Graveln in Norwegen mit The Service Course

Abenteuer
Graveln in Norwegen mit The service Course © The Service Course

Graveln in Norwegen Nordisch by Nature

Norwegen ruft! Mit unberührter Natur und Schotter ohne Ende lockt die heimat der Vikinger. Wir waren auf Gravel-Tour mit den Machern von The Service Course Oslo.

Hitzewellen erlebt Skandinavien eher selten. Doch wenn sie anrollen, gilt es sie ausnutzen. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass die erste große Tour des Jahres genau dann stattfindet, als das Thermometer zum ersten Mal in diesem Sommer die 30-Grad-Marke erreicht. Es ist Ende Juni, als die Macher von The Service Course Oslo zum Microadventure einladen: zwei Tage Gravel-Spaß rund um die norwegische Hauptstadt, inklusive Übernachtung in einer Hütte im Wald. Rund 20 Fahrer haben sich am Abfahrtstag vor dem Shop in der Kjolberggata im Zentrum Oslos versammelt. Die Gruppe ist bunt gemischt. Da ist der Einsteiger, der zum ersten Mal bei einem Bikepacking-Abenteuer dabei ist. Da sind erfahrene Locals. Und da ist Edvald Boasson Hagen. Seines Zeichens waschechter Radprofi aus der WorldTour, der aufgrund der Coronavirus-bedingten Ausnahmesituation den Frühsommer ausnahmsweise in seiner norwegischen Heimat verbringt. Die Anwesenheit des dreifachen Etappensiegers bei der Tour de France signalisiert: Der Radsport spielt in Norwegen eine ziemlich große Rolle. Und das gilt mehr und mehr auch für Gravel.

Graveln in Norwegen mit The service Course
© The Service Course

Dabei gehört Norwegen für gewöhnlich eher nicht zu den allerersten Ländern, die einem in Sachen Fahrraddestinationen in den Sinn kommen. Bei genauerem Hinschauen entpuppt sich das skandinavische Land aber als Radsportparadies – und das in jeder Hinsicht: Radprofis wie Edvald Boasson Hagen, der mittlerweile zurückgetretene Thor Hushovd oder der bei der Tour de France 2020 erfolgreiche Alexander Kristoff haben im letzten Jahrzehnt den Profiradsport wesentlich mitgeprägt. Mit der Tour des Fjords, der Tour of Norway und dem Arctic Race of Norway – dem nördlichsten Etappenrennen der Welt – gibt es zudem Rennen auf Weltniveau. Und auch in Sachen Radreisen zählt Norwegen zu den aufsteigenden Nationen.

Graveln in Norwegen mit The service Course
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Warum? Das begreifen wir bereits in den ersten zwei Stunden unserer Tour: Schon kurz hinter der Stadtgrenze von Oslo tauchen wir ein in eine wilde Landschaft, in der sich dichte Nadelwälder und tiefe Seen abwechseln – allesamt verbunden durch lupenreine Gravel-Pfade. Das Terrain rund um Oslo ist aber nicht nur wunderschön, sondern auch anspruchsvoll: Es geht durch eine bergige Welt, stellenweise wird es sehr steil. Schnell kommen wir ins Schwitzen. Die für Norwegen ungewöhnliche Hitze trägt ihren Teil dazu bei.

Graveln in Norwegen mit The service Course
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Jeder in der Gruppe ist ausgerüstet mit den notwendigsten Dingen, die wir für zwei Tage benötigen: Von der Lenker- bis zur Satteltasche sind die Bikepacking-Taschen prall gepackt, Sandalen baumeln an den Rädern und in den Trikottaschen stecken Reiskuchen. Ein Begleitfahrzeug gibt es nicht, dafür ist am Tagesziel der 80 Kilometer langen Auftakttour für die Unterkunft gesorgt: Kikutstua, eine typisch norwegische Hütte im Wald, die der norwegischen "Skiforeningen" – einer Organisation, die in etwa vergleichbar mit dem Deutschen Alpenverein ist – gehört. Direkt am Ufer des Sees Bjørnsjøen gelegen, befindet sie sich in einer der beliebtesten Ausflugsgegenden der Einwohner Oslos – egal ob zum Wandern, Skilanglaufen oder eben in unserem Fall zum Gravelbiken.

Graveln in Norwegen mit The service Course
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Es ist nicht nur die Hitze, die uns auf der Tour zu schaffen macht. Da in den letzten Wochen kaum Regen gefallen ist, sind die Schotterpisten extrem staubig. Wir sind deshalb froh, nach etwas mehr als drei Stunden und 1200 Höhenmetern in Kikutstua anzukommen, wo wir direkt in den See springen, um uns abzukühlen und Staub und Schweiß der Tour loszuwerden – danach gibt’s ein kaltes, wohlverdientes Bier. Und kurze Zeit später serviert uns Vélochef Henrik Orre, der ehemalige Koch im Team Sky um Chris Froome (siehe Kasten Seite 103), ein köstliches Drei-Gänge-Menü.

Der Abend endet schließlich genau so, wie ein Microadventure enden muss: Wir sitzen am Wasser, genießen den Sonnenuntergang und tauschen am Lagerfeuer Geschichten aus. Einen Tag später, weitere 112 Kilometer und 1800 Höhenmeter liegen hinter uns, sind wir wieder in Oslo. Die Beine leer, die Haare staubig und die ehemals weißen Socken strahlen längst nicht mehr weiß. Dafür strahlen unsere Gesichter. Ausnahmslos. Zwei Tage Norwegen haben gereicht, um tief in das skandinavische Gravel-Paradies einzutauchen. Kann es was Besseres geben? Ja, einfach mehr davon!

Graveln in Norwegen mit The service Course
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Weitere Infos:

The Service Course Oslo

Edler Radshop, Werkstatt, Ausfahrten, Radreisen: All das bietet Ex-Profi Christian Meier in Girona mit seinem "The Service Course". Mit dem gleichen Konzept öffnete 2019 die Dependance in Oslo, die auch regelmäßig Microadventures auf dem Gravelbike anbietet. Mehr Informationen gibt es hier: theservicecourse.cc/oslo

Graveln in Norwegen mit The service Course
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Henrik Orre – der Vélochef

Dieser Mann hat für die besten Radsportler der Welt gekocht. Henrik Orre war Chefkoch im Team Sky um Christopher Froome. Heute ist Henrik nicht nur einer der Köpfe hinter The Service Course Oslo, sondern auch Autor von Kochbüchern für Sportler. So wie "Food for Adventure", in dem er Rezepte für unterwegs und am Lagerfeuer präsentiert. Perfekt fürs Bikepacking.

Gravel in Oslo mit The Service Course
© The Service Course
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