Im RoadBIKE-Test: 15 Rennradhelme bis 100 Euro

Günstige Fahrradhelme: 15 Rennrad-Helme im Test


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RoadBIKE Helmtest 2017
Foto: Björn Hänssler

 

RoadBIKE Helmtest 2017
Foto: Björn Hänssler

 

RoadBIKE Helmtest 2017
Foto: RoadBIKE

 

RoadBIKE Helmtest 2017
Foto: Björn Hänssler

 

RoadBIKE Helmtest 2017
Foto: RoadBIKE
Oben ohne? Niemals! Vor allem, weil ein guter Helm längst kein Vermögen mehr kosten muss. RoadBIKE hat 15 Modelle getestet, die für weniger als 100 Euro zu haben sind. Mit fast durchweg überzeugenden Ergebnissen.
Zu den getesteten Produkten

kurz und knapp

  • Im Test waren 15 Rennradhelme zwischen 70 und 100 Euro
  • Die günstigen Fahrradhelme können sich was Gewicht, Tragekomfort und Anpassbarkeit angeht durchaus mit den teureren Top-Modellen messen.
  • Testsieg geht an den Mavic Aksium Elite, gefolgt vom Specialized Propero 3.

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell Preis Testurteil
Alpina Cybric 89,95 Euro Gut
Bell Event 79,99 Euro Sehr gut
Bontrager Stravo Road MIPS 89,99 Euro Gut
Catlike Kompact-o 89,95 Euro Gut
Giro Savant 99,99 Euro Sehr gut
Kask Rapido 79,99 Euro Gut
Ked Paganini Race 69,95 Euro Sehr gut
Lazer Blade 94,99 Euro Sehr gut
Limar 778 Road 99,95 Euro Gut
Mavic Aksium Elite 90 Euro Sehr gut (Testsieger)
Met Strale 89,95 Euro Sehr gut
Rudy Project Rush 89,95 Euro Sehr gut
Scott Arx 89,95 Euro Sehr gut
Specialized Propero 79,90 Euro Sehr gut
Uvex Boss Race 89,95 Euro Gut

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15 Fahrradhelme für Rennradfahrer zwischen 70 und 100 Euro

Die offiziellen Zahlen sind etwas ernüchternd: Nicht einmal 20 Prozent der Radfahrer trugen nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) 2015 einen Helm. Immerhin: Die Tendenz ist leicht steigend. Deutlich erfreulicher: Nach Beobachtung der RoadBIKE-Redaktion bewegt sich die Zahl der Rennradfahrer, die noch „oben ohne“ unterwegs sind, nahezu gegen null.

Einen nicht unerheblichen Anteil daran haben die aktuellen Rennradhelme, die Helmverweigerern immer weniger Argumente liefern: Leicht, gut belüftet und angenehm zu tragen – das sind die wesentlichen Eigenschaften eines guten Rennradhelms. Und dass ein Helm bei einem Sturz vor schweren Kopfverletzungen schützen kann, wird niemand mehr ernsthaft bezweifeln.

Aber wie sieht es mit dem Preis aus? Gibt es auch schon für maximal 100 Euro empfehlenswerte Modelle? Um das herauszufinden, hat RoadBIKE insgesamt 15 für Rennradfahrer ausgewiesene Helme angefordert. Die Preisspanne reicht dabei vom knapp 70 Euro teuren Paganini Race von Ked bis zu den Modellen von Alpina, Giro und Limar, die genau an der 100-Euro-Grenze liegen.

Echte Leichtgewichte

Die erste Station im ausführlichen Road- BIKE-Testparcours ist die Waage – mit sehr erfreulichen Ergebnissen: Anders als so mancher angesagte Aero-Helm reißt keiner der getesteten Helme die 300-Gramm-Marke. Im Gegenteil: Die 208 Gramm des 778 Road von Limar (in Größe M) wären auch bei High-End-Helmen ein Spitzenwert. Der Rapido von Kask ist nur 8 Gramm schwerer.

Knapp dahinter reihen sich die anderen Modelle – im sehr guten Bereich von 220 bis 250 Gramm. Den schwersten Helm im Test stellt Bontrager mit dem 288 Gramm schweren Stravos Road. Er ist allerdings auch als einziger mit dem neuen MIPS-System ausgestattet. MIPS steht für „Multi-Directional Impact Protection System“. Die flexibel im Helm verankerte Zusatzinnenschale soll bei einem Sturz auftretende Rotationskräfte aufnehmen und so das Verletzungsrisiko weiter mindern. Ob das in der Praxis funktioniert, ist noch nicht durch unabhängige Studien belegt.

Doch ein guter Helm muss nicht nur leicht sein, er muss sich auch gut an den Kopf anpassen lassen. Dazu dienen in der Regel ein Einstellrad für den Kopfumfang am Hinterkopf (bei Lazer oben auf dem Helm angebracht), das sich zudem meist in der Höhe verstellen lässt, sowie die seitlichen Gurte, die unter den Ohren zusammenlaufen und mit Clips fixiert werden.

Die Bestnoten für leicht zu bedienende Clips und ein fein gerastertes, gut zu greifendes Einstellrädchen vergaben die Tester für den Event von Bell und den Aksium Elite von Mavic. Das oben auf dem Helm angebrachte Drehrad von Lazer bietet zwar eine gute, stufenlose Einstellung der Kopfweite, ist aber, speziell während der Fahrt, deutlich schlechter zu greifen.

Specialized verzichtet ganz auf einstellbare Gurt-Clips und stattet den Propero 3 wie die Top-Helme des Hauses mit fixierten Gurten aus. Das erhöht den Tragekomfort etwas, kann aber den Sitz verschlechtern, weil sich nicht verändern lässt, wo vorderer und hinterer Gurt zusammentreffen. Lazer und Rudy Project setzen nicht auf Clips, sondern auf Schieber, um die Gurte zu fixieren.

Ein genereller Tipp: Scheuen Sie sich nicht, bei zu langen Gurten die überstehenden Enden abzuschneiden. Das verhindert, dass diese im Wind flattern oder gar ins Gesicht schlagen. Mit einem Feuerzeug können Sie die Enden kurz abflammen, um ein Ausfransen zu verhindern. Apropos Gurte: Zusammen mit den im Helm angebrachten Pads beeinflussen sie den Tragekomfort – nächste Disziplin im Testprozedere – ganz wesentlich. Im Testfeld zeigten sich dabei deutliche Unterschiede: Während sich die Gurte der Helme von Alpina, Bell und Scott eher kräftig und weniger flexibel zeigten, verwenden beispielsweise Met, Rudy Project und Specialized angenehm dünne und weiche Gurte – sehr zur Freude der Tester. Bei den Helm-Pads verdienten sich der Stravos Road von Bontrager, der Savant von Giro, der Strale von Met und der Propero 3 von Specialized gute Noten. Bei den Modellen von Mavic und Met ist die Schnalle am Hinterkopf mit einem Pad zusätzlich abgedeckt, was den Tragekomfort erhöht.

Fummelige Gurtführung

Beim Blade von Lazer kritisierten die Tester die etwas schmalen Pads, die nicht alle harten Teile des Helms abdecken. Beim Arx von Scott laufen die dickeren Gurte im Stirnbereich über den Pads, was auf Dauer zu Druck- und Scheuerstellen führen kann. Beim Kompact-o von Catlike müssen die Gurte etwas fummlig hinter die Pads geführt werden und rutschen beim Ausziehen wieder heraus. Insgesamt überzeugten vor allem der Strale von Met und der Propero 3 von Specialized die Tester und sicherten sich so die Bestnote beim Tragekomfort. „Die allermeisten günstigen Helme stehen den Top-Helmen beim Tragekomfort in nichts nach“, lautete das einhellige Fazit der Tester. Zumal der Komfort beim Tragen zu einem Großteil davon abhängt, den richtigen Helm für den eigenen Kopf auszuwählen. Die Helmschale sollte weder zu groß noch zu klein sein, und sie muss auch von der Form zum Kopf passen.

Auch wenn die derzeit schwer angesagten Aero-Helme eine andere Sprache zu sprechen scheinen: Eine gute Belüftung zählt nach wie vor zu den wichtigsten Eigenschaften eines guten Rennradhelms – und ist ein entscheidender Wohlfühlfaktor. Wird der Kopf unterwegs zu heiß, verringert das nicht nur die Leistung, sondern kann auch zu gesundheitlichen Problemen führen. Umso erfreulicher, dass bei der Belüftung bei allen kleineren Unterschieden zwischen den Helmen im Test kein Totalausfall zu verzeichnen war. Selbst der in dezenter „Aero-Optik“ daherkommende Strale von Met bot nach Ansicht der Tester eine durchaus gute Belüftung, auch wenn er auf den Testrunden nicht mit den besten Helmen im Testfeld mithalten konnte. Die beste Note erhielt der Propero 3 von Specialized, bei dem die Luft nicht nur – wie bei den meisten anderen – vor allem im vorderen Bereich spürbar ist, sondern auch bis zum Hinterkopf geleitet wird.

Ein Tipp übrigens, den Sie beim Kauf nicht vergessen sollten: Die Anzahl der Belüftungsöffnungen im Helm lässt nicht zwingend Rückschlüsse auf die Qualität der Belüftung zu. Gleiches gilt für deren Größe. Achten Sie vielmehr bei der Helmauswahl auf die Führung der Luftkanäle in der Innenschale des Helms: Um den Kopf auch im hinteren Bereich kühlen zu können, braucht es ausreichend Raum, damit die Luft über den Kopf strömen kann. Je breiter und tiefer die Belüftungskanäle sind, desto besser funktioniert die Belüftung in der Regel. Und ein flächiger Luftstrom fühlt sich angenehmer an als eine nur punktuell wirksame Belüftung.

Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Belüftung hat das unter anderem beim Alpina Cycbric und beim 778 Road von Limar fest integrierte Insektennetz, das den Luftstrom jeweils deutlich abbremst. Pluspunkte gibt das zwar bei der Ausstattung, deutlich besser ist jedoch die Lösung, die Rudy Project anbietet: Zwei unterschiedliche Pad-Sets stehen zur Auswahl – die sich abhängig von der Jahreszeit oder persönlichen Vorlieben verwenden lassen: mit Insektennetz oder ohne.

Fazit

Sehr gut belüftet, dazu leicht und sehr angenehm zu tragen – der Aksium Elite von Mavic sichert sich den Testsieg. Hauchdünn ist sein Vorsprung auf den Propero 3 von Specialized, den sein hohes Gewicht die entscheidenden Punkte kostet.




 

RoadBIKE Helmtest 2017
Foto: Benjamin Hahn

Die Helmgröße bestimmen

Wie groß darf es denn sein? Damit ein Helm gut schützt, muss vor allem die Größe stimmen. RoadBIKE erklärt, wie Sie Ihren Kopfumfang messen und was sonst beim Kauf zu beachten ist.

Helmgrößen werden meist in Zentimetern angegeben, bspw. 54–58. Um Ihren Kopfumfang zu bestimmen, legen Sie ein Maßband – falls Sie keines zur Hand haben, eine Schnur – um Ihren Kopf, und zwar rund 0,5 bis 1 cm oberhalb der Augenbrauen und Ohren. Liegt Ihr Kopfumfang genau an einer Größengrenze, sollten Sie unbedingt beide Größen ausprobieren. Ein Tipp: Probieren Sie den Helm auch mit einer Unterziehmütze an, nur dann ist er ausreichend groß. Ist die Helmschale dagegen zu groß, sitzt der Helm nicht mehr richtig. Probieren Sie außerdem möglichst viele Helme unterschiedlicher Hersteller an: Die Helmschalenform ist nicht bei allen Anbietern gleich, obwohl sie identische Größen haben. Manche sind ovaler, manche eher rundlich, sodass nicht alle Größen gleich gut auf den jeweiligen Kopf passen müssen.

 

RoadBIKE Helmtest 2017
Foto: Björn Hänssler

Im Fall des Falles

Ein Radhelm hält nicht ewig, auch nach einem Sturz sollte er ersetzt werden. Das müssen Sie wissen:

Fahrradhelme bestehen aus dem Hartschaumstoff EPS, ein Material, das Energie aus Stößen sehr gut absorbieren kann. Aktuelle Helme, die in Deutschland vertrieben werden, müssen die europäische Norm EN1078 bestehen, erkennbar am CE-Zeichen. Die sieht unter anderem vor, dass ein Helm bei einem senkrechten Sturz aus 1,50 m Höhe mit 19,5 km/h die Beschleunigung auf weniger als 250 g (1 g =9,81 m/s2) reduzieren muss. Allerdings altert das Material mit der Zeit durch UV-Licht – und wird spröde. Dann kann es seine Funktion nicht mehr in vollem Umfang erfüllen. Spätestens alle fünf Jahre sollten Helme deshalb ersetzt werden.

Gleiches gilt nach einem Sturz: Ist der Helm bei einem Sturz mit dem Boden in Berührung gekommen, sollten Sie ihn unbedingt austauschen, auch wenn äußerlich keine Schäden zu erkennen sind. Die Schutzfunktion ist dann nicht mehr garantiert.

Einige Hersteller bieten für solche Fälle ein Crash-Replacement an (siehe Testbriefe): Bei Einsendung/ Rückgabe des Helms und Kauf eines neuen wird auf das gleiche oder ein vergleichbares Modell Nachlass gewährt. Erkundigen Sie sich beim Kauf nach den Regelungen, außerdem sollten Sie den Kaufbeleg aufbewahren!

 

RoadBIKE Helmtest 2017
Foto: Björn Hänssler

So testet RoadBIKE

Im Labor und in der Praxis hat RoadBIKE alle Helme ausführlich getestet. So setzen sich die Noten in den verschiedenen Disziplinen zusammen.

Praxistest: Um Anpassbarkeit, Tragekomfort und Belüftung zu bewerten, haben mehrere Tester alle Helme ausführlich anprobiert und Probe gefahren. Bei der Anpassbarkeit bewerteten sie, wie gut sich der Kopf per Einstellrädchen, Höhenverstellung und Gurten an den jeweiligen Kopf anpassen ließ und ob sich beispielsweise das Einstellrad auch während der Fahrt bedienen
lässt. Diese Einschätzung macht 20 % der Gesamtnote aus. Nach den Testrunden bewerteten die Tester den Tragekomfort, also wie sich die Pads anfühlen, ob es kratzige oder gar scharfkantige Stellen gibt oder sich nach einiger Zeit Druckstellen bilden – für weitere 20% der Endnote. Außerdem wurden die Einschätzungen zur Belüftung der Helme unter verschiedenen Bedingungen (Anstiege mit langsamen Geschwindigkeiten, schnelle Abfahrten) gesammelt und in eine Gesamtnote für die Belüftung überführt, die 35 % der Endnote ergibt.

Labortest: Alle Helme werden in einer einheitlichen Größe (M, 57 cm) gewogen. Die Gewichte der Helme werden in Relation gesetzt und bewertet, die Ergebnisse fließen mit 15 % in die Endnote ein. Zusatzausstattung wie Lämpchen oder Insektennetze geben weitere Punkte bei der Ausstattung, Verarbeitungsmängel werden mit Punktabzug bestraft (10 %). Aufnahmen mit einer Wärmebildkamera sollen die Qualität der Belüftung veranschaulichen. Dazu hat RB die Helme auf einen beschichteten Testkopf gesetzt und mit Heizstrahlern in einem 10-Grad-Winkel von vorne angeblasen. Nach einer standardisierten Zeit wurde der Helm abgenommen und eine Wärmebildaufnahme des Testkopfs erstellt, um zu zeigen, welche Bereiche des Kopfes vom Luftstrom erreicht werden und welche nicht. Blaue und grüne Farbtöne stehen dabei für gut belüftete Bereiche, orangefarbene und rote hingegen für schlechter belüftete Zonen.


24.05.2017
Autor: Christian Brunker
© RoadBIKE
Ausgabe 5/2017