Tag, für jeden im Peloton. Die schweren Sprinter versuchen, so lange es geht im Feld zu bleiben, donnern waghalsig die Abfahrten hinab und kämpfen darum, im Zeitlimit zu bleiben. Gelingt es einem der Favoriten, auf dieser Etappe Gelb zu holen, wird er es vermutlich lange tragen – vielleicht sogar bis nach Paris.

Etappe 13, 20.Juli: Von Bourg d’Oisans nach Valence

Raus aus den Alpen, vielleicht ein guter Tag für die Ausreißer. Nach den schweren Alpenetappen werden einige Fahrer im Gesamtklassement bereits großen Rückstand haben. Sie sind für das Gelbe Trikot ungefährlich, das Team des Gesamtführenden wird sie wohl ziehen lassen. Wegen der langen Abfahrt nach dem Start wird das Tempo hoch sein, einige Fahrer dürften versuchen, in der Ausreißergruppe dabei zu sein. Ob am Ende tatsächlich einer der tapferen Ausreißer in Valence triumphieren kann? Das bleibt abzuwarten. Für die Sprinter ist es vermutlich die einzige Chance in der zweiten Woche dieser Tour – und die drittletzte der gesamten Rundfahrt. Gut möglich also, dass die Sprinterteams sich früh zusammenschließen und die Ausreißer an der kurzen Leine halten, um doch für einen Massensprint zu sorgen. Für die Favoriten auf den Gesamtsieg ist es ein Tag zum Durchatmen. Nach der hektischen ersten Woche und den schweren Alpenetappen können sie es hier, wenn auch erst nach der schnellen Startphase, ein wenig ruhiger angehen lassen.

Etappe 14, 21.Juli: Von Saint-Paul-Trois-Châteaux nach Mende

Dieser Tag im Zentralmassiv wird den Fahrern einiges abverlangen. Lange, schwere Pässe sind nicht zu bewältigen, aber die kurzen, giftigen Anstiege dieser Etappe haben es in sich, denn es geht ordentlich auf und ab. Während die ersten rund 70 Kilometer größtenteils flach verlaufen, gibt es in der zweiten Hälfte der Etappe kaum noch flache Passagen. Vor allem die letzten 60 Kilometer präsentieren sich anspruchsvoll. In Mende erwartet die Fahrer ein echtes Puncheur-Finale. Es geht die letzten drei Kilometer zum Ziel mit mehr als 10 Prozent bergauf. In diesem Bergaufsprint sind Kletterqualitäten und Explosivität gefragt. Auch die Favoriten auf den Gesamtsieg der Tour müssen aufmerksam sein. Zwar wird es am Schlussanstieg keine Minutenabstände geben, aber sehr schnell kann man hier wertvolle Sekunden verlieren.

Etappe 15, 22.Juli: Von Millau nach Carcassonne

Zu schwer für die Sprinter, ideal für Ausreißer. Der lange Anstieg zum Pic de Nore dürfte es den schweren Sprintern wohl unmöglich machen, diese Etappe zu gewinnen. Zwar sind es vom Gipfel noch 40 Kilometer bis ins Ziel, doch wird nach diesem Anstieg kaum einer der reinen Sprinter ganz frisch auf die Zielgerade gehen. Zumal es ein sehr heißer Tag werden kann. So dürften sich die Sprinterteams in der Nachführarbeit eher zurückhalten, und die Gruppe des Tages hat – sofern kein gefährlicher Mann für das Gelbe Trikot dabei ist – gute Chancen, erfolgreich durchzukommen. Ein entscheidender Punkt für die taktische Planung der Teams ist das Grüne Trikot des besten Sprinters. Bei den Zwischensprints gibt es reichlich Punkte abzustauben, und sprintstarke Allrounder wie Peter Sagan oder Michael Matthews haben trotz des langen Anstiegs gute Chancen auf den Etappensieg. Viele Faktoren nehmen Einfluss auf die Taktik der Mannschaften, und man darf gespannt sein, welches Team hier die Verantwortung übernimmt und dem Rennen damit seinen Stempel aufdrückt.

Etappe 16, 24.Juli: Von Carcassonne nach Bagnères-de-Luchon

Nach dem zweiten Ruhetag erwartet die Fahrer ein langer Tag im Sattel. Diese 16. Etappe ist mit fast 220 Kilometern ein langer Riemen. Wie die Fahrer den Ruhetag verkraftet haben, wird sich auf den ersten 140 Kilometern wohl noch nicht zeigen. Denn zunächst verläuft die Strecke von Carcassonne flach gen Westen. Doch das Finale der Etappe ist anspruchsvoll, geht es doch über drei sehr bekannte Anstiege der Pyrenäen. Zunächst wird der Col de Portet-d’Aspet erklommen, direkt nach einer kurzen Abfahrt der Col de Menté. Einige Kilometer führen durch Spanien und anschließend hinauf zum Col du Portillon. Die Abfahrt zum Ziel in Bagnères-de-Luchon ist kurvenreich und anspruchsvoll. Gut möglich also, dass einer der Favoriten die Kehren hinauf zum Portillon zum Attackieren nutzt, um den Vorsprung dann auszubauen. Hat einer der Konkurrenten einen schlechten Tag, kann er einiges an Zeit verlieren.

Etappe 17, 25.Juli: Von Bagnères-de-Luchon nach Saint-Lary-Soulan

Eine extrem kurze, sehr schwere Etappe, bei der alles passieren kann. Schon bei der Streckenpräsentation im Oktober vergangenen Jahres sorgte die Etappe für Aufregung – und reichlich Diskussionsstoff. Es ist ein sehr kurzes Teilstück, dafür mit reichlich Höhenmetern. Das verspricht ein Vollgasrennen der Favoriten. Solch eine extreme Etappe ist im Voraus schwer einzuschätzen, denn es fehlen die Vergleichsmöglichkeiten. Nur 65 Kilometer sind es bis ins Ziel, und nach dem Start geht’s sofort bergauf. Drei Anstiege gilt es zu bewältigen, bevor die Etappe dann mit einer harten Bergankunft endet. Zunächst geht es über den Peyresourde zum Monte?e de Peyragudes. Das ist zwar ein langer, aber kein extrem steiler Anstieg, den die Favoriten in hohem Tempo in Angriff nehmen werden. Nach einer Abfahrt geht es zum Col de Val Louron-Azet. Mit Passagen von mehr als 10 Prozent Steigung und knapp siebeneinhalb Kilometern Länge ist es kein leichter Anstieg. Nach einer kurzen Abfahrt geht es anschließend nach Saint Lary-Soulan und von dort 16 Kilometer steil bergauf ins Ziel. Der Anstieg zum Gipfel des Col de Portet führt das Peloton zum höchsten Punkt dieser 105. Tour de France. Es wird gleichzeitig die höchste Pyrenäen-Bergankunft in der Geschichte der Tour sein. Kurz vor dem Ziel in 2215 Metern Höhe wartet ein Tunnel, und die letzten 1000 Meter bis zum Ziel sind erneut mehr als 10 Prozent steil. Die Fahrer werden die dünne Luft spüren, und es kann zu großen Abständen zwischen den Favoriten kommen. Der Col de Portet ist der große Unbekannte dieser Tour. Die Veranstalter und Streckenplaner sind immer auf der Suche nach einem ganz neuen, spektakulären Berg, Hier in den Pyrenäen ist man fündig geworden. Es ist vielleicht einer der schwersten Berge der Tour-Historie, und alle werden dieser Etappe mit Spannung entgegenfiebern. Als der „neue Tourmalet“ wird der Pass bereits gefeiert, dabei geht es deutlich höher hinauf, und die durchschnittliche Steigung ist ebenfalls größer. Die Kehren im oberen Teil des Anstiegs werden für beeindruckende Bilder sorgen, ganz nach dem Wunsch der Organisatoren. Noch im Herbst waren die letzten Meter zum Gipfel geschottert, und man muss sich überraschen lassen, was dieser Berg für Geschichten schreibt. Spannung ist jedenfalls garantiert. Gut möglich auch, dass einer der Favoriten ein Drama erlebt und dem neuen Anstieg der Tour gleich zu einem furchteinflößenden Image verhilft. Die Fahrer haben vor dem Start bereits 16 schwere Renntage in den Beinen, und das harte Finale am Vortag wird ebenfalls seine Spuren hinterlassen haben. Vielleicht wird dieser Tag in den Pyrenäen gar zum entscheidenden im Kampf um Gelb.

Etappe 18, 26.Juli: Von Trie-sur-Baïse nach Pau

Nach dem Bergspektakel am Donnerstag folgt eine Flachetappe. Die Stadt Pau war schon oft Etappenort bei der Tour, nur im traditionellen Zielort Paris und in Bordeaux starteten oder endeten noch häufiger Tour-Etappen. Zum 70. Mal macht der Tour-Tross dieses Jahr Station in Pau, 1930 war die Universitätsstadt zum ersten Mal Etappenort. Hier am Fuße der Pyrenäen gab es einige Sprintersiege, aber auch Ausreißer jubelten bereits. Diese 18. Etappe der Tour 2018 ist komplett flach, und so ist es durchaus möglich, dass es zu einem Massensprint kommen wird. Es wäre die letzte Gelegenheit vor dem Schlusstag in Paris. Doch wird das davon abhängen, wie die Etappen zuvor gelaufen, und wie viele Sprinter und Helfer noch im Rennen verblieben sind. Herrscht bei den Sprinterteams Einigkeit, haben Ausreißer wohl kaum Chancen. Setzt sich aber eine große Gruppe ab, und man lässt sie ziehen, kann der Etappensieger auch einer der tempoharten Baroudeure sein. Für die Favoriten auf den Gesamtsieg heißt es an diesem Tag, so viele Körner zu sparen wie möglich. Es ist zwar nicht mehr weit bis Paris, aber es stehen noch schwere Prüfungen bevor.

Etappe 19, 27.Juli: Von Lourdes nach Laruns

Es ist die letzte schwere Bergetappe – und noch einmal ein langes Teilstück. Mehr als 200 Kilometer müssen die Fahrer am drittletzten Tag der Tour zurücklegen, sie erwartet ein langer Tag im Sattel. Es geht erneut durch die Pyrenäen und über einige legendäre Anstiege. Das Profil ist anspruchsvoll, Veränderungen im Gesamtklassement sind durchaus noch möglich. Die ersten 65 Kilometer nach dem Start im Wallfahrtsort Lourdes führen nur leicht wellig gen Osten bis zum Fuß des Col d’Aspin. Nach dem Aufstieg zum Aspin wartet der berühmte Col du Tourmalet, einer der legendären (und schwersten) Berge der Tour-Geschichte. Bereits 1910 zum ersten Mal im Programm, wurden früher Sonderprämien vergeben, wenn es die Fahrer ohne abzusteigen über den Pass schafften. 2018 wird er von der kürzeren, aber steileren Ostseite durch den Skiort La Mongie erklommen. Nach der langen Abfahrt und einem kurzen Flachstück geht es zum Kletterfinale dieser Tour: Auf den letzten Kilometern bis zum Ziel gilt es gleich drei Anstiege zu überwinden. Zunächst geht es über den Col des Borde?res und anschließend über den Col du Soulor zum Gipfel des Aubisque. Zusammengerechnet geht es über Soulor und Aubisque mehr als 16 Kilometer bergauf. Das Ziel ist nach einer rund 20 Kilometer langen Abfahrt in Laruns erreicht. Diese schwere Bergetappe verzeiht keine Schwächen! Hat der Mann in Gelb hier einen schlechten Tag, muss er das Trikot wohl wieder hergeben.

Etappe 20, 28.Juli: Von Saint-Pée-sur-Nivelle nach Espelette

Im Kampf gegen die Uhr fällt heute die endgültige Entscheidung über den Gesamtsieg.Während es für die meisten Fahrer im Feld nur darum geht, im Zeitlimit zu bleiben, sind die Spezialisten im Kampf um den Tagessieg, vor allem aber auch die Klassementfahrer, voll gefordert. Es ist ein welliges und schweres Zeitfahren, das den Profis nach 19 harten Etappen alles abverlangt. Es gilt, sich die Kräfte gut einzuteilen, denn kurz vor dem Ziel wartet noch einmal ein kurzer, aber heftiger Anstieg auf die Fahrer. Wer bereits am Limit ist, kann hier viel Zeit verlieren. Nach diesem Tag steht der Sieger der Tour fest, denn am Schlusstag wird das Gelbe Trikot traditionell nicht mehr angegriffen.

Etappe 21, 29.Juli: Von Houilles nach Paris Champs-Élysées

Nach drei harten Wochen lassen sich die Fahrer feiern, zum Abschluss gibt’s die berühmte „Tour d’Honneur“ für die Helden der Landstraße. Auf den ersten Kilometern wird kein Rennen gefahren, stattdessen werden Fotos von den Gewinnern der Wertungstrikots gemacht, es gibt ein Gläschen Champagner fürs Team des Gesamtsiegers, und es werden Späße für die Kameraleute gemacht. Werden dann die ChampsÉlysées erreicht, beginnt das richtige Radrennen. Für die Sprinter ist diese Etappe von großer Bedeutung nicht nur im Kampf ums Grüne Trikot. Denn der Sieg am Schlusstag der Tour auf dem berühmten Pariser Prachtboulevard ist mit viel Prestige verbunden.
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