Im RoadBIKE-Test: 19 Carbon-Rennräder für die Saison 2014

19 Carbon-Rennräder um 2500 Euro im Test


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Carbon-Rennräder um 2500 Euro im Test
Foto: Christian Lampe

 

Foto: Benjamin Hahn

 

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Gute Rahmen, hochwertige Ausstattung – die Carbon-Renner in diesem Test überzeugen als echte Preis-Leistungs-Sieger.
Zu den getesteten Produkten

Die gute Nachricht gleich vorweg: Die Rennräder der Bestsellerklasse um 2500 Euro werden wieder attraktiver! Das lässt sich vor allem am Preis-Leistungs-Verhältnis der 19 Carbon-Rennräder festmachen, die RoadBIKE zu diesem Test eingeladen hat: Die Rennräder kosten zwischen 2299 und 2699 Euro. Vor einem Jahr rissen vergleichbare Rennräder noch ein deutlich größeres Loch in die Haushaltskasse – zwischen 100 und 200 Euro mehr kosteten vergleichbare Rennräder aus Carbon mit ähnlicher Ausstattung auf Shimano Ultegra-Niveau.

Also lohnt sich der Kauf in dieser Preisklasse? Mehr denn je! Schließlich ist es sicher kein Zufall, dass sich genau diese Rennräder größter Beliebtheit erfreuen – im Markt wie bei den RoadBIKE-Lesern. In aller Regel schicken die Hersteller hier Rahmen-Sets auf die Straße, die in puncto Geometrie und bei vielen technischen Detaillösungen den teuren Top-Modellen der Hersteller entsprechen.

Gleiches gilt für die Kompletträder: Ob von Cannondale, Specialized, Giant oder Trek – fast alle in diesem Test vertretenen Renner outen sich als bezahlbare Ableger der jeweiligen aktuellen Top-Modelle. Wesentlicher Unterschied zu den teureren Prestige-Objekten: Durch günstigere Carbon-Fasern steigt das Gewicht von Rahmen und Gabel.

So wiegt Cannondales Supersix-Evo-Rahmen-Gabel-Set in diesem Test 1597 Gramm, in der Top-Version mit dem Namenszusatz Hi-Mod kam es im Test in RB 01/14 auf 1120 Gramm – rund 480 Gramm Gewichtsdifferenz. Canyons neues Ultimate CF SL (1390 Gramm) im aktuellen Test trennen vom Top-Modell Ultimate CF SLX (1189 Gramm) dagegen nur rund 200 Gramm.

Testfazit kompakt

Die Carbon-Bestseller der Saison 2014 sind etwas günstiger geworden, die Rahmen-Sets noch besser, die aktuellen Ausstattungen liegen allesamt auf einem sehr hohen Niveau. Keine Frage: Diese Räder sind zu Recht beliebt, denn sie sind echte Preis-Leistungs-Knaller. Den Testsieg angelt sich das neue Votec VRC Pro – mit beeindruckend vielseitigen Fahrleistungen und einer Traumausstattung. Ähnlich stark bestückt und charakterstark verpassen Canyon und Rose den Testsieg nur hauchdünn – beide erhalten einen Kauftipp. Den verdient sich auch Stevens mit tadellosen Leistungen auf der Straße und starker Ausstattung zum fairen Preis.

 

RoadBIKE Carbon Rennräder 2500
Foto: RoadBIKE Das beste aktuelle „Mittelklasse“-Set, das Canyon Ultimate CF SL, liegt fast auf dem Niveau des besten von RB gemessenen Top-Rahmen-Sets der Saison 2009 (Specialized).

5-Jahres-Vergleich

Noch interessanter ist aber der Blick zurück: Vergleicht man das beste Rahmen-Set im aktuellen Test, das Canyon Ultimate CF SL, mit dem besten Set überhaupt, das RoadBIKE vor 5 Jahren in der Saison 2009 gemessen hat (Specialized Tarmac SL2), zeigt sich: Steifigkeiten und Gewicht liegen annähernd auf einem Niveau (siehe Vergleichswerte im Bild). Das Nonplusultra im Rahmenbau des Jahres 2009 ist somit heute in der Bestsellerklasse zu haben – für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises.

Was beim Blick auf die Messwerte allerdings auch auffällt: Zwar glänzt die Mehrzahl der getesteten Rahmen-Sets mit satten Steifigkeitswerten, die jedem Fahrergewicht genügen – auch die Laufräder der Testräder waren übrigens durchweg stabil und sorgfältig gebaut. Aber immerhin 7 Sets verfehlten auf den Prüfständen im RB-Messlabor im Lenkkopf den Wert 70 Nm/°, den RoadBIKE als für jedes Fahrergewicht problemlos definiert.

Die Sets von BMC, Cube, Giant, Haibike, Koga, Lapierre und Radon verfehlen diese Marke nur denkbar knapp, Cube reißt die Latte dagegen deutlich. Das bedeutet bei keinem der Räder in der Praxis ein Sicherheitsrisiko. Doch im Vergleich zu einem steiferen Rahmen folgen die Räder, besonders bei hohen Geschwindigkeiten oder harten Richtungswechseln, spürbar weniger präzise, so die Erfahrungen der Tester nach den Vergleichsfahrten.

 

RoadBIKE Carbon Rennräder 2500
Foto: RoadBIKE Aus umfangreichen Einzelwertungen in Labor und Praxis errechnet sich bei RoadBIKE die Endnote – hier die wichtigsten Wertungen im Überblick.

Die Bewertung der Testräder im Detail

Sofort deutlich spürbar sind die unterschiedlichen Charaktere der Räder: Die Bandbreite in dieser Preisklasse ist gewaltig – ein weiteres Argument, hier zu investieren: Vom vollblütigen Rennsportler, wie dem Rose oder Cube, über vielseitige Alleskönner, wie Cannondale oder Stevens, bis hin zum angenehmen Tourer von Centurion oder Specialized ist im beliebten Bestseller-Segment alles vertreten, was das Rennradler-Herz begehrt. In der 2500-Euro-Klasse findet garantiert jeder Interessent seinen persönlichen Favoriten!

Allerdings sollte man sich vor dem Kauf Gedanken machen, welche Merkmale zu den eigenen Ansprüchen passen: Will man sportlich-gedrungen oder entspannt sitzen, soll der Renner zackig jedem Lenkbefehl folgen oder soll er mit Laufruhe und gelassener Lenkung Sicherheit vermitteln? Die wesentlichen Charakterzüge der Testräder sind in den Testberichten beschrieben (s.u.) – wie auch Geometrie, Messwerte und Ausstattung der Carbon-Bestseller.

Rennrad-Austattung: Viel Shimano Ultegra

Wenig vielseitig zeigt sich dagegen die Verteilung der Schaltgruppen im Testfeld: Shimanos neue Ultegra 6800 dominiert klar, an den Rädern von Carver, Haibike und Votec sogar in der noblen, funktional unschlagbaren elektronischen Di2-Version.

Lediglich Canyon montiert die leichte Force-Gruppe von Sram, Radon trumpft gar mit der Top-Gruppe Sram Red der Amerikaner auf. Campagnolo sucht man im Testfeld vergeblich, die italienische Traditionsmarke ist in dieser Preisklasse 2014 praktisch nicht mehr zu finden – schade.

Doch die Hersteller gehen hier offenbar auf „Nummer sicher“: Kein Wunder, die aktuelle Ultegra 6800 funktioniert atemberaubend gut. Sie bietet, ganz zeitgemäß, 11 Ritzel, eine starke Bremse, und der flexible Kurbelsatz nimmt wahlweise alle lieferbaren Kettenblatt-Kombinationen auf (50/34, 52/36 oder 53/39, das Umrüsten der Kettenblätter schlägt mit rund 150 Euro zu Buche).

Bei den Übersetzungen hat sich ohnehin viel getan – vorbei sind die Zeiten, als 11–25er-Kassetten standardmäßig verbaut wurden. Im Testfeld sind von 11–25 bis zu 11–32 alle erhältlichen Abstufungen vertreten. Darauf sollte man beim Kauf unbedingt achten, damit auch solche Details zu den eigenen Bedürfnissen passen (siehe Kasten).

Den am deutlichsten spürbaren Unterschied zwischen den Rädern im Test machen denn auch die Laufräder: Satte 800 Gramm liegen zwischen dem schwersten Laufradsatz, verbaut im BMC, und dem leichtesten im Rose!

Klar sammeln hier die Versendermarken die meisten Pluspunkte – sie können die eingesparte Fachhandelsmarge in einen noblen Satz Laufräder stecken. Und die entscheiden maßgeblich darüber, wie leichtfüßig sich ein Rad fährt.

Daher gilt auch 2014 die wichtigste Faustregel in dieser Preisklasse: Besser ein höherwertiger, leichter Laufradsatz als prestigeträchtige Anbauteile. Die kann man bei Bedarf später immer noch tunen. Denn eines ist klar: Das Zeug zum absoluten Liebling für viele Jahre haben sehr viele der Carbon-Renner in diesem Testfeld.


Die Rennräder in diesem Test

25.04.2014
Autor: Felix Böhlken
© RoadBIKE
Ausgabe 04/2014