Rennrad-Winterbekleidung im Test

Warm anziehen! Rennrad-Winterbekleidung im Test


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Foto: Det Göckeritz

 

Rennrad-Winterequipment: Gut gerüstet durch den Rennradwinter
Foto: Benjamin Hahn

 

Rennrad-Winterequipment: Gut gerüstet durch den Rennradwinter
Foto: RoadBIKE

 

Rennrad-Winterequipment: Gut gerüstet durch den Rennradwinter
Foto: Benjamin Hahn

 

Rennrad-Winterequipment: Gut gerüstet durch den Rennradwinter
Foto: RoadBIKE
Mit wärmender Mütze, Handschuhen und Überschuhen halten Rennradfahrer die Kälte in Schach: RoadBIKE hat 24 Modelle getestet.

"Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur die falsche Kleidung" lautet ein oft zitiertes Sprichwort. Wenn die Temperaturen in den einstelligen Bereich fallen, muss man auf dem Rennrad alle Register ziehen, um bei längeren Ausfahrten nicht auszukühlen. Handschuhe, Helmmütze und Überschuhe sind deshalb für Rennradfahrer essentiell.

Mit der passenden Ausrüstung ist Durchfahren oder ein ganz früher Frühstart in die neue Saison kein Problem. Dazu zählen auf jeden Fall warme Überschuhe, Langfinger-Handschuhe und eine Mütze unterm Helm. Denn kaum etwas kann einem die Lust am Radfahren mehr verleiden als der Versuch, mit völlig tauben Fingern zu schalten oder mit Eisblöcken in die Kurbel zu treten.

RoadBIKE hat deshalb jeweils 8 Mützen, Handschuhe und Überschuhe für den Einsatzbereich zwischen 0 Grad und 10 Grad Celcius getestet. Damit eignen sich die Wärmespender nicht nur für die winterliche Ausfahrt, sondern leisten auch bei langen Passabfahrten oder Trainingsrunden im Frühsommer und Herbst gute Dienste.

Erfreulich: Schon mit vergleichsweise wenig Geld lässt sich viel erreichen. So kostet die günstigste Kombination aus den Testprodukten mit Mütze von BBB, Handschuhen von Specialized und Überschuhen von Vaude nur ca. 75 Euro. Wer in die Vollen geht, kann allerdings auch leicht das Vierfache ausgeben.

Um alle Produkte auf Herz und Nieren zu testen, hieß es für die RB-Tester: Raus aus den wohlig-warmen Redaktionsbüros, raus ins kalte, in den vergangenen Wochen oft feuchte Leben auf der Straße. Mindestens 1 Stunde mussten Produkte und Testfahrer dabei jeweils durchhalten.

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Fotostrecke: Die beste Mütze für Ihren Rennrad-Winter

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Rennrad-Winterequipment: Gut gerüstet durch den Rennradwinter Foto: Benjamin Hahn
Rennrad-Winterequipment: Gut gerüstet durch den Rennradwinter Foto: RoadBIKE
Rennrad-Winterequipment: Gut gerüstet durch den Rennradwinter Foto: Benjamin Hahn

Unter der Haube: Mützen

Ein gute Rennrad-Mütze soll vor kaltem Fahrtwind schützen, klar. Viele Hersteller setzen daher auf winddichte Materialien an der Stirn. Gleichzeitig darf die Haube aber auch nicht „schwitzig“ werden.

Sehr gut gefallen hat den Testern der an Stirn und Schläfen gut verteilte Kälteschutz der WS Extreme Cold Hat von Sportful. Die Thermal Cycling Cap von Bontrager hingegen zeigt sich deutlich dünner – und ohne winddichte Lage.

Bei der Wahl der optimalen Mütze spielt aber auch der Helm eine Rolle: Denn je besser dessen Belüftung ist, desto mehr Fahrtwind – und kalte Luft – kommt am Kopf an: Ein im Sommer als zu warm empfundener Helm kann im Winter wertvolle Dienste leisten.

Überhaupt lohnt es sich, vor dem Kauf auszuprobieren, ob die Kombination aus Mütze, Helm und Radbrille funktioniert – und nichts drückt. Der neuralgische Punkt sind die Ohren, eine Mütze mit optimaler Passform sollte sie vollständig abdecken. Außerdem muss die Mütze eng anliegen und möglichst keine Falten werfen, damit der Helm gut drüber passt, ohne zu drücken.

Leider bieten die meisten Hersteller ihre Mützen nur in Einheitsgrößen an, was die Auswahl für Sportler mit sehr kleinem oder großem Kopf einschränkt. Positive Ausnahmen: Endura, Giro und Gore führen immerhin 2 verschiedene Größen im Sortiment.

Bei den Modellen mit Einheitsgröße sammelte die sehr gut sitzende WS Extreme Cold Hat von Sportful die meisten Punkte, aber auch die Thermal Skull Cap von Pearl Izumi wusste zu überzeugen. Bei der Winter Cap von Mavic hingegen bemängelten die Tester, dass diese an den Ohren immer wieder hochrutschte.

Sehr praktisch ist ein Schirm, der die Augen vor Nieselregen schützt. Bontrager, Endura und Giro statten ihre Modelle damit aus. Ein nettes Detail sind die Öffnungen, mit denen Gore seine Universal SO Thermo Cap versieht. Dank der Löcher entfällt die Frage, ob man die Brillenbügel unter oder über der Mütze trägt und so entweder Druckstellen oder einen schlechteren Sitz riskiert.

Fotostrecke: Die besten Handschuhe für Ihren Rennrad-Winter

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Rennrad-Winterequipment: Gut gerüstet durch den Rennradwinter Foto: Benjamin Hahn
Rennrad-Winterequipment: Gut gerüstet durch den Rennradwinter Foto: RoadBIKE
Rennrad-Winterequipment: Gut gerüstet durch den Rennradwinter Foto: Benjamin Hahn

Warme Finger: Handschuhe

Bei den Handschuhen müssen die Hersteller zwei eigentlich konkurrierende Anforderungen vereinen: Zum einen sollen sie die Finger lange warm halten, was mit großzügigem Einsatz von Isolationsmaterial besser gelingt, zum anderen darf das direkte Griffgefühl – wichtig beim Lenken, Schalten und Bremsen – nicht darunter leiden.

Im Testfeld zeigte sich entsprechend eine große Spannweite: Die Inferno Thermo Gloves von Mavic oder die Sibirian Bike Gloves von Craft betonen klar den Kälteschutz und eignen sich auch für Temperaturen unter 0 °C. Dafür geht das Feingefühl der Finger etwas verloren.

Sehr dünn präsentieren sich dagegen die Pearl Izumi Pro Softshell Light Gloves: Das sehr gute und direkte Griffgefühl wird allerdings durch einen etwas eingeschränkten Kälteschutz erkauft: Bei Temperaturen um 0 °C werden die Hände schnell frostig. Als Zusatzausrüstung für Passabfahrten eignen sie sich dagegen sehr gut.

Die goldene Mitte treffen nach Ansicht der Tester der Roeckl Rosello und der Assos BonkaGlove_evo7 am besten. Auch bei der Passform holen sich die Modelle von Roeckl und Assos Bestnoten, knapp vor Enduras Exo Waterproof Glove und den Pro Softshell Light Gloves von Pearl Izumi.

Bei Crafts Sibirian Bike Gloves kritisierten die Tester die zu kurzen Finger, bei den Deflect Gloves von Specialized und den Kuro Gloves von Vaude monierten sie deutlich spürbare und drückende Nähte an den Fingern.

Ein weiteres Kriterium bei Handschuhen ist das An- und Ausziehen, das möglichst leicht funktionieren sollte – ohne langes Gezerre und Zurechtzupfen. Bei den meisten Handschuhen hatten die Tester dabei wenig Grund zur Klage. Beim Exo Waterproof Glove von Endura ist das Handgelenk jedoch sehr eng geschnitten, so dass das Anziehen etwas fummelig ist. Gleiches gilt für den Deflect Glove von Specialized.

Ein sehr praktisches und mittlerweile fast unverzichtbares Detail an Handschuhen sind Fingerspitzen, mit denen sich auch kapazitive Touchscreens wie am Smartphone bedienen lassen. Schließlich nervt es, wenn man bei der Ausfahrt erst mal die Handschuhe ausziehen muss, nur weil das Handy klingelt. Allerdings hat sich diese Erkenntnis noch nicht bei allen Herstellern durchgesetzt: Assos, Endura, Mavic und Vaude verzichten auf dieses Feature – das gibt Abzüge in der Ausstattungsnote.

Fotostrecke: Die besten Überschuhe für Ihren Rennrad-Winter

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Rennrad-Winterequipment: Gut gerüstet durch den Rennradwinter Foto: Benjamin Hahn
Rennrad-Winterequipment: Gut gerüstet durch den Rennradwinter Foto: RoadBIKE
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Warme Füße: Überschuhe

Doch nicht nur kalte Ohren und eisige Finger, auch kalte Füße sind ein Stimmungskiller auf dem Rennrad. Gute Überschuhe hingegen halten die Füße mindestens 2 bis 3 Stunden warm und trocken. I

m Test überzeugten vor allem die Road SO Thermo von Gore beim Kälteschutz, bei den Modellen von Assos, BBB, Bontrager und Rose hatten die Testfahrer ebenfalls selbst nach langen Ausfahrten nichts zu meckern. Leichte Schwächen zeigte der sehr dünne und sehr leichte Resistor Bootie von Sugoi, der aber wiederum mit einem nahezu perfekten Spritzwasserschutz punktet. Bei Vaudes Pallas II fiel das Fehlen eines Klettverschlusses am oberen Abschluss unangenehm auf, dort zog es leicht rein.

Beim Kampf gegen aufgewirbeltes Spritzwasser von der Straße oder leichten Nieselregen und nassen Schnee schlugen sich alle Modelle sehr ordentlich, größere Wassereinbrüche waren nicht zu verzeichnen. Gute Überschuhe sollten sich darüber hinaus möglichst einfach anziehen lassen. Müssen sie mit großer Kraftanstrengung über die Schuhe gezogen werden, setzt das früher oder später den Nähten zu. Großes Lob der Tester gab es für den UltraWear von BBB: Ein Klettverschluss an der Sohle macht das Anziehen sehr komfortabel. Dank der großen Öffnungen für die Pedalplatten ließ sich auch der Road SO Thermo von Gore sehr leicht überziehen.

Bei den Proof Winter Shoe Covers von Giro hingegen kritisierten die Tester den etwas zu kurzen Reißverschluss, so dass sich der Überschuh nur schwer über die Ferse ziehen ließ. Anders als alle anderen setzt Vaude auf einen Klett- statt Reißverschluss. Das lässt eine etwas individuellere Anpassung zu, ist aber auch etwas fummelig, bis schließlich der perfekte Sitz gefunden ist.

Apropos Sitz: Einige Überschuhe (wie die Road SO Thermo von Gore) tragen stark auf, so dass die Gefahr besteht, dass sie an der Kurbel reiben. Das stört nicht nur, sondern kann auch den Überschuh auf Dauer beschädigen. Wer das Cleat nicht verstellen möchte, um zusätzlichen Platz zu schaffen, sollte deshalb, wenn möglich, die Überschuhe vor dem Kauf kurz auf dem Rad ausprobieren.

Bei der Austattung sollten ausreichend große Reflektoren eigentlich selbstverständlich sein – schlechtes Wetter und schlechte Sicht(-barkeit) gehen oft Hand in Hand. Allerdings zeigen sich einige Hersteller hier recht knauserig. Bei Bontrager reflektieren nur 3 kleine Punkte auf der Rückseite. Die Praxis zeigt, dass die meist schon nach wenigen hundert Metern durch Schmutz zugesetzt sind.

Auch Sugoi könnte seinem Überschuh mehr reflektierende Elemente spendieren. Bei Roses Racer gefiel die große reflektierende Klettverschlusslasche am oberen Abschluss, Vaudes Pallas II überzeugt mit einem reflektierenden Muster auf der Seite.

Testfazit kompakt

Eine gute Winterausrüstung muss nicht teuer sein: Bei den Mützen holt sich die perfekt sitzende und wärmende, zudem günstige WS Extreme Cold Hat von Sportful den Testsieg. Bei den Handschuhen belegt der Rosello von Roeckl dank hervorragender Passform und Top-Kälteschutz den Spitzenplatz. Als bester Überschuh empfiehlt sich schließlich der dichte und warme Road SO Thermo von Gore.

Fotostrecke: Die besten Handschuhe für Ihren Rennrad-Winter

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Fotostrecke: Die beste Mütze für Ihren Rennrad-Winter

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Fotostrecke: Die besten Überschuhe für Ihren Rennrad-Winter

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19.11.2015
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE
Ausgabe 2/2015