Sechs Aero-Rennräder im Test

Zeit-Arbeiter: Aero-Rennräder im RoadBIKE-Test


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Aero-Rennräder im RoadBIKE-Test
Foto: Benjamin Hahn

 

RoadBIKE Aero-Renner BMC TMR02 Timemachine
Foto: Benjamin Hahn

 

RoadBIKE Aero-Renner Cervélo S5
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RoadBIKE Aero-Renner Felt AR4
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RoadBIKE Aero-Renner Rose Xeon CW 3000 Custom
Foto: Benjamin Hahn
Gibt es Alternativen zur reinen Triathlon-Maschine? RoadBIKE hat 6 Aero-Straßenräder verglichen und auf ihre Dreikampf-Qualitäten getestet.
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Geht es um Rennen, geht es immer auch um Geschwindigkeit: „So schnell wie möglich“, lautet deshalb die Devise im Wettkampf – egal ob für Rennradfahrer oder Triathleten. Und schnelles Material ist einer der Schlüssel zum Erfolg. Kein Wunder also, dass Top-Triathleten im Rennen bevorzugt mit speziellen Zeitfahrmaschinen unterwegs sind, den schnellsten Rädern, die es im Kampf gegen tickende Uhren – und hartnäckige Gegner – gibt.

Doch im Gegensatz zu den Berufsathleten haben die wenigsten Hobbysportler großzügige Sponsoren, die ihnen Räder vor die Tür stellen, die für 5-stellige Beträge gehandelt werden. Ungeübte Fahrer kann solches High-End-Wettkampfmaterial ohnehin überfordern. Was also tun?

Aero-Alternative

Die Alternativen kommen aus einem noch recht jungen Radsegment – der Familie der Aero-Renner. Mit ihren windschnittigen Rohr- und Rahmenformen haben diese Räder im direkten Vergleich mit modernen Allroundern zwar praktisch immer das Nachsehen – in Sachen Gewicht, Lenkkopfsteifigkeit und Federung. Doch Triathleten bieten sie die optimale Voraussetzung für schnelle Rad-Splits: eine aerodynamische optimierte Sitzposition. RoadBIKE hat 6 dieser Modelle mit Ausstattungen auf Ultegra-Niveau getestet und auf ihre Dreikampf-Tauglichkeit überprüft.

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RoadBIKE-Werkstatt: Aero-Tuning am Rennrad Foto: Benjamin Hahn
RoadBIKE-Werkstatt: Aero-Tuning am Rennrad Foto: Benjamin Hahn
RoadBIKE-Werkstatt: Aero-Tuning am Rennrad Foto: Benjamin Hahn

Kopf runter, Ellenbogen rein

Mit meist kurzen Steuerrohren von gerade mal 16 cm (in Größe 56) sorgen die Testkandidaten für viel Sattelüberhöhung und bringen den Oberkörper des Fahrers in eine tief über den Lenker gebeugte Haltung: Die Angriffsfläche für den Wind verringert sich – mit messbarem Effekt auf dessen Geschwindigkeit. Vor allem wenn ein Aero-Aufsatz am Lenker montiert ist, der das Gewicht des Oberkörpers auf- und die Ellenbogen aus dem Wind nimmt.

Diese spezielle Position ist allerdings nur dann über einen längeren Zeitraum zu halten, wenn der Fahrer quasi direkt „über“ dem Tretlager sitzt. Auch das eine Option, die praktisch nur Aero-Renner bieten. Dabei folgen die Hersteller drei unterschiedlichen Konzepten: Felt und Specialized setzen auf eine Flip-Flop-Stütze, die, um 180 Grad gedreht, einen kleinen Vorwärtsversatz bietet. Bei BMC und Cervélo lässt sich die Sattelklemmung horizontal an verschiedenen Positionen festschrauben. Und sowohl Simplon als auch Rose bieten als Ausstattungsvariante, beziehungsweise als optionales Zubehör, eine spezielle Triathlon-Sattelstütze mit mehreren Zentimetern Vorwärtsversatz an.

Steil mit Stütze

Auf dem Geometrie-Prüfstand zeigt sich, dass das letztgenannte Konzept den effektiven Sitzwinkel am deutlichsten verändert – also den Fahrer in die beste Aero-Position bringt. Von bereits sportlichen 73,5 Grad wächst der Wert auf absolut zeitfahrtaugliche 77 Grad. Dadurch rückt der Fahrer nicht nur näher ans Cockpit, was den Einsatz von Aero-Aufsätzen mit optimal angewinkelten Armen ermöglicht (90 bis 100 Grad), so lässt sich auch leichter ordentlich Druck aufs Pedal bringen.

Die Modelle von BMC, Cervélo und Specialized kommen zwar „nur“ auf einen effektiven Sitzwinkel von 74 Grad, doch auch diese Räder lassen sich – auf kürzeren Strecken – mit Aufsatz fahren. Optimalerweise mit einem Modell, bei dem sich die Armauflagen in Fahrtrichtung verschieben und so näher an den Fahrer bringen lassen.

Triathlontauglich, das hat der Test gezeigt, sind diese Aero-Renner also allemal. Aber wie sieht es mit ihren eigentlichen Rennrad-Qualitäten aus? Schließlich ist nur an ein paar Tagen im Jahr Wettkampf, und im alltäglichen Training zählen eben vor allem Attribute wie Lenkpräzision, Spurstabilität, Vortrieb, Kletterverhalten, Gewicht und Federungskomfort.

Hier zeichnen die Kandidaten, mit einer Ausnahme, ein ernüchterndes Bild: Lediglich das teure Simplon Nexio erreicht bei allen Steifigkeitswertungen den von RB festgelegten grünen Bereich, der auch schweren Fahrern genügt. Der Federungskomfort an Front und Heck überzeugt, das Gewicht ist absolut konkurrenzfähig. Alle anderen Modelle im Test lassen gleich an mehreren Stellen Defizite erkennen. Sowohl im Vergleich zum herausragenden Testsieger, wie auch im Vergleich zu den meisten „normalen“ Rennrädern dieser Ausstattungs- und Preisklasse.

Das höhere Gewicht und der fehlende Federungskomfort mögen für manchen noch zu verschmerzen sein, da Ersteres lediglich am Berg spürbar ist und Letzteres in aggressiver Haltung weniger ausmacht als in aufrechter Position. Fehlende Lenkkopfsteifigkeit ist jedoch ein Manko, das praktisch immer auffällt. Etwa wenn es flott um Kurven geht oder Lenkmanöver bei hohem Tempo anstehen. Hier fehlt es den betroffenen Kandidaten spürbar an Lenkpräzision. Das ist zwar nie riskant, bremst aber im Vergleich mit untadeligen Modellen, die wie auf Schienen laufen, spürbar aus. Ob eine bessere Aerodynamik und die angesprochene „Triathlontauglichkeit“ solche Nachteile aufwiegen, ist Ansichtssache.

Testfazit kompakt

Für Hobby-Triathleten sind gut gemachte Aero-Renner erste Wahl, und selbst ambitionierte Kurz- und Mittelstreckler überzeugen die schnellen Räder aufgrund ihrer Vielseitigkeit als Top-Alternativen zur reinen Zeitfahrmaschine. Den Testsieg sichert sich mit überragendem Auftritt das Simplon Nexio. Diese Leistung hat allerdings ihren Preis. Der Kauftipp geht an das sehr gute, günstige Rose.

Die Bewertung der Testräder im Detail

Aus umfangreichen Einzelwertungen in Labor und Praxis errechnet sich bei RoadBIKE die Endnote – hier die wichtigsten Wertungen im Überblick.

 

RoadBIKE Aero-Renner Bewertung
Foto: RoadBIKE

Die Rennräder in diesem Test


Inhaltsverzeichnis


15.04.2014
Autor: Nils Flieshardt
© RoadBIKE
Ausgabe 04/2014