Sram Force eTap AXS: zweite 12-fach Elektro-Gruppe von Sram

Foto: Björn Hänssler Sram Force eTap AXS 12-fach Rennradschaltung

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Angriff auf Shimanos Ultegra Di2: Sram bringt seine neue eTap AXS-Technologie nun auch in einer kostengünstigeren Force-Gruppe auf den Markt.

Gerade mal zwei Monate nach der Vorstellung der neuen 12-fach-Gruppe Red eTap AXS legt Sram nach – und bringt erstmals eine elektronische Force auf den Markt. Die übernimmt nahezu alle technischen Lösungen der Red, schaltet kabellos, hat 12 Gänge am Hinterrad und kopiert das neue Übersetzungskonzept von Sram mit kleineren Kettenblättern und 10er-Ritzel, ist aber dank teils anderer Materialen und abweichender Details günstiger. Eine klare Kampfansage an Shimanos Ultegra Di2, die im Bereich der gehobenen Mittelklasse bislang das Monopol an elektronischen Schaltgruppen innehat.

Sram Force eTap AXS: Identische Technologie, günstigere Materialien

Schaltwerk und Umwerfer der neuen Force arbeiten mit den gleichen Motoren und der gleichen Elektronik wie die Red-Pendants, die Hebel bieten dieselbe Ergonomie und Schalttastengröße, allerdings lässt sich bei der Force pro Seite nur ein zusätzlicher Schaltknopf anschließen - hier muss man sich also entscheiden, ob man auch vom Oberlenker oder, zum Beispiel beim Sprinten, im Unterlenker schalten können möchte. Bei der Red geht dank zwei Anschlüssen pro Seite beides. Von der Red übernimmt die Force unverändert oder nur mit marginalen Abweichungen die optisch auffällige Kette, den Flüssigkeitsdämpfer im Schaltwerk, der die Kette straffen und ihre Effizienz erhöhen soll, und das leichte Dub-Innenlager.

Foto: Sram Sram Force eTap AXS 12-fach Rennradschaltung

Sram Force etap AXS mit optionaler Leistungsmessung.

Antrieb mit optionaler Leistungsmessung

Die 2-fach-Kurbeln bietet Sram „nur“ mit den Kombinationen 48/35 und 46/33 an, die „Profi-Übersetzung“ 50/37 bleibt der Red vorbehalten. Alle Kurbeloptionen – ob als 1-fach-, 2-fach- oder 1-fach-Aero-Modell – sind auf Wunsch auch mit Leistungsmessung erhältlich, die Wattwerte werden für beide Beine separat erfasst. Sram verspricht mindestens 200 Stunden Laufzeit dank CR2032-Knopfzellenbatterie, die selbständig und ohne Werkzeug gewechselt werden kann.

Im Gegensatz zum Red-Powermeter bilden Kurbeln und Kettenblätter bei der Force keine Einheit. Vorteil: Beim Verschleiß der Kettenblätter muss nicht das komplette System ausgetauscht werden; Nachteil: 100 statt 36 Gramm Mehrgewicht. Endverbraucher können - im Gegensatz zur Red - vorerst allerdings keine fertige Force-Leistungsmesskurbel ordern, sondern müssen die "normale" Kurbel kaufen (435 Euro) und den separaten Spider mit Powermeter nachrüsten (599 Euro).

Die Kassette mit den auffällig-schwarzen Ritzeln kommt am Stück, ist allerdings nicht – wie bei der Red – aus einem Block gefräst. Verfügbar sind die Abstufungen 10–26, 10–28 und 10–33.

Foto: Maike Hohlbaum Sram Force eTap AXS Specialized Allez Spint

Erster Fahreindruck

Sehr gut ist der erste Fahreindruck: Wie bei der Red gehen die elektronischen Schaltvorgänge sehr schnell vonstatten – nach subjektivem Eindruck liegen sie auf Augenhöhe mit den kabelgebundenen Systemen Di2 von Shimano und EPS von Campagnolo. Das Übersetzungsspektrum ist breit und entwickelt sich besonders bei den großen Gängen harmonisch dank enger Abstufung, Gangwechsel erfolgen auch unter Last stets geschmeidig. Die Scheibenbremse gibt sich kraftvoll und gut dosierbar. Alternativ gibt es die Force eTap übrigens auch für Felgenbremsen, deren Bremskörper überarbeitet wurde und nun auch Platz für breitere Reifen bis 28 mm lässt.

Manchen Fahrer mag angesichts der kleinen Kettenblätter die Sorge umtreiben, dass bei hohem Tempo die Gänge fehlen. Diese ist nach RB-Eindruck unbegründet: Dank des kleinen 10er-Ritzels am Hinterrad ist das zur Verfügung stehende Gangspektrum sogar größer als bei den bisher bekannten Antriebs-Kombinationen. Allerdings fährt man tatsächlich häufiger als bisher auf dem großen Kettenblatt.

Per App konfigurierbar

Wie bei der Red AXS lässt sich auch für die Force per App programmieren, welche Schalttaste welche Funktion übernehmen soll. Darüber hinaus können optional verschiedene Schaltmodi aktiviert werden. Im "Compensating"-Modus signalisiert der Fahrer per Tastenklick "nur", dass leichter oder schwerer getreten werden soll, und die Schaltung entscheidet aufgrund der Frequenz und Gangwahl selbständig, ob für den gewünschten Schaltschritt hinten am Ritzelpaket geschaltet wird oder ein Kettenblattwechsel mit Ausgleichsschritten am Hinterrad effizienter ist. Im "Sequential"-Modus betätigt der Fahrer den Umwerfer selbst, passt die Trittfrequenz dann aber durch selbständiges Schalten an der Kassette an. Wie viele Ritzel als Ausgleich geschaltet werden können, legt der Fahrer vorher in der App fest.

Nach den ersten Testfahrten fällt das RB-Urteil positiv aus: Ähnlich wie bei Shimanos Di2 sind diese Hilfestellungen der elektronischen Schaltung eine durchaus sinnvolle Option und nicht nur für "Spielkinder" interessant. Die Schaltvorgänge gelingen sauber und geschmeidig, sind allerdings leicht zeitversetzt: Gleichzeitiges Schalten vorne und hinten vermeidet die Schaltung, was sinnvoll ist, aber eine kurze Sekunde des "Leerlaufs" bedeutet.

Foto: Sram Sram Force eTap AXS 12-fach Rennradschaltung

Gewichte, Preise und Verfügbarkeit

Grundsätzlich gilt: Die Force setzt auf etwas einfachere Materialien, wie z. B. günstigere Carbon-Fasern bei der Kurbel, Stahl statt Aluminium am Umwerferkäfig und massive statt hohle Nieten bei der Kette. In der Summe bedeutet das: höheres Gewicht, dafür günstigerer Preis. Rund 300 Gramm wiegt die Force nach RB-Messung mehr, kostet aber 1000 Euro weniger.

Die neue Gruppe ist ab sofort an Kompletträdern und auch separat erhältlich, wobei es Hebel, Schaltwerk, Umwerfer und Bremsen vorerst nur als Set gibt. Und die ROADBIKE bereits zur Verfügung stehende Testgruppe wird in den kommenden Monaten von verschiedenen Fahrern auf Herz und Nieren getestet.

Ausführung Gewicht Preis*
1-fach mit Felgenbremse 2213 g 2058 Euro
1-fach mit Scheibenbremse 2572 g 2148 Euro
2-fach mit Felgenbremse 2453 g 2408 Euro
2-fach mit Scheibenbremse 2812 g 2548 Euro
2-fach mit Disc & Leistungsmessung 2985 g* 3147 Euro

*RB-Messung mit 172,5mm-Leistungsmesskurbel 48/35, Kassette 10-28, BB30-Dub-Innenlager und Akkus; alle anderen Gewichtsangaben in der Tabelle sind Herstellerangaben.

03.04.2019
Autor: Moritz Pfeiffer
© RoadBIKE
Ausgabe 05/2019