Cross-Fahrtechnik - Tipps von Jens Schwedler & Paul Lindenau

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Foto: Dennis Stratmann cyclocross Fahrtechnik cross Jens SChwedler Paul Lindenau

Cyclocross-Fahrtechnik

Von den Tipps dieser Experten profitieren Sie auch auf der Straße: Denn beim Crossen verbessern Sie Fahrtechnik und Radbeherrschung spielerisch und mit Spaßgarantie: Versprochen!

Cyclocross-Fahrtechnik: Hindernis überspringen

Paul Lindenau: „Diese Technik können Sie immer wieder einsetzen, egal ob ein Hindernis auf der Straße liegt, Sie nur einen Bordstein oder im Crossrennen eine Hürde überwinden müssen. Sie kommen höher als beim klassische Bunnyhop, bei dem Vorder- und Hinterrad gleichzeitig abheben. Probieren Sie es zunächst im Wald oder auf einer Wiese mit einem kleinen Ast oder Baumstamm. Wenn Sie sich sicherer fühlen, wählen Sie ein höheres Hindernis oder legen Sie ein zweites in einigen Metern Abstand dazu."
Anfahrt: „Rollen Sie auf das Hindernis zu. Fahren Sie dabei nicht zu langsam, das macht es eher schwieriger. Die Hände liegen auf den Hebeln. Unmittelbar vor dem Hindernis holen Sie Schwung: Der Oberkörper geht nach unten, Ellenbogen und Knie sind angewinkelt.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Hindernis überspringen

Vorderrad hoch: „Reißen Sie mit Schwung das Vorderrad hoch. Der Impuls kommt aus dem Oberkörper, der hochschnellt. Die Beine werden dafür gestreckt, über die Arme ziehen Sie das Vorderrad hoch. Ihr Schwerpunkt liegt hinter dem Tretlager, für einen Moment rollen Sie nur auf dem Hinterrad."

Cyclocross-Fahrtechnik: Hindernis überspringen

Abheben: „Holen Sie dann das Hinterrad nach. Dafür müssen Sie gleichzeitig an den Pedalen ziehen und den Oberkörper vorwärts bewegen. Nicht übertreiben mit dem Schwung! Sonst verlagert sich Ihr Schwerpunkt zu stark nach vorne und erschwert die sichere Landung.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Hindernis überspringen

Landen: „Schieben Sie das Rad an den Hebeln unter sich nach vorne. Das verlagert den Schwerpunkt nach hinten. Sie landen zwar nur auf dem Vorderrad, laufen aber nicht Gefahr, über den Lenker zu gehen.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Hindernis überspringen

Weiterfahren: „Federn Sie die Landung mit angewinkelten Ellenbogen und Knien ab. Wenn Sie sich unsicher fühlen, üben Sie – zunächst ohne Hindernis – nur das Hochreißen des Vorderrades. Mit einem kleinen Impuls nach vorne landen Sie gleich wieder sicher. Sie werden sehen: Mit der Zeit schleift sich die Technik ein, die größte Blockade ist oft die im Kopf. Auch ich muss mich bei Crossrennen manchmal überwinden. Dort überspringen wir oft bis zu 40 Zentimeter hohe Hürden.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Steil bergauf

Paul Lindenau: „Jeder kennt das Gefühl, wenn es steil bergauf geht und auf nassem Asphalt oder rutschigem Untergrund plötzlich das Hinterrad durchdreht. Intuitiv tritt man lockerer – oder hört sogar ganz damit auf. Folge: Der Schwung ist futsch, im Rennen zieht die Konkurrenz davon. Der Trick bei steilen Bergfahrten auf kritischem Untergrund ist, den Körperschwerpunkt nach unten und vor das Tretlager zu bringen. Wenn Sie im Sitzen fahren, senken Sie den Oberkörper etwas ab und rutschen ein paar Zentimeter weiter nach vorne – auf die Sattelspitze. Wenn Sie im Wiegetritt fahren, ducken Sie sich nach vorn gebeugt über den Lenker.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Steil bergab

Jens Schwedler: „Viele Radfahrer haben bei richtig steilen Abfahrten Angst vor einem Sturz über den Lenker, insbesondere im Gelände. Lösung: Der Schwerpunkt muss weit nach hinten – und nach unten. Sie sitzen also nicht auf dem Sattel, sondern schieben diesen zwischen den Beinen weit nach vorne und kauern sich dahinter, die Beine gegen die Pedale gestemmt. Die Arme sind weit nach vorn gestreckt, der Oberkörper waagerecht und möglichst tief über dem Oberrohr. Um die Radkontrolle zu verbessern, können Sie auch in den Unterlenker greifen. Vorteil Scheibenbremse: Mit geringer Handkraft können Sie auch in jeder Haltung viel Bremskraft aufbauen.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Abspringen und Schultern

Jens Schwedler: „Der Dreiklang aus Abspringen, Hindernis überwinden und wieder aufspringen gehört untrennbar zum Crossen dazu. Kaum ein Rennen ohne Hindernis, Treppe oder steilen Abhang, wo man nur noch laufend weiterkommt. Auch in manch tiefer Sandgrube ist man zu Fuß schneller als auf dem Rad. Sie wollen einmal bei einem Crossrennen mitfahren? Dann bitte diese Technik fleißig üben!“
Aus dem Sattel: „Vor dem Absteigen muss der Gang aufliegen, mit dem Sie nach dem Hindernis weiterfahren wollen. Die Hände sind wahlweise am Oberlenker oder, falls Sie noch bremsen müssen, an den Hebeln. Klicken Sie rechts aus und schwingen das Bein über den Sattel. Warum nicht links? Dann hätten Sie später die Kette im Kreuz.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Abspringen und Schultern

Bein durchführen: „Führen Sie, noch im Fahren, das rechte Bein zwischen Rahmen und dem noch eingeklickten linken Bein durch.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Abspringen und Schultern

Ans Unterrohr greifen: „Greifen Sie durch den Rahmen ans Unterrohr. Ihr rechter Fuß berührt als erstes den Boden, spätestens jetzt links ausklicken. Verlieren Sie im Übergang zum Laufen möglichst wenig Schwung, aber seien Sie so langsam wie nötig, um nicht zu stolpern.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Abspringen und Schultern

Rad schultern: „Sobald Sie laufen, heben Sie das Rad am Unterrohr an. Arm durchs Rahmendreieck schieben und das Rad schultern. Verzichten Sie auf Flaschenhalter oder montieren Sie nur den hinteren.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Abspringen und Schultern

Richtige Schulterhaltung: „Das Oberrohr ruht auf der Schulter, Ihr rechter Arm greift unter dem Unterrohr durch und fasst den Lenker, damit dieser nicht hin- und herpendeln kann. Der linke Arm bleibt frei, kann die Laufbewegung unterstützen oder helfen, sich abzustützen.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Abspringen und Schultern

Rad absetzen: „Heben Sie das Rad von der Schulter. Die linke Hand geht zum Lenker, die rechte beim Absetzen des Rades ans Unterrohr, danach ebenfalls an den Lenker, damit Sie wieder aufspringen können.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Abspringen und Anheben

Paul Lindenau: „Oft lohnt es nicht, das Rad zu schultern, weil es nur eine kurze Treppe oder Hürde zu überwinden gilt. Dann reicht es, das Rad nur kurz anzuheben – oder zu schieben.“?
Anfahrt: „Führen Sie wieder das rechte Bein innen zwischen Rahmen und eingeklicktem linken Bein durch. Die Hand geht diesmal aber zum Oberrohr."

Cyclocross-Fahrtechnik: Abspringen und Anheben

Loslaufen: „Sobald Sie Boden unter den Füßen haben, ziehen Sie das Rad am Oberrohr hoch. Wichtig: kein Getrippel vor dem Hindernis! Fahren Sie so weit wie möglich darauf zu und berühren Sie davor nur ein einziges Mal mit dem rechten Fuß den Boden."

Cyclocross-Fahrtechnik: Abspringen und Anheben

Tragen oder schieben: „Folgt eine zweite Hürde, tragen Sie das Rad. Ist der Abstand größer, lohnt sich das Absetzen und Schieben des Rades im Laufschritt.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Aufspringen

Paul Lindenau: „Nach dem Hindernis heißt es, so schnell wie möglich wieder in den Sattel zu kommen und zügig wieder Fahrt aufzunehmen."
Schwung holen: „Beide Hände sind am Oberlenker oder auf den Hebeln. Nehmen Sie schiebend – in vollem Laufschritt – richtig Schwung auf, um in der Phase, wo Sie nicht mehr laufen, aber noch nicht in die Pedale treten, so wenig Geschwindigkeit wie möglich zu verlieren.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Aufspringen

In den Sattel schwingen: „Links ist das Sprungbein, das rechte schwingt nur so hoch wie nötig über den Sattel. Der Trick ist, mit der Innenseite des rechten Oberschenkels auf dem Sattel zu landen und sich erst im Anschluss richtig im Sattel zu positionieren. Hohes Abspringen und mittiges Landen sind nur etwas für Masochisten ohne Kinderwunsch ...“? Einklicken: „Jetzt schnell mit dem Treten beginnen. Klicken Sie zur Not erst richtig ein, wenn Speed da ist. Unerlässlich: Pedale mit beidseitigem Einstieg.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Richtig lenken

Paul Lindenau: „Egal ob verwinkelter Cross-Rennkurs oder Trampelpfad im Wald: Beim Crossen sind Kurven oft enger als im Straßenverkehr. Und wegen der geringeren Geschwindigkeit muss man aktiver lenken. Arbeiten Sie stärker als gewohnt mit dem Oberkörper. Die der Kurve zugewandte Schulter geht voran. Bremsen Sie vor der Kurve, dann richtig hineinlehnen – und mit Schwung um die Ecke zirkeln. Keine Angst vor starkem Einlenken! Bei hohem Tempo oder glitschigem Untergrund können Sie bei der Einfahrt in die Kurve das kurveninnere Pedal ausklicken, damit Sie sich zur Not abstützen können. Ansonsten gilt, wie auch auf der Straße: Das kurveninnere Pedal gehört immer nach oben.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Kurven richtig anfahren

Jens Schwedler: „Fahren Sie Kurven vorausschauend an, und planen Sie bewusst Ihre Fahrlinie. So verlieren Sie so wenig Geschwindigkeit wie möglich und sind sicherer unterwegs – auf Asphalt genau wie im Gelände.“
So ist’s falsch: „Ein oft beobachtetes Phänomen: Die Kurve wird innen angefahren und bis zum Scheitelpunkt gebremst (mittlere Position). Spätestens nach dem engen Kurvenradius ist der ganze Schwung weg. Folge: Man muss mehr Energie aufbringen, um wieder auf Geschwindigkeit zu kommen.“?

Cyclocross-Fahrtechnik: Kurven richtig anfahren

So wird’s gemacht: „Die bessere Variante: Man fährt die Kurve außen an, zieht etwas nach innen und lässt sich beim Beschleunigen wieder nach außen tragen. Schließen Sie Ihren Bremsvorgang vor dem Einlenken ab (erste Position ganz rechts). Die längere Fahrstrecke kann auf diese Weise trotzdem schneller und sicherer sein. Achten Sie vor der Einfahrt in die Kurve auf den Untergrund: Matsch, Laub, lose Steine? Dann die Geschwindigkeit und Fahrlinie anpassen, um nicht wegzurutschen.“

Cyclocross-Fahrtechnik: In Kurven überholen

Jens Schwedler: „Im Rennen kann die zuvor beschriebene falsche Kurvenlinie manchmal doch die bessere sein – wenn Sie nämlich innen überholen und eine Position gutmachen wollen. Je nach Breite der Strecke werden Sie dabei allerdings wahrscheinlich den Weg Ihres Konkurrenten kreuzen und ihm ebenfalls den Schwung nehmen. Freunde machen Sie sich damit nicht, aber darum geht es im Rennen ja auch nicht unbedingt. Allerdings sollten Sie nach einem solchen Überholmanöver auch dauerhaft schneller fahren können. Und gefährden Sie auf keinen Fall Ihre Mitstreiter – oder sich selbst!“

Cyclocross-Fahrtechnik: Fahren auf Sand und Matsch

Paul Lindenau: „Jeder kennt das unangenehme Gefühl, wenn im tiefen Geläuf das Hinterrad ausbricht. Ganz wichtig: keine Panik! So lange Sie in Bewegung bleiben, findet das Hinterrad bald wieder Grip, das Rad fängt sich wieder. Und bei Crossrennen ist in der Regel das Schlimmste, was Ihnen passieren kann, weich zu fallen, ein paar Positionen zu verlieren und danach auszusehen wie ein Schwein ...“
Lockerlassen: „Vor der Einfahrt in die Sandgrube oder Matschpassage muss der richtige Gang aufliegen. Während der Durchfahrt zu schalten ist keine gute Idee! Die Hände liegen locker auf dem Oberlenker. Greift man auf die Hebel oder in den Unterlenker, drückt man das Vorderrad nur tiefer nach unten. Entlasten Sie die Front, Ihr Schwerpunkt sollte über dem Tretlager liegen. Sind Spurrillen vorhanden, können Sie sich an diesen orientieren, dort ist der Untergrund in der Regel etwas fester. Unternehmen Sie aber keine aktive Lenkbewegungen, sondern lassen Sie das Rad selbst den Weg bestimmen.“

Cyclocross-Fahrtechnik: Fahren auf Sand und Matsch

Ausgleichen: „Anstatt selbst aktiv zu lenken, sollten Sie ein Ausbrechen des Rades durch Ausgleichsbewegungen mit dem Oberkörper und nach außen gespreizten Knien auffangen. Achten Sie immer darauf, kräftig weiterzutreten, denn wenn Sie Tempo verlieren, schaffen Sie es nicht durch die Grube. Wenn’s nicht mehr weitergeht: abspringen und laufen!“
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