Im RoadBIKE-Test: 18 Carbon-Rennräder um 2500 Euro

Rennrad-Bestseller: Carbon-Rennräder um 2500 Euro im Test


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Carbon-Rennräder um 2500 Euro im Test
Foto: Benjamin Hahn

 

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Dauerbrenner oder Vernunftlösung? RoadBIKE hat die beliebtesten Carbon-Rennräder der Saison 2015 getestet.
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„Wie viel darf’s denn sein?“ Die obligatorische Frage der Verkäuferin am Marktstand begegnet uns in den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Und sie kann, trotz ihrer Einfachheit, schon mal überfordern.

Beim Rennrad-Kauf wird die Frage nach dem „Wie viel“ ganz schnell zur Grundsatzfrage: „Welcher Rennrad-Typ bin ich überhaupt?“ Eher der Luxus-Liebhaber, für den es der Hightech-Renner mit Nobelgruppe sein muss? Der Bodenständig-Vernünftige, der sich mit einem Alu-Rahmen samt Einsteiger-Gruppe zufriedengibt? Oder liegen die eigenen Ansprüche vielleicht doch in der Mitte?

Die Rennrad-Mittelklasse, die für die meisten potenziellen Käufer wohl die interessanteste darstellt: solide Carbon-Renner mit einer Ausstattung auf Ultegra-Niveau um 2500 Euro. Ob es sich dabei tatsächlich um die goldene Mitte handelt oder doch eher um einen Kompromiss, soll der aktuelle Test von 18 Rädern dieser auch bei den RoadBIKE-Lesern äußerst beliebten Klasse klären: Wie gut sind die bestverkauften Renner im Modelljahr 2015?

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Schon die Größe und Auswahl des Testfeldes zeigt: Die bisher homogene Preisklasse um 2500 Euro gibt es gar nicht mehr. Da fehlen Marken wie Felt oder Merida, die schlicht kein Modell mehr zu diesem Preis anbieten. Bulls und Cube konnten oder wollten kein Testrad zur Verfügung stellen.

Um auf eine relevante Anzahl an Testrädern zu bekommen, hat RoadBIKE die Preisspanne diesmal relativ weit gefasst: Zwischen 1999 und 2199 Euro kosten die 4 Räder von Versandhändlern, von 2499 bis 2999 Euro reicht die Spanne bei den übrigen 14 Rädern vom Fachhändler.

 

RoadBIKE Rennrad Test 0415 Punkte Tabelle
Foto: RoadBIKE

Gleiche Voraussetzungen

Trotz, oder gerade wegen der recht großen Spanne beim Preis gehen alle Testkandidaten mit den technisch gleichen Voraussetzungen an den Start: Alle Räder kommen mit dem jeweils zweitbesten Carbon-Rahmen-Set des Herstellers, der sich oft nur durch etwas günstigere, etwas schwerere Materialien vom Top-Modell unterscheidet. Bestückt sind die Rahmen fast durchweg mit Shimanos Ultegra-Gruppe oder der ebenbürtigen, etwas leichteren Force 22 von Sram. An allen Testrädern waren diese technisch und funktional absolut überzeugenden Schaltungen gruppenrein montiert – die Hersteller „schummeln“ also selbst bei Kette oder Kassette nicht mit günstigen Teilen.

Wer Unterschiede sucht, findet sie – sehr offensichtlich – bei den Laufrädern: Während im besten Fall hochwertige Sets von DT Swiss (R20 oder R23), Mavics Ksyrium Elite S oder ähnlich hochwertige Sätze mit einem Gewicht von 1500 bis 1600 Gramm montiert sind, liefern einige Anbieter echte Sparpakete und verbauen Shimanos WH-RS21 oder Mavics Aksium, die jeweils weit über 1850 Gramm auf die Waage bringen. Kombiniert mit der Bereifung liegen zwischen dem leichtesten und schwersten Komplettradsatz im Test fast 500 Gramm!

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Foto: Benjamin Hahn
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Dieses Mehrgewicht fällt beim Kauf nur selten auf. Die Daten aus dem RoadBIKE-Labor decken derlei Ballast dagegen schonungslos auf, der auch auf der Straße spürbar ist. Räder wie das Focus Cayo 4.0 oder das Giant Propel Advanced 0 LTD mit den schwersten Laufradsätzen im Test reagieren bei Sprints deutlich verhaltener und am Berg lustloser als die mit Probanden mit leichten Laufrädern: Corratecs CCT Team Ultegra oder das Rose X-Lite CRS-3000.

Die Vergleichsfahrten für diesen Test illustrieren einmal mehr die wohl wichtigste Regel beim Radkauf: Hochwertige Laufradsätze und Reifen sind die am deutlichsten spürbaren Bauteile am Rennrad – wer hier spart, spart am falschen Fleck. Abstriche bei der Schaltgruppe, den Anbauteilen oder dem Rahmen-Set sind dagegen weniger spürbar.

Klasse oder Mittelmaß?

Die Frage nach der Qualität der Rahmen-Gabel-Sets ist natürlich trotzdem hochinteressant, da sich bei den Carbon-Rahmen in den vergangenen Jahren viel bewegt hat. Gibt es in der Bestseller-Kategorie, analog zu den Gruppen, die hochwertige Mittelklasse des Rahmenbaus, oder doch eher Mittelmaß? Auch diese Frage lässt sich nicht per Augenschein, sondern nur durch aufwendige Messungen beantworten. Auf den RoadBIKE-Prüfständen glänzen alle 18 Sets aus Rahmen, Gabel und Steuersatz bei der Pflicht: Keines verfehlt bei den Steifigkeitsmessungen von Tretlager rund Lenkkopf den Mindestwert, den RoadBIKE als für jedes Fahrergewicht ausreichend definiert (Daten in den Testberichten).

Ganz anders sieht es bei den Messungen der Federung an Gabel und Hinterbau aus: Nur 10 der 18 Testräder erreichen an der Front einen in der Praxis erfahrbaren, also deutlich spürbaren Wert von unter 350 N/mm, am Heck erreichen 11 diesen Mindestwert. Nur rund zwei Drittel der Testräder bieten also spürbaren Federungskomfort – ein seit Jahren in der Branche anerkanntes Entwicklungsziel.

 

RoadBIKE Rennrad Test 0415 Gewicht LaufradTabelle
Foto: RoadBIKE Die Laufrad-Gewichte unterscheiden sich zum Teil stark.

Gewicht sticht

Für viele Rennradfahrer immer noch das Maß aller Dinge: das Gewicht des Rades. Bei den Rahmen-Gabel-Sets bleiben folgende Räder teils sogar deutlich unter 1500 Gramm: Bergamont Prime Team, Canyon Ultimate CF SL 9.0, Focus Cayo 4.0, Ghost Nivolet EBS, Rose X-Lite CRS-3000 und das Stevens Xenon . Das sind für die Preisklasse sehr respektable Werte, die vor nicht einmal 10 Jahren absoluten Top-Rädern vorbehalten waren. Folgende Räder wiegen jeweils über 1800 Gramm: Carver Evolution 130 Carbon, Giant Propel Advanced 0 LTD und das Specialized Tarmac Comp – das ist besser als aktuelle Alu-Rahmen-Sets, für Carbon dieser Preislage aber zu viel.

Noch größer sind die Unterschiede beim Gesamtgewicht der Testräder. Mit 6750 Gramm erreicht das Rose X-Lite CRS-3000 einen sensationellen Wert knapp unterhalb des UCI-Limits – und das für nur 2099 Euro! Der gute Durchschnitt im Test wiegt knapp unter 7,5 Kilo. Die beiden schwersten Probanden im Test – das Giant Propel Advanced 0 LTD und das Specialized Tarmac Comp – bringen dagegen deutlich über 8 Kilo auf die Waage – zu viel für ein rund 2500 Euro teures Rennrad.

Schnell oder ausdauernd?

Dass sich die Räder aber unabhängig von ihren Messwerten auf der Straße ganz unterschiedlich anfühlen (s. Testberichte), liegt vor allem an der Geometrie der Rahmen: Vom knackigen Rennsportler über spezialisierte Aero-Renner bis hin zum angenehmen Langstrecken-Tourer findet wirklich jeder Rennradfahrer sein passendes Rad in diesem Test. Diese Vielfalt gab es vor wenigen Jahren noch nicht.

Um am Ende das passende Rad zu finden, hilft eine gute Beratung und eine kurze Proberunde beim Händler. Wer aufs Probe sitzen verzichten kann und die wichtigsten Handgriffe selbst beherrscht, findet im Versandhandel via Internet sein Traumrad meist deutlich günstiger. Um diesen Preisvorteil durch die fehlende Händlerspanne auszugleichen und weil sich der Kauf beim Fachhändler von dem im Internet eben grundsätzlich unterscheidet, hat RoadBIKE von allen Versendern deutlich günstigere Räder zum Test geordert.Entsprechend gibt es je einen Testsieger bei den Fachhandelsmarken und einen bei den Internetanbietern.


07.05.2015
Autor: Felix Böhlken
© RoadBIKE
Ausgabe 4/2015