Der neue Garmin Edge 520 plus im Dauertest

Foto: Christian Brunker/RoadBIKE Der neue Garmin Edge 520 plus.
Mit Kartendarstellung und Navigation, aber ohne Touchdisplay: Was kann Garmins neuer Edge 520 plus? RoadBIKE hat das Gerät im Dauertest.

Wer einen kompakten GPS-Radcomputer sucht, der trotzdem den vollen Funktionsumfang bietet, landet schnell beim Garmins neuem Edge 520 plus. Doch was kann der Nachfolger des beliebten Edge 520? RoadBIKE hat das Gerät im Dauertest und wird fortlaufend über die Erfahrungen berichten.

Die wichtigsten Infos kurz&knapp

  • Name: Garmin Edge 520 plus
  • Gewicht: 63 g (ohne Halterung)
  • Display-Größe: 2,3 Zoll; 200x265 Pixel
  • Akku-Laufzeit: bis zu 15 Stunden (Herstellerangabe)
  • Höhenmessung: barometrisch
  • Standortbestimmung: GPS/GLONASS
  • Preis: 299,99 Euro (Einzelgerät); 399,99 Euro (Sensorbundle)

Eintrag 1: Unboxing

Die erste positive Überraschung beim neuen Garmin Edge 520 plus gibt es beim Auspacken: Neben der klassischen Montage per Halterung mit O-Ringen auf dem Vorbau oder Lenker liefert Garmin gleich eine Aero-Halterung mit. Die ist in wenigen Minuten einfach montiert und nimmt den Edge sicher auf. Im Vergleich zur alten Aero-Halterung ist sie zudem etwas abgesenkt, sodass Edge und Vorbau auf einem Niveau sind. Die beiliegende Kurz-Anleitung gibt einen guten ersten Überblick, dennoch empfiehlt es sich, die vollständige Bedienungsanleitung auf der Garmin-Internetseite (www.garmin.com) herunterzuladen.

Ebenfalls erfreulich: Das Verbinden der Sensoren wie Pulsgurt oder Trittfrequenz via ANT+ funktioniert problemlos, sie werden schnell erkannt und abgespeichert. So ist es auch kein Problem, die Sensoren von mehreren Rädern oder mehrere Pulsgurte zu speichern. Einzig die Verbindung zur Shimano Ultegra Di2 verursachte etwas Probleme. Hier lag aber vermutlich ein Anwenderfehler zugrunde: Ich hatte die Di2 mit der Shimano-E-Tube-App auf meinem Smartphone bereits zuvor verbunden und da die Verbindung wahrscheinlich via Bluetooth LE funktioniert, konnte ich die Di2 nicht auch noch mit dem Garmin Edge 520 plus verbinden. Die Lösung: Ich habe die Di2 von den Bluetooth-Geräten meines Smartphones gelöscht und schon funktionierte die Kopplung mit dem Edge.

Etwas aufwendiger ist die Anpassung der Trainingsprofile und Display-Seiten. Bis zu fünf Seiten können mit bis zu acht verschiedenen Werten belegt werden. Hinzu kommen noch Seiten mit Karte, Garmins Cycling Dynamics, Höhenprofil oder Garmins Virtual Partner. Weil der Edge 520 plus über kein Touchdisplay verfügt, ist für das Anpassen jede Menge Klickarbeit notwendig - aber sie muss ja im Idealfall auch nur einmal gemacht werden, von daher ist das zu verschmerzen. Ein Tipp: Es hilft, sich vorher über die Belegung der Trainingsseiten mit den verschiedensten Werten, Anzeigen, etc. Gedanken zu machen und sie sich zumindest grob zu überlegen.

Für die Auswertung der Daten muss ein Profil auf Garmins Connect-Plattform angelegt werden, die dort hochgeladenen Aktivitäten können aber problemlos und automatisch mit anderen Plattformen wie Strava, Trainingpeaks oder Trainerroad synchronisiert werden.

Eintrag 2: Die ersten Ausfahrten

Wer den Edge 520 kannte, wird sich mit dem Edge 520 plus sofort vertraut fühlen. Die Abmessungen am Lenker sind identisch, das Display wie gehabt sehr gut ablesbar. Auch die Knöpfe lassen sich gut greifen und bieten einen guten Druckpunkt. Besonders komfortabel für Besitzer einer Shimano Di2: Der Edge 520 plus lässt auch über die Schalter der Di2 bedienen, sodass die Hände gar nicht vom Lenker müssen. Zudem warnt der Edge beispielsweise im Full-Synchro-Shift-Modus vor dem anstehenden Kettenblattwechsel oder gibt einen Signalton, wenn der größte oder kleinste Gang erreicht ist.

Neu hinzu gekommen ist die Kartendarstellung, eine Garmin Fahrradkarte ist bereits vorinstalliert und für Rennradzwecke vollkommen ausreichend detailliert. Das Nachfahren von zuvor erstellten Strecken funktioniert gut, wenn auch manchmal die Abbiege-Hinweise nicht ganz eindeutig sind. Gut ist, dass sie unabhängig von der aktuell gezeigten Trainingsseite aufploppen und sowohl Distanz als auch Zeit bis zur nächsten Abbiegung angeben.

Was allerdings im Gegensatz zum Top-Modell Garmin Edge 1030 nicht möglich ist: Auf dem Edge 520 plus selbst navigieren oder Strecken erstellen. Was man kann: Bereits gefahrene Strecken wieder nachfahren oder sich zu einem vorher festgelegten Punkt (Garmin nennt es "Favorit") navigieren lassen.

Die Akku-Laufzeit gibt Garmin mit bis zu 15 Stunden an. Nach einer ersten, mehr als fünfstündigen Ausfahrt mit Navigation war der zuvor vollgeladene Akku noch bei 53%, von daher erscheint die Angabe realistisch. Selbst ausgedehnte Tagestouren sollten mit dem Edge 520 plus also kein Problem sein, zumal sich die Akku-Laufzeit auch noch optimieren lässt. Also beispielsweise, indem man die Display-Helligkeit heruntersetzt, nicht verwendete Sensoren entfernt oder den Auto-Ruhezustand aktiviert.

Was ist sonst noch aufgefallen? Gut gefällt, dass sich jetzt die Geschwindigkeit des Virtual Partners direkt im Gerät einstellen lässt, etwa auf 27 km/h. Etwas nervig bis störend hingegen sind die doch recht häufigen Fehl-Alarme der automatischen Unfall-Benachrichtigungen. Dieses - im Grunde extrem sinnvolle und wichtige Feature - kann im Falle eines Unfalls oder Sturzes vorher hinterlegte Notfall-Kontakte informieren und so umgehend Hilfe herbeiholen. Soweit die Theorie. Doch in der Praxis schlägt der dafür eingebaute Beschleunigungsmesser nicht nur bei Stürzen an, sondern auch etwas schärfere Bremsungen reichen aus, um den Alarm auszulösen. Auf den ersten 200 km mit dem Gerät musste ich so bereits fünf Mal die Unfall-Benachrichtung manuell deaktivieren. Schön wäre es, wenn man die Empfindlichkeit vielleicht etwas anpassen könnte. Andererseits: Lieber zwei Fehlalarme zu viel als eine wirkliche Notfall-Nachricht zu wenig.

08.08.2018
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE