14 Carbon-Rennräder ab 2500 Euro im RoadBIKE-Test

Test: 14 Rennräder mit Carbon-Rahmen (Modelljahr 2013)


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Carbon-Rennrad, Carbon-Rennräder
Foto: Dan Patitucci

 

RoadBIKE Cannondale Supersix 3 Ultegra
Foto: Benjamin Hahn

 

RoadBIKE Canyon Ultimate CF 9.0 Pro
Foto: Benjamin Hahn

 

RoadBIKE Conway Q-RC 900
Foto: Benjamin Hahn

 

Carbon-Rennräder im Test auf roadbike.de
Foto: RoadBIKE / canva.com
Sind die Rennräder aus Carbon in der hart umkämpften Mittelklasse - also um die 2500 Euro - auch 2013 noch Preis-Leistungs-Knaller – oder doch eher Sparpakete? RoadBIKE hat 14 der leichten Rennräder im Test unter die Lupe genommen.
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Hier geht es zu aktuellen Carbon-Rennräder-Tests:
9 carbon-Rennräder unter 2000 Euro (Modelljahr 2014)
19 Carbon-Rennräder um 2500 Euro im Test (Modelljahr 2014)

Preis-Leistungs-Kracher? Bestseller? Oder doch eher „die goldene Mitte“? Rennräder mit Carbon-Rahmen und hochwertiger Ausstattung auf
Ultegra-Niveau zu Preisen um 2500 Euro sind beliebt, so viel steht fest.

Und sie werden in erheblichen Stückzahlen nachgefragt: Mit dem Siegeszug von Carbon-Rahmen etablierte sich die Klasse als feste Größe im Portfolio nahezu aller Anbieter. Zu Recht: Bei deutlich günstigeren Carbon-Rennrädern muss der Käufer meist spürbare Abstriche in Kauf nehmen, teurere bieten oft nur noch geringen spürbaren Mehrwert – wenn auch deutlich mehr Prestige.

Unter Preisdruck

RoadBIKE hat 14 Carbon-Rennräder zwischen 2499 und 2799 Euro getestet, um herauszufinden, ob in dieser Klasse noch immer die Preis-Leistungs-Knaller zu haben sind. Doch schon die überschaubare Anzahl an Testrädern und der im Vergleich zum Vorjahr gestiegene Durchschnittspreis machen deutlich: 2013 gerät die Bestseller-Klasse unter Druck. Genauer: unter Preisdruck. Denn als die Produktmanager der Hersteller vor über einem Jahr die Spezifikation der Räder für die aktuelle Saison festlegen mussten, war die Lage schwierig.

Die Zulieferer, allen voran die großen Komponentenhersteller wie Shimano, erwarten bereits gut ein Jahr vor Produktionsstart verlässliche Vorbestellungen von den Rennradherstellern. Die müssen ihre Kosten schon zu diesem frühen Zeitpunkt kalkulieren und gegen Währungsschwankungen in den Monaten bis zur Produktion absichern. Für die Saison 2013 standen die Vorzeichen denkbar schlecht: Der Euro schwächelte gegenüber Dollar und Yen, so dass nur zwei Möglichkeiten blieben: Abstriche bei der Ausstattung in Kauf zu nehmen oder höhere Komplettradpreise zu veranschlagen.

Die 2500-Euro-Klasse des Modelljahres 2013 zeigt sich deshalb merklich ausgedünnt: Nicht allen Herstellern ist es gelungen, den „magischen“ Preispunkt zu halten, einige mussten die Preise ihrer Rennräder aus Carbon gar so weit an­heben, dass sie den Rahmen des Testfelds gesprengt hätten – und wurden deshalb nicht eingeladen. Einige schließlich konnten zum Testbeginn im Januar schlicht kein serienreifes Material liefern. Ergebnis: So mancher Leser wird seine Lieblingsmarke im aktuellen Vergleich also vermissen.

Was ist dran an den Carbon-Rennrädern?

Klar galt das Augenmerk der Tester deshalb zuerst der Ausstattung: Haben die Anbieter – wie zu befürchten – Sparpakete geschnürt oder gar Mogelparts verbaut? Ein intensiver Blick in die Ausstattungslisten schafft Klarheit – und sorgt für Entwarnung: Die meisten Carbon-Rennräder im Test zeigen sich standesgemäß bestückt. Shimanos bewährte, hochwertige Schaltgruppe Ultegra ist guter Standard im Feld.

Für Abwechslung sorgen die Carbon-Rennräder von Canyon und Rose, die Campagnolos noble Chorus mit 11 Ritzeln montieren, Con­way und Focus setzen auf die leichte Force von Sram. Und Radon verbaut sogar die komplette Top-Gruppe Red von Sram – an einen Rad für 2499 Euro schier unfassbar! Lediglich Storck montiert – zugunsten hochwertiger Laufräder – Shimanos günstige 105-Gruppe. Erfreulich: Kein Anbieter „schummelt“ bei so wichtigen Komponenten wie den Bremsen. Nur bei den Verschleißteilen Kette oder Ritzel montieren einige teils Parts aus günstigeren Gruppen. Das ist zwar ärgerlich, aber funktional in keinem Fall ein Nachteil.

Beim Kurbelsatz, der beliebtesten, weil effektivsten „Sparmaßnahme“, montieren nur Cannondale und Specialized ein etwas günstigeres Modell. Da beide Rahmen auf BB30-Tretlager setzen, ist die montierte Kurbel SL-K von FSA aber eine gute Wahl – der BB30-Standard ist nach RoadBIKE-Messungen der beste Kompromiss aus Gewicht und Steifigkeit – bei möglichst schmaler Bauweise (geringer Q-Faktor).

Klasse statt Masse!

Einen wesentlichen, direkt spürbaren Einfluss auf die Fahreigenschaften eines Rennrads haben die Laufräder. Erfreulicherweise setzen nur drei der Anbieter im Test hier den Rotstift an: Cannondale und Lapierre montieren Aksium-Laufräder von Mavic, Specialized einen ähnlich günstigen Satz von DT Swiss. Diese Laufräder sind zwar äußerst robust und seitensteif. Sie verantworten aber auch gut 200 Gramm Mehrgewicht, die sich, als rotierende Masse, beim Fahren leider spürbar bemerkbar machen, wie alle Testfahrer im Praxistest bestätigten.

„Üblich“ sind an Rennrädern dieser Preisklasse – und entsprechend häufig an den Rennrädern im Test verbaut – hochwertige Mavic-Ksyrium-Laufräder oder vergleichbares Material anderer Anbieter. Die passen zum hohen Niveau der Schaltgruppen und machen die Carbon-Rennräder spürbar leichtfüßig: Sie sind gut zu beschleunigen und werden auch in den Bergen nicht zur Spaßbremse.

Mit so hochwertigen Laufrädern ausgestattet, rechtfertigen die Carbon-Rennräder im Test sogar locker den Preisanstieg von 100 bis 200 Euro zum Vorjahr. Denn in den vergangenen Jahren waren in der 2500-Euro-Klasse häufig günstigere Laufräder verbaut – RoadBIKE-empfahl deshalb stets, gegebenenfalls später, höherwertige Laufräder nachzurüsten, um das volle Potenzial von Rahmen und Ausstattung auszuschöpfen. Diese Tuningmaßnahme erübrigt sich nun in den allermeisten Fällen.

Weit weniger spürbar als die unterschiedlichen Laufradgewichte sind die Unterschiede zwischen den Rahmen-Gabel-Sets – vorausgesetzt, sie erreichen die Mindeststeifigkeiten, die RoadBIKE als „grünen Bereich“ definiert.

Gute Rahmen-Bedingungen

Nur die Sets von Conway und Cube verfehlen im Lenkkopf diesen für jedes Fahrergewicht tauglichen Mindestwert. Für leichte Fahrer stellt das kein Problem dar – wer dagegen mehr als 80 Kilo auf die Waage bringt, spürt, dass diese beiden Rennräder bei schnellen, harten Richtungswechseln weniger präzise folgen – vor allem im direkten Vergleich zu den besten im Test.

Davon abgesehen leistet sich keines der Rennrad-Sets auch nur den Hauch einer Schwäche. Carbon-Rahmen der Mittelklasse sind in aller Regel ausgereift und für jeden Fahrer problemlos fahrbar. Unterschiede zeigen sich allerdings auf der Waage: Während der Stevens-Rahmen nur sensationelle 930 Gramm wiegt – auch Cube und Rose bleiben unter 1000 Gramm – bringen die anderen 100 bis 150 Gramm mehr auf die Waage. Noch deutlicher werden die Unterschiede, wenn man die Sets (inklusive Gabel und Steuersatz) vergleicht: Canyon, Cube, Rose und Stevens bleiben unter 1,5 Kilo – noch vor wenigen Jahren waren solche Gewichte Top-Rennern vorbehalten. Mit teils deutlich über 1,7 Kilo bewegen sich Cannondale, Koga und Specialized dagegen auf einem Niveau, das auch schon leichte Alu-Sets unterbieten können.

Allerdings: Spürbar sind die Gewichtsunterschiede kaum. Ganz anders sieht es beim Federungskomfort aus: Nur die Carbon-Rennräder von Canyon, Cube, Koga, Specialized und Trek erreichen sowohl an der Front wie auch am Heck Werte, die in der Praxis als spürbarer Komfort durchgehen. Abhilfe lässt sich bei den härteren Mitbewerbern durch besser federnde Carbon-Sattelstützen oder Carbon-Lenker mit Ergo-Form und dämpfendem Lenkerband schaffen. Bei diesen Anbauteilen setzen nahezu alle Anbieter im Testfeld auf solides, aber günstiges Alu – hier wird der Preisdruck schließlich doch sichtbar.

Neue Vielfalt

Interessant: Dem „klassischen“ Rennrad erwächst auch in der Mittelklasse zunehmend Konkurrenz durch spezialisierte Modelle, die sich nun auch schon in diesem Preissegment finden – und für mehr Vielfalt sorgen: zum Beispiel der Langstrecken-Rennräder von Giant oder das Aero-Rennrad von Storck. Eine Vielfalt, die der Preisklasse zu weiter steigender Popularität verhelfen dürfte. Bestseller eben.

Testfazit kompakt:

Ab 2500 Euro gibt es auch 2013 hervorragende Rennräder aus Carbon mit solider Ausstattung auf Ultegra-Niveau – ohne Mogelparts. Den klaren Testsieg holt sich Canyon mit dem herausragenden Ultimate CF. Kauftipps verdienen sich gleich drei Räder: Das günstige Radon mit Srams Top-Gruppe Red sowie die überzeugenden, fair kalkulierten Carbon-Rennräder von Focus und Stevens.


Inhaltsverzeichnis


Die Rennräder in diesem Test:

06.05.2013
Autor: Felix Böhlken
© RoadBIKE
Ausgabe 04/2013