Im RoadBIKE-Test: 9 Rennrad-Laufräder um 600 Euro

Rennrad-Tuning: 9 Laufräder im Test


Zur Fotostrecke (18 Bilder)

RoadBIKE-Test: Rennrad-Laufräder um 600 Euro
Foto: Benjamin Hahn

 

RoadBIKE-Test: Rennrad-Laufräder um 600 Euro
Foto: Benjamin Hahn

 

RoadBIKE-Test: Rennrad-Laufräder um 600 Euro
Foto: RoadBike

 

RoadBIKE-Test: Rennrad-Laufräder um 600 Euro
Foto: Benjamin Hahn

 

RoadBIKE-Test: Rennrad-Laufräder um 600 Euro
Foto: RoadBike
Wie viel Tuningpotenzial steckt in Laufradsätzen der Mittelklasse? RoadBIKE hat 9 Modelle zu Preisen um 600 Euro getestet.
Zu den getesteten Produkten

UPDATE August 2016: Den aktuellen Test der alltagstauglichen Hochprofil-Laufräder gibt es hier als PDF-Download.

Irgendwann ist es so weit. Irgendwann denkt jeder, der sich auch dann ausgiebig mit seinem Rennrad beschäftigt, wenn er nicht im Sattel sitzt, über das Thema Laufräder nach. Erst über die eigenen, dann über jene Modelle, die den geliebten Rennräder noch ein wenig schöner, schneller und leichter machen würden.

Laufradtuning ist äußerst beliebt, und das vollkommen zu Recht: RoadBIKE-Komplettradtests zeigen immer wieder, dass selbst Rennräder, die rund 3000 Euro kosten, häufig mit absoluten Einsteiger-Laufradsätzen bestückt sind, die aufs Gewicht und Temperament der Kandidaten drücken. Das Problem: Um sich an teuren Carbon-Rahmen, im Hinblick auf ein bestimmtes Preisziel, beispielsweise eine komplette Shimano-Ultegra-Gruppe leisten zu können, sind viele Produktmanager gezwungen, an den Laufrädern zu sparen.

Mittelklasse-Laufräder zu Preisen zwischen 442 und 680 Euro steigern die Performance gerade solcher Rennräder meist spürbar – auf der Waage und, viel wichtiger, auf der Straße. Grund genug, sich diese äußerst interessante Preisklasse genauer anzuschauen – und die Bestseller zum anspruchsvollen RoadBIKE-Test zu bitten.

Loading  

Gewichtige Messung

Das standardisierte Programm führt die Testkandidaten als Erstes auf die Waage: Das Gewicht zählt zu den wesentlichen Parametern, über die sich ein Laufrad definiert. Für Allround-Sätze wie die hier getestete Gruppe gilt: Je leichter, desto besser. Geringes Laufradgewicht macht sich bei jedem Antritt aus dem Stand oder beim Beschleunigen aus geringer Geschwindigkeit positiv bemerkbar – beispielsweise in engen Kurven oder an steilen Rampen.

Doch wie groß ist die Einsparung, die sich mit einem Mittelklasse-Laufrad gegenüber einem günstigen Satz realisieren lässt? Ein Beispiel: Während Mavics Aksium, ein sehr häufig verbautes Einsteiger-Modell, das auch in hochwertigen Rädern zwischen 2500 und 3000 Euro zu finden ist, rund 1750 Gramm wiegt, kommt das aktuell getestete Mavic Ksyrium Elite S auf 1563 Gramm. Einsparung: satte 186 Gramm.

Und das ist noch nicht mal das Maximum in der Mittelklasse. Im Vergleich zu den leichtesten Sätzen im Test, die zwischen 1402 und 1457 Gramm auf die Waage bringen, ergibt sich ein Unterschied von rund 300 bis 350 Gramm zum Einsteiger-Modell. Wollte man solche Tuning-Erfolge etwa am Rahmen erzielen, müsste man schon ins absolute High-End-Regal greifen und stolze Euro-Beträge investieren.

Gut gespart

Wie gut das Geld in der Mittelklasse angelegt ist, verdeutlicht auch der Vergleich mit deutlich teureren Laufradmodellen. Erneut lohnt der Blick auf ein Mavic-Produkt, denn das Mavic R-Sys SLR C gehört mit seinen rund 1300 Gramm Satzgewicht zu den leichtesten Alu-Allroundern am Markt.

Mit einem solchen High-End-Satz wäre, im Vergleich zu leichten Mittelklasse-Modellen, nochmals eine Gewichtsersparnis von 100 bis 150 Gramm möglich. Doch statt durchschnittlich 550 Euro, die für die Sets im aktuellen Test fällig werden, kostet ein solcher Edel-Laufradsatz stramme 1800 Euro. Jede weitere – und vergleichsweise geringe – Gewichtsersparnis, das zeigt dieser Vergleich deutlich, muss also extrem teuer erkauft werden.

Wirkungsvoller Widerstand?

Doch wie sieht es mit den übrigen Testwerten aus? Geringes Gewicht ist zwar wichtig, doch die Performance eines Rennrades beeinflusst ein leichtes Laufrad nur dann positiv, wenn auch die Steifigkeiten überzeugen. Gibt ein Hinterrad unter Last, wie etwa im Wiegetritt, seitlich nach, wirkt sich das negativ auf die Kraftübertragung aus und wiegt den Gewichtsvorteil unter Umständen auf. Ist das Vorderrad zu nachgiebig, leidet die Lenkpräzision.

Der RoadBIKE-Test prüft deshalb, wie gut die Laufräder seitlicher Krafteinwirkung widerstehen. Das Ergebnis (in Newtonmeter pro Grad, kurz: Nm/°) sagt aus, wie viel Newtonmeter nötig sind, um das Laufrad um 1 Grad auszulenken.

Je höher dieser Wert ausfällt, desto steifer ist das Laufrad – und desto besser seine Performance. Umfangreiche Testreihen, bei denen verschiedene Laborwerte mit den Praxiseindrücken erfahrener Tester abgeglichen wurden, haben ergeben, dass Werte oberhalb von 70 Nm/° auch für Fahrer mit 80 Kilo Körpergewicht und mehr ausreichen. RoadBIKE spricht in diesem Fall vom „grünen Bereich“, den ein gutes Laufrad auf jeden Fall erreichen sollte. Liegen die Werte deutlich darunter, ist das Laufrad unter Umständen noch steif genug für leichte Fahrer unter 70 Kilo. Schweren Piloten und starken Sprintern wird es jedoch nicht genügend Steifigkeit bieten.

Die gute Nachricht im aktuellen Test: Bis auf eine einzige Ausnahme liegen alle Laufräder im grünen Bereich. Bei den Vorderrädern liegen alle Werte zwischen guten 72 und herausragenden 106 Nm/Grad – das Gros des Testfeldes landet zwischen 82 und 97 Nm/Grad. Bei den Hinterrädern gibt es mit dem American Classic ein Exemplar, das den grünen Bereich mit 66 Nm/Grad knapp verfehlt, alle anderen kommen auf untadelige 79 bis 95 Nm/Grad. Steifigkeiten, die auch stärksten Sprinterbeinen genügen.

Fotostrecke: 8 Carbon-Clincher-Laufräder im Labor- und Praxistest

16 Bilder
Bontrager Aeolus 5 D3 Clincher Foto: Benjamin Hahn
RoadBIKE Carbon-Clincher im Test - Bremsbeläge Foto: Benjamin Hahn
DT Swiss RRC 46 Dicut C Foto: Benjamin Hahn

Tolles Verhältnis

Fazit dieser Messung: Im Gegensatz zum Gewicht, wo sich in höheren Preislagen noch Vorteile erzielen lassen, ist bei den Steifigkeiten bereits in dieser Preisklasse ein Level erreicht, das keinen Anlass zu Kritik bietet.

Im Gegenteil. Oft sind deutlich teurere Laufräder weniger steif, da aus Gewichtsgründen weniger Material verbaut wird, was zulasten der Widerstandsfähigkeit gehen kann. Ausnahmen bilden einige Carbon-Modelle am Markt, die extrem leicht und gleichzeitig vorbildlich steif sind. Doch für diese Wunderwerke des Laufradbaus werden in aller Regel mehrere tausend Euro fällig.

Testfazit kompakt

Die Laufradmittelklasse bringt hervorragendes Tuningpotenzial für Kompletträder mit, die serienmäßig mit Einsteiger-Sätzen bestückt sind. Sätze wie der Testsieger Tune TSR 27 oder der ebenfalls überragende Kauftipp, das RS 1400 von Rose, steigern die Performance so manches 2000-Euro Renners spürbar – zum bezahlbaren Preis.


Die Laufräder in diesem Test

30.07.2014
Autor: Nils Flieshardt
© RoadBIKE
Ausgabe 7/2014