Campagnolo bringt das zwölfte Ritzel

Foto: Campagnolo
Lange wurde spekuliert, jetzt hat Campagnolo ernst gemacht: Als erster Hersteller bringen die Italiener ihre Top-Gruppen Record und Super Record mit 12fach-Kassetten.

Vom Schnellspanner anno 1933 bis zur ersten 11fach-Gruppe hat Campagnolo in seiner 85-jährigen Firmengeschichte immer wieder mit Innovationen die Rennradtechnik vorangebracht. Allerdings hatten in den vergangenen Jahren oftmals die Konkurrenten Shimano und Sram die Nase vorn, Stichwort Scheibenbremsen oder kabellose elektronische Gruppen. Doch nun hat die Traditionsmarke aus Vicenza eine neue Duftmarke gesetzt: Als erste bringen die Italiener 12fach-Gruppen fürs Rennrad auf den Markt. Zunächst werden nur die beiden Top-Gruppen Record und Super Record mit dem zusätzlichen Ritzel versehen, doch es ist abzusehen, dass auch die anderen Gruppen nach und nach aufgerüstet werden. Die 12fach-Version von Record und Super Record gibt es sowohl für Felgen- als auch für Scheibenbremsen.

Top-Gruppen bekommen umfangreiches Update

Im Laufe der mehr als zweijährigen Entwicklungszeit hat Campagnolo seinen Top-Gruppen gleichzeitig ein umfassendes Update verpasst und zahlreiche Details verbessert. Die Ergopower-Schaltgriffe wurden in ihrer Form leicht modifiziert, sodass sie noch besser in der Hand liegen sollen. Gleichzeitig wurden die Schalt- und Bremshebel leicht verändert, sodass sie in allen Griffpositionen besser erreichbar sind, besonders der Daumenhebel. Der Stift, mit dem sich bislang nur die Bremse öffnen ließ, um die Laufräder auszubauen, hat eine neue, dritte Einstellung bekommen, mit der sich der Bremshebel näher zum Lenker bringen lässt, sodass dieser auch mit kleineren Händen besser erreichbar ist.

Wie gehabt, lassen sich mehrere Gänge auf einmal schalten: bis zu 5 Gänge nach unten und bis zu drei Gänge nach oben. Für ein geschmeidiges Schaltverhalten sei überdies das Innenleben der Ergopower komplett überarbeitet worden. Neue Schaltzüge und -hüllen sollen noch weniger Reibung und damit eine bessere Schaltperformance bieten - und das, so betont Campagnolo - auch dauerhaft.

Feintuning an Umwerfer und Schaltwerk

Der neue Umwerfer der Record und Super Record soll noch direkter und effizienter arbeiten und soll durch sein Design auch Platz für 32 mm breite Reifen lassen. Der Zug lässt sich auf beiden Seiten des Umwerferarms befestigen, um für jeden Rahmen die optimale Zugführung zu erlauben. Zudem wurde der Umwerferkäfig dünner und soll durch seine Form die Kette vielmehr aufs andere Kettenblatt heben denn drücken. Zudem soll er, dank der Trimmpositionen - egal in welcher Ritzelkombination - nicht mehr an der Kette schleifen.

Auch am Schaltwerk hat sich einiges getan: Dank "3D-Embrace-Technology" soll es immer perfekt zum jeweiligen Ritzel positioniert sein und es so erlauben, dass die Kette immer maximal viele Zähne zu greifen bekommt - für eine effizientere Kraftübertragung. Dazu passend wird es für die neuen 12-fach Gruppen nur noch zwei Kassettenoptionen geben: 11-29 und 11-32. Diese passen auf alle aktuellen Freiläufe, sodass die neuen Record und Super Record mit allen Laufrädern und Rahmen kompatibel sind. Um das zu erreichen, hat Campagnolo die Ritzel schmäler gemacht, und auch die neuen Ketten sind etwas schlanker geworden - sie sollen aber genauso lange halten wie die bisherigen Ketten.

Zudem hat Campagnolo an der Befestigung gearbeitet, die neuen Schaltwerke lassen sich sowohl an klassischen Schaltaugen befestigen wie auch nach dem neuen Direct-Mount-Standard.

Verbesserte Kurbel, verbesserte Bremsen

Die neuen Top-Gruppen bekommen auch neue Kurbeln verpasst, die im Detail verbessert worden sind. Es wird sie in vier Längen von 165, 170, 172,5 und 175 mm geben. An Übersetzungskombinationen bietet Campagnolo 53-39, 52-36 und 50-34 an.

Auch das Design der Felgenbremskörper wurde angepasst, sie sind jetzt für C17- und C19-Felgen optimiert und erlauben Reifendurchmesser bis 28 mm. Zudem gibt es sowohl Bremskörper für die klassische Befestigung als auch die mit zwei Schrauben am Rahmen befestigten Direct-Mount-Bremsen.

Die Scheibenbremsen der Record und Super Record wurden ebenfalls leicht verbessert. Für vorne setzt Campa auf Rotoren mit 160er Durchmesser, für hinten werden 140 und 160 angeboten. Neue praktische Details: Die Bremsbeläge sind unten angeschrägt, sodass das Einsetzen der Laufräder leichter geht. Eine optische wie aktustische Verschleißanzeige soll rechtzeitig informieren, wenn ein Belagwechsel erforderlich ist.

Insgesamt sollen die Campagnolo Record und die Super Record die gleiche Performance bieten, die Unterschiede liegen laut Campa einzig in den verwendeten Materialien, weshalb die Record etwas günstiger ist. Die EPS-Gruppen sind noch nicht auf 12-fach umgestellt und bleiben - vorerst - bei 11-fach.

Die Preise der neuen 12-fach Gruppen:

  • Record Disc: 2394,86 Euro
  • Record Felgenbremse: 1960,07 Euro
  • Super Record Disc: 3199,05 Euro
  • Super Record Felgenbremse: 2915,42 Euro

Bereits Ende April sollen die neuen Gruppen verfügbar sein.

09.04.2018
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE