Im Test: 13 Rennradschuhe für Damen und Herren

Tüchtige Treter: 13 Rennradschuhe um 100 Euro im Test


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Sie kosten nicht die Welt und erfüllen doch ihren Zweck: Das leisten Rennradschuhe der Preisklasse um 100 Euro.
Zu den getesteten Produkten

Preislich gibt es nach oben (fast) keine Grenzen, das hat der Vergleich der High-End-Schuhe in RoadBIKE 11/2015 gezeigt. 300 Euro und mehr für ein paar Rennrad-Schuhe auszugeben, ist kein Problem, Preisbewusste haben es da schwerer: Schuhe, die nur um 100 Euro kosten, haben längst nicht mehr alle Hersteller im Sortiment. Wer etwa bei Fizik, Gaerne oder Sidi sucht, wird erst ab 150 Euro fündig. Bei Damenschuhen fällt die Auswahl noch kleiner aus.

Doch muss man in den sauren Apfel beißen und mehr Geld investieren? Oder sind auch Schuhe für ca. 100 Euro eine sinnvolle Investition? RoadBIKE hat 10 Herren- und 3 Damenmodelle in der Preisklasse von 90 bis 110 Euro getestet, um das herauszufinden. Im Test dabei sind Cube, Diadora, Giro, Lake, Mavic, Rose, Scott, Shimano, Specialized und Vittoria. Northwave reagierte nicht auf die RB-Testanfrage, Bontrager wollte nicht in den Test: Das Modell Race Road, als Damen- und Herrenausführung zu haben, wird wohl in Kürze neu aufgelegt.

Egal ob teuer oder günstig: Wesentliches Kriterium für einen Rennrad-Schuh ist die Passform. Er muss auch auf längeren Touren angenehm und ohne Druckstellen am Fuß sitzen. Weder an der Ferse noch an den Zehen darf er zu weit sein, gleichzeitig soll er aber auch nicht einschnüren oder drücken. Besonders gut gefallen haben in dieser Disziplin der Road Compt von Cube, der Shimano SH-RP3 und der Specialized Sport Road. „Alle liegen sehr gut am Fuß an und verteilen den Druck schön gleichmäßig“, war das einhellige Fazit der Tester. Bei den Damen erhielt der Womens Spirita Road von Specialized die Bestnote für die Passform.

Damit Sie den Schuh finden, der potenziell am besten zu ihrer individuellen Fußform passt, hat RoadBIKE alle Modelle von Corpus.e per Laser vermessen lassen, um Länge, Breite, Spannhöhe und Sohlenkrümmung miteinander vergleichen zu können. Die Ergebnisse finden Sie in den Testbriefen.

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Eine Frage des Verschlusses

Einen wesentlichen Beitrag zum guten und druckfreien Sitz leistet der Verschluss. In der getesteten Preisklasse dominiert die Variante mit 3 Klettverschlüssen, nur Mavics Aksium Elite und der SH-RP3 von Shimano sind mit einer Ratsche und 2 Klettriegeln ausgestattet. Funktional muss das nicht zwangsläufig Vorteile bringen. Zwar lässt sich per Ratsche der Druck etwas feiner und klickweise dosieren, aber auch mit 3 durchdacht angebrachten Klettriegeln lässt sich ein Schuh gut anpassen, wie unter anderem der Road Compt von Cube und der Sport Road von Specialized beweisen. Der Verschluss des Road Comp von Scott kam bei den Testern dagegen nicht so gut an, sie kritisierten die recht spröden Klettverschlüsse, die sich nicht so feinfühlig einstellen lassen, was zudem spürbare Druckstellen auf dem Rist begünstigte.

Erfreulich waren die Eindrücke bei der Kraftübertragung: Auf der Testrunde erwiesen sich alle Sohlen sowohl im Wiegetritt wie auch bei niedrigen Trittfrequenzen und hohem Krafteinsatz als ausreichend steif. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass es für effektiven Krafteinsatz nicht nur auf die Sohle ankommt: Beim Vittoria VTR ist die Zunge relativ dick gepolstert und das Obermaterials des Schuhs recht nachgiebig, das mag sich zunächst bequem anfühlen, in Zugphasen hat der Fuß im Schuh allerdings spürbares Spiel. „Gerade im Wiegetritt hat das doch gestört“, vermerkte ein Tester. Auch beim Rose RRS 11 monierten die Testfahrer den zwar sehr bequemen, aber etwas zu nachgiebigen Oberschuh.

Erwartungsgemäß ein deutlicher– und häufiger – Schwachpunkt sind die Innensohlen, die selbst bei teuren Top-Schuhen oft enttäuschen. In einigen Fällen nicht viel mehr als eine dünne Schaumstofflage, unterstützen sie das Fußgewölbe kaum. Im Testfeld boten Giro und Shimano noch die besten Innensohlen. Tipp: Wer noch etwas Geld übrig hat, sollte dieses in spezielle Einlegesohlen investieren, wie es sie beispielsweise von Giro, SQLab, Fizik, Specialized oder Solestar gibt. Die Preise reichen dabei von erschwinglichen 25 Euro bis ca. 100 Euro. Der Tragekomfort fast jedes Schuhs lässt sich damit deutlich verbessern. Ärgerlich ist dann nur, wenn die Innensohle, wie beim Trivex II von Diadora, fest im Schuh verklebt ist.

Über den Tragekomfort entscheidet nicht zuletzt auch eine gute Belüftung des Schuhs, soll die Tour im Sommer nicht mit abgekochten Füßen enden. Viel Luft lassen die großen Mesh-Einsätze und Belüftungsöffnungen des Road Comp von Scott und des Sport Road von Specialized durch, gleiches gilt für den Womens Spirita Road bei den Damen. Beim Vittoria VTR und beim Trivex II von Diadora fallen die Öffnungen hingegen deutlich kleiner aus.

Letzterer setzt dagegen beim Gewicht den absoluten Spitzenwert im Testfeld und bringt als Paar in Größe 45 nur 530 Gramm auf die Waage – das sind nur 72 Gramm mehr als der 350 Euro teure Top-Schuh Giro Prolight SLX. Und so fährt sich der Trivex auch: spürbar leicht am Fuß. Die Bandbreite im Testfeld ist allerdings enorm: Der CX160 von Lake etwa wiegt als Paar über 200 Gramm mehr.

Testfazit kompakt

Sehr hoher Tragekomfort dank sehr guter Passform, hervorragendem Verschluss und guter Innensohle, dazu noch gut belüftet: Der SH-RP3 von Shimano sichert sich den Testsieg verdient. Und knapp vor dem günstigeren Sport Road von Specialized, der den RoadBIKE-Preis-Leistungs-Tipp abräumt. Auch bei den Damen kommt der Sieger von Shimano: Der SH-RP3 liegt knapp vor der Konkurrenz.


30.09.2016
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE