So finden Sie das richtige Gravel Bike

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Gravelbikes © Björn Hänssler

Gravel Bike Kaufberatung Wie finde ich das perfekte Gravel Bike?

Mit hoher Geschwindigkeit über Waldautobahnen und Schotterpisten brausen, einfache Trails genießen und ein Rad für alle Fälle sein Eigen nennen: Das ist in der Regel der Traum derer, die mit einem Gravelbike liebäugeln. Wir erklären, was es beim Kauf zu beachten gilt.

Kurz und knapp: Was macht ein Gravelbike aus?

  • Stabiler Rahmen aus Carbon, Alu oder Stahl
  • Starre Gabel & Rennrad-Lenker (oft mit leicht ausgestellten Lenkerenden)
  • Scheibenbremsen
  • Oft robuster 1-fach Antrieb, aber auch 2-fach Antrieb möglich
  • 28-Zoll-Laufräder mit Stollenreifen, seltener auch Laufräder mit 27,5 Zoll Durchmesser
  • Relativ komfortable Sitzposition
  • Ösen an Rahmen & Gabel zur Befestigung von Zubehör

Gravelbike: Eines für alles?

Gravelbikes lassen sich als vielseitige Rennrad-ähnliche Spaßmaschinen mit grobstolliger Bereifung, Rennrad-Lenker und viel Komfort definieren. Obwohl die Sparte noch jung ist, gibt es schon unterschiedlichste Varianten der Schotter-Räder. Zwischen den minimalistischen Modellen ohne jegliche Befestigungsmöglichkeit für weiteres Zubehör und den voll ausgerüsteten Konzepten, die für Bikepacking-Abenteuer entwickelt wurden, liegen Welten. Wir möchten Ihnen bei der Entscheidung helfen und einige Punkte erklären, die beim Kauf absolut essenziell sind.

Das richtige Gravelbike für den richtigen Zweck

Gravelbike ist also nicht gleich Gravelbike! Das wäre doch auch zu einfach, oder? Die Art des Bikes hängt maßgeblich vom Einsatzzweck ab. Soll das Rad für epische Schotter-Abenteuer, als schnelles Pendler-Rad oder als Allwetter-Rennrad genutzt werden? Die Frage des Einsatzzwecks sollte man unter Berücksichtigung der folgenden wichtigen Gesichtspunkte individuell beantworten.

© Carlos Fernandez

Wer einen klassischen Bikepacking-Trip plant, der sollte mit Taschen an Lenker, Oberrohr, Sattelstütze oder im Rahmendreieck auskommen. Wer viel unterwegs ist, für den ist ein Rad mit zusätzlichen Ösen an Gabel oder Hinterbau für die Befestigung weiterer Taschen sinnvoll. Die Möglichkeit, Schutzbleche oder mehrere Flaschenhalter zu befestigen, sollte ebenso erwogen werden. Auch ein Gepäckträger kann am Gravelbike sinnvoll sein, ist aber kein Muss.

Inzwischen befinden sich auf dem Markt sogar schon Gravel Räder mit Federgabel oder gar vollgefederte Bikes der Kategorie, wie das Niner MCR oder das Topstone Carbon Lefty von Cannondale. Darüber hinaus gibt es jetzt die ersten E-Gravel Bikes zu kaufen. Hierzu zählen beispielsweise das Cannondale Topstone Carbon Neo oder das E-Grandurance des Hamburger Herstellers Bergamont.

Abseits des Einsatzzwecks spielt vor allem die Ausstattung eine große Rolle in der Kaufentscheidung. Neben Rahmen und Gabel sollte bei Gravel Bikes vor allem Wert auf Schaltung, hochwertige Laufräder sowie eine durchdachte Reifenwahl gelegt werden.

Die Wahl des Rahmenmaterials

Eine grundlegende Frage stellt sich im Bereich des Rahmenmaterials mit der Entscheidung, ob Carbon oder Alu bevorzugt wird. Oftmals lohnt der Blick auf Preis und Gewicht. Meistens, aber nicht immer, ist das Carbon-Rad leichter als das Alu-Pendant! Ein mit hochwertigen Parts gespicktes Alu-Modell kann hier der optimale Kompromiss sein. Wer es noch exklusiver mag, kann nach Gravelbikes aus Stahl oder Titan Ausschau halten.

Der Preis eines jeden Gravel Bikes hängt schlussendlich von genau diesen Entscheidungen ab. Ein High-End-Modell aus Carbon kann gut und gerne im oberen vierstelligen Bereich kosten. Die gesparten Gramm am Gewicht stehen nur bedingt in Relation zum schwindelerregenden Preis. Natürlich muss man sich im Vorfeld ein Preisbudget setzen. Gravel Bikes beginnen ab ca. 800 Euro. Solide Alu-Modelle findet man ab 1000 bis 1500 Euro bei fast allen Herstellern. Für ein Carbon-Modell müssen Sie je nach Ausstattung mindestens 2000 bis 3000 Euro auf den Tisch legen.

Rahmengröße und Geometrie

Abseits des Materials ist beim Rahmen vor allem die Geometrie ein wichtiger Faktor. Wir bringen Licht ins Dunkel! Ein paar Millimeter hier und zwei Grad dort können schlussendlich einen immensen Unterschied in Fahrverhalten und Fahrspaß machen. Unseren Erfahrungswerten zufolge sind vor allem Steuerrohrlänge und Reach entscheidende Faktoren, die über die Sportlichkeit der Sitzposition entscheiden. Ein gutes Mittel bilden Gravel-Räder mit ca. 71° Lenkwinkel, 74° Sitzwinkel, 425mm Kettenstreben und ungefähr 380 mm Reach in Rahmengröße M. ROADBIKE Tipp: Wenn Sie ein wendiges und aufrechtes Rad suchen, greifen Sie lieber zu einem Gravelbike mit kürzerem Reach.

© Basso/Javi Echevaria

Außerdem sollte – wie immer beim Radkauf – großer Wert auf die passende Rahmengröße gelegt werden. Für diese sind neben der reinen Körpergröße auch die Schrittlänge und weitere Körpermaße relevant. Wer zwischen zwei Größen hadert, sollte folgendes beachten: Eine kleinere Größe bedeutet meist ein wuseligeres, wendigeres und aufrechteres Rad. Ein Rad mit höherer Rahmengröße lässt sich mit etwas mehr Laufruhe bewegen und der Fahrer sitzt gestreckter.

Der ROADBIKE-Rahmengrößenrechner ist zwar für Rennräder konzipiert, gibt aber auch für Gravelbikes brauchbare Ergebnisse.

Schaltung und Reifen

Bei der Ausstattung sollte vor allem Wert auf die Schaltung, hochwertige Laufräder sowie eine durchdachte Reifenwahl gelegt werden. Auch bei den Schaltkomponenten stellt sich die Frage des Einsatzzwecks: Planen Sie Einsätze in steilem Terrain oder wollen das Bike auch als Rennrad-Ersatz nutzen, so ist eine Zweifach-Schaltung, also mit zwei Kettenblättern vorne, ratsam.

Für flachere Gegenden und Fans von simplerer Bedienung sind 1x-Schaltungen mittlerweile voll salonfähig. Wie bei Rennrädern sind die meisten Gravelbikes mit Schaltungen von Sram und Shimano ausgestattet. Der japanische Hersteller Shimano hat 2019 mit der GRX eine eigene Gravel-Gruppe in drei Qualitätsstufen (GRX 400, 600 und 800) als mechanische und in der 800er-Version auch in einer elektronischen Variante auf den Markt gebracht. (Shimano GRX im Lanzeittest).

Sram Force Etap AXS Gravel Wide
© Det Göckeritz

Von Sram ist vor allem die elektronische Force AXS Gruppe im Gravel-Bereich vertreten. Entweder in der breiteren Wide-Ausfürhung (Sram Force AXS Wide im ersten Praxistest), oder als 1x12 in Verbindung mit MTB-Kassetten mit großer Spreizung. Aber auch der italienische Hersteller Campagnolo hat eine innovative 1x13 Gravel-Gruppe im Programm.

Die Reifen spielen bei Gravelbikes vielleicht eine noch größere Rolle als beim Rennrad (11 Gravel-Reifen im Test). Deshalb ist auch die Reifenfreiheit, als welche Reifenbreite noch in Rahmen und Gabel passt, ein wichtiger Faktor bei Gravelbikes. Die Reifenbreite bei Gravel-Reifen variiert im Regelfall zwischen 38 und 45 mm. Inzwischen gibt es aber auch Räder mit bis zu 2 Zoll breiten Pneus, die mehr Komfort, Grip und Traktion bieten.

Breitere Reifen bieten hierbei mehr Komfort, Grip und Traktion, während weniger breite Reifen in der Theorie besser rollen und etwas leichter sind. Platzhirsch ist auch im Gravel-Segment der deutsche Reifenhersteller Schwalbe mit seiner G-One Serie. Unter den vier verschiedenen Ausführungen Speed, Allround, Bite und Ultrabite finden Gravel-Fahrer unterschiedlichster Couleur den richtigen Reifen.

Das Rad muss zum Einsatzweck passen

Schlussendlich macht ein Gravelbike am meisten Spaß, wenn es entsprechend der individuellen Bedürfnisse und Vorlieben gekauft wurde – und das ganz unabhängig vom Kaufpreis. Vieles sehen Gravel-Fahrräder als Do-it-all-Bike und nutzen sie auch so: Als Pendel-Rad zur Arbeit, für gemütliche Touren am Wochenende oder für den mehrtägigen Bikepacking Trip.

Andere suchen eher ein sportliches Gravelbike, quasi ein Rennrad für die Waldautobahn und werden deshalb eher mit einer sportlicheren Geometrie glücklich. Oder Sie suchen genau etwas dazwischen: Ein Rad das sportlich genug für schnelle Runden, aber bequem genug für längere Touren ist.

Damit Ihr neues Gravelbike diesen Ansprüchen gerecht wird, sollten Sie sich über den Einsatzzweck möglichst klar sein. Am Ende zählt dennoch vor allem das persönliche Fahrvergnügen. Wir wünschen schon jetzt viel Spaß mit Ihrem neuen Gravelbike.

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