Rennrad-Hosen für die Langstrecke

Sattelfest


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Rennrad-Hosen für die Langstrecke im Test
Foto: Benjamin Hahn

 

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Welche Rennrad-Hose eignet sich am besten für die Langstrecke? RoadBIKE hat 15 Modelle getestet.
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Der Kilometerzähler auf dem Radcomputer nähert sich stramm der 200erMarke, und die Beine wirbeln lange nicht mehr so flink wie noch zu Beginn der Tour. Sitzprobleme? Fehlanzeige! Mit der richtigen Hose für die Langstrecke schmerzt der Po auch nach Stunden im Sattel nicht – das versprechen zumindest die Hersteller, die ausgewiesene Langstreckenhosen im Programm führen. Doch welche Modelle überzeugen wirklich?

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Um das herauszufinden, hat RoadBIKE einen der aufwendigsten Hosentests der vergangenen Jahre initiiert: Alle 15 Testkandidaten wurden von den RB-Testern über Stunden bei Radmarathons, RTF oder langen Trainingseinheiten ausgiebig Probe gefahren. Mindestdistanz: je 100 km, in vielen Fällen deutlich mehr.

Enorm groß war dabei die Bandbreite, welche die Vorgabe an die Hersteller, ihre jeweils „beste Hose für lange Distanzen“ zu schicken, hervorgebracht hat. Die Preise reichen von der 120 Euro teuren Kalas Road T-Sport Passion bis zur mehr als doppelt so teuren Attaque Gor von Etxeondo, für die 289 Euro anfallen. Doch was zeichnet eigentlich eine Langstreckenhose – in Unterscheidung zu einer „normalen“ Bib – aus? Zunächst natürlich das Polster. Assos etwa setzt bei den Hosen für die Langdistanz auf 10 statt 8 mm dicke Pads, die aber dennoch gut belüftet seien, wie Anna Serbin von Assos betont. Aber das ist nicht alles.

„Was generell eine gute Hose für lange Distanzen ausmacht, ist ein eher weiches Textil mit nur leichten Kompressionseigenschaften, eine perfekte Platzierung der Nähte und damit eine optimale Passform“, umreißt Anna Serbin die Anforderungen, „denn erst nach vielen Stunden machen sich die feinen Unterschiede bemerkbar.“

Auch bei Castelli betont man die Bedeutung der Passform: „Das ist unserer Meinung nach mit Abstand der wichtigste Punkt, also die Abstimmung der einzelnen Teile der Hose – wie Träger, Polster oder Abschlüsse. Ein tolles Polster allein macht sicher noch keine gute Langstreckenhose“, sagt Berthold Blattmann vom deutschen Vertrieb für Sportful und Castelli.

Die perfekte Passform und das optimale Polster bringen allerdings wenig, wenn die Hose nicht in der richtigen Größe gekauft wird. Deshalb sollten Sie das Modell Ihrer Wahl unbedingt zuvor anprobieren – idealerweise auf Ihrem Sattel Probe fahren oder zumindest Probe sitzen. Denn nur wenn Sattel, Polster und Anatomie zusammenpassen, lassen sich auch lange Distanzen beschwerdefrei meistern. Eine sehr individuelle Sache, klar. Doch die Erfahrung zeigt: Je mehr Tester sich über eine Empfehlung einig sind, desto eher überzeugt die Bib auch im Einzelfall. Der RB-Test liefert so die Basis für eine gezielte Auswahl unter Berücksichtigung individueller Vorlieben.

Die beste Passform

Bei der Passform überzeugten vor allem die T.equipe_S7 von Assos, aber auch die Attaque Gor von Etxeondo, die Tourmalet von Löffler und die Twyce Bike Bib Tight von X-Bionic gefielen noch nach Stunden im Sattel, ohne an den Beinen einzuschneiden, viele Falten zu werfen oder schwitzig zu werden.

Gerade das Modell von X-Bionic punktete durch seine fast nahtlose Verarbeitung mit einem sehr angenehmen Tragegefühl und einer leichten Kompression. Kritik gab es hingegen an der Multi D Bibshort von POC und der Road T-Sport Passion von Kalas: Bei POC neigte das eher elastische Material nach einigen Stunden zum Faltenwurf, bei Kalas störten sich die Tester an den etwas zu unflexiblen und leicht einschneidenden Beinabschlüssen.

Bei der Polsterbewertung dasselbe Bild: Einhellig nominierten die Tester das Polster der T.equipe_S7 von Assos zum besten Pad im Testfeld. Das Polster schluckt verlässlich Vibrationen der Straße und ist dabei fast nicht zu spüren. Einige andere Modelle folgten nur knapp dahinter: die Tourmalet von Löffler, die Salopette Gregarius von Q36.5 oder die Black Label Pro von Dos Caballos etwa, ohne allerdings den Tragekomfort der Assos ganz zu erreichen.

Am hinteren Ende der Skala rangierten Castelli, Gore und Rapha. Bei Castelli befanden die Tester das Polster zwar generell für gut, vor allem für gut trainierte und etwas „abgehärtete“ Fahrer, andere würden sich ein etwas dickeres Polster mit besserer Druckverteilung wünschen. Bei der Xenon 2.0 Race von Gore registrierten die Tester nach rund 2 Stunden erste Beschwerden, nach 6 Stunden waren es spürbar mehr als bei den anderen Hosen, gleiches galt für die Brevet Bib Shorts von Rapha.

Keine Druckstellen

Ein Tipp für jede Testfahrt: Wer nach einiger Zeit beginnt, im Sattel hin- und herzurutschen, versucht damit, in der Regel unbewusst, Druckstellen durch kleine Gewichtsverlagerungen auszugleichen, um kurzfristig andere Stellen zu belasten. Wer dagegen auch nach Stunden noch ohne Positionsveränderung im Sattel sitzen kann, kommt mit der Druckverteilung gut zurecht.

Bei der Verarbeitung wurden auch nach mehreren Waschdurchgängen keine größeren Mängel festgestellt. Einzig bei der Multi D von POC lösten sich die Markenlogos auf den Beinen bereits nach der ersten Wäsche. Nach Auskunft von POC ein bekanntes Problem der 2015er-Modelle, das man in der aktuellen Serie behoben habe.

Testfazit kompakt

Beim großen RoadBIKE-Langstreckentest spielt Platzhirsch Assos seine ganze Erfahrung aus und räumt am Ende mit der T.equipe_S7 den Testsieg mit Bestnote ab. Knapp dahinter: die Twyce Bike Bib Tight von X-Bionic und die Salopette Gregarius von Q36.5. Den Tipp für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis holt sich Mavic mit der Ksyrium Elite.

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Rennrad-Hosen für die Langstrecke im Test Foto: Benjamin Hahn
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25.07.2016
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE
Ausgabe 7/2016