Im Test: 9 Touren-Rennräder ab 1500 Euro

Preisklasse ab 1500 Euro: 9 Carbon-Rennräder im RoadBIKE-Test


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Touren-Rennräder ab 1500 Euro im test
Foto: Christian Lampe

 

RoadBIKE Canyon Endurace CF 8.0
Foto: Benjamin Hahn

 

RoadBIKE Focus Izalco Ergoride 2.0
Foto: Benjamin Hahn

 

RoadBIKE Fuji Gran Fondo 2.5
Foto: Benjamin Hahn

 

RoadBIKE Giant Defy Advanced 2 LTD
Foto: Benjamin Hahn
Viel Komfort zum kleinen Preis? Wie gut sind die günstigen Touren-Renner ab 1500 Euro mit komfortablen Carbon-Rahmen?
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Carbon-Rahmen, die neben einer angenehmen Sitzposition auch Federungskomfort garantieren, komfortable Anbauteile – nicht nur Vielfahrer wissen das zu schätzen, die Nachfrage nach solchen Touren-Rennrädern wächst kontinuierlich.

Noch vor wenigen Jahren war solch ein Komfort-Plus aber nur mit gut gefülltem Portemonnaie erschwinglich: Langstrecken-Trendsetter wie das Specialized Roubaix kosteten ab 3000 Euro aufwärts.

Mit dem Vormarsch von Carbon-Rahmen in immer günstigere Preisklassen (siehe Test in RoadBIKE 05/15) werden auch die Spezialisten für Langstrecke, Marathon und Touren immer erschwinglicher: Die günstigsten Räder im Test, das Canyon Endurace CF 8.0 und das Giant Defy Advanced 2 LTD kosten nur 1499 Euro.

Die hat RoadBIKE zusammen mit 7 weiteren Rädern auf Shimano-105-Ausstattungsniveau getestet, um herauszufinden: Günstig und komfortabel – geht das überhaupt?

Tatsächlich bietet der Markt inzwischen deutlich mehr als diese 9 bezahlbaren Räder, etwa auch von BMC, Cannondale, Specialized und Trek. Die wollten oder konnten zum Teststart im April allerdings kein Rad in Größe 56 liefern.

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Bezahlbarer Luxus

Dabei müssen sich diese fair kalkulierten Touren-Renner keineswegs verstecken: Die meisten Räder überzeugten im Test auf ganzer Linie.

Seine Stärken spielt so ein Touren-Rennrad mit jedem Kilometer deutlicher aus: Rahmen und Gabel federn Stöße wirksam – alle Räder im Test erreichten bei der Komfortmessung gute, das Giant Defy Advanced 2 LTD sogar herausragende Werte. Auf der Straße ist das spürbar – Gullydeckel, Holperstrecken und Schlaglöcher verlieren damit beim Drüberrollen viel von ihrem Schrecken.

Zusätzlich nehmen 25 mm breite Reifen und dämpfendes Lenkerband Vibrationen die Spitzen. Ergonomisch geformte Lenker erlauben angenehme Griffpositionen. Und Übersetzungen mit Kompaktkurbel und Kassetten mit 28 oder gar 32 Zähnen am größten Ritzel erlauben leichtfüßiges Pedalieren. Dieses Paket bieten (teils mit kleinen Abstrichen) alle Testteilnehmer – damit sind die Räder gut gerüstet für lange, entspannte Einsätze. Ein Luxus, von dem Tourer und Vielfahrer nachhaltig profitieren, wenn’s mal wieder länger dauert.

Ruhige Typen

Allen Rädern gemeinsam ist die vorbildliche Laufruhe – ein stilprägendes Merkmal jedes Touren-Rennrades. Dieser sichere Geradeauslauf bringt Marathonfahrern die nötige Ruhe, damit sie sich nicht ständig auf ihre Lenkung konzentrieren müssen, unsicheren Fahrern vermittelt er das nötige Selbstvertrauen, auch mal höhere Geschwindigkeiten zu wagen.

Trotz dieser grundsätzlich ruhigen Ausrichtung unterscheiden sich die Testräder aber teils deutlich: Das Focus Izalco Ergoride 2.0, das Fuji Gran Fondo 2.5 sowie das GT Grade Carbon 105 erlauben ihren Fahrern durch eine hohe Front eine entspannte Sitzposition ohne zu starke Sattelüberhöhung – ein traditionelles Merkmal von Touren-Rennrädern.

Diesem Credo folgen allerdings längst nicht mehr alle: Vor allem Lapierre (Lapierre Pulsium 300) und Rose (Rose Xeon Team CGF-2000) bringen ihre Fahrer in eine durchaus sportliche Position mit spürbarer, wenn auch nicht extremer Sattelüberhöhung. Auch Scott (Scott Solace 30) und Stevens (Stevens Ventoux 105) wählen bei der Positionierung des Fahrers den sportlichen Weg – wenn auch weniger ausgeprägt. Damit eigen sich diese Räder perfekt für Marathons und sportliche Langstreckeneinsätze.

Wer dagegen gemütlich Rennrad fahren möchte, wählt besser eines der anderen Modelle, denn egal ob anspruchsvoller Sportler oder Freizeittourer – im Testfeld findet jeder den passenden Partner. Hilfe auf der Suche nach dem passenden Rahmen gibt es übrigens hier:

Unter der Haube

Was sie können, zeigten alle Testräder bei den Testfahrten. Was die unterschiedlichen Charaktere verantwortet, verraten dagegen die Messwerte, ermittelt auf den RoadBIKE-eigenen Prüfständen. Bei den Daten offenbaren sich denn auch große Unterschiede.

Am offensichtlichsten beim Gewicht: Fabelhafte 7,3 Kilo wiegt das Rose Xeon Team CGF-2000 – 9,2 Kilo das schwerste Rad im Test, das GT Grade Carbon 105. Wo verstecken sich diese strammen 1,9 Kilo Differenz, wo doch alle Räder mit der gleichen Schaltgruppe und Carbon-Rahmen in den Test starten?

Schon die Rahmen-Gabel-Sets zeigen große Differenzen (vgl. Messwerte auf Seite 30): Während das Canyon Endurace CF 8.0, das Rose Xeon Team CGF-2000 und das Stevens Ventoux 105 nur um 1,5 Kilo wiegen drücken die Schlusslichter, Fuji Gran Fondo 2.5 und GT Grade Carbon 105, mit satten 1,95 Kilo bzw. 1,79 Kilo auf die Waage. Allerdings sind die Rahmen im Test insgesamt kaum schwerer als die deutlich teurerer Touren-Renner.

Beim Focus Izalco Ergoride 2.0 und dem Lapierre Pulsium 300 decken die Labordaten Schwächen in der Lenkkopfsteifigkeit auf – bei beiden Rädern nicht sicherheitsrelevant, aber im Vergleich zu einem steifen Rahmen-Gabel-Set spürbar. Auch einige Laufräder zeigen sich übergewichtig: Nur 2600 Gramm wiegen Räder samt Bereifung beim Spitzenreiter Rose Xeon Team CGF-2000, mehr als 3200 Gramm die Sets am Giant Defy Advanced 2 LTD, dem Lapierre Pulsium 300 und dem Scott Solace 30.

Hier zeigt sich, dass Komfort eben doch seinen Preis hat – in dieser Klasse meist als Kompromiss bei der Ausstattung erkennbar.


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21.08.2015
Autor: Felix Böhlken
© RoadBIKE