Test: 8 Alu-Laufräder für Rennräder um 500 Euro

Im RoadBIKE-Test: 8 Alu-Laufräder um 500 Euro

Foto: Benjamin Hahn

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Die meistverkauften Rennrad-Laufräder kosten um 500 Euro – Vernunftlösung oder der beste Kompromiss aus Preis und Leistung? RoadBIKE hat 8 Modelle getestet.
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Lust auf ein neues Rennrad – oder zumindest ein ganz neues Fahrgefühl? Für rund 500 Euro kein Problem: Kaufen Sie einfach einen neuen Laufradsatz! Mit Allroundern der 500-Euro-Klasse lassen sich fast jedem Mittelklasse-Renner effektiv Beine machen. Selbst in Kompletträdern der Klasse bis 3000 Euro drehen sich serienmäßig häufig günstige Laufräder, um den Carbon-Rahmen und eine hochwertige Komponentengruppe auf Ultegra-Niveau anbieten zu können.

Auch wer Laufräder fährt, die bereits einige Jahre auf dem Buckel haben, profitiert von einem Wechsel: Aktuelle 2017er-Laufräder kommen mit breiteren Felgen, die für 25-mm-Reifen optimiert sind. Breitere Pneus fahren sich so spürbar geschmeidiger.

All das belegt dieser Test mit 8 Alleskönner-Laufradsätzen um 500 Euro: Sie beflügeln den Fahrer mit erstklassigen Fahreigenschaften und machen meist auch optisch einiges her.

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Foto: RoadBIKE RoadBIKE 1216 Laufräder Preis-Leistungs-Verhältnis

In welcher Preislage gibt es am meisten Laufrad fürs Geld? RoadBIKE hat die Marktpreise (blaue Kurve) vieler gängiger Laufradmarken und -modelle ins Verhältnis zum Gewicht (orangefarbene Kurve) gesetzt.

Je teurer ein Laufrad, umso leichter – klar. Doch die Kurven laufen immer steiler aufeinander zu – mit zunehmendem Preis wird der Gewichtsvorteil immer geringer. Ab ca. 700 Euro nähern sich beide Kurven an – knapp darunter findet sich die Preislage, die ein möglichst gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.

Goldene Mitte?

Neue Laufräder sind deshalb völlig zu Recht des Rennradfahrers liebstes Tuningteil, denn der Effekt ist oft sehr deutlich spürbar. Dabei scheint es auf den ersten Blick allerdings kaum möglich, das perfekt passende Modell zu finden: Aero-Laufräder, teure Carbon-Felgen, superleichte Berglaufräder oder doch etwas Klassisches?

Zahllose Spezialisten locken – können aber meist nicht rundum überzeugen: Das Optimum bei einem guten Laufrad liegt in der Mitte.

Laufradbau ist immer eine Frage des besten Kompromisses: Leichtgewicht, Aerodynamik, Fahrstabilität, Zuverlässigkeit und Haltbarkeit sind Anforderungen, die sich teilweise gegenseitig ausschließen – und für die Entwickler eine schwierige Aufgabe. Die meisten im Test vertretenen Hersteller setzen deshalb auf ein bewährtes Rezept und wählen bei den Einzelteilen mehr oder weniger die goldene Mitte. Solide Naben mit Stahllagern und Stahlspeichen stehen für lange, stressfreie Funktion und Haltbarkeit, zudem ist die Ersatzteilsituation meist unproblematisch. Felgen mit Höhen zwischen meist 24 und 30 Millimetern sind leicht und stabil.

Der Trend zu breiteren Reifen lässt auch die Felgen in die Breite wachsen: 17 bis 19 Millimeter Innenmaß sorgen für einen harmonischen Querschnitt bei 25er-Reifen. Breitere Felgen haben noch einen weiteren Vorteil: Die Aerodynamik verbessert sich geringfügig, da der Reifen günstiger angeströmt wird. Eine andere Maßnahme, um die Aerodynamik zu optimieren, ist die Verwendung von Messerspeichen, wie sie etwa Campagnolo und Mavic verbauen.

Mit System

Bei fast allen Laufrädern im Test sind die Bauteile speziell aufeinander abgestimmt und als System entwickelt: Naben, Speichen, Felgen und Nippel. Vorreiter war hier Mavic, mit dem Cosmic bauten die Franzosen das erste Systemlaufrad – mit speziell abgestimmten Einzelteilen. Die Hersteller versuchen so, das Beste aus ihren Laufrädern herauszuholen – und gleichzeitig einen unverwechselbaren Look zu kreieren, der Begehrlichkeiten wecken soll.

Nur Tune verwendet bei seinem Satz im Test durchweg herkömmliche Bauteile, die man auch einzeln mit anderen Bauteilen kombinieren könnte. Und ausgerechnet Tune schickt mit dem Tune TSR 22 damit das leichteste Laufrad ins Rennen – ganz ohne Systemlaufrad-Ansatz. Zudem zeigen die Daten und Messwerte, die RoadBIKE in aufwendigen Messungen erhoben hat: Das Tune TSR 22 ist auch durch die Bank sehr fahrstabil und hervorragend aufgebaut! Bringen Systemlaufräder also gar nicht die versprochenen Vorteile?

Traditionell gut

Zum Vergleich, wie gut die großen Marken mit ihrem System-Ansatz wirklich liegen, hat RoadBIKE einen klassisch aufgebauten Laufradsatz daneben gestellt (siehe "Haico Referenzlaufrad"). Laufradbau ist das Steckenpferd von RoadBIKE-Techniker Haider Knall – seine Aufgabe war es, im Preisrahmen des Testfelds das beste Laufrad zu bauen, das mit herkömmlichen Einzelteilen möglich ist.

Erstaunlich: Der außer Konkurrenz laufende Referenz-Laufradsatz erreichte die höchste Punktzahl im Test. Vor allem durch seine hohen Steifigkeiten, aber auch mit seinem absolut konkurrenzfähigen Gewicht von rund 1550 Gramm – und damit auf dem Niveau der im Test sehr leichten Modelle Campagnolo Zonda C17 und FSA Vision Trimax 30.

Wie ist das möglich – ganz ohne „System“? „Ein so ausgewogenes Verhältnis von Gewicht und hoher Stabilität erreicht man nur, wenn man ein Laufrad wirklich komplett von Hand fertigt“, ist Techniker Knall überzeugt.

Individuell oder Masse

Weiterer Vorteil des klassisch gebauten Laufrads: Es lässt sich individuell auf die Bedürfnisse des Fahrers anpassen: etwa Beispiel sehr leicht (mit wenig Speichen und sehr leichten Bauteilen), sehr stabil (mit mehr und vielfach gekreuzte Speichen) oder aerodynamisch (mit wenigen, möglichst radial verlaufenden Messerspeichen). Gerade schwere Fahrer sollten über einen individuell gefertigten Laufradsatz nachdenken.

Da sie einen Massenmarkt bedienen, können die großen Anbieter von Systemlaufrädern so spezialisierte Konstruktionen kaum anbieten, sie müssen versuchen, sich dem Optimum anzunähern, das für den Großteil der Kundschaft funktioniert.

Wie gut das im Einzelfall gelingt, zeigten die Laufräder im Labortest und, vor allem, auf der Straße. In der Praxis überzeugten unterm Strich alle Laufräder, die erfahrbaren Unterschiede waren gering und allenfalls bei hartem Antritt zu spüren. Und noch etwas wurde deutlich: Die in dieser Preisklasse erhältlichen hochwertigen Sätze mit flacher Felge bewegen sich generell auf sehr hohem Niveau. Alle Sets wurden in der Praxisbewertung mindestens für „sehr gut“ befunden, die beiden leichtesten Modelle gar „überragend“ – leichter heißt auch schneller!

Für alle, die bestimmte Modelle im Test vermissen: DT Swiss und Citec schickten keine Testmuster, weil jeweils ein Nachfolger ins Haus steht, Fulcrum schaffte es nicht, rechtzeitig zu liefern.

16.12.2016
Autor: Felix Böhlken
© RoadBIKE
Ausgabe 12/2016