8 Carbon-Clincher-Laufräder im Labor- und Praxistest
Carbon-Laufräder im Test: Bremsleistung besser
In den letzten Jahren hat sich die Bremsleistung und Haltbarkeit von Carbon-Laufrädern verbessert. An die Werte von Laufrädern aus Aluminium kommen die Carbon-Clincher aber immer noch nicht heran. Zu den getesteten Produkten
Mehr zum Thema RoadBIKE Werkstatt-App fürs Apple iPhone - detaillierte Tipps für Rennrad-Fahrer RoadBIKE Werkstatt-App fürs Apple iPhone - detaillierte Tipps für Rennrad-Fahrer Video: Carbon-Laufräder Lightweight Meilenstein und Fernweg Rennrad-Laufräder aus Carbon im Test
Die wichtigste Nachricht vorab: Zwar war den Laufrädern die Belastung deutlich anzumerken, Totalausfälle gab es aber erfreulicherweise keine.
Einige Hersteller verwenden nun hitzebeständigere Harze und spezielle Fasern in der Bremsflanke, der
entscheidende Faktor gegen vorschnellen Hitzetod von Carbon-Bremsflanken ist aber der Bremsbelag. Seine Zusammensetzung bestimmt die Reibung, mehr Reibung bedeutet mehr Bremspower – und mehr Hitze.
Grundsätzlich lässt sich mit Carbon-Clinchern mittlerweile sehr ordentlich bremsen. Allerdings bleibt die auf dem Prüfstand ermittelte maximale Bremskraft 10 bis 20 Prozent unter einer zum Vergleich mitgemessenen Alu-Felge. Der Leistungsabfall bei Nässe beträgt, wie auf Alu, etwa 20 Prozent – in der Praxis ausreichende Werte.
Nur das Bontrager-Set erzielte auf dem Prüfstand eine schwache Leistung: Schon bei Trockenheit lag es 33 Prozent hinter der Alu-Referenz, bei Nässe gar 60 Prozent!
Bremsen mit Carbon-Laufrädern: Der Belag entscheidet
Nach kräftigen Bremsungen ist an jeder Carbon-Felge das Grundproblem leicht nachvollziehbar: Die Bremsflanken sind extrem heiß, nur wenige Zentimeter daneben erwärmt sich das Material kaum. Grund: Carbon leitet Wärme schlecht. Die entstehende Hitze wandert lediglich in den Schlauch ab. Der Reifendruck steigt an – und drückt zusätzlich gegen die von der Hitze stark belastete Bremsflanke.
Um die Hitzeentwicklung gering zu halten, versuchen die Hersteller, die beim Bremsen entstehende Reibung zu begrenzen: Bis auf Xentis werden alle Laufräder im Test mit speziellen Bremsbelägen ausgeliefert, die meisten Hersteller schreiben diese zur Verwendung mit ihren Felgen vor – sonst erlöschen alle Garantieansprüche.
Bei den Felgen des Herstellers Reynolds – im Test an den Sets von DT Swiss, Reynolds und Ritchey verbaut – hatten die Bremsungen dennoch sichtbare Folgen: Bei allen entstanden auf den Bremsflanken kleine Unebenheiten.
Da erst nach weiteren Testfahrten eine Aussage möglich ist, ob diese Schäden nur Schönheitsfehler sind oder bereits auf eine Delamination hinweisen, vergibt RoadBIKE für diese Laufräder vorerst keine Note. Alle betroffenen Modelle wird RoadBIKE weiterfahren, um die Entwicklung zu beobachten – und darüber zu berichten.
Ärgerlich ist diese Nicht-Wertung für alle 3 Hersteller, denn die Laufräder sind, wie fast alle Testkandidaten, handwerklich überzeugend gebaut und hätten sich die Note "sehr gut" verdient.
Vor allem Lightweight zeigte einmal mehr, wie ein perfekt gebautes Laufrad aussieht: Äußerst steif und sauber zentriert, wird es auch höchsten Ansprüchen gerecht. Kleinere Schwächen bei der Steifigkeit zeigten nur Xentis und Fulcrum – diese herkömmlich gespeichten Räder lassen sich dafür problemlos nachträglich mit etwas höherer Speichenspannung stabilisieren.
Schwächen bei der Torsion, also der Verdrehung der Felge im Verhältnis zur Nabe, die im Hinterrad durch den Kettenzug entsteht, zeigte lediglich Zipp. Diese konstruktive Schwäche lässt sich kaum nachbessern. Auch bei der Trägheit lässt sich nichts korrigieren – sie wird vor allem durch das Gewicht der Felgen beeinflusst.







