Die wichtigsten Tipps fürs Bikepacking

Parts & Zubehör
Gravelbike Gravel bike Bikepacking © Bombtrack/Timo M. Seidel

Alles übers Bikepacking Die wichtigsten Tipps fürs Bikepacking

Nie war "einfach mal raus" so leicht wie mit dem Gravel Bike und ein paar Taschen. Worauf es dabei ankommt, verrät unser kleines ABC für Bikepacking-Einsteiger.

"Ich will raus!" Einfach mal rauskommen, sich bewegen, etwas erleben, die Welt entdecken, ob im Kleinen oder im Großen – ein bisschen Fernweh steckt in uns allen. Und vermutlich war es selten einfacher, dieses Bedürfnis zu befriedigen, als mit dem Gravel Bike. Schließlich kombiniert es wie kaum ein anderes Sportgerät die Möglichkeit, in kurzer Zeit vergleichsweise große Distanzen zurückzulegen und dabei gleichzeitig kaum Einschränkungen in der Wahl der Wege hinnehmen zu müssen. Immer frei nach dem Motto: "The tire is the limit."

Ein Tag ist nicht genug? Kein Problem. Einfach ein paar Taschen ans Rad, das Nötigste einpacken und los geht die Fahrradtour mit Gepäck. Neudeutsch heißt das dann natürlich Bike-Packing und klingt so gleich zwei Nummern cooler. Wobei die Antwort auf die Frage: "Was ist denn Bikepacking eigentlich?" ganz individuell im Munde des Antwortenden liegt. Bin ich lieber solo unterwegs, zu zweit oder gar mit einer Gruppe? Dauert die Reise zwei Tage oder zwei Monate? Machen wir entspannte 50 Kilometer am Tag oder doch eher 300? Übernachten wir im Zelt, im Unterstand an der Bushaltestelle oder im Luxushotel? Die eine richtige Antwort gibt es nicht – das alles, und noch viel mehr, ist Bikepacking.

Als kleine Anschubhilfe für eure ersten Touren liefern wir euch hier ein paar grundlegende Informationen zum Thema Bikepacking. Wir präsentieren euch Taschen-Sets, die wir selbst bereits ausprobiert haben. Wir vergleichen verschiedene Formen des Gepäcktransports. Und wir verraten, worauf ihr schon beim Kauf des reisetauglichen Gravel Bikes achten könnt.

Optionen für Gepäcktransport

Wie in so vielen Bereichen rund ums Gravel Bike hast du auch hier die Qual der Wahl. Du könntest dir einfach einen Rucksack auf den Rücken schnallen und losdüsen. Oder du organisierst dir eine Begleitung, die freundlicherweise dein Gepäck trägt. Irgendwie sympathischer und sinnvoller erscheinen uns aber die folgenden Lösungen:

Cyclite Bikepacking
© Sebastian Hohlbaum

Set-up 1: Bikepacking-Taschen

Ungefähr so schnell wie das Gravel Bike selbst haben sich auch spezielle Bikepacking-Taschen etabliert. Sie lassen sich meist flott und einfach an so ziemlich jedem Rad anbringen und wieder abnehmen. Typischerweise besteht ein Set aus Taschen für Lenker, Rahmen und Sattelstütze, doch es gibt auch viele Möglichkeiten der individuellen Anpassung. Verschiedene Taschen-Sets eignen sich für unterschiedliche Einsatzzwecke. Wir haben Taschen-Sets fürs Bikepacking getestet!

Gravelbike Gravel bike Bikepacking
Der Transport am Gepäckträger hat Vorteile, aber nicht jedes Gravel Bike hat die entsprechenden Montagepunkte für einen Gepäckträger.
© Lars Schneider

Set-up 2: Gepäckträger

Der Klassiker für die Radreise funktioniert natürlich auch am Gravel Bike wunderbar – vorausgesetzt das Rad bietet die entsprechenden Montagepunkte. Mit dem Gepäckträger lässt sich die Last besonders stabil transportieren. Und zwar nicht nur am Heck, sondern bei Bedarf auch per Frontträger. Dafür bringt der klassische Gepäckträger mehr Gewicht auf die Waage, und er lässt sich nicht mal schnell an- und abbauen, wenn er abseits der ganz großen Touren nicht benötigt wird.

Ach ja: Vielleicht erscheint die Idee eines Gepäckträgers manchen Bikepackern zu bieder. Aber was interessiert euch die Meinung der anderen?

Aeroe Gepäckträger Bikepacking
Der Aero-Gepäckträger lässt sich auch an Rädern ohne Montagepunkte anbringen.
© Aeroe

Set-up 3: Speziallösungen

Keine Montagepunkte am Rad? Kein Problem! Es gibt spezielle Trägerlösungen für genau solche Fälle. Zum Beispiel der Spider Rear von der Neuseeländischen Firma Aeroe (Bild). Der minimalistische Träger wird oben an den Sitzstreben befestigt. Neben einer Tasche oben auf dem Träger, die längs oder quer zur Fahrtrichtung montiert werden kann, lassen sich seitlich weitere Gepäcktaschen oder Halter für Trinkflaschen und Co. montieren.

Gravelbike Gravel bike Bikepacking
In einen Anhänger geht richtig viel rein.
© Bombtrack/Matthew Waudby

Set-up 4: Anhänger

Keine Lust auf Taschen überall am Rad? Da hätten wir etwas für euch: den Fahrradanhänger. Oder, um es ein bisschen cooler auszudrücken: den Bike- Trailer. Modelle wie der einspurige BOB Yak oder der Cargo Kalle von Croozer lassen sich nach Montage der passenden Kupplung schnell am Rad befestigen. Zudem gibt es cleveres Zubehör wie Taschen, Zusatzträger und mehr. Dann einfach das Gepäck rein und los geht’s. Insgesamt eine praktische Lösung, die aber vergleichsweise schwer ausfällt und die Spritzigkeit des Gravel Bikes etwas einbremst.

Packhilfe: Das muss mit beim Bikepacking – und das nicht...

Eine der wohl wichtigsten Fragen von Bikepacking-Beginnern lautet: Was muss ich mitnehmen und wie bringe ich es unter? Genau das ist leider auch eine der am schwierigsten zu beantwortenden Fragen, denn Bikepacking ist sehr individuell. Wer was braucht, ist von Mensch zu Mensch und von Tour zu Tour unterschiedlich. Wo der eine aufs Zelt nicht verzichten will, legt sich die andere unter den Sternenhimmel. Wo mancher Mensch lieber noch den dritten Trikotsatz einpackt, kommen andere mit weniger Stoff aus – und waschen dafür im Zweifel unterwegs öfter mal durch. Und auch die Packlisten für Trips nach Island oder Italien sind nicht unbedingt deckungsgleich. Was auf jeden Fall gilt: Bloß nicht überladen! Wenn etwas wirklich fehlt, lässt es sich meistens unterwegs noch irgendwo auftreiben.

Ansonsten gehören Dinge, die während des Radfahrens nicht gebraucht werden, eher in die größeren Taschen an Sattel und Lenker. Dinge des täglichen Bedarfs sollten dafür näher und gut zugänglich platziert werden. Werkzeug und Co. werden zum Beispiel gerne in der Rahmentasche verstaut. Smartphone, Ausweise, Geld, und ja, auch die Schutzmaske, kommen in der Toptube-Bag unter. Nahrung für unterwegs, wie Energieriegel oder die beliebte Nussmischung, und zur Sicherheit immer noch ein Notfall-Gel passen in die Seitentasche am Steuerrohr.

Aber letzten Endes gilt in der Welt des Bikepackings: ausprobieren und Tour für Tour an das persönlich perfekte Set-up herantasten. Und ja: Das Ersatztrikot kannst du wirklich ruhig zu Hause lassen. Nur der Kaffeekocher, der muss selbstverständlich dabei sein. Immer!

Bikepacking: Die Austüstungs-Basics

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Wahoo vs Garmin
Björn Hänssler

Navigation

Mit der App auf dem Smartphone Smartphone oder einem GPS-Radcomputer wie dem Wahoo Elemnt Roam: mit moderner Navigation geht vieles einfacher. Den Schlafplatz oder die nächste Tankstelle für Notversorgung findet man mit einem Navigationsgerät schneller und zuverlässiger.

Wer sich auf Navigationsgeräte/Smartphone verlässt sollte aber auch eine Powerbank dabei haben. Ohne Strom steht man sonst evtl. ratlos im Wald.

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Powerbanks, Top 10, Update 2021
Hersteller

Genug Energie auf Vorrat

Egal ob Powerbank fürs Handy und Navi, oder die Nahrung für den Menschen: Wenn die Energie ausgeht, sieht es düster aus. Deswegen immer vorsorgen und eine Powerbank mitnehmen. Die DJROLL 36000 mHa QI Wireless Solar Power Bank kommt mit richtig viel Kapazität, Taschenlampe und kann dank Solarzellen auf der Tour wieder aufgeladen werden. Das Modell ZNEX Notstrom sieht aus wie eine Minipumpe und lässt sich mit ihrer Halterung wie eine solche an der Aufnahme für den Flaschenhalter befestigen.

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Christian Brunker/ROADBIKE

Werkzeug und Ersatzteile

Wer etwas weiter weg von der Zivilisation ist, sollte auch für Pannen gerüstet sein. Ein gutes Minitool darf da nicht fehlen! Am MaXalami K-22 ist von Tubeless-Flicken bis Kettennieter alles dran. Wer auf den Kettennieter verzichten kann, aber nicht auf die Tubeless-Flicken, ist mit dem Topeak Tubi 19 gut beraten.

Kleine Ersatzteile wie Schlauch und Kettenschloss gehören auch mit in die Satteltasche.

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Tourenrad Special - Bikepacking ABC
Sea to Summit

Isomatte

Nach einem Tag im Sattel ist eine bequeme Isomatte ein Segen. Fürs Bikepacking gilt es den besten Kompromiss aus Komfort und Gewicht zu finden. Die Ether Light XT von Sea to Summit (Bild) bietet mit zehn Zentimeter Dicke ordentlich Komfort und wiegt knapp 490 Gramm. Nur halb schwer ist die Neoair Uberlight von Therm-A-Rest und die ist immerhin noch 6,5 cm dick.

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Tourenrad Special - Bikepacking ABC
Alvivo

Schlafsack

Ob Zelt oder Biwack: der Schlafsack gehört für die meisten Trips dazu. Fragt sich nur, wie warm? Der daunengefüllte Sea to Summit Spark Sp I lässt sich winzig verpacken (2,5 l) und isoliert bis +5 °C. Wer es nicht ganz so warm braucht, wählt den mit RDS-zertifizierten Daunen gefüllten Alvivo Ibex Light (Bild), der bei minimal +9 °C noch performt.

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Tourenrad Special - Bikepacking ABC
Big Agnes

Unterkunft

Ein Zelt soll mit? Da gibt es auch was für Bikepacker! Extrem leicht und mit speziellem Lenker-Packsack ausgerüstet, ist das Big Agnes Copper Spur (Bild) eine top Wahl für Grammjäger. Und bei schönem Wetter kannst du nur das Innenzelt aufstellen.
Etwas schwerer aber auch günstiger ist das Solozelt Arvid 1 von Rejka. Außerdem lässt es sich schnell und einfach aufbauen.

© Stevens

Das perfekte Bikepacking-Rad

Manchmal kann das Leben so schön einfach sein. So wie bei der Frage nach dem perfekten Rad fürs Bikepacking. Denn die kurze Antwort lautet natürlich: Nimm das Rad, mit dem du dich wohlfühlst. Wenn dieses Rad auch noch Gravel Bike ist, hast du den Jackpot getroffen. Denn die vielseitigen Alleskönner eignen sich einfach ideal für Abenteuer jedweder Art. Doch weil Gravel Bike längst nicht mehr gleich Gravel Bike ist, gibt es schon ein paar Dinge, auf die du vor dem Kauf eines neuen Begleiters achten könntest. Die wichtigsten Aspekte:

  • Rahmenmaterial: Beim Bikepacking geht es um Haltbarkeit und – vielleicht in etwas geringerem Maße – ums Gewicht. Denn einerseits kommt man weiter, wenn man am Rad 1-2 kg sparen kann. Andererseits wird der Rahmen des Gravel Bikes beim Bikepacking durch das zusätzliche Gewicht des Gepäcks und die Gurte der Bikepacking-Taschen stark beansprucht. Solide Rahmen aus Alu oder Stahl halten den Anforderungen sehr gut Stand, sind aber teilweise deutlich schwerer als Rahmen aus Carbon. Und moderne Carbon-Rahmen können bei richtiger Behandlung ohne Probleme ruppige Schotterpisten auch mit Gepäck wegstecken. Dafür sind Gravel Bikes aus Carbon in der Regel nochmal teuerer. Wer auf maximale Haltbarkeit wert liegt, wählt einen Stahl-Rahmen. Bei Gewichtsfetischisten ist Carbon erste Wahl. Und für alle, die die goldene Mitte suchen und vielleicht noch etwas Geld sparen wollen, ist ein Gravel Bike mit Alu-Rahmen die beste Wahl.
  • Montagemöglichkeiten: Dank moderner Bikepacking-Taschen braucht das Rad nicht zwingend viele Ösen. Doch wer mal einen Gepäckträger, zusätzliche Flaschenhalter oder gar Schutzbleche montieren möchte, freut sich über jede zusätzliche Möglichkeit am Rad.
  • Reifenfreiheit: Mach mal Platz! Speziell an schwer beladenen Gravel Bikes sorgen breite Reifen nicht nur für mehr Geländegängigkeit, sondern vor allem für zusätzlichen Komfort. Deshalb sollte das Bikepacking-Rad zumindest den Platz für ein optionales Breite-Update bieten.
  • Schaltung: Ein großes Ritzel hinten hilft beim Klettern, das Einfach-Kettenblatt vorne eliminiert eine mögliche Defektquelle. Dank der aktuellen 1-fach Schaltungen von Sram, Shimano oder Campagnolo, die alle mit sehr großen Kassetten kommen, sind auch steile Schotterpisten kein Problem. Wir setzen beim Bikepacking zudem auf mechanische Schaltungen, doch Stars wie Lael Wilcox zeigen, dass es auch elektrisch geht.
  • Cockpit: Wer lange im Sattel sitzt, freut sich über verschiedene Möglichkeiten, die Hände am Lenker zu platzieren. Modelle mit ausgestelltem Unterlenker (Flare) bieten mehr Platz für breite Lenkertaschen. Fans der Langstrecken stehen zudem auf Auflieger am Lenker.
  • Lichtanlage: Licht ist Pflicht – beim Bikepacking weißt du oft nicht, wie lang der Tag wird. Mindestens ein gutes Set Akkuleuchten nebst Powerbank solltest du einplanen. Wer gerne durch die Nacht rauscht, ist mit Lichtanlage und Nabendynamo gut beraten.

Schaut Euch darüber hinaus gerne mal unsere Kaufberatung Gravel Bike an.

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