Hydraulische Scheibenbremsen von Campagnolo

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Foto: Campagnolo/Pablo Moreno Campagnolo disc

Campagnolo goes Disc!

Es hat etwas länger gedauert, aber nun kommt sie: die Scheibenbremse von Campagnolo. Schon ab Ende Mai 2017 sollen nicht weniger als sechs Campa-Gruppen mit Disc verfügbar sein. Neben den vier mechanischen Disc-Gruppen Super Record, Record, Chorus und Potenza wird es die elektronischen Disc-Gruppen Super Record EPS und Record EPS geben.

Italienisch-schwäbische Kooperation

Bei der Entwicklung seiner Disc hat sich Campagnolo mit den Hydraulik- und Scheibenbrems-Experten von Magura zusammengetan. Bei allen Gruppen kommt die gleiche Bremsanlage zum Einsatz. Der Bremssattel am Vorderrad ist auf 160er Scheiben ausgelegt, …

Hinterer Bremssattel

…am Hinterrad stehen zwei Bremssättel für wahlweise 140er oder 160er Bremsscheiben zur Auswahl.

Stylischer Auftritt

Die Bremssättel kommen in dezentem schwarz. Die patentierten Bremsbeläge basieren auf einer organischen Harzmischung und sitzen auf Trägerplatten aus Stahl. Mit dabei: optische und akustische Verschleißindikatoren.

Keine scharfen Kanten

Die Bremsscheiben aus Stahl sollen in der 160 mm-Ausführung 120 Gramm wiegen, die Kanten sind abgerundet.

Viel versprechend

Campagnolo ist von seiner Scheibenbremse überzeugt: Das System verzögere bei Nässe bis zu 26, bei Trockenheit bis zu 55 Prozent schneller als die Konkurrenz - bei geringerer Handkraft, bester Dosierbarkeit, größerer Hitzebeständigkeit und minimaler Geräuschentwicklung.

Gruppenübergreifend

Einzelgewichte für die Bremssättel nannte Campagnolo noch nicht. Da alle Disc-Gruppen auf der gleichen Bremsanlage aufbauen, entstehen die Gewichtsunterschiede durch die anderen Komponenten der Gruppe, also etwa Schaltwerk, Umwerfer, Kassetten und Griffe.

Schalt- und Bremszentrale

Angesteuert wird Campas Scheibenbremse über die neuen Ergopower. Durch den Hydraulikzylinder sind sie 8 Millimeter höher geworden, erinnern davon abgesehen aber stark an die Ergopower für klassische Felgenbremsen. Die Ergonomie wurde nicht verändert, nach wie vor sind die Höcker leicht nach innen geneigt, der Bremshebel ist geschwungen, gebremst und geschaltet wird pro Seite mit drei separaten Hebeln.

Drei Ergopower-Versionen

Campas Disc-Ergopower sind in drei Versionen verfügbar: Bei den mechanischen Top-Gruppen sind die Bremshebel aus Carbon, der rechte Daumenschalthebel schaltet Campa-typisch in einem Schaltvorgang bis zu fünf Gänge "schwerer". Ebenfalls mit Carbon-Bremshebeln kommt der Disc-Ergopower für die beiden elektronischen Gruppen Super Record EPS und Record EPS. Bei der Potenza Disc ist der Bremshebel aus Alu, die Daumenschalthebel sind in Anlehnung an die EPS nach unten verlängert, wobei der rechte "nur" in Einzelschritten in "schwerere" Gänge schaltet.

Wandlungsfähig

Alle drei Egopower-Versionen lassen sich individuell an den Fahrer anpassen. Bei S (= Short) setzt die Bremskraft früher ein und ist stärker, bei L (= Long) wandert der Druckpunkt in Richtung Lenker, die Bremsleistung ist weniger aggressiv. Die Einstellung wird mit einem 2,5 mm Inbusschlüssel vorgenommen. Auch...

Griffweiten-Einstellung

…die Griffweit lässt sich einstellen. Hinter den kleinen Löchern in den Brems- und den Schalthebeln liegen Inbusschrauben, mit denen der Abstand der Hebel zum Lenker variiert werden kann.

Griffweiten-Einstellung

Die Anordnung der Einstellschrauben ist bei allen drei Versionen der Disc-Ergopower identisch.

Gut erreichbar im Unterlenker

Anders als bei den Ergopowern für Felgenbremsen sind die Brems- und Schalthebel bei den Disc-Ergopowern leicht nach außen gestellt. Im Unterlenker sind sie so noch besser zu erreichen.

Ergopower-Gewichte

Campagnolo nannte bereits Gewichte für die Disc-Ergopower samt Bremssättel: Die EPS-Version (hier im Bild) soll 596 Gramm wiegen, die mechanischen Disc-Ergopower von Super Record, Record und Chorus 698 Gramm. Der Potenza-Schalt-Bremsgriff bringt samt Bremssätteln 753 Gramm auf die Waage.

H 11-Komponeten

Die gruppenübergreifenden Teile der Super Record, Record und Chorus sowie Super Record EPS und Record EPS nennt Campagnolo H 11. Dazu zählen neben den Ergopowern auch die Carbon-Kurbeln.

Spezielle Kurbeln

Da Disc-Rahmen anders gebaut sind, benötigen sie laut Campagnolo spezifische Kurbeln, damit der Q-Faktor nicht abweicht. Campagnolo bietet zwei Versionen an: die Carbon-Kurbel H 11 für die Top-Gruppen sowie…

Potenza-Kurbel

…eine Alu-Kurbel bei der Potenza Disc.

Erster Fahreindruck

Bei der Produktpräsentation auf Gran Canaria hatte RoadBIKE die Gelegenheit, die Campa-Disc Probe zu fahren.

Erster Fahreindruck

Der erste Eindruck ist sehr positiv: Campas Scheibenbremse verzögert sehr stark, aber vorhersehbar und sehr gut dosierbar. Bereits nach wenigen Bremsungen hat man sich aklimatisiert.

Erster Fahreindruck

RoadBIKE gefiel die etwas aggressivere Einstellung S (= Short) ein bisschen besser. Bergab das Tempo stehen lassen, spät vor Kurven anbremsen - die Campa-Disc machte alles mit, vermittelte viel Sicherheit und machte Spaß.

Erster Fahreindruck

Die Schaltvorgänge (gefahren wurden mechanische H 11-Ergopower) sind gewohnt präzise und knackig, die Ergopower liegen sehr gut in der Hand. Die höheren Höcker sind optisch zwar noch ungewohnt, ermöglichen aber eine neue Griffposition.

Campagnolo goes Disc!

Obwohl sich Campagnolo lange mit der Disc Zeit gelassen hat, sind die nun vorgestellten Produkte verheißungsvoll (im Bild die Potenza Disc). Ausführliche RoadBIKE-Labor- und Praxistests folgen in Kürze.
Mehr zu dieser Fotostrecke: Campagnolo präsentiert Scheibenbremsen