Systemvergleich Fahrradträger

Dach- und Heckgepäckträger, Kupplungsträger und Integrierter Träger im Vergleich


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Fahrradträger im Vergleich Heckträger Dachträger
Foto: Beate Jeske

 

Fahrradträger im Vergleich Heckträger Dachträger
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Fahrradträger im Vergleich Heckträger Dachträger
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Kein Platz mehr im Auto, doch das Rennrad soll auch noch mit? Dann muss ein Fahrradträger her. Im Praxistest hat RoadBIKE die gängigen Systeme verglichen.

Radsport ist grün: Man bewegt sich in der Natur, tut sich und der Umwelt etwas Gutes, statt fossiler Brennstoffe verlangt das Rennrad höchstens ab und an nach einem Spritzer Öl. Doch manchmal braucht man eben doch das Auto.

Etwa bei der Anfahrt zum Radmarathon oder auf dem Weg in den Radurlaub. Kommen dann noch Kind und Kegel mit, wird es schnell eng.

Die Lösung: Ein Fahrradträger fürs Auto muss her. Der Markt bietet eine Fülle von Produkten: von Dachträgern über Modelle für die Anhängerkupplung bis zum in den Stoßfänger integrierten Träger.

Aber welches System eignet sich für die unterschiedlichen Ansprüche der Nutzer am ehesten? Um das herauszufinden, hat RoadBIKE gemeinsam mit den Experten von auto motor und sport (ams) 4 Systeme verglichen.

Gleicher Hersteller, gleiches Auto: Um die verschiedenen Trägersysteme bestmöglich vergleichen zu können, waren einheitliche Ausgangsbedingungen notwendig.

Alle Fahrradträger wurden mit dem gleichen Fahrzeugmodell getestet, einem Opel Astra Sports Tourer. Heck-, Dach- und Kupplungsträger kommen vom gleichen Anbieter, Marktführer Thule.

Komplettiert wird das Testfeld mit Opels hauseigenem FlexFix-System, einem integrierten Träger, als Extra für diverse Modelle verfügbar. Alle Träger wurden in der Ausführung für 2 Fahrräder getestet. Mit Zubehör nehmen allerdings alle bis zu 4 Räder auf.

Keine Sicherheitsprobleme

Die gute Nachricht vorweg: Keiner der Träger im Vergleich zeigte während des Tests irgendwelche sicherheitsrelevanten Probleme. Selbst eine Vollbremsung aus 100 km/h und der berühmte Elchtest brachten die Systeme nicht aus der Fassung und die geladenen Räder höchstens leicht zum Schaukeln. „Im Alltag von Autofahrern beeinflussen die Trägersysteme das Fahrverhalten nicht“, erklärt ams- Testfahrer Otto Rupp. Einzig die Sicht durch den Rückspiegel wird mit hinten montierten Trägern beeinträchtigt. Zudem verändert sich die Abmessung des Autos nach hinten, was das Rangieren erschwert. Dagegen muss bei Dachträgern auf niedrige Durchfahrten oder Garagen geachtet werden.

Auch wenn der Test keine sicherheitsrelevanten Risiken aufdeckte: RoadBIKE empfiehlt mit Rädern auf Dach oder Heck eine moderate Fahrweise mit Einhaltung der Richtgeschwindigkeit von maximal 130 km/h auf Autobahnen. Doch wenn es nicht die Sicherheit ist, was macht dann den Unterschied zwischen den Systemen aus? Antwort: die Handhabung. Das bedeutet: Wie klappt die Erstmontage und Installation am Fahrzeug sowie das Auf- und Abladen der Räder?

In allen Disziplinen liegen die „niedrigen“ Systeme klar vorn, also der integrierte Opel-Träger sowie der Kupplungsträger. Hier entfällt die Erstmontage, beide Systeme sind mit wenigen Handgriffen in ein paar Minuten einsatzbereit. Durch die geringe Höhe lassen sich auch schwere EBikes einfach aufladen. Von Thule gibt es als Zubehör sogar eine Rampe, über die sich das Rad direkt auf den Träger schieben lässt.

Wichtig: Der Kupplungsträger selbst erlaubt zwar eine Zuladung von 60 kg, doch nicht jedes Auto ist für eine solche Last ausgelegt, viele Mittelklassewagen erlauben maximal 50 kg. Nur mit Rennrädern ist dieser Wert kaum zu erreichen, doch soll beispielsweise noch ein schweres E-Bike mit, wird es eng. Welche Stützlast die Kupplung verträgt, verrät meist ein Aufkleber an der Heckklappe oder die Betriebserlaubnis der Anhängerkupplung.

Aufwendiger als bei den niedrigen Systemen gestaltet sich die Installation von Dach- und Heckklappenträger. Zumal Letztgenannter erst in mühsamer Kleinarbeit aus vielen Einzelteilen zusammengesetzt werden muss. Anstrengend gestaltet sich oft auch das Be- und Entladen: Auch wenn moderne Rennräder echte Leichtgewichte sind, kann das Anheben auf Höhe des Autodachs doch eine Herausforderung darstellen. Speziell wenn auch mal ein schwereres Trekkingrad mit an Bord soll.

Sanft und Sicher

Steht das Fahrrad auf dem Träger, will es sicher befestigt werden. Speziell beim ersten Einsatz sind Geduld und Kreativität gefragt, bis die perfekte Position der Räder und Haltevorrichtungen gefunden ist. So kommen sich etwa Sattel und Lenker gern ins Gehege. Hat man die Position einmal gefunden, geht der Packvorgang beim nächsten Mal schneller von der Hand.

Besonders wichtig beim Befestigen ist der schonende Umgang mit dem wertvollen Material: Natürlich sollten die Klemmen weder den Lack beschädigen noch den Carbon-Rahmen eindrücken. Von Vorteil sind große Greifer mit gummierter Innenseite, wie sie am getesteten Kupplungs- und am Heckklappenträger zum Einsatz kommen. Sie sind breiter als die Klemmen am Dach- und beim Flex- Fix-Träger und verteilen den Druck großflächiger. Und doch stellen die Klemmen eine Gefahr für leichte Carbon- oder auch Alu-Rahmen dar. Etwas zu kräftig angezogen, ist der wertvolle Renner schnell reif für die Tonne. Deshalb das Rad nach Möglichkeit nicht an Ober- oder Unterrohr klemmen, sondern besser an der der Sattelstütze – wenn der Greifer bis zu ihr reicht. Beim Dachträger im Test klappte das beispielsweise nicht. Zudem hilft etwa eine Rohrisolierung aus Schaumstoff, solche Schäden zu vermeiden.

Besonders materialschonend sind Dachträger, die das Rad an der Gabel halten: Das Vorderrad wird ausgebaut und die Ausfallenden der Gabel in den Träger gespannt. Der Rahmen bleibt unangetastet. Im Zweifelsfall gilt: Immer beim Fahrradhersteller nachfragen, ob der Rahmen geklemmt werden darf. Gut: Alle Träger im Vergleich kamen auch mit voluminösen Rahmen und hohen Aero- Felgen zurecht.

 

Fahrradträger im Vergleich Heckträger Dachträger
Foto: Beate Jeske Mit Gefühl auf der Verbrauchsfahrt und Vollgas auf der Teststrecke wurden die Radträger verglichen.

So testen RoadBIKE und ams

In einem aufwendigen Praxistest haben RoadBIKE und auto motor und sport (ams) die 4 Fahrradträger-Systeme 2 Tage lang intensiv auf die Probe gestellt. Für den Vergleich stellte Opel 4 Fahrzeuge identischer Bauart, Motorisierung und Bereifung zur Verfügung. Eins davon verfügte über das hauseigene FlexFix-System, einem in den Stoßfänger integrierten Fahrradträger.

Die weiteren Träger wurden zunächst nach Bedarf montiert und dann an den Fahrzeugen angebracht. Anschließend ging es unbeladen auf große Verbrauchsfahrt: Die 200-km-Strecke führte über Autobahnen, Landstraßen und durch den Stadtverkehr. Die gleiche Fahrt wurde anschließend mit Fahrrädern an Bord wiederholt. Dabei achteten die Testfahrer unter anderem auch auf das veränderte Fahrverhalten oder den Einfluss der Ladung auf die Sicht durch den Rückspiegel. Richtig Gummi gab ams-Testingenieur Otto Rupp dann auf dem Opel- Testgelände in Pferdsfeld im Hunsrück. Auf dem ehemaligen Nato-Flugplatz mussten die beladenen Radträger mehrere Vollbremsungen aus 100 km/h überstehen. Zudem jagte Rupp die beladenen Autos diverse Male durch den Elchtest-Slalom.

26.03.2015
Autor: Felix Krakow
© RoadBIKE
Ausgabe 08/2014