Regenjacken für nasse Wetterbedingungen

19 Regenjacken für Rennradfahrer im Test


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RoadBIKE Regenjacken Test Titelbild
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RoadBIKE Castelli Sotille Due Jacket
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RoadBIKE Castelli Sotille Due Jacket Praxisbewertung
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RoadBIKE Endura FS260 Pro Adrenaline
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RoadBIKE Endura FS260 Pro Adrenaline Praxisbewertung
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Für Rennradfahrer ist schlechtes Wetter keine Ausrede! Wir haben 19 Rennrad-Regenjacken getestet. Hier gibt es die Ergebnisse.
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Einmotten oder durchfahren? Keine Frage für überzeugte Rennradfahrer, denn auch wenn die Tage kurz und kühl sind: Auch Herbst und Winter sind wunderbare Jahreszeiten, und mit der richtigen Ausrüstung lässt sich das Saisonende immer weiter hinausschieben.

Eine gute Regenjacke gehört dabei auf jeden Fall ins Gepäck, selbst dunkel drohenden Regenwolken nimmt diese ein Stück weit ihren Schrecken.

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Jacken von 60 bis 380 Euro

RoadBIKE hat deshalb insgesamt 19 wasserdichte Regenjacken für Rennradfahrer zum Test bestellt. Neben einfachen, sehr leichten Regenjacken, die ab 60 Euro zu haben sind, haben sich die Tester schwerpunktmäßig etwas aufwendigere, meist mehrlagige Regenjacken in der Preisklasse bis 180 Euro angeschaut und sie mit den Top-Modellen jenseits der 200 Euro verglichen.

Wo liegen die wesentlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen (Preis-)Klassen? Sind die teuren Rennrad-Regenjacken wirklich spürbar besser? Oder kann man sich die Mehrkosten sparen und das Geld in zusätzliches Schlechtwetter-Equipment investieren? Schließlich reagieren auch Hände, Beine und Füße sowie der Kopf empfindlich auf Nässe.

RoadBIKE gibt deshalb Tipps, wie Sie ihr Regen-Outfit fürs Rennrad perfekt abrunden können.

Rennrad-Regenjacken: Der Regenschutz

Hauptaufgabe der Jacken ist es, klar, den Oberkörper auch bei starken Regengüssen trocken zu halten. Dazu sind alle Jacken mit einer wasserdichten Lage ausgestattet, zusätzlich ist die Oberfläche imprägniert: Regen perlt ab, und das Material saugt sich nicht voll. Im standardisierten Beregnungstest mussten alle Jacken – und die Tester – einem mittelstarken Guss jeweils 10 Minuten trotzen.

Dabei zeigte sich das Material selbst in nahezu allen Fällen ausreichend dicht. „Potenzielle Schwachstellen sind Kragen, unzureichend abgedichtete Reißverschlüsse oder Taschen“, sagt Bekleidungs- und Textil- Experte Frank Wacker vom RoadBIKE-Schwestermagazin outdoor.

Die legte der RoadBIKE-Test schnell offen: So zeigte sich bei der Sportful HotPack NoRain Jacket der Brustbereich nach dem Test durch am Kragen eindringendes Wasser etwas feucht. Bei der Tido von Gonso hingegen ist der Rücken zu kurz und insgesamt zu weit geschnitten, so dass dort vom Hinterrad aufgewirbeltes Wasser bis unter die Jacke spritzte. Dieser Effekt brachte auch bei der PB Rain Jacket von Craft eine unwillkommene Abkühlung, das Wasser drang hier allerdings durch die auf Schulterhöhe angebrachte Belüftungsöffnung.

Den besten Regenschutz boten die Jacken der Top-Klasse: Trotz stetig prasselnden Regens blieben die Oberkörper der Tester sowohl bei der Rain Jacket von Rapha, der Element GT AS Jacke von Gore und der Equipe Exo Shell Jacke von Endura angenehm trocken. Auf dem zur optischen Kontrolle angezogenen Baumwoll-Unterhemd waren jeweils nur minimale Feuchtigkeitsspuren zu erkennen.

Nur knapp dahinter folgten die besten Jacken der Mittelklasse: die Sprint H2O Jacket von Mavic und Pearl Izumis Pro Aero Barrier Jacket. Bei den einfachen Modellen widerstanden die FS260 Pro von Endura und die Breeze Pro Jacket von Northwave dem Regen am besten.

Prima Klima beim Rennradfahren im Regen

Doch Wasser kommt beim Rennradfahren nicht nur von oben: Eine gute Regenjacke zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie den vom Körper produzierten Schweiß vom Körper weg und nach außen leitet. Verantwortlich dafür ist eine Membran: Wasser in flüssiger Form kann nicht hindurch, Wasserdampf sehr wohl.

Allerdings stellt ein stark schwitzender Sportler selbst das beste Material vor große Herausforderungen. Deshalb verbessern Belüftungsöffnungen, wie sie beispielsweise die Jacken von Assos, Castelli, Rose und Craft aufweisen, den Klimakomfort für den Fahrer deutlich. Natürlich besteht die Gefahr, dass Wasser gerade dort eindringt, wenn die Luftschleusen nicht entsprechend abgedichtet sind. Assos und Craft arbeiten deshalb mit Überlappungen, bei Castelli und Rose sind die Öffnungen mit Reißverschlüssen ausgestattet.

In der Praxis konnte vor allem das Innenklima der Assos rS.SturmPrinz Evo überzeugen: Für das angenehm trockene Tragegefühl der SturmPrinz vergaben die Tester die Bestnote. In der Mittelklasse beeindruckte insbesondere die Sprint H2O Jacket von Mavic. Deutliche Defizite zeigten sich hingegen bei den dünnen, einlagigen Regencapes: Gerade an den Armen wird die innen entstehende Feuchtigkeit deutlich spürbar, bei der Breeze Pro Jacket von Northwave beispielsweise „klebt“ die Jacke bei zunehmender Nässe regelrecht auf der Haut.

Goldener Schnitt: Die Passform der Regenjacken

Einen weiteren Beitrag zum Wohlfühlfaktor leistet die Passform: Die Jacke sollte körpernah anliegen, ohne viele Falten zu werfen oder im Fahrtwind zu flattern. Im Test fielen vor allem die Tido von Gonso und die Element GT AS Jacke von Gore mit eher weitem Schnitt auf.

Das macht sie einerseits vielseitiger einsetzbar — etwa für Mountainbiker oder mit dem Stadtrad — hartgesottene Rennradfahrer dürften dagegen eher körpernahe Schnitte wie die von Assos oder Mavic bevorzugen.

Aus funktioneller Sicht ist zudem wichtig, dass die Jacken am Rücken lang genug geschnitten sind, wie beispielsweise die Equipe Exo Shell Jacke von Endura oder die Pro Tech Rain Jacket von Northwave. Das schützt Po und Rücken vor Feuchtigkeit und Spritzwasser.

Schwere Argumente: Regenjacken-Gewichte im Vergleich

Mussten sich die Rennrad-Regenjacken der Mittelklasse bei Wetterschutz und Innenklima hinter den Top-Modellen einreihen, trumpfen sie bei Gewicht und Packmaß auf:

Die Sportful HotPack NoRain Jacket wiegt nur 153 g und damit fast so wenig wie die ganz dünnen Regencapes, bei denen Castellis Sottile Due Jacket mit 96 g den Bestwert aufstellt. Die schwerste Jacke im Test lieferte Bontrager mit der RXL Stormshell, die 358 g auf die Waage bringt.

Während sich die Sportful HotPack No Rain Jacket oder die Craft PB Rain Jacket zudem sehr klein zusammenlegen und problemlos in der Trikottasche verstauen lassen, sieht das bei den dickeren und schwereren Jacken anders aus. Alle Testjacken ließen sich zwar irgendwie in den Trikottaschen unterbringen, doch bei Gonso Tido und der Gore Element GT AS Jacke gelang dies nur unter äußerster Ausnutzung der Dehnfähigkeit des Materials. Wer mit einer solchen Jacke auf Tour gehen möchte, sollte besser über einen kleinen Rucksack nachdenken.

Welche Jacke für wen?

Die leichten Regencapes punkteten erwartungsgemäß beim Gewicht und Packmaß. Auch halten sie alle kürzeren Regenschauern stand, Schwächen zeigten die meisten bei der Atmungsaktivität. Damit eignen sie sich am ehesten als einfacher Regenschutz bei sommerlichen Ausfahrten.

Wer aber auf längeren Touren im Herbst gut gerüstet unterwegs sein möchte, ist mit einer der mehrlagigen Jacken besser beraten: Je länger die Tour, desto stärker wirken sich deren Vorteile beim Regenschutz und in puncto Atmungsaktivität aus. Und doch müssen Sie nicht 200 Euro oder mehr investieren, um eine gute Regenjacke zu bekommen. Zwar liegen die Top-Modelle insgesamt leicht vorne, wenn es aber nicht stundenlang regnet, reichen gute Mittelklasse- Modelle locker aus.

Testfazit kompakt

Top-Regenschutz, dabei angenehm zu tragen und sehr leicht: Raphas Rain Jacket sichert sich den Testsieg in der Top-Klasse. Wer nicht ganz so viel ausgeben möchte, ist mit der Sprint H20 Jacket von Mavic sehr gut beraten. Als leichte Regenjacke für sommerliche Schauer überzeugt Enduras FS260 Pro Adrenaline.


Rennrad-Regenjacken im Test

12.01.2015
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE
Ausgabe 11/2014